
„Der elektrische Sportwagen ist für Alpine kein Randthema“
Herr Marzloff, Alpine ist eine legendäre Sportwagen-Marke. Als Alpine jetzt die Möglichkeit bekommen hat, im Elektro-Zeitalter ein komplett eigenständiges Modell zu entwerfen, ist es kein E-Sportwagen mit zwei Sitzen geworden, sondern ein SUV-Crossover. Warum?
Seit der Wiedergeburt von Alpine im Jahr 2017 haben wir sehr bewusst mit einem klaren, ikonischen Statement begonnen und die Marke wieder emotional aufgeladen und positioniert. Mit der A290 und nun der A390 verfolgen wir gezielt die Strategie, Alpine für neue Kundengruppen zu öffnen: performance-orientiert, designaffin, urban geprägt und häufig bereits erfahren in der Elektromobilität. Die A390 ist dabei kein Nischenprodukt für reine Enthusiasten, sondern ein bewusst zugänglicher Einstieg in die Welt von Alpine, der Alltagstauglichkeit, Komfort und sportliche Glaubwürdigkeit miteinander verbindet. Alpine stellt sich aktuell als Marke neu auf: Bis 2030 werden im Rahmen der sogenannten „Dream Garage“ sieben neue Modelle eingeführt, die unsere Performance-DNA in unterschiedliche Fahrzeugkonzepte übersetzen. Der klassische elektrische Zweisitzer ist weiterhin fest eingeplant – er kommt jedoch zum richtigen Zeitpunkt, mit der richtigen Technologie und auf einer speziell dafür entwickelten APP-Plattform.
Wie stark ist die Marke Alpine bei Autokäufern im Jahr 2026 – sagen wir außerhalb Frankreichs – verwurzelt? Die goldenen Jahre der Marke liegen lange zurück und die neue A110 ist eher nur Auto-Enthusiasten bekannt. Und jetzt kommen Sie mit einem Modell, das weit vom Markenursprung entfernt ist.
Alpine war außerhalb Frankreichs in den letzten Jahren weniger präsent, aber nie vollständig verschwunden – die Marke verfügt weiterhin über Bekanntheit und emotionale Strahlkraft, insbesondere bei performance-affinen Kundinnen und Kunden. Mit der A290 und der A390 erweitern wir die Zielgruppe deutlich und sprechen Menschen an, die ein sportliches, individuelles Fahrzeug suchen, das sich bewusst von der Masse abhebt. Die A390 ist dabei ein zentrales Element unserer Internationalisierungsstrategie, da sie Alpine erstmals in ein volumenrelevanteres Segment führt, ohne die Kernwerte der Marke zu verwässern. Alpine-Kundinnen und -Kunden erwarten Performance und Design, möchten diese aber zunehmend mit Elektromobilität, Komfort und Alltagstauglichkeit verbinden. Genau hier setzt die A390 GTS an mit einer Beschleunigung von 3,9 Sekunden von 0-100 km/h. Klassische Alpine-Tugenden wie Leichtigkeit im Fahrgefühl, intuitive Beherrschbarkeit und ein gewisser französischer Stilanspruch bleiben dabei zentral.
Dass innerhalb der Renault Group neben Renault als Volumenmarke und Dacia als Budget-Marke eine dritte Marke das Premium-Segment abdeckt, ist naheliegend. Aber wäre es da nicht fast einfacher gewesen, eine neue Marke zu etablieren als die in vielen Märkten in Vergessenheit geratene Marke Alpine wiederzubeleben?
Alpine besitzt etwas, das sich nicht künstlich erschaffen lässt: eine glaubwürdige Historie im Motorsport und eine über Jahrzehnte gewachsene, klar erkennbare DNA. Unsere Aufgabe ist es nicht, diese Geschichte zu konservieren, sondern sie in die Zukunft zu übersetzen und zeitgemäß neu zu interpretieren. Elektromobilität ist dabei kein Bruch mit der Vergangenheit, sondern ein neues Ausdrucksmittel für zentrale Alpine-Werte wie Präzision, Agilität und Fahrspaß. In Frankreich ist Alpine als Marke nie in Vergessenheit geraten und verfügt über eine starke emotionale Verankerung, die wir schrittweise auch nach Deutschland tragen. Die Geschichte von Jean Rédélé, seine Leidenschaft für Fahrten in den Alpen und der Ursprung der Marke bilden dabei den kulturellen Kern, den wir modern und international transportieren.
Wie schafft man im Marketing den Spagat zwischen etwas Neuem aufbauen und das alte Markenerbe zu integrieren? Viele der ursprünglichen Alpine-Fans haben mit der Elektromobilität wohl wenig am Hut.
Indem wir Alpine nicht nostalgisch, sondern prinzipientreu denken: Markenerbe bedeutet für uns nicht Benzin, Lautstärke oder Retro-Design, sondern Leichtigkeit, Präzision und unmittelbaren Fahrspaß. Elektromobilität steht diesen Werten nicht im Weg – im Gegenteil: Eigenschaften wie sofortige Leistungsentfaltung, niedriger Schwerpunkt und präzise Drehmomentverteilung unterstützen genau dieses Fahrerlebnis. Technologien wie Active Torque Vectoring, eine nahezu ideale Gewichtsverteilung und eine direkte Lenkung ermöglichen ein sehr agiles Fahrgefühl, selbst bei einem Fahrzeuggewicht von rund zwei Tonnen. Unser Anspruch ist es, auch mit elektrischen Fahrzeugen ein Fahrerlebnis zu schaffen, das sich intuitiv, leichtfüßig und emotional anfühlt – unabhängig vom Antrieb.
Alpine hat derzeit drei Modelle im Angebot – die A110 als Benziner, mit der A290 eine dynamische Version des elektrischen Renault 5 und eben die A390 als eigenständiges Elektromodell. Wie wird das Portfolio weiterentwickelt?
Im Rahmen der elektrischen „Dream Garage“ bauen wir unser Portfolio bis 2030 auf sieben Modellreihen aus. Die A290 steht für urbane, emotionale Performance, die A390 für den sportlichen Allrounder, der Alltag und Dynamik verbindet. Das emotionale Herz der Marke wird eine vollelektrische Nachfolgegeneration der A110, die auf der eigens entwickelten Alpine Performance Platform (APP) basiert. Ergänzt wird das Portfolio künftig durch weitere Modelle wie ein elegantes, viersitziges Coupé (A310), das unsere sportliche DNA in ein neues Segment trägt und die Attraktivität der Marke weiter steigert.
Welche Rolle spielt ein elektrischer Sportwagen für Alpine? Porsche tut sich mit dem elektrischen Boxster schwer, da könnte Alpine punkten.
Der elektrische Sportwagen ist für Alpine kein Randthema, sondern eines der zentralen Zukunftsprojekte der Marke. Unsere Definition von Sportlichkeit basiert nicht auf Höchstgeschwindigkeit oder reinen Leistungswerten, sondern auf Agilität, Präzision, direktem Ansprechen und emotionaler Kontrolle. Mit der Alpine Performance Platform entwickeln wir gezielt vollelektrische Sportwagen, die genau diese Eigenschaften in den Vordergrund stellen. Der elektrische Nachfolger der A110 kommt dann auf den Markt, wenn Technologie, Batteriedichte, Gewicht und Kosten in einem überzeugenden Gesamtpaket zusammenfinden. Unser Ziel ist es nicht, der Erste zu sein, sondern derjenige, der es konsequent im Sinne der Marke richtig macht.
Ist die Technologie schon so weit, um einen attraktiven Elektro-Sportwagen zu bauen, der nicht Unsummen kostet?
Die technologische Entwicklung im Bereich Elektromobilität schreitet sehr schnell voran, und elektrische Sportwagen sind heute grundsätzlich realisierbar. Für Alpine ist jedoch entscheidend, dass Leistung, Reichweite, Gewicht und Fahrgefühl in einem ausgewogenen Verhältnis stehen. Dank der Skaleneffekte der Renault Group und unserer eigenen Plattformstrategie können wir Hochleistungstechnologie einsetzen, ohne Preisstrukturen völlig vom Markt zu entkoppeln. Ein elektrischer Alpine muss sich leicht anfühlen, emotional begeistern und gleichzeitig alltagstauglich sein – erst dann ist er sowohl technisch als auch wirtschaftlich sinnvoll.
Herr Marzloff, wir danken für das Gespräch!





0 Kommentare