16.03.2019 - 14:38

Volkswagen erwägt offenbar Austritt aus dem VDA

volkswagen-wolfsburg-symbolbild

Volkswagen denkt wohl darüber nach, aus dem Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) auszutreten. Einer der Hauptgründe, warum sich VW vom VDA nicht mehr richtig vertreten fühle, sei die Strategie der „Technologieoffenheit“, die vom Verband bis heute propagiert wird.

Das geht aus einem Bericht der „Welt am Sonntag“ hervor, der sich auf „Unternehmenskreise“ bezieht. Demnach heißt es bei VW, dass gegen das Auto in Deutschland ein „Kulturkampf“ geführt werde, dem der Bundesverband „entschlossener entgegentreten und demgegenüber er sich klarer positionieren“ müsse. Den namentlich nicht genannten Quellen zufolge gibt es aus Wolfsburg klare Erwartungen an den Lobbyverband. Die Sprache ist u.a. von einem benötigten „Masterplan Elektromobilität“ und einem Strukturfonds.

Der VDA äußerte auf Nachfrage der „Welt am Sonntag“ lediglich, dass es in einem so großen Verband nicht immer ohne Reibung geht: „Das war in der Vergangenheit so und wird auch in Zukunft sicherlich immer wieder so sein.“ In den kommenden Tagen soll es zwischen Vertretern von Volkswagen und VDA zu klärenden Gesprächen kommen. Sichtbar wurden die Spannungen bereits am Donnerstag auf dem Technischen Kongress des VDA in Berlin. Dort bemühte sich der frühere Ford-Europa-Chef und neue Verbandspräsident Bernhard Mattes in einer wenig leidenschaftlichen Rede, die Brennstoffzellen-Technologie und synthetische Kraftstoffe im Rennen zu halten. Kurz darauf sang Thomas Ulbrich, Vorstand für Elektromobilität bei VW, ein Loblied auf das Batterie-elektrische Fahren und forderte die Branche zu einem geschlossen Gang in diese Richtung auf. Deutlicher konnten die unterschiedlichen Positionen im Verband kaum werden.

Anders als bei anderen etablierten Autobauern lässt Volkswagen in puncto Antriebstechnologie der Zukunft keine Zweifel aufkommen: Wie VW-Chef Herbert Diess kurz vor dem Technischen Kongress sehr deutlich machte, gibt es für die Wolfsburger „in der nächsten Dekade keine Alternative zur E-Mobilität“. Und Diess ging sogar noch weiter: „Technologieoffenheit ist jetzt die falsche Parole und führt nur dazu, den Systemwandel weiter in die Zukunft zu verlegen.“ Vor allem den letzten Satz adressierte der VW-Chef wohl speziell an den VDA, der sich wie eingangs erwähnt immer wieder für eben jene „Technologieoffenheit“ stark gemacht hat. Letztlich geht es in diesem offen zur Schau getragenen Konflikt auch um Einfluss. Dass sich Volkswagen tatsächlich aus dem VDA verabschiedet, ist wenig realistisch. Viel eher geht es den Wolfsburgern darum, Druck auf die Konkurrenten in Stuttgart und München auszuüben, die den Verbrennungsmotor möglichst lange am Leben erhalten wollen und langfristig auf die Brennstoffzelle setzen. Man darf gespannt sein, wie sich die Debatte in der Autoindustrie bis zur IAA im September entwickelt. Dann nämlich wird Volkswagen in Frankfurt endgültig sein Elektro-Feuerwerk zünden.
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19 Kommentare zu “Volkswagen erwägt offenbar Austritt aus dem VDA

  1. Frank Jäger

    Ohne „Technologieoffenheit“ geht’s gar nicht. Eine Konzentration ausschliesslich auf den Elektroantrieb führt in eine Sackgasse. Versuchen Sie mal in der Tiefgarage einer Wohnungseigentümergemeinschaft eine Ladestation zu bauen. Das ist eine bauliche Veränderung und braucht die Zustimmung von 100% der Wohnungseigentümer. Selbst wenn Sie diese Hürde schaffen, scheitern Sie spätestens an den Stadtwerken, die eine zusätzliche Einspeisung mit X kW gar nicht realisieren können, weil die Netze das nicht hergeben. Wollen Sie ein Elektroauto kaufen, wenn sie es auf ihrem Stellplatz gar nicht laden können?

    • Roger Bühler

      das alles war bei mir kein Problem. die Anschlussleistung musste auch nicht erhöht werden, da ich in der Nacht lade.

    • Steff

      Ich kann kein technologisches Problem beim installieren von „Ladestationen“ erkennen. Auch ein Lastmanagement ist technisch schon lange gelöst. Bei 12tkm pro Jahr, ergeben sich rund 6kWh pro Tag also 1kW während 6h. Wie solche marginalen Leistungen die Stadtwerke vor Probleme stellen sollte? Dann dürfte ja keiner mehr einen Föhn oder Staubsauger betreiben.

    • Jakob

      Das hat der Gesetzgeber bereits entgegen gewirkt und dafür gesorgt, dass die Zustimmung der restlichen Mitbewohner nicht erforderlich ist.

      • @Jakob. Wäre schön wenn es so weit wäre. Leider ist dieser „Entwurf“ noch immer nicht fertig und eben noch nicht, seit über zweieinhalb Jahren, im Bundesrat eingebracht. Mann spricht hier in Berlin von „nach der Sommerpause“ evtl.

    • Mark

      Wenn es jetzt 100% Zustimmung braucht, dann müssen die Gesetze geändert werden! Jede darf eine Ladestation haben, genau so wie Glasfaseranschluss, etc. So einfach ist das. Die ganze Welt bewegt sich, nur Deitschland nicht. So ein schwachsinn.

  2. bruford

    Ein nettes Zeitdokumet zum VDA (damals geleitet von M. Wissmann) gibt es im ZDF bei Frontal21. Es ist von 07/2011. So ab ca. 40:40 reicht erst einmal.
    Da erfährt man gemeinsam vom VDA und der Politik: Im nächsten Jahr geht es los… Und was ist daraus geworden?

    Auch insgesamt ist diese Doku aber ebenfalls „erhellend“.
    https://www.youtube.com/watch?v=fWE9xcsnCSQ

  3. Sebastian

    „Technologieoffenheit“ war doch immer nur eine Sch…hausparole, bei der es sich eigentlich um Technologieverschlossenheit handelte, da es das Alte erhalten sollte. Reine Verunsicherungstaktik. „Vergesst bitte nicht den Verbrennungsmotor! Der hat erhebliches Potential, das sicherlich im Promillebereich liegt!“

  4. Manfred Stummer

    Ich denke Herr Diess hat als einer der wenigen deutschen Autobauer den richtigen Weg eingeschlagen um sich und VW vom „Winterkorn-Syndrom“ zu erholen.

    Bei Wasserstofftechnologien werde ich den Eindruck nicht los, dass die seit Jahrzehnten eingesetzten großzügigen öffentlichen Fördergelder gerne angenommen werden.
    Vielleicht bleibt da so mancher Euro übrig….

  5. Man könnte so fragen: „“The next big thing” -Welche Strategie verfolgt Volkswagen? Oder die Frage auch stellen, ob es einen methodischen Strategieansatz gibt, der hinreichend erklärt, warum Volkswagen das macht, was es zur Zeit kommuniziert. Gegen „Technologieoffenheit“, strikt fokussiert auf Elektromobilität. Absage Brennstoffzellen-Fahrzeuge u.a. alternative Antriebe – wenigstens für die nächsten zehn Jahre.

    Meine These:
    Entscheidung Volkswagens zugunsten Elektromobilität fußt auf einer strategischen Kehrtwendung nach sorgfältiger Beobachtung, weltweit, der Entwicklung der Elektromobilität, deren Akzeptanz, dem Markterfolg von Wettbewerbern wie Nissan-Renault Group und Tesla Motors, und den aktuellen Geschehnissen in China, dem grössten Einzelmarkt für (Elektro-) Fahrzeuge weltweit – auch für Volkswagen.

  6. Strauss

    Wolf von ZF hat schon richtig erkannt, dass je nach Fahrprofil nicht sofort alle einen reinen EV brauchen können. Nur mech. 8gang Ganggetriebe braucht es auch in einem PHEV nicht. Dies wird im E Motor durch Frequenzsteuerung über den Potentiometer besser gemacht. Besser einfache erprobte Lösungen verwenden. Generator am Verbrenner anflanschen der den E Motor antreibt und auch die Batterie aufladen kann. Die muss aber künftig 30 KWh haben , damit rein elektrisch 150 Km Reichweite resultieren.

  7. Alan Mask

    Der Ruf nach synthetischen Kraftstoffen um den Verbrenner zu retten klingt im Jahr 2019 etwas aus der Welt. Als 2014 E10 eingeführt wurde gab es große Kampagnen dagegen, weil es „zu synthetisch“ war und E5 „viel besser für den Motor“. Jetzt, wo die Weichen in den Leitmärkten und von den Leitanbietern (Tesla, Chinesen) auf Elektromobilität gesetzt sind sollte man sich darauf klar fokussieren. Wo bleiben den die vielen Wasserstoffmobile aus deutscher Produktion um die Technologie zum Leben zu bringen? Bisher nur Testserien. Die Wasserstoffmobile, die Angeboten werden finden kaum Absatz. Offensichtlich sind diese nicht markttauglich.

  8. Strauss

    Heute ein bezahlbares Volksauto zu bauen ist wesentlich anders als vor über 60 Jahren. Fiat 500,der Käfer und später der Golf machten eindeutig das Rennen.Damals gab es nur den Benzinmotor als Antrieb. Auch keine Umweltziele mussten eingehalten werden. Heute kann man sich von mind. 4 verschiedenen Antriebssystemen nicht eindeutig auf eines entscheiden. Dann kämpfen mind. 10 verschiedene Firmen um Marktanteile. Einverstanden der Markt ist auch viel grösser. Damit die jetzt geplanten neuen Montagewerke für E Autos wirklich voll produzieren können, ist ein totales Umdenken der Kundschaft erforderlich. Wir leben heute nicht mehr in einer freien Welt. Die Umweltbelastung wird uns zwingen anders zu leben. Womöglich mit weiteren Verboten allenthalben. Eine Produktion von schädlichen Gütern wird man politisch gegen hohe Bussen verbieten müssen.

    • Helmut

      Distruptive Innovationen kommen fast über Nacht. Spätestens wenn 2024 E-Autos nicht mehr kosten werden als die Verbrenner, dann kaufen wir alle plötzlich nur noch die leisen Flitzer:
      https://www.cta.tech/News/i3/Articles/2019/January-February/Electric-Cars-A-Disruptive-Model.aspx

      Das ist kein Umdenken, sondern erstmal ein neues Auto das leiser, flotter und billiger ist.

      Die Nachhaltigkeit der gesamten Produktions und Entsorgungsprozesse, muss und wird von ebenso coolen Ingenieuren und Wissenschaftlern immer besser gelöst werden. Das Potential hat die Batterie definitiv und der E-Motor sowieso. Einzig die pure wachsende Masse von Autos im allgemeinen, weltweit, auch der E-Autos, ist als Ganzes noch recht schwer mit dem Nachhaltigkeitsgedanken vereinbar. Aber wer weiß, die Vorboten des Autonomen und Fahrerlosen Fahrens lassen durchaus hoffen.

      Ich glaube Diess hat verstanden. Und wenn wir Glück haben, beschert er uns auch mal wieder ein richtig einfaches günstigen Golf 1 oder Käfer. spartanisch aber ausreichend ausgestattet und günstig.

      Die Digitalisierung, KI und Autonom fahren und die Energiewende, könnten sich auch anders manifestieren und für ein unvorhergesehenes Massenphänomen sorgen. Das wir aktuell noch nicht erkennen können, aber den Individualverkehr komplett umkrempelt.

      Ich finde die Entwicklung die Sonne und den Wind effektiv zu nutzen positiv spannend, weil endlich etwas passiert was uns voran bringt und nicht zwangsweise an den atomaren und fossilen Abgrund führt.

  9. Helmut

    Leute, es wird nie einen Wasserstoffkreislauf geben!

    Das wissen auch die Leute bei MB und BMW etc..
    Der Verbrenner ist tot, die Brennstoffzelle mit ihren noch größeren, noch viel älteren (Rohstoff-) Problemen scheitert schon am Start, der vor 40 Jahren eine Totgeburt war. Nische gut, mehr nicht.

    Wasserstoff oder SynFuel sind zu ineffizient, um verbrannt zu werden, und die Effizienz der Rohstoffkette fällt unter das Niveau des Diesel.

    https://www.heise.de/autos/artikel/Effizienzvergleich-von-Antrieben-3904877.html

    Last uns endlich auf die Nachhaltige Gestaltung des Batterie-elektrischen Antriebes und auf ganz neue Verkehrskonzepte konzentrieren.

    Ich werde gerade ein Fan von VW und Diess! Endlich besteht die Chance! Ich muss nicht mehr verstohlen auf Tesla und Elon Musk schielen.

    • Ampera

      Prima! ALLES genau richtig erkannt!

  10. Sommer Markus

    Vom Saulus zum Paulus

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Gefunden bei electrive.net
https://www.electrive.net/2019/03/16/volkswagen-erwaegt-offenbar-austritt-aus-dem-vda/
16.03.2019 14:38