ICCT-Monitor: Vor allem einkommensstärkere Haushalte beschaffen E-Autos

Zum dritten Mal hat der ICCT-Monitor „Elektromobilität und soziale Teilhabe“ den Pkw-Markt unter sozialen Gesichtspunkten analysiert. Kurz vor dem Start der neuen E-Auto-Förderung sind die Daten relevanter denn je.

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Bild: Mercedes-Benz

Die Aussage der Experten vom ICCT und der Mercator-Stiftung ist klar: Elektroautos werden für Verbraucher:innen zunehmend wirtschaftlich interessant. Die Preise für E-Fahrzeuge sinken, das Laden ist bereits günstiger als das Tanken, und der Zugang zu Ladeinfrastruktur wächst. Dennoch steigen bisher überwiegend einkommensstarke Haushalte um. Der Monitor ist Teil eines von der Stiftung Mercator geförderten ICCT-Projekts zum Thema Elektromobilität und soziale Teilhabe und eröffnet eine neue Reihe jährlicher Monitore zu verschiedenen Aspekten des Themas. 

Bei den Betriebskosten sind die Vorteile eines E-Autos unstrittig. rotz Unterschieden nach Ladeleistung, Tarifmodell und Ladeort ist das Laden im Durchschnitt günstiger als das Tanken eines vergleichbaren Benziners. Wie hoch die Ersparnis ist, hängt aber stark von der jährlichen Fahrleistung und vom Ladeort ab. Am günstigsten bleibt das Laden zu Hause oder am Arbeitsplatz. „So können etwa Vielfahrer:innen mit einer jährlichen Fahrleistung von rund 45.000 Kilometern und privater Ladestation jährlich bis zu 2.000 Euro einsparen“, rechnet das ICCT vor. „Wer vollständig auf öffentliche Ladeinfrastruktur angewiesen ist, profitiert zwar ebenfalls von niedrigeren Kosten als beim Tanken – doch die Höhe des Vorteils hängt stark vom Zugang zu günstigen Tarifen ab.“ Da die Tarife aber oft undurchsichtig sind, fordert das ICCT eine „klare Preistransparenz und faire Preise“, um etwa Kostenfallen im Roaming zu vermeiden und die Kostenvorteile von Elektroautos mehr Menschen zugänglich zu machen.

Denn klar ist: Obwohl E-Autos günstiger werden und die öffentliche Ladeinfrastruktur stetig wächst, muss man sich den Umstieg auf ein E-Auto erst einmal leisten können. Laut den ICCT-Daten für 2024 kosteten E-Autos neu im Schnitt 45.900 Euro, gebraucht 34.800 Euro. Das ist zwar weniger als früher, aber knapp 35.000 Euro sind für viele Haushalte immer noch eine enorme Ausgabe. Da hilft es wenig, dass neue Elektroautos heute oft günstiger als Plug-in-Hybride und teilweise auch Diesel sind, aber noch nicht ganz so preiswert wie Benziner. Die richtig günstigen Gebrauchtwagen fehlen (unter anderem) noch.

Obwohl die Preise zwar sinken, sind die Zielgruppe für E-Autos immer noch wohlhabendere Haushalte – egal ob als Privat-Anschaffung oder der höheren Anteile von Dienstwagen-Berechtigten in den höheren Einkommensgruppen. Der ICCT-Monitor ist deutlich: 2024 lag das durchschnittliche Haushaltsnettoeinkommen von E-Auto-Halter:innen bei 4.300 Euro, deutlich höher als bei Benzin- (3.200 Euro) oder Dieselfahrzeugen (3.600 Euro). „Größere, kostenintensivere Elektro-Pkw dominieren weiterhin die Neuzulassungen, doch auch elektrische Kleinwagen gewinnen an Bedeutung“, heißt es in der Mitteilung – es gibt also über die günstigeren E-Autos die Perspektive, dass sich das bis zur nächsten Ausgabe ändert.

„Elektroautos können bei den Ladekosten bereits Kostenvorteile gegenüber Verbrennern bieten, doch die Anschaffung bleibt eine Barriere“, so Sandra Wappelhorst, leitende Wissenschaftlerin am ICCT. „Die kürzlich beschlossene Kaufprämie der Bundesregierung kann hier einen wichtigen Beitrag leisten, sollte aber gezielter auf untere Einkommen und günstige Fahrzeuge ausgerichtet werden. Auch zinsgünstige Finanzierungen und transparente Ladepreise würden den Umstieg erleichtern.“

Im Interview mit electrive hat Wappelhorst die angekündigte Förderung übrigens als hilfreich, „aber nicht gezielt genug“ bezeichnet. Was sie genau kritisiert und welche Auswirkungen auf den Markt sie erwartet, können Sie hier nachlesen.

the-icct.org, the-icct.org (Monitor als PDF)

3 Kommentare

zu „ICCT-Monitor: Vor allem einkommensstärkere Haushalte beschaffen E-Autos“
Arno Nühm
11.12.2025 um 20:49
no shit, sherlock! das kann doch angesichts der Modellstrategien der Herseller kaum überraschen...
Max
12.12.2025 um 09:35
Ich finde das weder überraschend noch verwerflich. Es ist klar, dass BEVs mit Reichweiten, die viele für das "Erstauto" erwarten, deutlich teurer sind als für vergleichbare Verbrenner. Und neue Technologien mit hohen Kostensenkungspotential etablieren sich in den höheren Fahrzeugklassen, bevor sie sich im Massenmarkt durchsetzen. Das war bei ABS so, und bei ESP wäre es genauso gewesen, wenn nicht der Elchtest dazwischengekommen wäre. Mit einem kleinen gebrauchten Verbrenner fahren viele Menschen einfach noch auf lange Zeit am billigsten, und ich finde das OK.
Bert
12.12.2025 um 09:53
Die angegebenen durchschnittlichen Preise von Gebrauchtwagen sind doch überhaupt nicht aussagekräftig. Welches Durchschnittsalter haben die denn? Welche Fahrzeugklasse? Gebrauchte e-Golf, 5 Jahre, gibt es ab 11tsd. E-Up, e-corsa ähnlich. Selbst größere ID4 sind mit der kleinen Batterie für 17 tsd zu bekommen. Mit der großen ab 23tsd. Maximal 4 Jahre alt, 60tsd Laufleistung. Meine persönlichen Erfahrungen der letzten Monate.Die Statistik mag richtig sein, betrachtet aber sicher den gesamten Markt mit jungrn gebrauchten und schließt auch die großen BMW und Mercedes mit ein. Nicht die Marken für preiswerte Fahrzeuge.

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