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Wann kommt der E-Auto-Durchbruch in der Flotte? Acht Fragen an Marc-Oliver Prinzing vom BBM

Die neuen Elektroautos werden immer besser und/oder günstiger. Dass ihr Erfolg im Fuhrpark trotz der Entwicklung noch kein Selbstläufer ist, weiß Marc-Oliver Prinzing vom Bundesverband Betriebliche Mobilität e. V. (BBM). Im Interview mit electrive erklärt Prinzing, wo die Herausforderungen liegen, was er beim Thema Laden erwartet und welche Wünsche der BBM an die Politik hat.

Knapp zwei Drittel aller Neuzulassungen entfallen in Deutschland auf gewerbliche Halter. Das sind zwar nicht alles klassische Flotten-Fahrzeuge, da auch Mietwagen, Vorführer aus dem Handel und Eigenzulassungen der Hersteller dazu zählen, dennoch sind die Firmenflotten ein sehr wichtiger Bestandteil des Neuwagenmarkts. Ein elektrischer Fuhrpark ist somit gleich doppelt relevant: Zum einen werden Dienstwagen und Pool-Fahrzeuge mit E-Antrieb sauberer, zum anderen stehen sie nach wenigen Jahren Leasing-Dauer in der Regel als junge Gebrauchtwagen zur Verfügung.

Und es ist viel Bewegung im E-Auto-Markt. Spätestens die IAA Mobility im September hat gezeigt, dass die neuen Elektroautos wie der BMW iX3 oder Mercedes GLC kaum noch Wünsche bei Reichweite und Ladedauer offen lassen – und zugleich erweitern die Hersteller ihr Angebot nach unten, wie etwa die anstehende E-Kleinwagen-Offensive des VW-Konzerns oder der vergangene Woche vorgestellte Renault Twingo E-Tech Electric zeigen. Egal ob der Premium-Dienstwagen mit 700 Kilometern Reichweite oder der Stromer für 20.000 Euro in der Pflegedienst-Flotte: Die Modelle sind da!

Doch was sind die verbleibenden Herausforderungen für Unternehmen, ihren Fuhrpark auf elektrische Fahrzeuge umzustellen? Sind es die Kosten und Förderung? Oder doch das Thema Laden? Darüber wird bei der Nationalen Konferenz für betriebliche Mobilität – auch als NaKoBeMo bekannt – am 25. und 26. November im Heidelberg Congress Center diskutiert werden. Die Veranstaltung, bei der electrive Medienpartner ist, wird wie gehabt vom Bundesverband Betriebliche Mobilität e. V. (BBM) organisiert. Wir haben uns im Vorfeld mit dem BBM-Vorsitzenden Marc-Oliver Prinzing über die wichtigsten Themen unterhalten. Sein Credo: „Der Durchbruch kommt, wenn Mobilität strategisch gemanagt wird – nicht nur das Auto ausgetauscht.“

Elektroautos sind technisch auf Top-Niveau, Reichweite und Ladeleistung stimmen. Kommt jetzt der Durchbruch in der Flotte?

Ja – aber nicht automatisch. Die Technik ist reif, die Prozesse sind es oft noch nicht. Und die Menschen sind zum Teil noch nicht so weit. Wer Elektromobilität im Unternehmen erfolgreich machen will, muss die Menschen mitnehmen und begeistern, aber auch Ladelösungen, Abrechnung, Beschaffung und Einsatzprofile zusammen denken. Der Durchbruch kommt, wenn Mobilität strategisch gemanagt wird – nicht nur das Auto ausgetauscht.

Die Politik verkeilt sich zwischen Förderung und Technologieoffenheit: Was brauchen Firmenflotten eigentlich?

Planungssicherheit. Unternehmen investieren langfristig – sie brauchen verlässliche Rahmenbedingungen, keine Förderlotterie. Technologieoffenheit ist richtig, aber sie darf nicht zur Ausrede werden, nichts zu entscheiden.

Die Politik versucht Plug-in-Hybride im Rennen zu halten, dabei werden sie bei Flotten zunehmend ausgemustert. Wird die Brückentechnologie noch gebraucht?

Nur noch sehr begrenzt. Plug-ins waren ein sinnvoller Zwischenschritt, aber im Alltag funktionieren sie nur, wenn sie konsequent geladen werden – das ist selten der Fall. Meist war es eine Mogelpackung – und die braucht man wirklich nicht. Die betriebliche Praxis zeigt: Vollelektrisch oder sauber verbrennerbasiert – beides ist meist effizienter als ein Kompromiss.

Welche Top-Herausforderungen haben Fuhrparks mit der Elektromobilität, wenn doch die E-Autos inzwischen gut bis sehr gut sind?

Das Fahrzeug ist heute das geringste Problem. Auch wenn es nach wie vor nicht zu allen Einsatzzwecken und jedem Mobilitätsbedarf das passende Modell gibt. Die Herausforderungen liegen im Drumherum: Servicepunkte und Werkstatt-Kompetenz, Ladeinfrastruktur, Abrechnung, IT-Schnittstellen, Dienstwagenrichtlinien, Home Charging und Steuerrecht. Elektromobilität ist längst ein Organisations- und Prozessprojekt mit vielen – noch ungewohnten – Besonderheiten.

Auch das Laden rückt erkennbar in den Vordergrund und dort vor allem der Preis. Was wünschen sich Ihre Mitglieder?

Transparenz und Stabilität. Und natürlich, dass sich der Umstieg auf Elektrofahrzeuge auch finanziell lohnt. Momentan schwanken die Preise stark – das erschwert Kalkulation und TCO-Vergleiche. Unternehmen brauchen faire, planbare Ladepreise und einfache Abrechnungsmodelle – egal ob an der Wallbox, auf dem Firmenparkplatz oder unterwegs. Für öffentliche Ladepunkte wünschen wir uns, dass das Chaos und die starken Preisabweichungen eingedämmt werden. Bei einem bundesweit eingesetztes E-Fahrzeug können die Unternehmen einfach nicht mit jedem Anbieter Verträge abschließen.

Das (Elektro-)Auto ist nicht alles, die betriebliche Mobilität ist bunt. Welche Trendthemen erwarten die Besucher der NaKoBeMo® 2025?

Ganz klar: integriertes Mobilitätsmanagement! Dienstwagen, Carsharing, E-Bike, Cargo-Bikes, ÖPNV, Mobilitätsbudgets – alles wird verzahnt. Dazu kommen Themen wie Nachhaltigkeitsreporting, KI in der Steuerung von Fuhrparks und natürlich der Erfahrungsaustausch unter Profis und Entscheidern. Die Besucher der NaKoBeMo können sich auf jeden Fall auf spannende Themen und Vorträge freuen.

Ihr Verband – er hieß ja vor ein paar Jahren noch anders – feiert auch sein 15. Jubiläum: Wie hat sich betriebliche Mobilität verändert?

Enorm. Etwas vereinfacht auf den Punkt gebracht: Früher stand das Auto im Mittelpunkt, heute geht es um Mobilität im Ganzen. Der BBM hat sich vom Fuhrparkverband zum Mobilitätsverband entwickelt – weil sich die Realität in den Unternehmen verändert hat. Das spiegelt auch unsere Entwicklung bis zu unserem Jubiläum perfekt wider.

Zum Geburtstag darf man sich was wünschen! Was wäre das im Falle des BBM?

Mehr Mut in den Unternehmen, Mobilität strategisch anzugehen – und mehr politischen Realismus. Wir brauchen weniger Symbolpolitik und mehr Unterstützung für die, die nicht nur tagtäglich betriebliche Mobilität gestalten, sondern einen immensen Einfluss auf die Marktentwicklung haben. Und natürlich: noch viele engagierte Mitglieder, die Zukunft machen.

Danke für das Gespräch, Herr Prinzing!

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