EnBW startet Feldtest mit XCharge-Ladesäulen

Die EnBW testet die Hard- und Software des Herstellers XCharge. Im August 2025 wurde bereits eine Ladestation an der EnBW City installiert. Nun folgt der erweiterte Feldtest an drei weiteren Standorten in Baden-Württemberg.

Enbw xcharge c7 ladestation stuttgart
Bild: EnBW

Neben einer weiteren Schnellladestation am Standort EnBW City in Stuttgart wurden drei weitere Standorte – Rutesheim, Durlach Center in Karlsruhe sowie der Standort am Bahnhof Karlsruhe – in den Test einbezogen, wie die EnBW mitteilt. Insgesamt sind damit nun zehn XCharge-Ladestationen im sogenannten „HyperNetz“ der EnBW verfügbar.

Bisher setzt die EnBW fast ausschließlich die DC-Ladesäulen von Alpitronic ein. Die Hypercharger HYC200 und HYC400 sowie die Vorgänger-Generationen HYC150 und HYC300 machen den Großteil der EnBW-Ladesäulen aus. Erst in der vergangenen Woche haben die EnBW und Alpitronic ihre langjährige Partnerschaft verlängert und vertieft. Alpitronic wird auch in Zukunft der Hauptlieferant bleiben – aber wohl kein exklusiver Partner mehr.

„Im Rahmen ihrer Strategie testet die EnBW zusätzlich immer wieder Ladestationen und Software verschiedener Hersteller“, erklärt das Unternehmen. Ziel sei es, „die Resilienz des Schnellladenetzes zu stärken und unabhängiger von einzelnen Herstellern zu werden“. „Die Abhängigkeit von einem einzigen Lieferanten birgt Risiken, insbesondere in Zeiten globaler Unsicherheiten und Lieferkettenproblemen“, erklärt Volker Rimpler, Chief Technology Officer E-Mobilität bei der EnBW. „Deshalb prüfen wir kontinuierlich die Lieferantenmärkte und testen vielversprechende Technologien, um unsere Lieferketten widerstandsfähig und wirtschaftlich aufzustellen.“

Nur: Bisher hat die EnBW solche Test nicht öffentlich gemacht, sondern vor allem im Labor durchgeführt. Schon die Inbetriebnahme der ersten XCharge-Säule im August hatte in der Branche für Aufsehen gesorgt, wurde aber – anders als jetzt der erweiterte Feldtest – nicht groß kommuniziert.

EnBW testet XCharge C7 mit bis zu 400 kW

XCharge hat seine Wurzeln zwar in China, steuert sein internationales Geschäft aber seit wenigen Wochen von einem Doppel-Hauptsitz in Hamburg und Austin aus. Der Ladegeräte-Hersteller hat mehrere Produkte in seinem Schnelllade-Portfolio, darunter auch einen Batterie-gestützten HPC. Die EnBW hat sich aber für den C7 Ultra-Fast Charger von XCharge entschieden, der – wie die Hypercharger HYC400 – bis zu 400 kW Ladeleistung bietet. „Der C7 Ultra-Fast Charger liefert bis zu 400 kW bei maximal 600 A und ermöglicht dadurch deutlich kürzere Ladezeiten. Er verfügt über zwei CCS-Anschlüsse, eine benutzerfreundliche Touchscreen-Oberfläche sowie ein kompaktes, modulares Design, das Installation und Wartung vereinfacht“, so XCharge. „Optional verfügbare flüssigkeits- oder luftgekühlte Kabel erlauben einen flexiblen Betrieb unter hoher Last, während die eichrechtskonforme Abrechnungszertifizierung die Einhaltung der Mess- und Abrechnungsvorschriften in öffentlichen Netzen sicherstellt.“

Seit über zwei Jahren testet die EnBW die Hard- und Software von XCharge, zunächst im Labor und seit August auch an dem Ladepark EnBW City am Stuttgarter Büro des Energieversorgers. „XCharge erfüllt bislang sämtliche Anforderungen in Technik, Service, Datenschutz und Software“, sagt Rimpler. „Wir haben mehrere tausend Ladevorgänge im Labor analysiert und die Hard- und Software darauf aufbauend kontinuierlich weiterentwickelt.“

Mit der Erweiterung um drei weitere Standorte – darunter auch der Flagship-Ladepark in Rutesheim, der einst als erster großer EnBW-Ladepark in Autobahn-Nähe eröffnet wurde – will die EnBW vor allem mehr Daten sammeln. Kunden können an zehn XCharge-Säulen laden, in aller Regel handelt es sich aber um gemischte Standorte – es sind also weiterhin die als zuverlässig geltenden Hypercharger vor Ort als Alternative verfügbar.

„Die Ergebnisse des erweiterten Feldtests dienen der EnBW zukünftig als Grundlage der Evaluation, wie die weitere Zusammenarbeit mit XCharge fortlaufend gestaltet werden kann“, teilt das deutsche Unternehmen mit. Einen Liefervertrag mit XCharge gibt es also noch nicht, ist aber offenkundig das Ziel der Tests – die EnBW bezeichnet die „strategische Diversifizierung der Lieferantenbasis“ aus mehreren Gründen für wichtig.N eben wirtschaftlichen Aspekten gehe es auch um die langfristige Sicherung der Ladeinfrastruktur und deren technische Weiterentwicklung.

Und auch für XCharge sind die EnBW-Tests ein sehr wichtiges Projekt, denn im HPC-Markt in Deutschland und Europa dominiert derzeit vor allem Alpitronic, dazu kommen noch andere Hersteller wie Siemens, ABB E-Mobility oder Ekonergetyka, um nur einige Namen zu nennen. Ein Deal mit der EnBW würde für XCharge einen enormen Sprung bedeuten, schließlich ist der größte Schnellladebetreiber Deutschlands ein sehr namhafter Kunde.

Die Bedeutung betont auch Albina Iljasov, Head of Europe bei XCharge, verweist jedoch auf andere Gründe. „Dieses Projekt ist für uns besonders wichtig, da die Schnellladeinfrastruktur in Deutschland hohe technische und regulatorische Anforderungen stellt“, so Iljasov. „Wir sind sehr optimistisch, dass unser System unter diesen Bedingungen zuverlässig arbeitet. Somit ist dieser erweiterte Test für uns ein wichtiger Meilenstein und unterstützt den weiteren Ausbau des Schnellladens in Deutschland.“

enbw.com, schwartzpr.de

8 Kommentare

zu „EnBW startet Feldtest mit XCharge-Ladesäulen“
Niclas
22.12.2025 um 17:56
Ein staatliches Unternehmen wie die EnBW sollte keine Ladesäule aus China kaufen, sondern die Europäische Wertschöpfung fördern.
kritisch Hinterfragen
23.12.2025 um 21:20
Aber die "Wertschöpfung" in einem Land zu fördern, welches von der 'Fratelli d’Italia' regiert wird, ist okay?
Daniel
23.12.2025 um 14:20
Offensichtlich gibt es kein wettbewerbsfähiges Produkt aus Europa. Und die komplette Abhängigkeit von einem Hersteller aus Italien ist auch keine Lösung.
Tom
23.12.2025 um 21:21
Nonsens! Siemens produziert in Deutschland und Portugal.
Simon
23.12.2025 um 09:09
Irgendwie nicht ganz nachvollziehbar wieso ein Betrieb, dessen Haupteigner das Land und die kommunale Energieversorger sind, in China Ladesäulen einkauft.
Massimo
25.12.2025 um 17:19
Europa erstickt an seinem chronischen Wettbewerbsversagen. Dessen Konsequenz sind überhöhte Preise, ausgepresste Konsumenten sowie eine kalte Umverteilung der Wohlfahrt zugunsten der Produzenten, die politisch bestens (EVP) gepolstert sind. Die deutsche Regierung spielt dabei willig den Steigbügelhalter für Finanzeliten, während sie den Markt systematisch kastriert. Wer bei der italienischen Regierung keinerlei rote Flaggen sieht, gleichzeitig aber beim Wort „China“ in moralische Schnappatmung verfällt, und dann auch noch glaubt, staatlichen Institutionen seine provinziellen geopolitischen Vorurteile aufdrücken zu dürfen, hat kein Wertefundament sondern einen intellektuell verwahrlosten, opportunistisch geeichten politischen Kompass.
Paul Kaiser
23.12.2025 um 11:57
Irrtum, die HYC400 kommen aus Bozen, ich war immer der Annahme dies sei in Südtirol, das jetzt sogar Südtirol schon zu China gehören sollte, dies ist mir neu.Dipl.-Ing. (FH) Paul Kaiser
Bernhard
23.12.2025 um 16:46
Herr Dipl.-Ing. (FH) Paul Kaiser Im Bericht gehts um die XCharge Ladestationen aus China ;) Bitte zumindest den Artikel lesen vorm Kommentieren ;)LG und schöne Weihnachten Dipl.-Ing. (ohne FH, absolvent einer TU) Bernhard Nachnameunbekannt BSc.

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