17.09.2020 - 12:34

Fahrbericht: Kurze Ausfahrt mit dem Opel Vivaro-e und Zafira-e-Life

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Bis Ende 2021 will Opel das gesamte Nutzfahrzeug-Portfolio elektrifiziert haben. Mit dem Vivaro-e als Transporter-Variante ist der Startschuss gefallen. Der Zafira-e Life ergänzt die elektrische Pkw-Palette. Beide Modelle konnten wir kürzlich fahren.

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Der PSA-Konzern treibt mit seinen Marken die Elektrifizierung der Modellpalette voran. Bei Opel folgen nach dem Corsa-e nun zwei weitere Modelle: Der Vivaro-e und Zafira-e Life. Opel hatte den Vivaro-e bereits Ende April vorgestellt, in den Wochen danach folgten auch die Schwestermodelle Peugeot e-Expert und Citroën ë-Jumpy sowie die Pkw-Varianten der E-Transporter. Im Falle von Opel ist dies der Zafira-e Life, der aber mit den früheren Zafira-Modellen nichts mehr zu tun hat.

Der Vivaro-e und auch der Zafira-e Life bauen auf der EMP2-Plattform (Efficient Modular Platform) des PSA-Konzerns auf. Zum Einsatz kommt bei den beiden Modellen die bereits u.a. aus dem Opel Corsa-e – der baut hingegen auf der Plattform e-CMP auf – bekannte E-Maschine mit einer Leistung von 100 kW und einem Drehmoment von 260 Nm. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 130 km/h.

Je nach Bedarf stehen ein Akku mit 50 kWh für eine Reichweite von bis zu 230 Kilometer oder ein Akku mit 75 kWh für eine Reichweite von bis zu 330 Kilometer nach WLTP zur Auswahl. Opel teilte jedoch mit, wer mit dem größeren chemischen Speicher hauptsächlich im Stadtverkehr unterwegs ist, soll sogar bis zu 477 Kilometer zurücklegen können. Es gibt jedoch einen Haken: Beide Fahrzeuge werden zwar in drei Längen angeboten, jedoch kann die 75-kWh-Batterie in der kleinsten Länge nicht bestellt werden.

Übrigens: Die Zellen werden von CATL geliefert, die Module jedoch inhouse montiert. Der kleine Akku besteht aus 18 Modulen mit insgesamt 216 Zellen, der größere Akku aus 27 Modulen mit insgesamt 324 Zellen.

Geladen werden der Vivaro-e und Zafira-e Life über einen CCS-Anschluss über dem Vorderrad an der Fahrerseite. Opel gibt an, dass „an einer Schnellladesäule mit 100 kW“ die 50-kWh-Batterie in 32 Minuten zu 80 Prozent geladen werden kann – beim 75 kWh-Akku werden dafür 48 Minuten benötigt. Ab Werk werden die beiden Elektrofahrzeuge für das AC-Laden mit einem Onboard-Lader mit 11 kW ausgestattet – in früheren Mitteilungen hatten die Rüsselsheimer noch von einem serienmäßigen 7,4-kW-Lader gesprochen. An einer entsprechenden AC-Ladestation benötigt ein vollständiger Ladevorgang rund 4:45 Stunden bzw. 7 Stunden.

Neben dem Antrieb sind natürlich auch die Eigenschaften als Transporter wichtig. Der Vivaro-e wird in drei Fahrzeuglängen (4,60 Meter, 4,95 Meter und 5,30 Meter) und verschiedenen Karosserievarianten angeboten. Zu den Varianten zählen der Transporter, eine Doppelkabine und der Kombi zum Personentransport – oder auch als Plattform für Aufbauten. Je nach Modell fasst beim Transporter der Laderaum zwischen 4,6 und 6,6 Kubikmeter. Mit bis zu 1.200 Kilogramm schleppt der Vivaro-e jedoch weniger Lasten weg wie sein Bruder Vivaro Cargo S mit Zweiliter-Dieselmotor (bis zu 1.405 Kilogramm Zuladung). Wer sich jedoch für die größere Batterie entscheidet, der muss sich mit weniger Nutzlast zufrieden geben.

Den Zafira-e Life bezeichnet Opel als „Lounge auf Rädern“. Zur Wahl stehen Konfigurationen mit fünf, sechs, sieben oder acht Sitzen. Teilweise ist auch von neun Sitzen die Rede, hier ist aber Vorsicht geboten: In der Ausführung mit Stoffsitzen gibt es vorne einen Fahrersitz und eine Zweierbank für die Beifahrer. In der Ausstattung mit komfortablen Leder-Einzelsitzen ist vorne nur ein Beifahrersitz montiert, es finden also acht Personen Platz – weshalb offiziell von acht Sitzen die Rede ist. In den Versionen mit langem Radstand (also den Längen „Medium“ und „Large“) ist zudem eine Lounge-Ausstattung erhältlich, die sich durch elektrisch beheizbare Vordersitze mit Massagefunktion auszeichnet, aber auch vier besonders bequeme Ledersessel im Fond. Räumt man die Sitze aus, wird allerdings auch der Zafira-e zum Nutzfahrzeug mit einem Ladevolumen von 3,6, 4,2 oder 4,9 Kubikmetern.

Genug zu den technischen Daten. Wie fahren sich denn die beiden Fahrzeuge?

Beim Verbrauch ist noch Luft nach oben

Nach dem Einstieg schweifen die Blicke über das Armaturenbrett, deren Bedienelemente, das Infotainment-Display und die Instrumententafeln. Schnell wird klar: Die Umstellung von den konventionellen zu den elektrischen Varianten dürfte nicht allzu schwerfallen. Das Cockpit wirkt aufgeräumt, die Anzahl der Knöpfe und Rädchen hält sich in Grenzen. Auch die Instrumententafeln sind – subjektiv betrachtet – gut aufgebaut.

Sitz und Spiegel einstellen, Startknopf – auf den im Vorfeld verbreiteten Pressebildern ist noch ein konventionelles Zündschloss zu sehen – drücken und die Route einstellen. Zum Start zeigte die Anzeige im Zafira-e Life bei vollem Akku (75 kWh) eine Reichweite von 318 Kilometern an. Freilich hängt dies jedoch von der vorherigen Fahrt ab. Los geht es ab dem Opel-Werk in Rüsselsheim in Richtung Wiesbaden. Nach nur 17 Kilometern ist die Fahrt bereits vorbei. Die Anzeige teilt uns eine Restreichweite von 298 Kilometern mit. Der Verbrauch lag bei 26,1 kWh/100 Kilometer. Wenig überraschend, geben die Rüsselsheimer beim großen Akku einen WLTP-Wert (der allerdings inklusive Ladeverluste ist) von 24,4 bis 27,3 kWh/100 km an. Eine ausführliche Betrachtung reichen wir nach einem längeren Test aber noch nach. Übrigens: Beim kleinen Akku gibt Opel einen WLTP-Wert von 21,7 bis 26,1 kWh/100 km an.

Die zweite Ausfahrt erfolgt mit dem Opel Vivaro-e – ebenfalls mit dem großen Akku. Von Wiesbaden aus geht es in der Region überwiegend über die Landstraße mit einigen Umwegen wieder zurück zum Opel-Werk nach Rüsselsheim. Angekommen nach 54 Kilometern steht ein Verbrauch von 22,1 kWh/100 km auf der Anzeige. Bekannt ist, dass durch längere Strecken der Verbrauch sinken kann. Genau dies wird hier deutlich. Es zeigt sich allerdings auch, dass weder der Zafira-e Life noch der Vivaro-e wirklich Sparwunder sind – aufgrund der Karosserieform aber nur wenig überraschend. Auch hier gilt: Eine ausführliche Betrachtung reichen wir nach einem längeren Test noch nach. Und dennoch wird selbst nach der kurzen Testfahrt klar, dass beim Verbrauch noch Luft nach oben ist. Die Rekuperationsleistung ist moderat – von One-Pedal-Driving also eine ganze Ecke entfernt.

Leistung des E-Antriebs ist ausreichend

Der Vivaro-e und auch Zafira-e Life überzeugen mit gutem Geradeauslauf. Auch das Kurvenverhalten ist in Ordnung. Die Federung ist jedoch im Vergleich zum Diesel-Pendant etwas straffer abgestimmt. Vor allem bei Querrillen oder unebener Fahrbahn macht sich das bemerkbar.

Der Vortrieb im Stadtverkehr erfolgt zügig. Auch vollbeladen dürften die 100 kW im Vivaro-e und Zafira-e Life in der urbanen Umgebung mehr als ausreichend sein – diesen Punkt werden wir ebenfalls in einem ausführlichen Test noch unter die Lupe nehmen. Auch die Beschleunigung auf Landstraßen-Tempo erfolgt leer noch recht zügig. Interessant dürfte auch hier sein, wie sich die Beschleunigung vollbeladen bzw. mit neun Personen verhält. Einzig auf der Autobahn wurde bei den beiden kurzen Ausfahrten deutlich, dass die Leistung von 100 kW in dieser Umgebung recht knapp bemessen ist. Die Beschleunigung auf die Höchstgeschwindigkeit erfolgte – angesichts der Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h – nur moderat.

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Attraktiver Preis dank Umweltbonus und Innovationsprämie

Bestellungen nimmt Opel bereits für beide Modelle entgegen. Die Preise beginnen beim Vivaro-e bei 35.650 Euro netto, abzüglich des erhöhten Umweltbonus (inkl. Innovationsprämie) werden daraus 26.650 Euro netto. Zum Vergleich: Die kleinste Diesel-Variante startet bei 25.870 Euro. Das Argument, die E-Versionen seien zu den konventionellen Versionen deutlich teurer, gilt zumindest mit Einberechnung der Förderung nicht mehr unbedingt. Gleiches gilt auch für die mittlere Variante, welche bei 36.240 Euro startet, und die größte Variante, welche bei 36.900 Euro startet.

Doch wie sieht die Preisgestaltung des Zafira-e Life aus? Ein Blick in die Preisliste sorgt zunächst für eine Irritation. Denn die kleinste Version steht derzeit mit 56.700 Euro (brutto) in der Preisliste, allerdings in der höherwertigen Edition-Ausstattung. In der BAFA-Liste der förderfähigen Fahrzeuge ist jedoch ein Zafira-e Life S Selection für 44.663,87 Euro netto, also 53.150 Euro brutto aufgeführt. Also möglich, dass noch eine günstigere Version folgt, derzeit ist diese aber nicht bestellbar. Damit ist aktuell die mittlere Version „M“ mit derzeit 53.800 Euro die günstigste Version, die größte Version „L“ startet bei 54.625 Euro, beide in der niedrigeren „Selection“-Ausstattung. Für alle Versionen des Zafira-e Life liegt der Netto-Listenpreis zwischen 40.000 und 65.000 Euro, womit die Baureihe für den reduzierten Umweltbonus qualifiziert ist.

Da die Auslieferungen erst im kommenden Jahr starten, ist dieser Basispreis wieder mit 19 Prozent Mehrwertsteuer angegeben. Wird der Umweltbonus abgezogen, reduziert sich der Einstiegspreis für den Zafira-e Life M Selection auf 45.825 Euro. Mit 5.000 Euro vom Bund, 2.500 Euro Herstelleranteil und 19 Prozent Mehrwertsteuer auf diesen Herstelleranteil beläuft sich die Brutto-Ersparnis auf 7.975 Euro.

Ein Pluspunkt der bei beiden Modellen nicht unerwähnt bleiben sollte: Egal für welche Konfiguration sich der Kunde entscheidet, die Anhängelast beträgt beim Vivaro-e und Zafira-e Life immer 1.000 kg gebremst und 750 kg ungebremst. Im Vergleich zur Diesel-Variante zwar teils deutlich weniger, aber unter den E-Transportern ein kleiner Trumpf.

Fazit

Opel ist es mit dem Vivaro-e gelungen, bei der stark wachsenden Auswahl an E-Transportern ein preislich durchaus attraktives Fahrzeug auf den Markt zu bringen. Auch der Zafira-e Life – den Opel als Shuttle-Fahrzeug im Einsatz sieht und der Familien überzeugen soll – kann in seinem Segment durchaus überzeugen. Das gilt sowohl für die Varianten-Vielfalt als auch für das Gesamtpaket aus Preis und Leistung (technische Daten, Assistenzsysteme, etc.). Jetzt muss es Opel jedoch noch gelingen, in entsprechenden Stückzahlen zu liefern. Weder zu einem prozentualen Anteil noch zu genauen Stückzahlen der konventionellen Modelle der beiden Fahrzeuge wollte Opel Angaben machen. „Wie bei Corsa und dem zukünftigen Mokka gilt das Multi-Energy-Konzept. Das bedeutet, die Fahrzeuge sind sowohl als Verbrenner als auch als elektrische Varianten verfügbar. Wir lassen den Kunden die Wahl und produzieren, das was er bestellt. Beim Corsa-e entwickelt sich das dadurch sehr gut. In Deutschland entscheidet sich bereits heute jeder dritte Corsa-Privatkunde für die elektrische Variante“, so ein Sprecher gegenüber electrive.net.

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