E-Motoren ohne seltene Erden: AEM meldet weiteren Entwicklungspartner
Die Namen der Kooperationspartner nennt AEM allerdings nicht. Die Briten haben nach eigenen Angaben einen Entwicklungsauftrag im Wert einer siebenstelligen Summe von einem weltweit tätigen Tier-1-Zulieferer der Automobilindustrie erhalten. Zusätzlich kann die Firma einen separaten Vertrag mit einem großen asiatischen Automobilhersteller vorweisen. Beide Vereinbarungen beziehen sich laut AEM auf die Entwicklung unterschiedlicher Technologien für Elektromotoren, die in Pkw eingesetzt werden sollen. Vor dem Hintergrund dieser Abschlüsse will AEM nun zudem seine Präsenz auf dem europäischen Markt auszubauen und „insbesondere in Deutschland verstärkt Motoren anzubieten, die ohne Seltene Erden auskommen“.
Schon im Oktober nannte AEM eine unter Dach und Fach gebrachte Entwicklungsvereinbarung mit „einem der größten Automobilzulieferer der Welt“, deren Wert die Briten auf einem siebenstelligen Betrag bezifferten. Wahrscheinlich also, dass nur der Vertrag mit dem asiatischen OEM nun wirklich neu ist. Mit diesem Partner wolle man prüfen, ob sich eine weitere Elektromotor-Innovation in zukünftige Fahrzeuge integrieren lässt. „Im Kern geht es darum, herkömmliche Kupferwicklungen durch verdichtetes Aluminium zu ersetzen“, so AEM. Denn: Wie bei Seltenen Erden sei auch bei Kupfer die weltweite Verarbeitung stark auf wenige Regionen konzentriert.
„Automobilhersteller suchen aktiv nach Technologien, mit denen sie ihre Abhängigkeit von stark konzentrierten Lieferketten reduzieren können. Unsere Aluminiummotor-Technologie adressiert genau diese Herausforderung und verbessert zugleich Leistung und Nachhaltigkeit“, kommentiert AEM-Mitgründer und CEO James Widmer.
AEM ging 2017 aus der Universität Newcastle hervor und hat sich allen voran auf Elektromotoren ohne Magneten spezialisiert, die dadurch komplett ohne seltene Erden auskommen. Die Antriebsstränge vieler Elektrofahrzeuge beinhalten kritische Rohstoffe wie Neodym oder Dysprosium, die E-Aggregate der Briten sollen dagegen ausschließlich mit unbedenklichen, recyclebaren und ohne Probleme verfügbaren Materialien wie Stahl oder eben Aluminium gefertigt werden können. Nach welchem Prinzip die Elektromotoren von AEM arbeiten, gibt das Unternehmen allerdings nicht an. Zwar sind auch Asynchronmotoren und fremderregten Synchronmotoren (zum Beispiel von BMW) frei von Dauermagneten und seltenen Erden, es kommt aber noch Kupfer zum Einsatz. Aber auch darauf will AEM nach eigenen Angaben ja verzichten.
Klar ist: AEMs neuester Elektromotor SSRD (Super Speed Reluctance Drive) ist auf den Einsatz in Pkw-Modellen zugeschnitten und soll dank der neuen Kooperationen ab Ende des Jahrzehnts in die Serienproduktion gehen. Gegenüber dem britischen Medium “The Times” gab sich Widmer zuletzt betont selbstbewusst: „Unsere Motoren haben bereits Millionen von Kilometern Einsatz hinter sich, was beweist, dass die Technologie auch ohne die Magnete, also ohne seltene Erden, funktioniert. Internationale Unternehmen, darunter auch Autobauer, stehen Schlange, um mit uns zusammenzuarbeiten und zu prüfen, ob sie unsere Technologie in ihren zukünftigen Fahrzeugen einsetzen können.“
In den vergangenen Jahren hatte AEM jedoch mit einem sinkenden Umsatz zu kämpfen. 2022 betrug dieser 5 Millionen Pfund, im Folgejahr rutschte er aber auf 2,2 Millionen Pfund oder umgerechnet rund 2,5 Millionen Euro ab. 2024 stieg er wieder leicht auf 2,9 Millionen Pfund (ca. 3,3 Millionen Euro), gleichzeitig machte das Unternehmen mit 8,3 Millionen Pfund beziehungsweise etwa 9,6 Millionen Euro aber deutlich mehr Verlust. Dies lag auch daran, dass mit Tevva Electric Trucks einer der Hauptkunden wegbrach und AEM Lagerbestände abschreiben musste.
Quelle: Infos per E-Mail





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