Vier Jahre Elektro-Lkw: Wie Buhck die TCO seiner E-Flotte einschätzt

Der Hamburger Umweltdienstleister Buhck zieht Zwischenbilanz und rechnet vor, dass ihn ein Elektro-Lkw im Betrieb gegenüber einem Diesel rund 125 Euro pro Tag einspart. Die Anfangs-Investitionen bleiben aber immens. Mit Geschäftsführer Markus Horstkötter haben wir über die Schlüssel zum wirtschaftlichen Betrieb einer E-Lkw-Flotte gesprochen.

Buhck e lkw hamburg
Bild: ND/Buhck Gruppe

Für Buhck steht nach vier Jahren fest, dass sich der Einsatz von E-Lkw im eigenen Betrieb wirtschaftlich lohnt. Das war vor knapp zwei Jahren, als wir Buhck und seine E-Lkw-Ambitionen das erste Mal porträtiert haben, noch nicht so klar. Doch nun lässt uns der Hamburger Umweltdienstleister in seine Firmen-Analysen schauen – und betont: Nach allen Kosten inklusive der bei E-Lkw erhöhten Abschreibung wiesen die E-Lkw bei Buhck im Jahr 2025 im Schnitt etwa 15 Prozent geringere Kosten auf als vergleichbare Diesel-Lkw. Hinzukommt, dass die strombetriebenen Firmen-Lkw allein im vergangenen Jahr mehr als 500.000 Kilometer zurückgelegt haben und dadurch rund 550 Tonnen CO₂e eingespart haben.

Doch der Reihe nach: Von insgesamt 53 Fahrzeugen am Buhck-Betriebshof am Standort in Billbrookam fahren inzwischen 14 vollelektrisch, vom Absetzer über Abrollcontainer und Kastenwagen bis hin zum Greifer. Bei den Fahrzeugen handelt es sich um Lkw des Typs Volvo FH Electric und Volvo FM Electric mit jeweils bis zu 540 Kilowatt Leistung. Bis spätestens 2032 soll die gesamte Flotte elektrifiziert sein.

Was vor wenigen Jahren noch als Pilotprojekt begann, gehört inzwischen zum Alltag auf dem Betriebshof. Noch in diesem Jahr will das Unternehmen sieben weitere E-Lkw anschaffen. Die Gründe für den schnellen Ausbau der Elektro-Flotte sind nicht allein ökologischer Natur. Zwar spielt die Klimabilanz bei Buhck eine wichtige Rolle, doch ausschlaggebend ist die Wirtschaftlichkeit. Denn trotz höherer Anschaffungskosten beginnen sich die Fahrzeuge im täglichen Betrieb auszuzahlen.

Kostete ein elektrisches Lkw-Chassis mit Aufbau und technischer Anpassung vor Kurzem noch rund 370.000 Euro, sinken die Preise mittlerweile deutlich: „Der Grund liegt auch im wachsenden Druck auf die Hersteller“, erläutert Markus Horstkötter, Geschäftsführer der Buhck Abfallverwertung und Recycling. Denn die EU verpflichtet die Branche inzwischen zu strengeren CO₂-Vorgaben. Hersteller, die zu wenige emissionsfreie Fahrzeuge verkaufen, müssen Strafzahlungen fürchten. „Dadurch verändern sich die Machtverhältnisse“, erklärt er. „Es ist eher ein Käufermarkt geworden.“

Neue Marktbedingungen und sinkende Fahrzeugpreise

Diese Entwicklung verschafft Unternehmen größere Spielräume bei Preisverhandlungen und Ausstattung. „Unsere Zielmarke für die diesjährige Investition liegt bei 250.000 Euro pro Fahrzeug“, sagt Horstkötter. Und statt die Lkw aus Komponenten von Fahrzeug-, Teile- und Aufbauherstellern zusammenzustellen, setzt Buhck inzwischen auf schlüsselfertige
Lösungen aus einer Hand. „Wir wollen einen Ansprechpartner – One Face to the Customer“, betont er. Das reduziere Ausfall- oder Standzeiten und vermeide die oft mühsame Suche nach Verantwortlichkeiten bei technischen Problemen.

Denn gerade bei neu aufzubauenden E-Lkw sei die Abstimmung zwischen Fahrgestell, Aufbau und elektronischen Steuerungen komplex. „Da muss nur eine Lötstelle falsch gesetzt sein, und dann funktioniert das ganze Fahrzeug nicht“, beschreibt der Geschäftsführer die Herausforderungen. Künftig soll deshalb der Hersteller für alles verantwortlich sein – vom Chassis bis zur fertigen Fahrzeugausstattung.

Die bisherige Erfahrungen sind unterdessen positiv: „Einmal in Betrieb genommen, laufen die Fahrzeuge“, lobt der Geschäftsführer. Die Investition bleibt jedoch erheblich. Ein vergleichbarer Diesel-Lkw kostet weiterhin rund 100.000 Euro weniger. Dafür sprechen die laufenden Kosten zunehmend für den Elektroantrieb: Während ein Diesel-Lkw nach Angaben von Buhck zwischen 1,70 und 1,75 Euro pro Kilometer – auf der Grundlage der zuletzt hohen Dieselpreise – kostet, liegen die Betriebskosten eines E-Lkw bei lediglich 1,17 bis 1,20 Euro. Vor allem bei Energie- und Wartungskosten zeigen sich die Unterschiede deutlich. Ölwechsel, Katalysatoren oder komplexe Motorentechnik entfallen vollständig. Zwar sei der Reifen- und Bremsverschleiß bei E-Fahrzeugen etwas höher, insgesamt reduzierten sich Werkstattaufenthalte jedoch spürbar.

Und die Einsparungen summieren sich: Bei durchschnittlich 250 Kilometer täglicher Fahrleistung spart ein elektrischer Lkw laut Unternehmensrechnung rund 125 Euro pro Tag ein. Hochgerechnet auf ein Betriebsjahr ergeben sich Einsparungen von rund 30.000 Euro je Fahrzeug. „Bei der Laufleistung von neun Jahren rechnet sich der höhere Kaufpreis allemal“, sagt Horstkötter.

Eigene Ladeinfrastruktur als Schlüssel

Voraussetzung dafür ist allerdings eine eigene Ladeinfrastruktur. Öffentliche Schnelllader würden die Betriebskosten deutlich erhöhen. Das Unternehmen setzt daher aufs Depotladen — das nächtliche Laden auf dem eigenen Betriebshof. 16 eigene HPC-Ladesäulen des finnischen Herstellers Kempower stehen auf dem Gelände zur Verfügung. Sie ermöglichen eine dynamische Leistungsverteilung und eine hohe Ladeleistung von bis zu 280 kW pro Ladepunkt.

Doch die Sorge um die langfristige Energieversorgung wächst. „Denn mit jedem zusätzlichen E-Lkw steigt auch der Strombedarf“, vergegenwärtigt Horstkötter. Allein für die künftig vollständig elektrifizierte Flotte kalkuliert das Unternehmen mit rund 3,5 Millionen Kilowattstunden pro Jahr. Die eigene Photovoltaikanlage reicht dafür bei Weitem nicht aus. Deshalb beschäftigt sich Buhck inzwischen intensiv mit Speicherlösungen und alternativen Energiequellen. Besonders interessant erscheinen dem Unternehmen moderne vertikale Windkraftanlagen, die weniger Lärm verursachen und den sogenannten Schlagschatten reduzieren. „Wir wollen saubere Energie haben“, betont der Geschäftsführer. Gleichzeitig könnten eigene Energiequellen langfristig wirtschaftliche Vorteile schaffen, da Netzentgelte und Durchleitungskosten entfallen würden.

Im Betriebsalltag sind die E-Lkw längst zur Normalität geworden. Anfangs waren die Fahrzeuge noch ein besonderer Blickfang. Heute sind sie beim Unternehmen vollständig in den Arbeitsalltag integriert. „Sie sind Teil eines ganz normalen Transportprozesses“, sagt Horstkötter. Die nächsten Schritte sind bereits geplant: Jedes Jahr sollen sieben bis acht weitere Fahrzeuge ersetzt werden — bis die gesamte Flotte elektrisch fährt.

Alltagstauglichkeit und Akzeptanz gestiegen

Auch das Fahren eines Elektro-Lkw ist dem Buhck-Manager zufolge deutlich komfortabler als früher. Die Fahrzeuge seien vibrationsärmer, leiser und einfacher zu bedienen. „Unsere Fahrer müssen nur noch Gas geben und Bremsen und hören nur noch die Abrollgeräusche der Räder. Mehr nicht“, beschreibt Horstkötter das Fahrerlebnis. Gerade im dichten Hamburger Stadtverkehr seien dies spürbare Vorteile.

Und auch Kunden reagieren zunehmend positiv auf die neuen Fahrzeuge. Vor allem Unternehmen mit Nachhaltigkeitszielen fragen gezielt klimaneutrale Transporte nach. In Wohngebieten wiederum zählt vor allem die geringe Geräuschentwicklung. „Wenn jemand am Samstag einen Container getauscht haben möchte, sollen die Anwohner vor Lärm geschützt werden“, erklärt der Geschäftsführer. Für ihn steht deshalb fest, dass Elektromobilität im Transportgewerbe kein kurzfristiger Trend mehr ist. Die Fahrzeuge sind in den Augen des Manager wirtschaftlich konkurrenzfähig geworden und haben ihre Alltagstauglichkeit bewiesen.

.

1 Kommentar

zu „Vier Jahre Elektro-Lkw: Wie Buhck die TCO seiner E-Flotte einschätzt“
HAF
18.06.2026 um 12:18
"Zwar sei der Reifen- und Bremsverschleiß bei E-Fahrzeugen etwas höher..." - vielleicht kann eine Schulung der Nutzer*innen dafür sorgen, dass zukünftig mehr rekuperiert als gebremst wird - hoher Bremsverschleiß bei BEV, eine Mär der 2010er Jahre.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert