23.07.2021 - 10:41

Dethleffs und ZF demonstrieren Alpenüberquerung mit E-Wohnwagen

Dethleffs, die Erwin Hymer Group und ZF haben einen neuen Weltrekord aufgestellt. Mit einem Audi e-tron Sportback zogen sie einen Wohnwagen über 386 Kilometer ohne nachzuladen – und überquerten dabei die Alpen.

Bereits 2018 hatte Dethleffs den Prototypen eines Wohnwagens mit eigenem elektrischen Antrieb präsentiert, der gemeinsam mit der Erwin Hymer Group und ZF Friedrichshafen entwickelt wurde. Nun haben die Projektpartner in einer anspruchsvollen Caravan-Tour über die Alpen die Praxisreife des Konzepts unter Beweis gestellt.

Von Isny aus zog der Audi e-tron Sportback den elektrisch angetriebenen Caravan E-Home Coco bis zum Gardasee – ohne Ladestopp. Normalerweise treiben das zusätzliche Gewicht des Anhängers und vor allem der erhöhte Luftwiderstand den Verbrauch des Zugfahrzeugs (unabhängig von der Antriebstechnologie) nach oben. Mit der Alpen-Überquerung wollten die Projektpartner beweisen, dass ein Anhänger mit elektrischem Antrieb diesen höheren Energieverbrauch kompensieren kann – und das Zugfahrzeug auch im Hängerbetrieb auf seine gewohnte Reichweite kommt.

Die Route führte vom Dethleffs-Werksgelände in Isny im Allgäu über die Fernpassstraße und dann auf der Autobahn A12 und A13 vorbei an Innsbruck über den Brenner. In Italien ging es auf der A22 über Bozen und Trient bis nach Riva am nördlichen Gardasee – macht 386 Kilometer und 4.870 Höhenmeter. Für diese Fahrt mit 62,4 km/h im Schnitt verbrauchte der e-tron Sportback 62 kWh Energie (also 21,2 kWh/100km), der E-Home Coco 74 kWh (19,2 kWh/100km).

Möglich wurden diese Verbrauchswerte des Zugfahrzeugs durch den eigenen Antrieb des Hängers. In der Anhängevorrichtung selbst ist ein Zugkraftsensor verbaut. Dieser soll erkennen, ob das Zugfahrzeug beschleunigt, verzögert oder rollt. Mit diesen Informationen wurden die beiden E-Motoren des Caravan-Prototypen gesteuert. Innerhalb einer Zehntelsekunde regeln diese ihr Antreibsmoment und sorgen dafür, dass der e-tron Sportback zu keinem Zeitpunkt während der Rekordfahrt mehr als 20 Kilogramm Anhängelast bewegen musste – den Rest erledigt der Caravan mit 2x 90 kW selbst.

Der E-Home Coco verfügt auch über eine Rekuperation, kann also beim Verzögern Energie zurückgewinnen. Als mechanische Bremsen verfügt der Prototyp übrigens über Scheiben- anstatt der oft verbauten Trommelbremsen. Der Grund liegt im E-Antrieb: Scheibenbremsen ermöglichen den feinfühligeren Übergang zwischen elektrischer und mechanischer Verzögerung, so Dethleffs.

ZF

„Auch wenn bis zur Serienreife und zur Zulassungsfähigkeit noch Hürden zu nehmen sind – der von Dethleffs, der Erwin Hymer Group und ZF entwickelte E.Home Caravan ist schon heute eine praxisgerechte und zukunftsfähige Lösung für umweltbewusstes und ökonomisch sinnvolles Caravaning für alle“, sagt Dethleffs Geschäftsführer Alexander Leopold. „Damit wird Dethleffs seinem Anspruch als Caravan-Pionier einmal mehr gerecht.“

Wie das Fachmagazin „Caravaning“, das die Rekordfahrt begleitet hatte, schreibt, dürften zur Serie in „drei oder vier Jahren“ noch einige Änderungen vorgenommen werden. In Hinblick auf Gewicht und Kosten könnte demnach nur noch ein E-Motor mit Differenzial statt bisher ein Asynchron-Motor je Rad verbaut werden. Technisch bietet die Lösung mit zwei Motoren einige Vorteile: Mit der radselektiven Ansteuerung kann der Caravan selbst zur Gespannstabilisierung beitragen und Schlingern unterbinden. Zudem kann der Prototyp auf dem Campingplatz oder Parkplatz mit seinem eigenen Antrieb manövriert werden – laufen beide Motoren in gegenläufige Richtung, kann der Prototyp sogar auf der Stelle wenden.
Quelle: Info per E-Mail, caravaning.de, auto-motor-und-sport.de

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21 Kommentare zu “Dethleffs und ZF demonstrieren Alpenüberquerung mit E-Wohnwagen

  1. notting

    Und wieviele HPC lagen auf der Strecke, wo man a) einfach reinfahren könnte (nicht Parkplatz wo man direkt auf die Ladesäule zufährt, sonst müsste man abhängen und rangieren) und b) so stehen problemlos soviel Leistung geliefert haben, dass so schnell geladen wurde wie Zugfahrzeug und Anhänger laden konnten?
    Jetzt muss man es nur noch hinkriegen, dass die Akkus in % gleich schnell leer gehen, dass sich Ladestopps möglichst gut lohnen. Dafür gibt’s aber wohl noch keine standardisierte elektr. Verbindung zwischen Zugfahrzeug und Anhänger während der Fahrt die eine ausreichende Leistung hat (11kW ist bei solchen Motorleistungen evtl. etwas schwach?).

    notting

    • Rūdiger Freimann

      Im BEM arbeiten wir auch an einer Leistungsschnittstelle zwischen Fahrzeug und E-Trialer. Die große Frage ist: wie viel kW konstante Übertragung sollten es denn sein?

  2. Daft Wullie

    2 x 90 kW Motorleistung im Caravan. Wozu dann noch ein Zugfahrzeug?

    • Rüdiger Freimann

      gute Frage! Leider darf nicht geschoben werden.

  3. Jörg

    Fragen wären:
    -Läd der Wohnwagen auch per CCS und mit wieviel KW/Ladekurve?
    -Mit wieviel KW läd der Wohnwagen an AC?
    -Wird die Einrichtung des Wohnwagen aus den Akkus versorgt?
    -Hat er eine Klima mit Wärmepumpe?
    -Kann man ihn zwischen den Ferien für V2G, also als PV Stromspeicher zuhause nutzen?

    • Philipp

      sehr gute Fragen. bis auf dir letzte ist das ja allerdings nur ein bißchen Kabelbaumgedöns. wirklich spannend und vor allem wirtschaftlich sinnvoll wird das Teil tatsächlich als Heimspeicher. dazu noch schön das Dach mit solar vollknallen und man wohnt bis auf wasser für wochen (vor allem im europäischen süden) netzunabhängig. mit starlink schüssel und ordentlicher AC wäre es die perfekte home office oase für die warmen monate:-).

    • Rüdiger Freimann

      7,6 kW AC, 50 kW DC mit CCS
      Der Caravan ist „Gasfrei“, alles auf E.
      Wärmepumpe Klima kann aufgerüstet werden.
      V2G ist wichtiger Bestandteil des Business Case für sie Batterie.
      Aber leider noch alles Prototyp in Einzelzulassung. Wir arbeiten an den Verordnungen und Richtlinien, denn heute darf ein Anhänger noch keinen eigenen Antrieb haben.

  4. Björn

    Ein mindestens 75kWh großer Akku im Wohnwagen, der dann 2000-3000km im Jahr bewegt wird, wenn überhaupt.
    Die restliche Zeit im Jahr steht der Wohnwagen dann und der Akku altert einfach durch die Zeit….
    Selbst wenn man den Akku zu Hause als Heimspeicher verwenden würde, die 75kWh sind für einen solchen Einsatz bei einem durchschnittlichen Wohnhaus viel zu groß.

    • Philipp

      ach mit sinkenden akku und solar preisen und zunehmenden wärmepumpen und e autos kann auch so ein XL heimspeicher spaß machen. zumindest den leuten die sich so nen luxus leisten wollen und können.

    • Rüdiger Freimann

      Korrekt! Aber der Einstieg muss ja nicht gleich 80kWh sein. Es sei denn, man will seinen e-torn abends noch kurz zu hause schnellladen :-).

  5. Fabian

    Mich würde interessieren, wie schwer dieser Wohnanhänger ist? Da konnte ich jetzt leider nix lesen in diesem Artikel.

    • Rüdiger Freimann

      Das Zusatzgewicht ist in diesem Maximal-Prototyp noch fast 600kg für die 2×40 kWh Batterien und mehr als 300kG für sie 2 Motoren mit Umrichter, Getriebe, Kühlung und Kabelbaum. Dass muss natürlich deutlich runter!

  6. Volvo-Doc

    Hmm, beide Verbräuche zusammen genommen sind mehr, als der e-tron alleine gebraucht hätte. Von wegen Umweltfreundlich… Klar muss man aktuell öfter laden, aber vom Prinzip kauft man einen 2. E-Antrieb für den Wohnwagen, was diesen immens verteuert, komplexer macht und die meiste Zeit als totes Kapital da steht.

    Keine Ahnung wofür das gut sein soll.

    • Stavross

      Das Hauptproblem mit dem 2. Antrieb und Batteriepack ist doch, daß die Umwelt- und CO2 Bilanz katastrophal ist. Kobalt, Kupfer, Nickel und Mangan in Massen. Ein BEV rechnet sich je nach Bauart zwischen 80 und 150Tkm. Wie weit fährt der Wohnwagen???? Das macht überhaupt keinen Sinn und verstärkt Global Warming. Wie andere geschrieben haben, dann muss der Audi Fahrer halt 1x Rast machen in den Alpen. Wo ist da das Problem? Die Kinder wirds freuen wenn 1x Pommes unterwegs drin sind…

      • Rüdiger Freimann

        Elektromobilität steht heute in einem größeren Kontext, als nur von A nach B zu fahren! Heutige BEVs und Batterien sind auch schon deutlich früher CO2 neutral als 80.000 km. Natürlich ist es auch gut mit Kindern alle 2 Stunden mal eine Pause zu machen, aber gleich für fast eine Stunde und dann evtl. noch anstehen an der Ladesäule? Wer dann von Hamburg nach Istrien will hat eine sehr lange Reise vor sich. So viel Pommes ist kein Kind ;-).

        • Peter Schwierz

          Heute wieder von Berlin nach Basel gestromert. Drei Ladestopps à 25 Minuten mit den Kids waren absolut sinnvoll. Pommes gab es nur beim ersten, da Mittagszeit. Danach Eis und Spaziergang. Zum Abend dann Salat und Jogurt. Toilette war jeweils nötig und das Auto in zwei von drei Fällen vor den Menschen wieder startklar. So zu reisen, ist absolut empfehlenswert. Es dauert etwas länger, aber alle kommen entspannter und auch sicherer an. Wer mit Kids von Hamburg nach Istrien will, der übernachtet ohnehin besser vor den Alpen. Das Auto lädt dann unbemerkt dank Wallbox am Hotel.

        • Beate Delfs

          Ein Kind „ist“ nie Pommes – das wäre doch ganz und gar unmöglich 😉

          • Rüdiger Freimann

            ups!

    • Rüdiger Freimann

      Grundsätzlich richtig. Deshalb braucht das „Stehzeug“ Wohnwagen auch mehr Funktion als nur E-Mobilität. Das System enthält viele Funktionen, die heute schon gekauft werden (Mover, Autarkpaket, Gas freies Campen). Das Zugfahrzeug kann die kleinste „Alltagsmotorisiering“ haben und oben drauf kann Vehicle2Grid mit hoher Planungssicherheit alternative Energien hoch flexibel dort puffern, wo es am besten passt.

  7. Peter

    Hallo zusmmen
    Detleffs ist der Meinung da was tolles auf die Strasse gebracht zu haben
    40 kw/h verbrauch auf 100 km / ist das toll
    ein Wohnwagen der zu 320 Tage im Jahr in der Ecke steht und nicht genutzt wird
    Akku Alterung

    Ich glaube nicht das das das Ei des Kolumbus ist
    Da ja man weiß was der Akku Kostet liegt doch der Wohnwagen bei 35 000 € oder plus Zugfahrzeug 90 000 € für einmal im Jahr Camping
    Wer wird sich da wohl freuen der Händler oder der Kunde

    • Rüdiger Freimann

      We Camping mag und schon ein Auto hat, rechnet etwas anders ;-). Ein Vergleich zur Pauschalreise lohnt sich.

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23.07.2021 10:36