Deutsche CO2-Emissionen aus dem Verkehr steigen wohl weiter

Deutschlands Treibhausgasemissionen sind laut aktuellen Berechnungen von Agora Energiewende 2025 nur leicht um neun Millionen Tonnen CO2 beziehungsweise 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken. Im Verkehr und bei Gebäuden sind die Emissionen 2025 laut Agora-Schätzung sogar gestiegen.

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Deutschland hat gemäß der Angaben von Agora Energiewende im vergangenen Jahr 640 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente ausgestoßen – also nicht nur Kohlendioxid, sondern auch andere Treibhausgasemissionen (inklusive Stoffe wie Methan und Lachgas), die als CO₂-Äquivalente umgerechnet in die Emissionsbilanz eingerechnet werden. „Damit liegen die Emissionen um 49 Prozent niedriger als im Referenzjahr 1990. Zwar hält die Bundesrepublik das nationale Jahresemissionsziel für 2025 ein, insgesamt fiel die Minderung jedoch weniger als halb so hoch aus wie noch im Vorjahr“, wie der Berliner Thinktank mitteilt.

Die Emissionsminderung 2025 ergebe sich zum einen aus Produktionsrückgängen in der energieintensiven Industrie, hier aber zum Teil „bedingt durch eine andauernde Nachfrageschwäche und die angespannte Lage an den Weltmärkten“. Und zum anderen aus einer Rekorderzeugung von Solarstrom. „Die Energiewirtschaft konnte 2025 jedoch vor allem witterungsbedingt weniger Minderungen als in den Jahren zuvor erreichen“, so Agora Energiewende.

Zwar ist auch Solarstrom als saubere Energiequelle für die Elektromobilität wichtig, im Verkehrssektor und bei Gebäuden sind die Emissionen 2025 laut Agora-Schätzung sogar gestiegen. Ein „etwas höherer Kraftstoffverbrauch“ habe die Verkehrsemissionen um zwei Millionen Tonnen CO (beziehungsweise 1,4 %) gegenüber 2024 gesteigert, wie Agora Energiewende errechnet hat. Und bei den Gebäuden hat vor allem der erhöhte Öl- und Erdgasverbrauch zum Heizen aufgrund eines kalten Jahresbeginns 2025 dafür gesorgt, dass die Emissionen in diesem Sektor um drei Millionen Tonnen (bzw. 3,2 %) gestiegen sind.

Deutschland muss wohl mehr CO2-Zertifikate einkaufen

Das führt laut der Mitteilung dazu, dass die Bundesrepublik nach bisher verfügbaren Daten abermals die im Rahmen der sogenannten Effort Sharing Regulation festgelegten europäischen Klimaschutzvorgaben um rund 30 Millionen Tonnen CO2 verfehlt. Das bedeutet, dass Deutschland sein EU-Emissionsbudget für Gebäude und Verkehr zu schnell verbraucht und nach derzeitigen Entwicklungen bis 2030 zusätzliche Zertifikate in Höhe von bis zu 34 Milliarden Euro kaufen müsste. 

Wichtiger Hinweis: Bei den hier genannten CO2-Emissionen handelt es sich um Berechnungen von Agora Energiewende. Die „offiziellen“ Zahlen des Umweltbundesamtes (UBA) werden in der Regel später veröffentlicht und durch unabhängigen Expertenrats für Klimafragen geprüft. Aber auch in diesen Berichten hat Deutschland in der Vergangenheit im Verkehrssektor zu viel CO2 ausgestoßen. 2024 hatte die damalige Ampel-Koalition die einzelnen Sektorziele wieder aufgehoben, Deutschland muss seitdem seine CO2-Einsparungen nur noch in der Gesamtschau erreichen – höhere Emissionen aus dem Verkehr und den Gebäuden können dann mit Einsparungen in anderen Bereichen auf dem Papier kompensiert werden

„Wind- und Solarenergie bleiben auch 2025 das Rückgrat der Energiewende in Deutschland. Allerdings kann der Stromsektor – bisher das Zugpferd der Emissionsminderung – die Versäumnisse beim Umstieg auf Klimatechnologien in Verkehr und Gebäuden nicht dauerhaft ausgleichen“, sagt Julia Bläsius, Direktorin von Agora Energiewende Deutschland. „Dabei zeigt der Trend beim Absatz von strombetriebenen Technologien wie E-Autos und Wärmepumpen international nach oben und auch in Deutschland ging es 2025 leicht bergauf. Den Rückenwind sollte die Bunderegierung nutzen: Indem sie die heimische Nachfrage und damit die Industrie stärkt, gelingt Deutschland der Anschluss bei Zukunftstechnologien.“

Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH) sieht in den Zahlen von Agora Energiewende einen „weiteren Beleg für das vollständige politische Versagen im Verkehrssektor“. „Seit Jahren werden wirksame, sofort umsetzbare Maßnahmen wie ein Tempolimit oder der Abbau klimaschädlicher Subventionen blockiert und verschleppt“, so Resch. „Dieses Nichtstun offenbart die Ignoranz und politische Verantwortungslosigkeit der Bundesregierung gegenüber zukünftigen Generationen, die ein Recht auf ausreichenden Klimaschutz haben, und ist ein klarer Verstoß gegen das Klimaschutzgesetz, da die Bundesregierung sehenden Auges das Verfehlen ihrer eigenen gesetzlichen Verpflichtungen in Kauf nimmt.“

agora-energiewende.de, presseportal.de (Resch-Zitat)

7 Kommentare

zu „Deutsche CO2-Emissionen aus dem Verkehr steigen wohl weiter“
Volker Jaschke
08.01.2026 um 10:36
Wenn man Hybrid fahrzeuge mit völlig unrealistischen CO2 Werten kalkuliert (und fördert) muss man sich nicht wundern das der tatsächliche Kraftstoffverbrauch in Summe ansteigt. Der Skandal ist aber, dass das alles in vollem Bewusstsein passiert.
Sörensen (DK)
08.01.2026 um 18:34
Volle Zustimmung! Auch zu Peters Kommentar. Ich kann nicht nachvollziehen, weshalb die deutsche Bevölkerung diesen eklatanten Missstand widerstandslos hinnimmt.
Kasimir (NO)
09.01.2026 um 17:34
Da bin ich ganz bei Euch. Wäre ich nicht schon vor fünf Jahren ausgewandert, wäre spätestens jetzt der richtige Zeitpunkt. In seiner Außenwirkung gibt Deutschland derzeit ein sehr schlechtes Bild ab. Andere EU-Länder sind klimapolitisch deutlich besser unterwegs.
Peter
08.01.2026 um 11:57
Die Abschaffung der Sektorziele wird sich noch massiv rächen, sobald der Energiesektor die Versäumnisse im Verkehr und bei Gebäuden nicht mehr überkompensieren kann. Aber solange er das noch schafft, sieht es wohl nach "Augen zu und durch" aus. Auch dieser Bericht bzw. die bald folgende Veröffentlichung des UBA wird die Gefahr zum x-ten Mal aufzeigen, woraufhin Schulterzucken folgt.Beim Thema "schwarze Null" wurde immer stark betont, dass man zukünftigen Generation keine Schulden aufbürden möchte, während beim Thema Klimaschutz ohne Not ein immenser Berg an zukünftigen Kosten für Emissionszertifikate aufgetürmt wird (und man natürlich noch krassere Klimafolgen auch einfach an die Zukunft abgegeben werden).
Why Not?
08.01.2026 um 12:35
Die 34Mrd.für die Emissionszertifikate kommen denen zugute die jetzt schon Elektroauto fahren mit stark gestiegenen THG-Quoten. Ich nehme das Geld zwar mit, würde aber gern darauf verzichten wenn endlich durch richtige Entscheidungen die Emissionen gesenkt würden. Ein Tempolimit wäre ein erster kostenloser Schritt mit erheblichen Gewinn. Statt Förderung sollte die CO2 Abgabe deutlich steigen und die Einnahmen sozial gestaffelt als Klimageld ausgezahlt werden. Dann regelt der Markt das schon und es geht voran! Die Förderungen haben die Elektroautos und Wärmepumpen nur verteuert wo Hersteller und Händler sich das Geld einverleibt haben.
Lanzu
08.01.2026 um 22:30
CO2-Zertifikate und auch Effort Sharing sind unabhängig vom THG-Quotenhandel. Das sind andere Systeme. Das Geld für die THG-Quote kommt direkt von Inverkehrbringen von Emissionen im Verkehrssektor, die eine entsprechende Quote nachweisen müssen.
Klara
09.01.2026 um 02:13
Allgemeines Tempolimit? Ja, bitte! Jahrzehntelang überfällig und ebenso lange vom Patriarchat aus Politik, Autoindustrie und willfährigen Bou­le­vardmedien verhindert. Wer schneller als 130 fahren will, soll sich auf der Rennstrecke austoben; bei unseren europäischen Nachbarn ist das längst Normalität. Jede eingesparte Tonne CO₂ zählt, egal ob BEV oder Verbrenner. Das politische Mantra, mit mehr BEVs werde „automatisch langsamer gefahren“, ist unbelegt und nichts als performative Ausrede. Rasen folgt immer demselben egozentrischen Impuls: "Ich kann, ich darf, ich will." Ohne diese toxische Machismo-Kultur des Rasens wäre das Tempolimit längst Realität. Nun: Manege frei für euren immerwährenden Whataboutism und das ritualisierte Echauffieren derer, denen beim Gedanken an Verbote sofort das narzisstische Selbstbild zerbröselt.

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