Changan soll Modell-Offensive in Europa vorbereiten

Changan hat vor Journalisten seine weitere Produkt-Roadmap für Europa skizziert. So will der chinesische Hersteller binnen drei Jahren acht Neumodelle launchen – außerdem Plug-in-Hybrid-Versionen von bestehenden Modellen. Mit letzteren kann Changan die EU-Zölle auf Elektroautos aus China umgehen.

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Bild: Changan

Laut Automotive News Europe kalkuliert Changan in Europa bis 2030 mit Investitionen von zwei Milliarden Euro und der Einführung von acht Modellen – verteilt auf die drei Marken Deepal, Nevo und Avatr. Dabei beruft sich das Portal auf Aussagen von Wang Dong, stellvertretender Geschäftsführer von Changan Europe. Zusätzlich bestätigte der Manager die Einführung von Plug-in-Hybrid-Varianten der schon in mehreren europäischen Ländern erhältlichen Deepal-Stromer S05 und S07. Bei den beiden Baureihen handelt es sich um ein Mittelklasse-SUV und ein etwas kleineres Kompakt-SUV.

Was die weiteren Produktneuheiten angeht, soll Changan wie folgt planen: Drei Fahrzeuge dürften binnen der kommenden drei Jahre unter der Marke Nevo nach Europa kommen: ein kleiner Hatchback, ein kleines SUV (in China als Q05 sowohl voll- als auch teilelektrifiziert erhältlich) sowie ein Vollhybrid-Modell. Unter der Marke Deepal sollen das SUV G318 und die Limousine L07 sowie der große Van S09 in den Startlöchern stehen. Und die Luxusmarke Avatr bereitet den Aussagen des Managers zufolge ebenfalls zwei Modelle für den Marktstart „in ausgewählten europäischen Ländern“ vor.

Ergo steht eine größere Diversifizierung bevor. Bislang hat sich Changan in Europa allein auf die Einführung von vollelektrischen Pkw seiner Marke Deepal konzentriert. Schon beim Europa-Kickoff von Changan im Frühjahr 2025 in Mainz waren aber auch Stromer der Submarken Avatr und Nevo (damals noch unter der gleichnamigen Kernmarke Changan) zu sehen. Fakt ist: Auf die aus China importierten Deepal S07 und S05 zahlt Changan aktuell einen zusätzlichen EU-Zoll von 20 Prozent, die verstärkte Einfuhr von (Plug-in-)Hybriden macht aus Unternehmenssicht also Sinn.

Letzteres bestätigte auch Klaus Zyciora, Vizepräsident und globaler Designchef von Changan, im Dezember gegenüber Reuters: Das Unternehmen könne künftig auch EREV-, PHEV- und Hybridfahrzeuge verkaufen, wenn eine ausreichende Nachfrage bestehe. Außerdem sei auch der Verkauf leichter Nutzfahrzeuge denkbar, so Zyciora. „Wir werden die Resonanz der Verbraucher testen und sehen, wie wettbewerbsfähig unsere Angebote sind. In naher Zukunft werden viele neue Produkte auf den Markt kommen.“ Changan prüft früheren Statements zufolge auch Standorte für einen Werksbau in Europa. Dazu gibt es allerdings keinen neuen Stand.

Grundsätzlich will Changan mit seinen Submarken unterschiedliche Zielgruppen ansprechen. Die Marke Deepal soll für Fahrspaß und moderne Mobilität stehen und „junge und junggebliebene Menschen begeistern“. Mit der Kernmarke Changan nimmt der Hersteller dagegen eher Familien in den Blick, Avatr soll als Premiummarke preislich über den anderen beiden Ablegern rangieren. Die ersten Daten, die die Chinesen zu den in Mainz bereits ausgestellten Avatr 11 und Avatr 12 präsentieren, sprechen denn auch für einen gegenüber dem Deepal S07 schon anderen technischen Anspruch. Die Avatr-Stromer sollen u.a. mit 425 kW und bis zu 730 km Reichweite nach chinesischem Testzyklus aufwarten.

Changan gilt in China als viertgrößter Autobauer des Landes. Seinen Gesamtabsatz von zuletzt 2,9 Millionen Fahrzeugen in 2025 will der Konzern bis 2030 auf fünf Millionen hochschrauben. Dabei spielt die Expansion nach Europa eine nicht unbedeutende Rolle. Laut Automotive News Europe will Changan bis Ende der Dekade rund 1.000 Verkaufs- und Servicestandorte am Netz haben. Der Vertrieb in Europa variiert je nach Markt: In größeren Ländern wie Deutschland kommen dem Bericht zufolge eigene nationale Vertriebsgesellschaften in Kombination mit privaten Händlern zum Einsatz, in kleineren Märkten sollen unabhängige Importeure agieren. „Nationale Gesellschaften bestehen bereits in Deutschland, Großbritannien, Portugal und Norwegen. Ab Januar kommen Italien und Spanien hinzu. Für Frankreich gibt es Planungen, zu denen das Unternehmen keine Details nannte. In Griechenland und Serbien arbeitet Changan mit privaten Importeuren zusammen“, fasst das Portal zusammen.

Erwähnenswert ist, dass Changan in China erst vor einem halben Jahr quasi zum staatlichen Autobauer „befördert“ wurde. Über seine Muttergesellschaft galt der chinesische Autobauer zwar bereits zuvor als staatliches Unternehmen, war es aber tatsächlich nur indirekt. Das hat sich im Juli 2025 geändert, Changan operiert damit nun auf einer Ebene mit der FAW, SAIC und Dongfeng.

Konkret wurde Changan – oder genauer gesagt die China Changan Automobile Group Co – im vergangenen Sommer offiziell als staatliches Unternehmen mit einem Kapital von 20 Milliarden Yuan (umgerechnet rund 2,4 Milliarden Euro) neu gegründet. Zuvor gehörte Changan zur ebenfalls staatlichen China South Industries Group, war also „nur“ eine Tochter eines Staatsunternehmens. Neu ist nun, dass Changan Automobile als unabhängiger Automobilhersteller unter Kontrolle der chinesischen Zentralregierung agiert.

Die „Beförderung“ zum staatlichen Unternehmen hat zur Folge, dass dem Changan-Management einerseits mehr Freiheiten bei der Finanzierung winken, andererseits ist man jedoch noch stärker als bisher an die Entscheidungen im Staatsrat gebunden. Ein Beispiel: Übereinstimmenden Berichten zufolge hatte die chinesische Regierung seinen Staatsunternehmen 2024 Investitionen in EU-Ländern verboten, die sich für die Einführung der Sonderzölle auf E-Autos chinesischer Produktion ausgesprochen hatten. Private Unternehmen wie BYD, Nio und Xpeng waren und sind nicht an solche „Richtlinien“ gebunden. Changan hatte hingegen im Oktober 2024 eine in Mailand geplante Veranstaltung zur Markteinführung in Europa abgesagt – und das Event dann im März 2025 in Mainz nachgeholt. Italien hatte für die Zölle gestimmt, Deutschland dagegen.

Auf die Taktik, nun verstärkt Hybride zur Einfuhr nach Europa heranzuziehen, steigen übrigens mehr und mehr chinesische Hersteller um. Die chinesischen Hybridfahrzeug-Importe in die EU stiegen 2025 konkret um 155 Prozent an. Die schon hoch zu verzollenden Elektroauto-Importe in die EU sind im vergangenen Jahr dagegen nur um zwölf Prozent geklettert. Noch sind die absoluten Zahlen von chinesischen Hybriden in der EU nicht viel höher als die von reinen Elektroautos. Aber laut Branchenbeobachtern entspricht die hohe Dynamik bei der Einfuhr von Hybriden einem logischen Strategiewechsel der Chinesen, um die Zölle auf BEVs zu kompensieren. Und der Trend ist darüber hinaus global spürbar: Weltweit machen Hybridfahrzeuge laut einem kürzlichen Artikel des „The Economist“ mittlerweile ein Drittel der chinesischen Pkw-Exporte aus

Die Europäische Kommission soll vor diesem Hintergrund bereits die Einführung von Sonderzöllen auf chinesische Hybridfahrzeuge diskutieren – analog zu reinen E-Autos.

automobilwoche.de

1 Kommentar

zu „Changan soll Modell-Offensive in Europa vorbereiten“
mipu
19.01.2026 um 11:15
Ich wäre ja schon froh, wenn sich Changan überhaupt mal in D öffentlich sichtbar machen würde. Bisher gibt es nur einen Händler in Hamburg, auch auf Mails über die Webseite wird nicht reagiert. Da können die noch so viel ankündigen und präsentieren, solange es im Markt nicht ankommt und eventuelle zukünftige Kunden frustriert, wird das eher ein Rohrkrepierer wie Aiways .... und dabei finde ich den Deepal S05 echt klasse und wäre dafür zu haben.

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