Video - 22:50 minNutzfahrzeug

Herausforderungen beim HPC-Laden für E-Lkw – Frank Wallraf, DHL

Bei unserer Online-Konferenz electrive LIVE „Logistik unter Strom“ gab Frank Wallraf, Head of E-Mobility & Charging Infrastructure Post & Parcel Germany bei DHL, einen tiefen Einblick in die praktischen Herausforderungen und Learnings rund um das Thema HPC-Laden (High Power Charging) für E-Lkw in der Logistik.

Frank Wallraf ist seit fast einem Jahrzehnt mit dem Thema Elektromobilität bei DHL betraut. „Wir sind der klimafreundlichste Anbieter in der Logistik und setzen unsere Pionierarbeit in der E-Mobility konsequent fort“, betonte er gleich zu Beginn. Über 34.000 Elektrofahrzeuge umfasst die Zustellflotte in Deutschland bereits – dabei handelt es sich um elektrische Transporter. Nun beginnt für DHL auch bei den schweren Nutzfahrzeugen ein neues Kapitel: der Hochlauf der E-Truck-Mobilität.

Ziel des Unternehmens ist es, bis 2030 der Anbieter erster Wahl für grüne Logistik zu werden. Doch das ambitionierte Vorhaben stößt auf zahlreiche praktische Hürden – nicht zuletzt bei der Ladeinfrastruktur an den Depots.

HPC-Laden: Ein technisches und organisatorisches Mammutprojekt

Im Fokus von Wallrafs Vortrag bei electrive LIVE stand das sogenannte HPC charge@depot, also das Schnellladen mit Leistungen ab 150 kW direkt auf dem Betriebsgelände. „Mit neuer Technologie können wir nicht einfach unsere logistischen Prozesse umkrempeln“, stellte Wallraf klar. „Die betrieblichen Abläufe haben Vorrang.“ Das bedeute, dass Ladeinfrastruktur präzise auf Taktung, Standzeiten und räumliche Gegebenheiten abgestimmt sein müsse.

Ein zentrales Problem: die Stromanschlüsse. Die Zeitspanne zwischen Antragstellung und unterschriebenem Netzanschlussvertrag betrage durchschnittlich 200 Tage. Hinzu komme eine enorme technische Vielfalt: „Manchmal darf man nur einen Anschluss haben, manchmal braucht man mindestens zwei“, so Wallraf. Auch die Baukostenzuschüsse variierten stark – zwischen 12 und 200 Euro pro Kilowatt. Frustrierend: In manchen Regionen haben Anfragen von DHL ergeben, dass das Unternehmen in den nächsten drei Jahren überhaupt keine Megawatt-starken Anschlüsse erhalten kann – und dort vorerst auf die Einführung von E-Lkw verzichten muss. Obwohl das Unternehmen eigentlich will.

Logistik braucht Platz – und Strom

Die Standortwahl innerhalb der Depots sei ein weiterer Knackpunkt, sagte Wallraf. Zwar klingen Ladepunkte an den Toren logisch, doch sie bieten oft zu wenig Raum oder sind betrieblich nicht praktikabel. So sind dort die Standzeiten oft so kurz, dass in dieser Zeit nur für eine Reichweite von 50 bis 100 Kilometern geladen werden kann.

Ladestationen hinter dem Hochbau seien ebenfalls problematisch – nicht zuletzt aus Gründen der Arbeitssicherheit. „Wer schon mal ein 8- bis 9-Meter-Ladekabel bei Minusgraden in der Hand hatte, weiß, was das bedeutet“, so Wallraf. Ein weiteres Problem sei der Verlust an Flexibilität: Stellplätze für E-Trucks könnten nicht mehr für andere logistische Zwecke genutzt werden, was gerade bei steigender Flottenzahl ins Gewicht falle.


Ein vielversprechender Ansatz ist die Verknüpfung von Energieerzeugung und -verbrauch – etwa durch eigene Photovoltaikanlagen, Batteriespeicher und intelligente Steuerungssysteme. Doch die Umsetzung ist komplex: Unterschiedliche Netzanschlusspunkte, fehlende Einspeisemöglichkeiten oder teure Leitungsführungen machen vielen Ideen einen Strich durch die Rechnung. „Auf dem Papier klingt das alles super“, sagt Wallraf, „aber in der Praxis ist es oft ein harter Häuserkampf – Depot für Depot.“

Für eine optimale Umsetzung seien nicht nur Fahrer gefragt, sondern auch Transportplaner, IT-Abteilungen, Energieversorger und externe Partner. Wallraf rät: „Keine Scheu vor einem großen Stakeholderkreis – einfach anfangen und nicht auf die perfekte Lösung warten.“

Elektrifizierung macht (auch) Spaß

Trotz aller Hindernisse blickt Wallraf optimistisch nach vorn. Die E-Truck-Mobilität sei nicht nur machbar, sondern biete echte Vorteile – ökologisch wie wirtschaftlich. Sein Fazit: „Elektrifizierung kann auch Spaß machen. Wir sehen die Ergebnisse ganz deutlich – und wir machen weiter.“

Auch die Öffnung hin zu öffentlichen und teilöffentlichen Ladeparks sei für DHL denkbar – immer mit Blick auf Synergien mit Speditionen oder Frachtführern. Entscheidend sei, so Wallraf abschließend, „dass wir vom Flickenteppich wegkommen und mutig in ein Gesamtkonzept investieren“.

Sie möchten sich den gesamten Vortrag von DHL-Manager Frank Wallraf zum Depotladen für E-Lkw anschauen? Dann nutzen Sie bitte oben unseren Videoplayer.

1 Kommentar

zu „Herausforderungen beim HPC-Laden für E-Lkw – Frank Wallraf, DHL“
Herbert Wertig
24.07.2025 um 23:11
Kein einziger Satz zu den Reichweitenverlängerungen? Peinlichkeiten unter den Teppich kehren.https://www.electrive.net/2025/05/23/dhl-und-scania-lueften-testresultate-zu-e-lkw-mit-range-extender/

Schreiben Sie einen Kommentar zu Herbert Wertig Antworten abbrechen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert