MAN bringt Lion’s City E als Low-Entry-Version nach Brüssel

MAN wird auf der bevorstehenden Busworld in Brüssel einen Lion’s City E als Low Entry-Variante präsentieren. Im Vorfeld hat Autor Rüdiger Schreiber bereits Infos zu dem Modell eingeholt - und bei MAN in Nürnberg obendrein Einblicke in kommende Innovationen und die künftige hauseigene Batterie-Produktion erhalten. 

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Foto: MAN

Der Münchner Hersteller wird den Lion’s City E LE vom 7. Bis 12. Oktober in Brüssel ins Rampenlicht rücken. Das Batterie-elektrische Modell wartet im Heck mit einem Hochboden statt einer zerklüfteter Hecklandschaft mit Stufen und Podesten auf. Dabei hat MAN vor allem den niederländischen und skandinavischen Markt im Blick, denn hier fordern Ausschreibungen in der Regel LE-Elektrobusse.

Zur Einordnung: Bei Niederfluromnibussen kommt eine tiefer liegende Portalachse zum Einsatz, um einen durchgehend ebenen Boden zu realisieren. Ein Hochboden im Heck verhindert den oft bei konventionellen Bussen bauartbedingte zerklüfteten hinteren Fahrzeugbereich. Außerdem können so in der erhöhten Loge alle Sitze in Fahrtrichtung verbaut werden. Europaweit dürfte der jetzt als Weltpremiere für die Busworld angekündigte LowEntry-Elektrobus der Lion’s City E-Baureihe viel Zuspruch erfahren, denn außerhalb Deutschlands hat das LE-Konzept viele Anhänger.

Elektrischer Low-Entry-Bus mit Klasse-I-Zulassung

Beim Antrieb ändert sich nichts: Der zweiachsige Low-Entry-Elektrobus mit den Maßen 12.182 x 2.550 x 3.320 mm (Radstand: 6.005 mm) hat einen elektrischen Zentralmotor mit einer Nennleistung von 160 kW und maximaler Leistung von 240 kW. Als Batteriekapazität gibt MAN für die sechs verbauten Batteriepakete 480 kWh an. In dem für die Busworld vorbereiteten Ausstellungsfahrzeug sind 41 Sitzplätze und 28 Stehplätze an Bord, die Ausstattung zielt auf Vorortlinien mit Klasse-1-Zulassung ab.

So viel zur LE-Version. Mit einer neuen Elektronikplattform, die zum Modelljahr 2024 in allen Bussen der Marke MAN Anwendung findet, hält zudem ein völlig neues Cockpit Einzug.  Lion’s City E-Familie. Im optischen Mittelpunkt steht dabei das in der Diagonale 12 Zoll messende Zentraldisplay, das über einen besonders großen, zentralen Mitteilungsbereich mit sich überlagernden Infoebenen verfügt. Optional kann auch ein neue Multifunktionslenkrad bestellt werden, über das viele Funktionen bedient werden können.

Neue Elektronikplattform mit mehr Assistenten

Die neue Basis erlaubt es auch, dass in allen Elektrobusse der Lion’s City E-Familie weiterte Assistenz- und Sicherheitssysteme angeboten werden können: Neu ist serienmäßig unter anderem eine radargestützte Abbiegehilfe auf der rechten Seite, deren optische Warnungen auf LED-Leuchten in der A-Säule kaskadisch angezeigt werden. Optional ist eine Spurwechselhilfe (LCS), mit der auch die linke Seite vor und hinter dem Fahrzeug überwacht wird. Und auch die Fahrzeugfront wird nun mittels eines neuen Nahbereichsradars vollständig detektiert und der Fahrer gewarnt, sollten sich zum Beispiel an der Haltestelle Menschen vor den Bus bewegen. Ferner neu ist der Notbremsassistent EBA+ (Option), der aufgrund neuer Sensorik erstmals auch bei erkannten Fußgängern und Radfahrern den Bus automatisiert zum Stehen bringt.

Serienmäßig gibt es nun zudem eine CO2 -Klimaanlage, die mit klimaneutralem Kohlenstoffdioxid (R744) betrieben wird. Eine weitere Neuerung im Modelljahr 2025 gibt es für den Antriebsstrang: Die Lion’s City E-Baureihe wird dann über eine elektrische Portalachse, die Elektromotor, Antriebswelle und konventionelle mechanische Achse in einem Bauteil verbindet, angetrieben. Zudem verfügt sie über einen integrierten Ölkühlkreislauf für die E-Maschinen.

Pantographen oder Stecker: Flexibilität beim Laden

Neues auch beim Laden: Die Elektrobusse von MAN werden wie bisher per CCS-Ladestecker an einer Ladestation oder einem mobilen Ladegerät geladen. Insgesamt gibt es bis zu fünf Ladepunkte: Neben dem VDV-Standard-Ladepunkt vorne rechts werden optional Ladepunkte vorne links, hinten rechts, an der Front oder am Heck angeboten. Zusätzlich werden die Münchner ab 2025 aber auch die Möglichkeit anbieten, die Fahrzeuge mit invertierten Pantographen im Depot zu laden.

Die maximale Ausstattung an Batteriepacks bleibt dabei unberührt, wie MAN betont. Für das Modelljahr 2025 kündigt der Hersteller aber die „New Battery Generation+“ und das „Efficiency Package 4“ an, wodurch nach SORT-Testzyklus eine Reichweite von 450 Kilometern möglich werden soll. Zum Vergleich: 2022 waren es nach SORT „nur“ 300 Kilometer. Die Elektrobusse des Modelljahres 2025 können dann mit bis zu 375 kW geladen werden. In 60 Minuten sollen sich die Batterien des Solobusses auf 80 Prozent aufladen lassen, in 90 Minuten auf 100 Prozent, kündigt MAN an. Beim Gelenkbus lauten die analogen Ladezeiten eineinhalb und zwei Stunden.

Batterie-Nutzungsstrategien für optimierte Reichweite

In Sachen Batterietechnik hat man bei MAN seit einiger Zeit erkannt, dass man den Verkehrsbetrieben viel Flexibilität entgegenbringen muss, um BEV-Busse zu verkaufen: Für lange Umläufe bzw. hohe Tagesreichweiten gibt es die „Maximum Range“-Strategie: Dank eines erweiterten Ladefensters von bis zu 90 Prozent lasse sich so pro Ladung genug Energie für größere Distanzen entnehmen, wie MAN erklärt. Für Betreiber, die während der kompletten Einsatzdauer ihrer E-Busse eine konstant zuverlässige Reichweite benötigen, eigne sich die Strategie „Reliable Range“. Denn sie biete durch ein begrenztes Ladefenster von 65 Prozent ausreichend Reserven, so der Hersteller. So sei über die gesamte Nutzungsdauer hinweg eine gleich hohe Reichweite von aktuell bis zu 270 (12 E) beziehungsweise 320 Kilometer (10 E) unter günstigen Bedingungen möglich.

„Dank neuer Erkenntnisse zum Batterieverhalten ist je nach Einsatzbedingungen eine Batterienutzung von bis zu 14 Jahren möglich“, äußert Produktmarketing-Chef Heinz Kiess. Diese Erkenntnis stammt aus hauseigenen Feldversuchen und Kundenfahrzeugen. „Mit den Ergebnissen der Straße konnten wir das Berechnungsmodell verfeinern, das den Batteriezustand vorhersagt“, so Kiess. Mit dem Verfahren könne sowohl die kalendarische als auch die zyklische Alterung modelliert werden, was eine genauere Abbildung kundenspezifischer Anwendungsfälle ermöglicht, wie es seitens MAN heißt.

Batterieproduktion am Standort Nürnberg

Um dem Boom im Elektrobus-Geschäft unabhängig von Zulieferern im Markt der Batterien bedienen zu können, wird MAN Truck&Bus wie berichtet ab Anfang 2025 Hochvolt-Batterien für E-Busse und Lkw in Großserie am Standort Nürnberg fertigen. Dafür investiert das Unternehmen binnen fünf Jahren rund 100 Millionen Euro. Als Fertigungskapazität strebt das Unternehmen 100.000 Batterien pro Jahr an.

Zunächst sollen die Batterien, die neben den Motoren zukünftig das Herzstück der elektrischen Nutzfahrzeugantriebe bilden, im Nürnberger MAN-Werk in einer Kleinserienproduktion etwa zweieinhalb Jahre manuell gefertigt werden, ehe die Großserienproduktion eingeläutet wird. Die Zellen kauft MAN dabei zu. In Nürnberg werden laut Angaben des Herstellers Module gruppiert und in einzelnen Layern zu einem Pack zusammengeführt.

Autor: Rüdiger Schreiber

2 Kommentare

zu „MAN bringt Lion’s City E als Low-Entry-Version nach Brüssel“
Blat-Belmonte
05.10.2023 um 14:11
Wann können die Busse bidirektional laden? Wir brauchen diese Flexibilität für ein resilientes Stromnetz.
Albert
05.10.2023 um 17:06
Das ist für Busse nicht relevant. Da Busse im Gegensatz zum Pkw im täglichen Gebrauch sehr weit entladen werden, bleibt im angsteckten Zustand maximal Zeit zum Laden. Auch ist die Restkapazität dann nicht ausreichend. Pkw können nach einem Tag Nutzung noch leicht über 70% soc haben und damit Energie abgeben. Ein Bus wird vermutlich nicht über 30% ins Depot kommen.

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