BMW und Encory starten Batterie-Direktrecycling
Bei dem Direktrecycling handelt es sich um eine rein mechanische Aufarbeitung alter Batterien, es handelt sich nicht um ein chemisches oder thermisches Verfahren. Das soll den Energiebedarf und damit Kosten und CO2-Emissionen des Recyclings senken. Beim Batterierecycling werden die Batteriezellen oder Produktionsausschüsse nach einer mechanischen Zerkleinerung entweder eingeschmolzen (thermisches Verfahren) oder mit Chemikalien aufgetrennt (hydrometallurgisches Verfahren). Das Ziel dieser beiden Ansätze ist es, die in der Batterie eingesetzten Materialen möglichst weit wieder in die ursprünglichen Rohstoffe aufzuspalten, damit diese wieder für die Produktion komplett neuer Batterie-Vorprodukte und später neuer Batteriezellen genutzt werden können.
Das von BMW und Encory in Salching (und auch von anderen Unternehmen) verfolgte „direkte“ Batterierecycling hat einen anderen Ansatz: Die Rohstoffe werden nicht komplett in ihren Ursprungszustand zurück verwandelt, sondern vereinfacht gesagt lediglich die Kathodenmaterialien von den Anodenmaterialien getrennt. Aus diesen Material-Mischungen können dann direkt neue Kathoden hergestellt werden.
Das hat zwar den Vorteil, dass die energieintensiven Arbeitsschritte zum Aufspalten und bei der Herstellung neuer Vorprodukte entfallen. Ein Nachteil ist aber, dass man an die vorige Zellchemie gebunden ist – eine NMC532-Zelle kann also nicht zu einer deutlich moderneren NMC811-Zelle recycelt werden. Dennoch ist es – gerade bei moderneren Batteriezellen mit höherer Energiedichte – ein vielversprechender Ansatz.
Im neuen CRCC wird das Direktrecycling laut BMW in einem größeren Maßstab aufgebaut und stufenweise angewendet, sodass nach der vollständigen Inbetriebnahme jährlich Batteriezellmaterial „im mittleren zweistelligen Tonnenbereich“ recycelt werden kann. Die in Salching auf diese Weise gewonnenen Rohstoffe werden BMW-intern weiterverarbeitet, und zwar in der Pilotfertigung von Batteriezellen im hauseigenen Kompetenzzentrum für Batteriezellfertigung (CMCC) Parsdorf. Denkbar wäre laut BMW etwa eine Befähigung von Zellherstellern, um das Direktrecycling erstmals in der Serienproduktion einzusetzen.
Das CRRC in Salching wurde wie berichtet in einer bestehenden Halle eingerichtet. „Neben der Produktions- und Lagerfläche von etwa 2.100 m² verfügt das Gebäude über knapp 350 m² Büro- und Pausenräume sowie über Photovoltaik-Anlagen auf dem Dach“, so BMW. Offizieller Betreiber der Anlage ist die Encory GmbH, ein Joint-Venture der BMW Group und der Interzero Group. Das Unternehmen entwickelt und implementiert Logistik- und Beratungslösungen unter anderem in den Bereichen Rückholung, Recycling und Wiederaufbereitung von Fahrzeugkomponenten. Das geistige Eigentum des Recyclingverfahrens liege aber „vollständig bei der BMW Group“, wie die Münchner betonen.
„Mit unserem Direktrecycling sind wir Vorreiter in der Industrie“, sagt Markus Fallböhmer, Leiter BMW-Batterieproduktion. „Diese Technologie hat ein großes Potential, die Batteriezellproduktion weiter zu optimieren.“
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