BMVI kürt Standorte für Wasserstoff-Innovationszentrum

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Die Standortwahl für das Innovations- und Technologiezentrum „Wasserstofftechnologie für Mobilitätsanwendungen“ als Teil des geplanten „Deutschen Zentrums Mobilität der Zukunft“ ist gefallen. Das BMVI hat sich für Chemnitz, Duisburg, Pfeffenhausen und einen Verbund dreier Städte in Norddeutschland entschieden.

Bereits die Vorauswahl des vom Bundesverkehrsministerium ausgerufenen Standortwettbewerbs im April fiel auf das Hydrogen and Mobility Innovation Center (HIC) in Chemnitz, das Technologie-Anwenderzentrum Wasserstoff (WTAZ) in Pfeffenhausen in Niederbayern sowie das Technologie- und Innovationszentrum Wasserstofftechnologien (TIW) in Duisburg. Alle drei Kandidaten wurden daraufhin einer Machbarkeitsstudie unterzogen. Alle drei haben jetzt den Zuschlag erhalten. Sie firmieren künftig unter der Bezeichnung Innovations- und Technologiezentrum (ITZ) Chemnitz, ITZ Pfeffenhausen und ITZ Duisburg.

Darüber hinaus ergänzt das BMVI ein ITZ in der bei diesem Trio noch nicht berücksichtigten Region Norddeutschland: Bremen/Bremerhaven, Hamburg und Stade werden gemeinsam das ITZ Nord bilden und sich vor allem auf Wasserstoff-Anwendungen in der Schiff- und Luftfahrt konzentrieren. Auch dieses Cluster wurde per Machbarkeitsstudie im Vorfeld analysiert. Für die Bewertung sämtlicher Standortkonzepte setzte das BMVI einen Dienstleister, ein Konsortium um die Prognos AG, ein.

„Wir spannen das Innovations- und Technologiezentrum Wasserstoff über ganz Deutschland“, sagt Verkehrsminister Andreas Scheuer nun zur Standortauswahl. „Das Ergebnis unseres Standortwettbewerbs ist 3 plus 1: Chemnitz, Duisburg, Pfeffenhausen und Norddeutschland. (…) Die Standorte greifen dabei die unterschiedlichen Bedürfnisse der Industrie auf und haben verschiedene Schwerpunkte. Denn es ist uns wichtig, dass jeder Standort seine Stärken mit einbringt.“

Die ITZ nehmen laut Scheuer alle Verkehrsträger wie Schiene, Schiff, Auto und Flieger in den Blick. Damit die Standorte schnell ihre Arbeit aufnehmen können, stellt sein Ministerium bis Ende 2024 bis zu 290 Millionen Euro zur Verfügung. Zusätzliche Zuschüsse kommen von Länderseite. „Mit der heutigen Entscheidung“, resümiert Scheuer, „gehen wir einen weiteren wichtigen Schritt auf dem Weg, Deutschland zum ,Wasserstoffland‘ zu machen.“

Mit dem ITZ setzt das BMVI eine Maßnahme der Nationalen Wasserstoffstrategie von Juni 2020 um. Die ITZ-Standorte sollen speziell kleineren und mittelständischen Unternehmen sowie Startups eine Entwicklungs- und Testumgebung bieten, um sich auf dem internationalen Markt zu positionieren. Im internationalen Kontext soll das ITZ zudem einen Beitrag dazu leisten, technische und ökonomische Standards zu setzen.

Das Verkehrsministerium hatte den Standort-Wettbewerb im November ausgerufen und präzisiert, dass das Zentrum Teil des Netzwerks des geplanten „Deutschen Zentrums Mobilität der Zukunft“ werden solle. Darunter versteht das von Andreas Scheuer geführte Ministerium einen „über mehrere Standorte verteilten Ort, an dem die Mobilität von Morgen neu gedacht und entwickelt wird“. Das Zentrum soll an Wissenschaft und Industrie angebunden sein und „zukunftsweisende Mobilitätskonzepte erdenken, entwickeln und in der Praxis unmittelbar erproben“. Als mögliche Entwicklungsschwerpunkte gelten u.a. Wasserstofftechnologien, synthetische Kraftstoffe, innovative Logistikkonzepte und digitale, plattformbasierte Mobilitätskonzepte.

Werfen wir einen Blick auf die Schwerpunkte der einzelnen Standorte: In Chemnitz sollen künftig vor allem BZ-Stacks, BZ-Systeme und BZ-Antriebe im Fokus stehen. Außerdem Betankungssysteme und Komponenten. Dabei konzentriert sich der Standort auf die Verkehrsbereiche Schiene, Pkw und Nutzfahrzeuge. Das als Basis dienende, bestehende Hydrogen and Mobility Innovation Center (HIC) in Chemnitz bündelt bereits die Expertise von 25 Partnern aus Wirtschaft, Forschung, Politik, Verbänden und Ausbildung. KMUs, Automobilzulieferer und Industrieunternehmen haben bereits heute im HIC die Möglichkeit, ihre Innovationen zu testen, zu zertifizieren und neue Standards zu entwickeln. Im Februar hatten wir bereits ausführlicher über die Bewerbung der Chemnitzer berichtet.

In Pfeffenhausen werden sich die ITZ-Aktivitäten um BZ-Antriebstechnik, BZ-Stacks sowie Druckgas- und kryogene Tanktechnologien drehen. Als Schwerpunkt gibt das BMVI die Liquid- und Kryotechnik an. Neben der Anwendung dieser Technologien in Pkw und Nutzfahrzeugen wird das Team in Pfeffenhausen auch Komponenten für die Luft- und Schifffahrt in den Blick nehmen. Das künftige Zentrum baut auf dem dortigen Technologie-Anwenderzentrum Wasserstoff (WTAZ) auf. Die Einrichtung dient vor allem der Beschleunigung des Technologietransfers von der Forschung in die Industrie und bietet Unternehmen eine durchgängige Unterstützung von der angewandten Forschung über Entwicklung, Testing, Zertifizierung bis zur Standardisierung. Ein Anwendungsschwerpunkt liegt schon heute auf Flüssigwasserstoff.

In Duisburg stehen künftig BZ-Stacks, Subsysteme, Systemkomponenten und allen voran die Energieversorgung des Antriebsstrangs im Zentrum. Es wird dort ausschließlich mit Druckgas-Wasserstoff gearbeitet. Weitere Schwerpunkte bilden Batterien und die Fahrzeugintegration. Berücksichtigt werden in Duisburg ferner sämtliche Verkehrsträger (Schiene, Nutzfahrzeuge, Pkw, Binnenschifffahrt, Luftfahrt). Das in der Stadt bereits etablierte Technologie- und Innovationszentrum Wasserstofftechnologien (TIW) deckt bereits das Spektrum von Innovationsentwicklung, Wissensvermittlung, Testung und Prüfung brennstoffzellenbasierter Antriebssysteme für den Straßen-, Schienen-, Wasser- und Flugverkehr sowie Aus- und Weiterbildung ab – insbesondere für Startups und KMUs. Über Satelliten bei den Konsortialpartnern begleitet es zudem Produktentwicklungen von der Idee bis zur Anwendung.

Fehlt noch das ITZ Nord unter Beteiligung der Städte Bremen/Bremerhaven, Hamburg und Stade, das sich allen voran der Schiff- und Luftfahrt widmen wird. Der Fokus liegt dabei auf der Entwicklung und Integration von Brennstoffzellensystemen und korrespondierenden Komponenten, auf der Hybridisierung von Antrieben, Betankungskonzepten, der Logistik, Lagerung und Aufbereitung grünen Wasserstoffs und wasserstoffbasierter Brennstoffe sowie dem Testen von Komponenten und Systemen. Und:  Unter enger Einbeziehung von Klassifikationsgesellschaften sollen Kompetenzen zu Normierung, Standardisierung und Zertifizierung gebündelt werden.

Das „ITZ Nord“ steht laut BMVI explizit im Kontext der seit vielen Jahren erfolgreichen Zusammenarbeit der drei norddeutschen Nachbarländer. Bereits vorab hätten weit über 100 Unternehmen aus den Bereichen Werften, Flugzeugbau, Zulieferer, Energiewirtschaft, Infrastruktur, Reedereien, Ingenieurdienstleister, Zertifizierungsgesellschaften sowie Verbände, Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen dem Vorhaben gegenüber ihre Unterstützung erklärt.

Die Aufnahme des Betriebs ist an den Standorten in den Jahren 2024 beziehungsweise 2025 geplant.
bmvi.de (ITZ Nord), bmvi.de (ITZ Chemnitz), bmvi.de (ITZ Duisburg), bmvi.de (Pfeffenhausen), hzwo.eu (HIC in Chemnitz), spiegel.de

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