21.03.2017 - 17:45

BMW bläst „zur zweiten Welle der Elektrifizierung“

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BMW-Chef Harald Krüger hat heute auf der Bilanzpressekonferenz in München nicht nur „die größte Modelloffensive der Geschichte“ verkündet – sondern sich auch klar zur Elektromobilität bekannt. „Ein Zurück gibt es nicht“, sagte er. Darum werden jetzt alle Marken und Baureihen elektrifiziert.

Das BMW-Management hat dieser Tage eigentlich allen Grund zur Freude. In München konnte man heute den siebten Umsatz- und Gewinnanstieg in Folge verkünden. Und dennoch bleibt dieser eine Satz von BMW-Vorstandschef Harald Krüger hängen: „Wir schalten jetzt auf Angriff.“ Denn da ist dieser kleine Kratzer im Lack, schließlich hat Mercedes die erfolgsverwöhnten Bayern vom Thron des weltgrößten Premium-Herstellers gestoßen. Das will man in München nicht auf sich sitzen lassen – und nun mit besagter Modelloffensive zurückschlagen.

Elektro-Versionen aller Kernmodelle

Anders als Daimler bei seiner Aufholjagd in der Vergangenheit will BMW dabei konsequent auf Elektromobilität setzen. Und was dort heute in München zu hören war, dürfte jedem Freund und Verfechter der Elektromobilität noch ein paar Tage in den Ohren klingeln. Da ist zunächst das Nahziel: Die BMW Group will im laufenden Jahr erstmals 100.000 E-Fahrzeuge verkaufen, was etwa fünf Prozent des Absatzes entspricht. Doch dabei bleibt es nicht: 2019 kommen der erste reine Elektro-Mini und der elektrische BMW X3 auf den Markt, was Krüger als „Startschuss für unsere zweite Welle der Elektrifizierung“ umschreibt. Diese mündet in das mittelfristige Ziel, alle Kernmodelle in einigen Jahren durchweg auch rein elektrisch anbieten zu können. Grundlage dafür soll die bereits für die Plug-in-Modelle verwendete Produktionsbasis sein. Bis 2025 soll der Elektro-Anteil beim Absatz dann „auf mindestens 15 Prozent“ geklettert sein.

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Hohe Eigenleistung bei E-Komponenten

Was nun klingt wie ein Ankündigungsfeuerwerk, dem man vorsichtshalber mit Skepsis begegnen möchte, wird bei BMW mit Know-how untersetzt. Kein deutscher Hersteller ist das Thema in der Vergangenheit so konsequent angegangen wie die Bayern. Mit dem i3 und dem i8 sind Elektro-Modelle schon vor Jahren von Grund auf neu entwickelt worden. In Leipzig wurde gar ein eigenes Werk für die Stromer gebaut. Zudem kann man auf eine außergewöhnlich hohe Fertigungstiefe bei Komponenten stolz sein. E-Maschinen, Umrichter und andere Teile, die der elektrische Antrieb erfordert, bestellt die Konkurrenz bei Zulieferern. BMW produziert sie selbst und hat hier einen Erfahrungsschatz angesammelt, der bei der schnellen Elektrifizierung der Kernbaureihen nun gewiss eine große Hilfe sein wird.

Vertrieb auf Elektromobilität eingenordet

Ein weithin unterschätzter Punkt kann sich im Elektro-Zeitalter ebenfalls noch als Turbo für BMW erweisen: Im Gegensatz zur Konkurrenz aus Stuttgart und Ingolstadt hat BMW frühzeitig sein Vertriebsnetz auf die Elektromobilität eingeschworen. Auch wenn die Bezeichnung des i-Agenten mitunter etwas aufgesetzt anmutet, so hat BMW hier ein Ass im Ärmel. Wo sich in anderen Autohäusern oft kein Berater findet, der Ladekonzepte oder Batterie-Details auch nur ansatzweise erklären kann, weiß der Exklusiv-Verkäufer von BMW weiter. Dem Autor sind schon viele Geschichten zu Ohren gekommen von Kunden, die bei anderen deutschen Marken an dem Versuch, ein E-Fahrzeug zu kaufen, gescheitert sind. Bei BMW dagegen stimmt das Setting: In Berlin etwa kann mittlerweile jede der drei Niederlassungen einen DC-Schnelllader vorweisen. Oft gibt es reihenweise weitere AC-Ladepunkte. Dieses Ökosystem für den Elektro-Käufer von morgen muss die Konkurrenz erst noch schaffen.

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Auf dynamische Entwicklung einstellen

Natürlich hat man auch im BMW-Vorstand trotzdem noch keine Glaskugel in der Tasche, von der sich der Antriebsmix der nächsten Dekade 1:1 ablesen lässt. „Eine erfolgreiche Strategie für die Elektrifizierung muss beides abdecken können: optimistische wie auch zurückhaltende Szenarien“, formuliert Finanzvorstand Nicolas Peter deshalb auch vorsichtig. Dennoch will sich der bayerische Konzern auf eine dynamische Entwicklung der Elektromobilität einstellen.

Und wenn man der Debatte um die Zukunft des Diesels, Feinstaub-Problemen jetzt auch bei Benzinern und daraus resultierenden Fahrverboten in deutschen Innenstädten folgt, ist das gewiss keine schlechte Idee. Zumal BMW heute schon weiß, was der Kunde morgen von einem Elektroauto erwartet. Es sind wie so oft die kleinen Dinge: Als einziger deutscher Autokonzern bietet BMW bei seinem i3 mit größerer Batterie schon einen 11-kW-AC-Lader an, der an der bestehenden Ladeinfrastruktur eine hohe Alltagstauglichkeit bei vertretbaren Kosten ermöglicht. In der Kombination mit schnellem DC-Laden per CCS ein Alleinstellungsmerkmal, das der Kunde (und der Autor aus eigener Erfahrung) zu schätzen weiß.

Das schreiben die Anderen:

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2 Kommentare zu “BMW bläst „zur zweiten Welle der Elektrifizierung“

  1. Dreistein

    Man stelle sich nur vor wie erfolgreich BMW heute bereits im e-Autosegment wäre, hätte man dort ein dem Renault Modell ZOE vergleichbares Auto im Angebot. Nämlich ein rundherum praktisches, alltagtaugliches, tatsächlich 4-sitziges Auto und mit vernünftigem Kofferraum und technischer Topausstattung.
    Käme dazu noch die Innenausstattung in BMW-Qualität und die MarketingPower von BMW wäre die unangefochtene Leadership von BMW im e-Mobilitysegment gesichert.

  2. Dreistein

    Das strategische Wachstum von BMW erfordert zwingend den Einstieg in den Massenmarkt.
    Mit dem Technologiewechsel vom Verbrenner zum e-Auto ist dafür der einmalige Zeitpunkt gegeben.
    In Ergänzung des Premiumsegmentes könnte BMW dann auch im Kleinwagen-Segment jenseits beschränkter Stückzahlen von Liebhaberautos(MINI) zu wachsen.

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21.03.2017 17:45