Batteriegeschäft: Wie Unternehmen ihre Kunden bei der Elektrifizierung unterstützen

Die Elektrifizierung der Nutzfahrzeug-Branche stellt viele Unternehmen vor großen Herausforderungen. Die Batterietechnologie ist nur eines der zahlreichen Felder, in die sich Fahrzeughersteller, Flottenbetreiber und Zwischenhändler einarbeiten müssen, um mit dem Wandel der Zeit mithalten zu können. Zwei Beispiele zeigen, wie das Batteriegeschäft im B2B-Verhältnis aussehen kann.

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Der deutsche Zulieferer Webasto sieht sich nicht nur als klassischer Produktlieferant. Vielmehr wolle das Unternehmen als dauerhafter Partner an der Seite seiner Kunden verstanden werden, das sie über die komplette Elektrifizierung ihrer Flotten und darüber hinaus begleitet. Mit seinen Webasto-Battery-Services hat das Unternehmen ein entsprechendes Produkt geschaffen. Das Angebot ist auf Unternehmen zugeschnitten, die ihre Verbrenner-Nutzfahrzeuge – ob Lkw, Flughafenfahrzeug oder Baumaschinen – auf den elektrischen Betrieb umstellen wollen. Dabei ist der Service in drei Phasen eingeteilt, „die den Kern des wachsenden Service-Angebots abbilden“.

Um den technologischen Rahmen des Vorhabens definieren zu können, startet Webasto mit einer Planungsphase, in der das Unternehmen zunächst die Anforderungen für das Fahrzeug analysiert und eine Systemsimulation durchführt. Betrachtet werden dabei Faktoren wie die Batteriekonfiguration, Umweltbedingungen, aber auch die Betriebsstrategie des jeweiligen Unternehmens.

Der Kunde erhält auf diese Weise eine Übersicht über Leistung, Verbrauch und Reichweite des Fahrzeugs. Auf der anderen Seite kann Webasto so das benötigte Batteriesystem sowie die Heiz- und Kühllösungen für Batterie und Fahrzeug auf die Bedürfnisse des Kunden zuschneiden. „Die Elektrifizierung von Verbrennerfahrzeugen sowie die Implementierung entsprechender Komponenten ist ein komplexer Prozess, den wir mit unseren Expert*innen schon von der ersten Idee der zukünftigen Elektrofahrzeuge an unterstützen“, erläutert Michael Bauer, Vice President Product & Service Portfolio Management bei Webasto. „Unseren Fokus legen wir auf praktische Hilfestellung sowie die Anbindung an unsere Cloud Solutions, um den Kund*innen zu helfen und Vertrauen in die Elektrifizierung zu schaffen.“

Auf die Planungsphase folgt die Projektphase und Webasto schickt Experten ins Feld: Vor Ort helfen sogenannte Field Application Engineers dabei, die Komponenten zu integrieren. Das Ziel ist selbsterklärend: der reibungslose Ablauf der Umbauten, dass das System im Anschluss einwandfrei funktioniert und dass die Integrität der Karosserie bestehen bleibt.

Webasto betont, bei der Betreuung eines Projektes flexibel zu sein. Schnell umsetzen will das Unternehmen deshalb auch die spontane Anpassung von Komponenten oder Software. Dank Over-the-Air-Funktionen könne Webasto im Falle einer Störung auch dann zeitnah reagieren, wenn kein Spezialist vor Ort ist. Seinen Kunden bietet Webasto zudem Trainings zu den technischen Produktmerkmalen an.

Die letzte Phase des Webasto-Angebots bezeichnet das Unternehmen als „End-of-Life-Phase“: Gemeint ist das Ende der Lebensdauer der Batteriesysteme, das den Angaben zufolge nach durchschnittlich 3.000 Ladezyklen erreicht ist. Für das betroffene Fahrzeug lasse sich das Batteriesystem leicht ersetzen, so Webasto.

Damit hat aber das alte Batteriesystem noch nicht ausgedient. Wünscht es der Kunde, sucht das Unternehmen in Zusammenarbeit mit ihm nach einem Weg der Zweitverwertung. Einen möglichen Anwendungsfall benennt Webasto nicht. Doch schreibt das Unternehmen, dass es an möglichen Second-Life-Anwendungen für die Zukunft arbeite.

Webasto setzt seit 2016 auf das Geschäft mit Batteriesystemen, wie Christin-Marie Boudgous, Director Business Development & Sales für den Bereich Battery Systems, erläutert. Dabei habe das Unternehmen den Bereich auf zwei Säulen aufgestellt: standardisierte sowie individualisierte Systeme.

Unter anderem mit Blick auf die Logistik und den öffentlichen Personentransport seien Batteriesysteme „eine intelligente Lösung“. Auch wenn es für einige Hersteller sinnvoller ist, Batterie-Lösungen im eigenen Haus zu produzierten, gebe es immer Bereiche, beispielsweise Nischenprodukte, in denen Webasto als Zulieferer einspringen könne. Webasto betreibt ein Batterie-Produktionswerk in Schierling. Dort können laut Unternehmen jährlich bis zu 40.000 Batteriesysteme produziert werden.

Bertrandt entwickelte Batterien für den eActros

Ein weiteres Beispiel für ein B2B-Batteriegeschäft stellt die Arbeit des Entwicklungsdienstleisters Bertrandt dar. Das im baden-württembergischen Ehningen ansässige Unternehmen engagiert sich eigenen Angaben zufolge von Beginn an in der Batterieentwicklung für E-Autos und unterstützt Automotive-Kunden auf ihrem Weg zu emissionsfreien, elektrischen Antrieben.

Inzwischen ist Bertrandt auch im Nutzfahrzeug-Bereich aktiv: So hat das Unternehmen in der Entwicklung der Akkus für den eActros von Mercedes-Benz Trucks mitgewirkt. „Ein bedeutender und folgerichtiger Schritt“, betont das Unternehmen.

Involviert war Bertrandt seit der frühen Entwicklungsphase von Batterie und Batteriegehäuse des eActros-Projekts. In den Einsatz schickte das Unternehmen gleich ganze Teams aus den Bereichen Electronics, Product Engineering, Simulation, Projektmanagement sowie eMobility Testing Solutions. Die Fachleute leisteten dabei ihre Unterstützung bei zahlreichen Projektschritten, so Bertrandt: Von der Entwicklung, Simulation und Auslegung über den Aufbau von Prototypen bis hin zur Absicherung und Implementierung der Hochvoltspeicher. „Mit solchen fach- und standortübergreifenden Projektteams ist Bertrandt in der Lage, Kunden in eMobility-Projekten entlang der gesamten Wertschöpfungskette aus einer Hand flexibel und ganzheitlich zu unterstützen“, erklärt das Unternehmen.

Bertrandt hat zusammen mit Voestalpine Stahl eine skalierbare Batterieplattform mit Stahlgehäuse entwickelt. Sie ist seit dem vergangenen Jahr für Automobilhersteller und Systemlieferanten verfügbar.
webasto-group.com, webcast.webasto.com, bertrandt.com

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