Volkswagen ordert Qualcomm-Chips für Infotainment seiner künftigen Smartcars

Volkswagen entwickelt aktuell mit Rivian vernetzte E-Fahrzeuge der neuen Generation – und sichert sich nun Qualcomms System-on-Chips (SoCs) für deren künftige Infotainment-Funktionen. Konkret haben sich beide Seiten auf eine "langfristige Lieferkooperation" ab 2027 verständigt.

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Bild: Volkswagen

Qualcomm soll für Volkswagen zu einem wichtigen Technologieanbieter beim Aufbau der neuen, zonalen SDV-Architektur des Volkswagen-Konzerns werden. SDV steht für „Software-Defined Vehicle“ und die Wolfsburger setzen bei ihren künftig stark vernetzten Fahrzeugen für die westliche Hemisphäre bekanntlich auf die E/E-Architektur von US-Startup Rivian. Dazu haben beide Seiten 2024 das Joint Venture RV Tech („Rivian and Volkswagen Group Technologies“) gegründet. Debütieren soll das gemeinsame System dieses Jahr im Rivian R2, erster Volkswagen mit der neuen SDV-Architektur wird das Serienmodell des ID. EVERY1, das voraussichtlich 2027 auf den Markt kommt und ID.1 oder ID.Up heißen dürfte.

Bemerkbar machen soll sich die zonale Elektronik-Architektur und die dazugehörige Software durch neue, hochautomatisierte Fahrfunktionen und moderne Infotainment-Features. Diese sollen dank zeitgemäßer „Over-the-Air“-Updates auch Jahre nach der Auslieferung auf dem neuesten Stand gehalten werden. Grundsätzlich sollen die von RV Tech entwickelten Lösungen bei Volkswagen in die Konzernmodelle auf Basis der künftigen SSP-Architektur („Scalable Systems Platform“) Einzug halten.

VW setzt auf Snapdragon Digital Chassis-Technologie

Mit Qualcomm kürt Volkswagen nun per Absichtserklärung einen der zentralen Zulieferer für die Software-Aufwertung seiner Fahrzeuge. Die „langfristige Lieferkooperation“ wird dabei nicht näher definiert. Auftragsvolumen und -wert bleiben also ebenso unklar wie die angedachte Laufzeit der Vereinbarung. Als Ziel nennt Volkswagen nur recht allgemein „die Einführung fortschrittlicher Infotainment- und Konnektivitätsfunktionen unterstützt durch Qualcomms Snapdragon Digital Chassis-Technologie“.

Die angestrebte Lieferkooperation wird dabei allen voran von Audi und Volkswagen Pkw vorangetrieben – jedoch explizit mit dem Ziel „einer konzernweiten Wirkung“, wie es heißt. Im Rahmen der Absichtserklärung wollen die Konzernmarken zudem Qualcomms Snapdragon 5G Modem-RF und V2X-Technologie in ihre kommenden SDV-basierten Fahrzeuge integrieren. Dies soll sehr schnelle Konnektivität und Echtzeit-Kommunikation für ein sichere, intelligentes und vernetztes Fahren ermöglichen. Und: Beide Unternehmen geben an, zudem Möglichkeiten für weitere gemeinsame Innovation prüfen zu wollen („einschließlich KI-gestützter Technologien zur Verbesserung von Sicherheit, Personalisierung und intelligenter Mobilität“).

Fakt ist: Beide Partner kennen sich bereits gut. Eine bestehende Zusammenarbeit mit Qualcomm Technologies umfasst die Automated Driving Alliance (ADA), die gemeinsame Initiative von der Volkswagen Software-Unit Cariad und Bosch zur Entwicklung hochautomatisierter Fahrfunktionen. Volkswagen sieht dadurch seine Strategie bekräftigt, „die Beschaffung wichtiger Komponenten zu bündeln und seine Expertise in der Integration von Halbleitern und KI-Technologien auszubauen […].“ Ziel sei es, technologisch führende Produkte in unterschiedlichen Segmenten, Preisklassen und internationalen Märkten anzubieten.

In der Rivian-Volkswagen-Allianz beabsichtigen die Entwickler allen voran, die Qualcomm-Technologie zu nutzen, um personalisierte, digitale Fahrerlebnisse auf Basis der zonalen SDV-Architektur zu entwickeln. Letztere zeichnet sich durch mehrere modulare Zentralrechner aus, die sämtliche Fahrzeugfunktionen steuern. Künftige Fahrzeuge mit dieser Technologie können laut den Wolfsburgern u.a. KI-gestützte Funktionen bieten, die Bedürfnisse der Insassen vorausschauend erkennen und aktive Unterstützung leisten –“ von personalisierten Klima- und Sitzkomfort-Einstellungen bis hin zu optimierten Routen sowie intuitiver Sprach- und Gestensteuerung“.

Auch Cariad trägt Teil zum Gesamtergebnis bei

Parallel beabsichtigt die Automated Driving Alliance (ADA) – besagte Initiative von Cariad und Bosch – die Snapdragon Ride Elite Plattform einsetzen, um die Entwicklung des automatisierten Fahrens voranzutreiben. Ziel von ADA sei ein KI-basiertes Gesamtsystem für hochautomatisiertes Fahren, das marken- und modellübergreifend skalierbar und vollständig kompatibel mit der SDV-Architektur ist, teilt Volkswagen mit. Die dauerkriselnde Cariad soll auf diese Weise also ihren Teil zum Gesamtergebnis beitragen.

Karsten Schnake, Beschaffungsvorstand der Marke Volkswagen Pkw und Mitglied der Erweiterten Konzernleitung, kommentiert: „Infotainment und Fahrerassistenzsysteme werden immer wichtiger für die Differenzierung unserer Produkte und haben einen deutlich gesteigerten Wertanteil am Fahrzeug. Mit Qualcomm als Partner für die Zukunft sichern wir langfristig unseren Zugang zu den dafür wichtigen Halbleitern.“ Qualcomm zähle im Bereich Automotive-Halbleiter zu den führenden Anbietern weltweit, so Schnake. „Gemeinsam setzen wir eine verlässliche Zusammenarbeit fort. So schaffen wir für Volkswagen noch mehr Effizienz, Stabilität und Planbarkeit in unserer Lieferkette – und stärken damit unsere Fähigkeiten in der Entwicklung wichtiger Technologiefelder.“

Nakul Duggal, Executive Vice President von Qualcomm, freut sich ebenfalls, die Zusammenarbeit zu vertiefen. „Das Snapdragon Digital Chassis bildet die Grundlage für softwaredefinierte Architekturen und ermöglicht Infotainment Systeme der nächsten Generation sowie fortschrittliche Fahrerassistenzsysteme, bei denen Sicherheit, Leistung und Skalierbarkeit im Vordergrund stehen. Gemeinsam mit Volkswagen bieten wir Millionen von Fahrern und Passagieren weltweit transformative Erfahrungen im Fahrzeug und stellen gleichzeitig die technologische Basis bereit, die erforderlich ist, um in der Ära der intelligenten Mobilität führend zu sein.“

Für Qualcomm ist es bereits der zweite publik gemachte Auftrag aus Deutschland innerhalb weniger Tage. Mitte der Woche gab bereits Zulieferer ZF an, mithilfe des US-Chipherstellers eine Plattform für automatisiertes Fahren kreieren zu wollen. Autohersteller sollen auf Basis dieser Kooperation schon bald schlüsselfertige ADAS-Lösungen für verschiedene Fahrzeugtypen und Automatisierungsniveaus bis Level 3 geboten bekommen.

volkswagen-group.com, qualcomm.com

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