08.08.2019 - 12:52

Innogy darf Berliner Ladesäulen weiter betreiben

Das Tauziehen um die Ladestationen von Innogy in Berlin hat ein Ende: Das Unternehmen aus NRW hat sich in einem Vergleich mit dem Berliner Senat geeinigt und kann alle Ladesäulenstandorte erhalten. Die Stationen werden derzeit auf das Berliner Modell hin umgerüstet – und machen dieses smart.

Wir erinnern uns: Mit dem Schaufenster für Elektromobilität sollte ab Mitte 2012 eine „berlinweit einheitliche Ladeinfrastruktur“ entstehen. 400 neue AC-Ladepunkte und 20 DC-Schnelllader sollten her – und zwar schnell. Doch in dem Vorhaben namens „be emobil“ war – wie bei Berliner Großprojekten üblich – von Anfang an der Wurm drin. Nach einem aufwändigen Ausschreibungsverfahren wurde erst im April 2015 die erste Allego-Ladesäule nach dem landesspezifischen Modell in Betrieb genommen.

Mit dem Start standen jedoch die von RWE aus Mitteln des Konjunkturpakets nach der Finanzkrise aufgebauten Ladesäulen vor dem Aus. Ladestationen, welche die neuen Vorgaben (optisch wie technisch) nicht erfüllten, sollten abgebaut werden. Entsprechende Sondernutzungsgenehmigungen der Bezirke wurden nicht verlängert, die Beschilderung der Anlagen in einigen Stadtgebieten sogar abgebaut. Dagegen zog der Rechtsnachfolger Innogy vor das Verwaltungsgericht. Wie electrive.net aus gut unterrichteten Kreisen erfahren hat, kam es bereits im Frühjahr 2019 zu einer außergerichtlichen Einigung mit dem Berliner Senat.

Jetzt auch mit RFID-Leser: Neue Ladesäule von innogy an altem Standort in Berlin-Mitte.

Auf Anfrage teilte Innogy nun mit, dass künftig „unsere Infrastruktur auch im Rahmen des Berliner Modells nutzbar sein“ wird. Alle 89 Standorte bleiben erhalten und sind für mehrere Jahre gesichert. „Wir haben nun begonnen, die Ladetechnik inklusive RFID-Reader zu aktualisieren.“ Damit wird die zentrale Forderung des Senats für einen einheitlichen Zugang per RFID seitens Innogy erfüllt. Behalten kann Innogy dagegen sein schlankes Säulendesign, wobei die Außenfarbe auf das geforderte Verkehrsgrau angepasst wird. Die Umrüstung läuft bereits und konnte durch die Redaktion von electrive.net bereits in Augenschein genommen werden.

Vorteil für Berliner mit Elektroauto: „Übergangsweise und während der Umrüstungsphase sind einige der Ladepunkte kostenfrei nutzbar“, heißt es seitens Innogy. Im Anschluss kann die Nutzung der Ladepunkte sowohl über die Berliner E-Mobilitätsangebote (z.B. BVG-Fahrcard oder NewMotion-Ladekarte), als auch über die App „eCharge+“ und über das innogy Direct Payment (Kosten: 39 Cent je kWh) erfolgen. Das wiederum ist ein Novum im Berliner Modell: Die bestehenden Säulen können bis dato nur per RFID zum Laden überredet werden, nicht aber digital per App. Der Autor hatte diese Lösung Mitte 2017 als „analoges Inselmodell“ bezeichnet, den Beitrag können Sie hier nachlesen.

Die zum Teil beseitigte Beschilderung der Innogy-Ladestationen mit Halteverboten soll durch die entsprechenden Stadtbezirke wieder eingerichtet werden. Insofern herrscht ab sofort wohl Frieden an der Berliner Ladeinfrastruktur-Front. Und Innogy kann für sich verbuchen, das Berliner Modell nutzerfreundlich aufgebrochen zu haben.

Unklar ist derweil noch das neue Preismodell im Berliner Modell. Nach der Umrüstung der bestehenden „be emobil“-Stationen von EBG compleo auf die Vorgaben des Eichrechts hin sollen auch die Mitte 2017 eingeführten Pauschaltarife durch eine kWh-basierte Abrechnung ersetzt werden. Laut der Interessengemeinschaft Elektromobilität Berlin-Brandenburg (IGEMBB) läuft eine kartellrechtliche Überprüfung des Preismodells. Mit der Bekanntgabe der neuen Preise rechnen wir in Kürze.

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7 Kommentare zu “Innogy darf Berliner Ladesäulen weiter betreiben

  1. Northbuddy

    Wundert sich noch irgendjemand, warum es politisch mit eMobilität nicht voran geht? Da kümmert man sich scheinbar lieber um Farben und lokale Insellösungen als um das große Ganze….

  2. Jürgen Vonhoff

    Genau das ist das große Problem. Alle kochen ihr eigenes Süppchen, anstatt zumindest Deutschland weit alles auf einen Standarte und vor allem einen Preis festzusetzen

  3. U. Lampe

    Ich fahre seit fast zwei Jahren e-Auto, lade häufig auch in Berlin. Sehr einfach per RFID an den vom Autor verrissenen Ladesäulen des „Berliner Inselmodells“, mit verschiedenen Apps bin ich sehr häufig an den innogy-Ladesäulen gescheitert. Mal war kein Netz verfügbar, mal hat mein Smartphone den klitzekleinen QR-Code auf den Säulen in der Dämmerung nicht erkannt. Einmal war schlicht der Akku vom Smartphone erschöpft. Ich bin dem Berliner Senat sehr dankbar, dass er nun auch innogy zur Akzeptanz von RFID zwingt. Das gleiche erwarte ich vom Bundesverkehrsminister, der bisher zulässt, dass an manchen Autobahnraststätten Schnelladesäulen nur für Nutzer der grottenschlecht programmierten App von E.on genutzt werden können.

  4. Franz-Peter Kayser

    Sicher ist jede einzelne Ladesäule eine gute Ladesäule, doch werden die allermeisten e-Autofahrer bestätigen, dass in Berlin viel falsch gemacht wurde. Sei es das Preismodell von be emobil das – vor der initiative von Maingau Energie – in sehr vielen Konstellationen das e-Auto fahren teurer als jeden Spritschlucker gemacht hat, sei es der oben beschriebene Streit oder der Fakt das man irrsinnigerweise bereits ein e-Auto besitzen muss, um eine fehlende Ladesäule zu beantragen, die dann mit Glück Jahre später gebaut wird.

    Fragen die im Zusammenhang mit dem Vergleich noch offen bleiben:
    – warum darf Innogy keine Säulen ohne RFID betreiben, Ubitricity mit der NeuenBerlinerLuft aber schon?
    – was ist mit den Innogy Säulen, die bereits verschwunden sind, z.B. am Hbf oder am Alexa? Wird es dafür Ersatz geben?
    – was passiert mit den letzten Vattenfall/Incharge Säulen?
    – werden Anbieter neben Allego nun Säulen in Berlin aufstellen dürfen?

    Vielleicht kann die Redaktion da nochmal nachfassen? 🙂

  5. André

    Was habe ich für Schildbürgerstreiche seit 2013 im Berliner Ballungsraum erleben dürfen! Mit mehr als 200 T rein elektrisch zurückgelegte Kilometern, bleibt mir nachhaltig das Versagen der Berliner Verwaltung und die Gründung des Konstruktes „be-emobil“ in Erinnerung.
    Da war nach der pressefotofreundlichen Einweihung am Köllnischen Park 3, meine am Tag darauf erfolgte Ladung nach nur wenigen Sekunden mit einem Totalausfall der ersten Ladesäule dieser Art beendet.
    Die ofizielle Störungshotline bereicherte meinen Ladewunsch mit der Ansageschleife:“Der gewünschte Dienst ist unter dieser Telefonnummer nicht mehr erreichbar.“
    Ob diese Ladesäulen zum besseren Auffinden so besonders auffällig unauffällig lackiert sind, ist mir bis heute nicht plausibel.
    Fossile Tankstellen sollten genauso unauffällig gestaltet werden, um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden.
    Davon unabhängig, wurden die bereits etablierten Mennekes-Ladesäulen als lebensgefährlich bezeichnet, weil auch Schukosteckdosen nach der Authentifizierung zum Laden freigegeben werden.
    Dies sollte wohl als Rechtfertigung zur Beseitigung aus dem öffentlichen Straßenraum herhalten.
    Warum etliche innogy Ladesäulen mit 22 kW (!) Ladeleistung ihre Sondernutzungsrechte ( Parkraum nur für E-Autos) verloren, war dann mehr als Bilderstürmerei. Die sukkzessive Ausschaltung etablierte Wettbewerber standen auf der Berliner Agenda.
    Egal! Die Elektromobilität konnte auch damit, in Zeiten vor dem Abgasbetrug, nicht wirklich aufgehalten werden.
    Sich heute, mit jahrelanger Verspätung auf den Zug deutscher Automobilhersteller aufzuschwingen, bald würde es nun endlich was Elektrisches für’s Volk zu kaufen geben, kommt zu spät.
    Der Individualverkehr verstopft im Dauerstau die Städte. Und wiedermal sind Beamte der Verwaltungen überfordert, den öffentlichen Nahverkehr attraktiv und auszubauen.
    Milliardenschwere Megaprojekte, Stuttgart 21 und der Flughafen Berlin Schönefeld, würden besser sofort beendet.
    Würden Kerosin korrekt besteuert soll Niemand sagen, es fehle das Geld.

  6. Mario

    Mich würde gerne mal interessieren was die Ladung an der Innogy Ladesäule in Berlin kostet über die NewMotion-Ladekarte, über die App „eCharge+“ ist mir auf Dauer ja dann doch etwas zu Umständlich , da sind die Kosten bekannt : 39 Cent je kWh.

    • kernenergie

      Ich habe jahrelang sehr gut an einer RWE/Innogy Ladesäule in Berlin Mitte geladen – und mit einem BEW Vertrag im Innogy Roaming für 25Cent pro KWh. Und jetzt kommt die vom Senat erzwungene Umrüstung – und plötzlich darf (!) über die ECharge+ App nicht mehr im Roaming-Vertrag geladen werden, nur noch Direktbezahlung über Kreditkarte – für nun 39 Cent pro KWh. Sonst ändert sich nix. Fassen wir zusammen: Preis fast verdoppelt, sonst nix geleistet. Bravo, Berliner Senat!

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08.08.2019 12:00