Rolle rückwärts: Tesla verbaut eigene 4680-Zellen wieder im Model Y

Tesla hat wieder mit der US-Produktion von Model-Y-Akkus mit seinen hauseigenen 4680-Zellen begonnen – mehr als zwei Jahre, nachdem das Unternehmen die Produktion des Model Y mit 4680-Zellen eingestellt hatte, um der Produktion des Cybertruck Vorrang zu geben.

Tesla battery day keynote elon musk cell
Bild: Tesla

Wie aus dem aktuellen Geschäftsbericht hervorgeht, macht Tesla beim Einsatzzweck seiner 4680er-Zellen eine Rolle rückwärts. Im O-Ton heißt es in dem Bericht: „Wir haben mit der Produktion von Akkupacks für bestimmte Model Y mit unseren 4680-Zellen begonnen. Dies erschließt uns eine zusätzliche Bezugsquelle, um die zunehmend komplexen Herausforderungen in der Lieferkette aufgrund von Handelshemmnissen und Zollrisiken zu bewältigen.“ Tesla hebt außerdem seine Fortschritte bei der heimischen Batterieproduktion hervor: „Wir produzieren nun Trockenelektroden für 4680er-Zellen. Anode und Kathode werden in Austin hergestellt.“ Und: „Wir erwarten, dass sowohl die Produktion von Kathodenmaterial in Texas als auch die von LFP in Nevada im Jahr 2026 anlaufen werden.“ Bei der vertikalen Integration macht Tesla also Fortschritte.

Was Tesla nicht sagt, ist, dass die Strategie, die eignen 4680-Zellen im Cybertruck zu verbauen, mäßig aufging. Der schwache Absatz des Cybertruck dürfte das Batterie-Programm von Tesla nicht auslasten. Vorgestellt worden war die große Rundzelle im September 2020 auf Teslas Battery Day – mit dem Versprechen, die Batteriekosten zu halbieren und einen Tesla für 25.000 US-Dollar zu ermöglichen. Das Portal Electrek rekonstruiert, dass Tesla Ende 2022 auf eine Produktion von 868.000 Zellen pro Woche kam, genug für etwa 1.000 Model Y. Im April 2023 öffnete das Unternehmen dann die Bestellbücher für das günstigere Model Y AWD mit 4680er-Zellen zum Preis von 49.990 US-Dollar. Doch schon im September 2023 – also ein halbes Jahre später – „stellte Tesla die Produktion des Model Y AWD mit 4680er-Zellen stillschweigend ein und entfernte es vollständig aus dem Konfigurator“, so das Portal und nennt als gängigste Theorie zu diesem Zeitpunkt: „Tesla musste die begrenzte Produktion der 4680er-Zellen auf den kurz vor der Markteinführung stehenden Cybertruck umleiten“. Seitdem sind die Tesla-eigenen 4680-Zellen serienmäßig einzig im Cybertruck verbaut. Doch der entwickelte sich zum Ladenhüter und benötigt daher weniger Zellen als gedacht. Die Volumenbringer Model Y oder Model 3 setzen dagegen weiterhin auf 2170er NMC- oder LFP-Zellen.


Ein unerwartetes Schlaglicht auf diese Situation warf im Dezember der südkoreanische Batteriematerial-Hersteller L&F, der meldete, dass das Volumen seines Liefervertrags für Kathodenmaterialien von Tesla „aufgrund einer Änderung der Liefermenge” von ursprünglich rund 2,9 Milliarden US-Dollar auf nur rund 7.000 US-Dollar gekürzt wurde. Wahrscheinlichste Ursache der Stornierung seitens Tesla: die schwache Nachfrage nach dem Cybertruck. Denn Insidern zufolge waren die Kathodenmaterialen mit besonders hohem Nickelgehalt von L&F für die 4680er Rundzellen von Tesla vorgesehen.

Und jetzt rücken die Texaner im Jahresbericht selbst mit der Nachricht raus, dass die eigenen 4680-Zellen wieder in einigen Model Y verbaut werden sollen. Als Grund nennt der Hersteller offiziell allerdings die Absicherung gegen „Handelshemmnisse und Zollrisiken“, falls etwa chinesische Batteriepartner von Tesla mit Zöllen oder Exportlimits belegt werden. Die Argumentation ist sicher richtig. Es darf aber spekuliert werden, ob sie den Kern trifft. Denn für das Model Y finden sich sicher mehr Käufer als für den Cybertruck. So oder so: Die Hiobsbotschaft von L&F weist auf jeden Fall daraufhin, dass Tesla keine Ambitionen hegt, die 4680er-Produktion in Kürze großartig zu skalieren. 

Zur Einordnung: Die 4680-Batteriezelle hat einen Durchmesser von 46 Millimetern und eine Höhe von 80 Millimetern – daher die Bezeichnung 4680. Die 4680 sollte günstig in der Herstellung und zugleich reichweitenstark sein – und sie sollte in einem günstigen Tesla für nur 25.000 US-Dollar zum Einsatz kommen, der aber bis heute auf sich warten lässt und der von CEO Elon Musk wohl auch nicht mehr weiter verfolgt wird. 

assets-ir.tesla.com (PDF, Seite 9), electrek.co

22 Kommentare

zu „Rolle rückwärts: Tesla verbaut eigene 4680-Zellen wieder im Model Y“
ID.alist
29.01.2026 um 14:32
Der Model Y mit 4680 Zellen war ein großes Fiasco. Die Ladegeschwindigkeit war selbst für Tesla besonders schlecht und die Batterie obwohl vollbelegt mit Zellen hatte eine niedrigere Kapazität.Aber jetzt wird alles viel besser.ROFL
F.
30.01.2026 um 10:45
Naja, andere wie PowerCo haben das Fiasko erst noch vor sich. Oder aber sie trauen es sich ohnehin nicht zu und bleiben besonders tief in der Abhängigkeit. Ich finde es schon bemerkenswert, wie Tesla bei den eigenen Zellen doch nach und nach Fortschritte macht. Nicht so schnell wie einst herausposaunt, Elon-Time eben, aber doch viel beeindruckender als alles andere unter den nicht-asiatischen Herstellern. Inzwischen haben sie sogar die eigene Lithium-Raffinerie in Texas am Start.
Branchenkenner
06.02.2026 um 16:25
Nein, PowerCo ist deutlich besser aufgestellt
Alexander
31.01.2026 um 17:40
Keine Ahnung wie man überhaupt noch Interesse an diese Firma haben kann.
D-Tric
29.01.2026 um 21:07
Naja, man hat in den zwei Jahren sicher sicher auch Fortschritte bei der Produktion gemacht.
Lef
29.01.2026 um 21:50
Wenn der Preis stimmt geht das schon klar. Schneller als jeder neue ID wird er schon laden können. Das ist aber auch nicht sonderlich schwer.
Micha
30.01.2026 um 08:40
Ähm, dass die MEB-Modelle allesamt schneller laden als die Teslas, ist dir aber schon bewusst? Beispiel: Aktuelles Model Y Performance 36 min von 10-80%. ID.4 Pro 28 min von 10-80%. Nicht nur auf den Ladepeak schauen, der bei Tesla sofort drastisch absinkt.
Bernd
30.01.2026 um 11:00
10%-80%: Model Y mit BYD-Zellen: ca. 20 Minuten Model Y mit CATL6M: ca. 23 Minuten Hinzu kommt der geringere Verbrauch. Ergo: mehr km pro Stunde nachgeladen - und DAS ist das einzige, was zählt. Was bringt mir eine Kutsche, die zwar vermeintlich schneller lädt, aber auf Strecke dann auch teils deutlich mehr verbraucht...
Micha
30.01.2026 um 11:41
Beim Verbrauch gebe ich dir recht. Aber was die Ladezeit angeht, kann ich keine Quelle finden, die das belegt. Für alle aktuellen Tesla-Modelle liegen die Zeiten bei 28min bis eben über 30 min. Also: Quelle?
ioniqKnechter
30.01.2026 um 10:03
Micha, Klar, der ID.4 Pro lädt von 10–80 % in ca. 28 Minuten und damit schneller als das Model Y Performance mit rund 36 Minuten – Glückwunsch zum Lade-Sprint. Auf 1.000 km ist trotzdem meist der Tesla früher am Ziel, weil er weniger Energie pro km verbraucht und dadurch weniger kWh nachladen muss (siehe Björn Nyland oder Andreas Haehnel) . Im Hyper-Miling (extrem sparsames Fahren) verbraucht das Tesla Model Y tendenziell weniger als der VW ID.4, dank besserer Aerodynamik und Effizienz. Ergebnis, so überraschend es für dich sein mag- weniger Ladebedarf schlägt kürzere Ladezeit. Peak-kW ist halt wie Topspeed auf dem Tacho – nett fürs Datenblatt, aber - Effizienz entscheidet.
Gerd
30.01.2026 um 10:09
Ich fahre selten 1.000km am Stück, solche Vergleiche jucken mich nicht. Wenn ich einmal in der Woche auf dem Arbeitsweg zum Schnelllader fahre, dann kommt es für mich ohne Wallbox darauf an, wie lange ich stehe. Und im Pendelverkehr kommen neben Aerodynamik etc noch andere Faktoren zum Tragen.
Branchenkenner
29.01.2026 um 23:26
Die ID. Modelle haben das beste 400V System der Welt. Schneller als diese wird Tesla auf jeden Fall nicht laden
Bernd
30.01.2026 um 10:50
Mein Tesla Model Y von 10%-80% in 23min30sek gemessen, CATL6M-Akku. Die vorherigen BYD-Zellen waren noch ein ticken schneller. Also nicht immer so Stammtischparolen raushauen, welche garnicht stimmen.
Branchenkenner
31.01.2026 um 00:33
MEB läd seit Jahren in 24 Minuten von 10% auf 80%. In der Realität sind auch 23 Minuten 30 Sekunden machbar. Teslaschafft das aktuell nicht. Dazu gibt es keine Daten. In diesem Jahr wird es außerdem Upgrades und Updates geben. Der neue 56kWh Akku der z.B. im ID. Polo zum Einsatz kommt läd z.B. in 23 Minuten von 10% auf 80%. In der Realität werden es wohl knapp unter 23 Minuten. Wie die Ladezeiten und die Akkus bei den aktuellen MEB-Fahrzeugen konkret aussehen muss man abwarten, aber 22-23 Minuten könnte man eventuell sehen. Das Volkswagen mit 400V Systemen im Vergleich zu 800V nicht mithalten kann ist klar, geplant war ja die 800V SSP-Plattform für die meisten Fahrzeuge ab Ende 2026 zu nutzen, nun wird es aufgrund von Verzögerungen erst Ende 2028. Aber das signalisiert ja das Volkswagen es bereits vorher verstanden hat. Die 800V PPE-Plattform von Audi/Porsche sollte Mitte 2022 an den Start gehen, doch es wurde aufgrund von Verzögerungen Mitte 2024. Ein Audi Q6 im Jahr 2022 mit 800V wäre echt gut. Was machtTesla da eigentlich die ganze Zeit bis heute? Aufgrund der vielen Verzögerungen musste Volkswagen die MEB-Plattform verbessern was so gar nicht geplant war, mittlerweile hat man das beste 400V-System weltweit.
Dixi K
30.01.2026 um 05:50
Rolle Rückwärts gibt es nur bei den Medien und der Berichterstattung. lol
FSM
30.01.2026 um 07:50
"...Liefermenge von ursprünglich rund 2,9 Milliarden US-Dollar auf nur rund 7.000 US-Dollar gekürzt wurde." Sind Siebentausen Dollar im Text richtig?
Simon10
30.01.2026 um 07:52
"Die Hiobsbotschaft von L&F weist auf jeden Fall daraufhin, dass Tesla keine Ambitionen hegt, die 4680er-Produktion in Kürze großartig zu skalieren"Oder darauf, dass Tesla nicht mehr auf L&F angewiesen ist, da sie jetzt selbst ihre Elektroden produzieren können. So oder so: die 4680er ergeben nur Sinn, wenn sie auch besser sind.
Erik Loffler
30.01.2026 um 13:19
Tesla und Ankündigungen sind wie Schall und Rauch. Von CATL und BYD werden bereits ganz andere, leistungsstärkere Batterien angekündigt und erfahrungsgemäß auch realisiert. Also Tesla und 4680 sind ganz sicher nicht die Zukunft, sondern jetzt schon eher graue Vergangenheit.
Silverbeard
31.01.2026 um 07:24
Das ist eine Frage der Erwartung an ein Produkt. Tesla möchte nicht die fortschrittlichsten Autos anbieten, sondern den Preis möglich niedrig halten.Selbst Zellen zu produzieren und das ohne Lizenzgebühren hilft die Preise zu senken. Außerdem macht es unabhängiger von Lieferschwierigkeiten. Egal ob ein Schiff im Ärmelkanal feststeckt, oder ein durchgeknallter Präsident wild Zollprozente verteilt.Grundsätzlich glaube ich aber auch, dass Rundzellen bei der Wärmeabfuhr (und damit bei der Energieaufnahme oder -abgabe) Nachteile gegenüber Formen mit mehr Oberfläche haben.
Branchenkenner
06.02.2026 um 16:28
Tesla möchte natürlich nicht die Preise möglichst niedrig halten, Tesla versucht die Preise so hoch wie möglich anzusetzen für Technik die längst überholt ist und für so wenig Ausstattung wie möglich. Funktioniert halt nicht mehr da die Konkurrenz deutlich bessere Fahrzeuge im Angebot hat oder deutlich günstiger ist, oder sogar beides (chinesische Hersteller). Bisher haben noch Subventionen und CO2-Zertifikate geholfen das Tesla eine relativ hohe Marge durchgedrückt bekommt, das ist aber nun auch vorbei. Mit Kundenfreundlichkeit hat das nichts zu tun, im Gegenteil, Kunden wurden über den Tisch gezogen
Silverbeard
30.01.2026 um 17:38
Rolle rückwärts ist für mich etwas anderes. Tesla möchte ja die eigene neu entwickelte Zelle verwenden, es ging nur bisher nicht wegen der Produktionsmenge. Es ist eher eine verspätete Rolle vorwärts.
Rico
07.04.2026 um 13:21
Das Trockenelektrodenverfahren verzichtet vollständig auf die bei konventionellen Lithium-Ionen-Zellen üblichen Lösungsmittel. Stattdessen werden die pulverförmigen Bestandteile mechanisch verdichtet. Dadurch sinken sowohl der Energie- als auch der Platz- und Kostenbedarf deutlich. Nach Angaben des Fraunhofer ISIT lässt sich der Energiebedarf um bis zu 80 % ( ich vermute eher nur 40 % ) und der Flächenbedarf um bis zu 70 % reduzieren. Diese Rundzellen sollen 2027 in Grünheide produziert werden. Die Stromerzeugung liegt in Brandenburg teilweise schon bei 60 bis 70% erneuerbare Energie. Ein Model Y in Grünheide was mit diesen Rundzellen produziert wird, ergibt den wahrscheinlich geringsten CO2 Rucksack aller E-Autos weltweit. Es geht nicht nur um schneller am schnellsten und fette Akkus, sondern um die Umweltkosten. Stichwort vertikale Produktion und kurze Lieferketten.

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