Elektrischer Fernverkehr: DAF schiebt XG und XG+ Electric nach
DAF setzt seine Elektro-Roadmap weiter um und bietet nun auch seine Fernstrecken-Trucks XG und XG+ mit E-Antrieb an. Das ist nur konsequent, schließlich unterscheiden sich diese beiden Modelle technisch nicht vom bereits elektrifizierten XF. Der Schritt zu den strombetriebenen XG und XG+ war also nicht sehr groß. Zur Einordnung lohnt sich ein Blick zurück ins Jahr 2021: Seinerzeit präsentierte DAF seine neuen Verbrenner-Baureihen für den Fernverkehr. Für dieses Segment, das ehemals der XF allein abdeckte, wurde das Trio XF, XG und XG+ vorgestellt, wobei sich das Dreierpack bei der Kabinengröße unterscheidet. Hintergrund war, dass eine neue EU-Gesetzgebung seinerzeit neue Maße und Gewichte erlaubte. DAF war bei der Umsetzung schnell.
Künftig sollen die in der Trucker-Welt als luxuriös geltenden XG und XG+ also auch als Elektro-Trucks mit mehr als 500 Kilometern Reichweite punkten. DAF positioniert die beiden in seinem Sortiment als E-Lkw für den internationalen Transportverkehr und hebt – wie bei den Diesel-Pendants – ihren „ultimativen Fahrerkomfort“ hervor. Die Fahrerhäuser sind konkret 33 Zentimeter länger und auch höher als das Fahrerhaus des XF. Das Gesamtvolumen beziffert DAF auf 12,5 Kubikmeter, die Stehhöhe auf bis zu 2,2 Meter. Das Bett wartet durchgehend mit einer Breite von 80 Zentimetern auf. Mit Blick auf die Geräumigkeit weiterhin Top-Werte innerhalb der Branche.
Erhältliche Achskonfigurationen: 4×2 und 6×2
DAF gibt zudem an, dass XG und XG+ Electric als 4×2-Sattelzugmaschine und 6×2-Lkw mit gelenkter Nachlaufachse erhältlich sein werden. Wann der Marktstart konkret erfolgt und wann mit ersten Auslieferungen zu rechnen ist, präzisiert der Hersteller allerdings nicht. Technisch teilen sich die beiden Neu-Stromer die Technik mit dem XF Electric, der ebenso wie der etwas kleinere XD Electric seit Kurzem in Eindhoven vom Band läuft. Allesamt sind elektrische Ableger von bis dato reinen Verbrenner-Baureihen. Laut den Niederländern wurden die Elektroversionen jedoch bei der Entwicklung von Anfang an mitgedacht. Insofern sollen sie den vollelektrischen Transport bei DAF auch auf eine neue Ebene heben.
Der XG und XG+ Electric, der XD Electric und der XF Electric sind grundsätzlich die E-Modelle zwei bis fünf im aktuellen Portfolio – neben dem kleineren XB Electric (als 12-, 16- und 19-Tonner verfügbar). Die Debüt-Stromer des Unternehmens – der ab 2018 gebaute Dreiachser CF Electric mit bis zu 28 Tonnen und der Zweiachser LF Electric mit bis zu 19 Tonnen sind nicht mehr erhältlich. Der Sprung von der alten zur aktuellen E-Lkw-Generation fiel DAF dabei nicht leicht: Zwar feierten XD und XF Electric schon 2022 ihre Premiere im Umfeld der IAA Transportation in Hannover, doch die Serienfertigung verzögerte sich im Anschluss immer wieder. Erst im Schlussquartal 2025 meldete das Unternehmen Vollzug – nach rund zweieinhalb Jahren Verzögerung. Die Devise: Lieber gründlich als vorschnell: Die kürzlich an XD Electric und XF Electric verliehene Auszeichnung „Truck of the Year 2026“ steht denn auch für den Reifegrad der neuen E-Lkw-Generation.
Nachladen mit bis zu 325 kW DC
Positioniert werden die neuen Elektro-Trucks nun wie folgt: Der mittelgroße XB Electric ist im städtischen Verteilerverkehr zu Hause, der XD Electric erledigt den städtischen, regionalen und überregionalen Verteilerverkehr, der XF Electric soll im Güterfernverkehr antreten und der XG bzw. XG+ Electric im nationalen und internationalen Fernverkehr. Alle Modelle verfügen über modulare Antriebsstränge mit E-Motoren von Paccar, die bis zu 350 kW leisten, und eine Reihe von LFP-Batteriepacks, die mit bis zu 325 kW geladen werden können.







Als Paccar-Tochter will DAF vor allem seine Stärke beim Motoren-Knowhow ausspielen: In den Fahrzeugen kommen deshalb je nach Kunden-Anforderung unterschiedliche E-Antriebe unter Rückgriff auf die EX-Motorenfamilie von Paccar zum Einsatz. Der Antrieb Paccar EX-D1 wird mit 170, 220 oder 270 kW angeboten. Der Paccar EX-D2 mit 270, 310 oder 350 kW. Beide Motoren werden mit einem Drei-Gang-Getriebe von ZF kombiniert. Das Drehmoment hat DAF in der letzten Entwicklungsphase noch einmal erhöht: Waren zuletzt für den D1 und D2 ein maximales Drehmoment von 1.200 bzw. 1.975 Nm vorgesehen, sind es nun im Datenblatt 1.500 bzw. 2.400 Nm. Die maximale regenerative Bremsleistung beträgt 270 kW (D1) bzw 350 kW (D2).
XG und XG+ Electric ab Werk mit Paccar-Antrieb EX-D2
Die Antriebseinheit Paccar EX-D1 wird dabei nur im XD Electric für den Solobetrieb mit einem zulässigen Gesamtgewicht von bis zu 29 Tonnen eingesetzt. Der D2 sei für anspruchsvollere Anwendungen konzipiert und für Gesamtzuggewichte bis zu 50 Tonnen geeignet, heißt es. Im XF, XG und XG+ Electric ist dieser der Standardantrieb. Auch die Batterie von CATL mit LFP-Chemie kann stufenweise angepasst werden. Die kleinste Konfiguration in XG und XG+ Electric besteht aus drei Batteriepaketen mit insgesamt 315 kWh Energiegehalt. Die größte Option besteht aus fünf Packs mit insgesamt 525 kWh für gut 500 Kilometer Reichweite. Wie DAF auf Anfrage von electrive bestätigt hat, gestalten sich die Bestelloptionen wie folgt:
| Fahrzeugtyp | E-Motor | Motorleistung | Drehmoment | Anzahl der Batterien | Batteriepaket |
|---|---|---|---|---|---|
| XG/XG+ Electric | PACCAR EX-D2 | 270 kW | 2.400 Nm | 3 bis 5 | 315 bis 525 kWh |
| XG/XG+ Electric | PACCAR EX-D2 | 310 kW | 2.400 Nm | 4 bis 5 | 420 oder 525 kWh |
| XG/XG+ Electric | PACCAR EX-D2 | 350 kW | 2.400 Nm | 4 bis 5 | 420 oder 525 kWh |
Als Ladeleistung gibt DAF für das DC-Laden 325 kW an, ein AC-Onboardlader dürfte auch beim XG/XG+ Electric optional sein und bis zu 22 kW Ladeleistung mit Wechselstrom gewähren. Für das Ladefenster von 10 auf 80 Prozent Batterieladestand gibt DAF beim DC-Laden mit 325 kW gut 45 Minuten bei drei Packs und rund zwei Stunden bei fünf Packs an. Auf die Batterie gibt DAF acht Jahre Garantie. Ob die E-Lkw künftig auch eine MCS-Ladeport erhalten, lassen die Niederländer offen.
Als Stärke der E-Lkw nennt DAF neben den Antrieben von Mutter Paccar vor allem das selbst beigesteuerte Batteriemanagementsystem und das „extrem aerodynamische Design“. So warten alle Fahrerhäuser u.a. mit einer gebogenen Windschutzscheibe, abgerundeten Ecken und aufgefüllten Nähten und Spalten auf, um die Luft bestmöglich um das Gehäuse herumzuführen. Auch Seitenverkleidungen, Spoiler, Kotflügel und Digitalkameras statt Spiegeln sollen den Luftwiderstand verringern.
Flexible Positionierung der Batteriepakete
Was die Aufbauten angeht, verspricht DAF die von den Verbrennern bekannten Optionen. Möglich macht dies eine flexible Anbringung der Batteriepakete auf dem Fahrgestell. Und: Ein aus dem XF Electric bekanntes Feature dürfte ebenfalls in den elektrifizierten XG und XG+ Einzug halten: Die One-Pedal-Fahrfunktion, die am Lenkstockhebel für die Rekuperation eingestellt wird. Die gewünschte Bremsleistung ist bei den schon erhältlichen E-Schwerlast-Lkw der neuen Generation in den Schritten 33, 66 oder 100 Prozent einstellbar.
Äußerlich unterscheiden sich die Elektro-Modelle durch einige bewusst gesetzte Akzente von den Verbrennern, allen voran durch blaue Highlights am Kühlergrill und an den Scheinwerfern. Im Cockpit findet sich zudem eine digitale Instrumententafel, „die speziell entwickelt wurde, um einen schnellen Überblick über den elektrischen Antriebsstrang zu bieten, einschließlich Energieverbrauch, Ladestatus, Reichweite, Leistungsabgabe und Rekuperation“, so DAF. Das optional verfügbare Lkw-Navigationssystem zeige obendrein Ladestandorte an.
Eindhoven als Produktionsdrehscheibe
Gebaut werden die neuen Elektro-Lkw in Eindhoven. Der Bau der entsprechenden Halle und die Installation der Maschinen wurde laut früheren Angaben von DAF in 18 Monaten abgeschlossen. Bei dem Anfang 2023 eröffneten Montagewerk handelt es sich aber nicht um ein von Grund auf neues Werk, sondern um eine spezielle Montagelinie für die Elektro-Modelle, die auf dem bestehenden Werksgelände in Eindhoven in einer anderen Halle untergebracht ist als die Montage der Verbrenner-Lkw.
Die Herstellung der E-Lkw-Fertigung beginnt in Eindhoven mit einem in einem anderen Werkteil hergestellten Rahmen ohne Antriebsstrang, aber bereits mit montiertem Fahrerhaus. Die 4×2- und 6×2-Zugmaschinen und -Fahrgestelle werden dann in einem achtstufigen Prozess auf der Produktionslinie für die Elektro-Lkw-Montage mit allen nötigen Komponenten komplettiert. Neben der Fahrzeug-Montagelinie gibt es in der neuen Halle noch eine weitere Montage: Die Batteriepakete werden auf der Untermontagelinie zusammengebaut, während alle Hochspannungskomponenten, einschließlich Batterien und Antriebsstrang, auf der Hauptmontagelinie auf dem Fahrgestell montiert werden.
daf.com




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