RWTH Aachen testet ihr Elektrobus-Seilbahn-Vehikel
Ein autonomer Mini-Elektrobus, der sich in eine Seilbahn einkoppeln kann – das ist die Vision, die hinter dem Forschungsprojekt upBUS steht, an dem sich mehrere Institute der RWTH Aachen beteiligen. Mitte 2025 hatte das Projektteam einen zentralen Testaufbau erstellt, auf dessen Basis laut der RWTH nun die ersten Prototypen erfolgreich erprobt wurden. Die Verantwortlichen sprechen dabei von der ersten Testphase mit einem „Minimum Viable Product“, in deren Fokus ein von der RWTH eigens entwickelter vollautomatischer Kopplungsprozess steht, mit dessen Hilfe die Passagierzelle während der Fahrt innerhalb weniger Sekunden zwischen Seilbahngehänge und Straßenfahrmodul wechseln kann.
Für die Tests hatten die Forschenden konkret ein „reduziertes Seilbahnmodell“ mit einem geführten Schlitten auf einer Länge von 20 Metern aufgebaut. Die Testkampagne zum Kopplungsprozess habe zahlreiche Erkenntnisse zum komplexen Kopplungsprozedere geliefert, die sich ausschließlich durch Versuche mit einem realen System gewinnen lassen, sagt upBUS-Leiter Professor Kai-Uwe Schröder. „Ein zentrales Ergebnis dieser ersten Phase ist, dass sich die Mechanismen und Methoden des Startup-Ökosystems sehr gut auf die Technologieentwicklung im Forschungskontext übertragen lassen.“
Und: „Durch die Entwicklung eines ‚Minimum Viable Product‘ sind wir bereits zu einem frühen Zeitpunkt auf wesentliche Herausforderungen gestoßen, die sich bei der Projektplanung noch nicht absehen ließen“, betont Schröder. Die Erfolgswahrscheinlichkeit habe sich dadurch maßgeblich erhöht: „Schnell und gleichzeitig sorgfältig zu sein, ist kein Widerspruch mehr.“
Basierend auf den gewonnenen Erkenntnissen entwickeln die beteiligten Institute derzeit ihre Technologien weiter. Im Einzelnen machen beim upBUS-Projekt das Institut für Strukturmechanik und Leichtbau (SLA), der Lehrstuhl für Höchstfrequenzelektronik (HFE) und der Lehrstuhl „Production Engineering of E-Mobility Components“ (PEM) der RWTH Aachen mit.
Für den Sommer 2026 sind nun Feldversuche geplant, um eine reproduzierbare, sichere Kopplung während der Fahrt im Realmaßstab zu demonstrieren. „In diesem Projekt werden wir die Robustheit und Eleganz von Seilbahnen mit der Intelligenz und dem Komfort des autonomen Fahrens zusammenbringen“, blickt HFE-Leiter Professor Renato Negra voraus.
In einem Nachfolgeprojekt soll anschließend zudem eine Pilotstrecke in der am Projekt beteiligten Gemeinde Simmerath in Betrieb genommen werden. In der ersten Phase einer Machbarkeitsstudie wurde die grundsätzliche technische, räumliche und naturschutzfachliche Umsetzbarkeit einer solchen Pilotstrecke bereits positiv bewertet, heißt es. In der Folge sollen die Wirtschaftlichkeit der Pilotstrecke beurteilt und eine detaillierte Wirkungsanalyse vorgenommen werden. „Unser bisheriger ÖPNV stößt überall an seine Grenzen“, resümiert PEM-Leiter Professor Achim Kampker: „Das upBUS-Konzept erweitert den Verkehrsraum um eine zusätzliche Ebene, was Staus reduziert, Flächen entlastet und Emissionen im Straßenverkehr senkt.“
Die Geschichte von upBUS reicht derweil schon einige Jahre zurück: Bereits 2019 erstellten Forscher des SLA ein verkleinertes Holzmodell, um die Idee zu veranschaulichen. 2021 waren dann Forscher von HFE und SLA für einen fünftägigen Versuch im österreichischen Wolfurt, um insbesondere den Wechselprozess, bei dem die Kabine vom Fahrgestell auf die Seilbahnführung übergeht, zu testen (siehe dieses Video). 2024 wurden upBUS dann Fördermittel in Höhe von 3,2 Millionen Euro vom damaligen Bundesministerium für Wirtschaft und Klimatschutz bewilligt.
Zum Ende des Projekts soll übrigens auch ein Vorserienprototyp als Frachtfahrzeug aufgebaut und im Feld getestet werden. Ein weiterer Prototyp zur Beförderung von Personen wird parallel digital entwickelt. Die entsprechende Kabine soll bis zu zehn Passagiere transportieren können und über sämtliche Eigenschaften eines klassischen ÖPNV-Fahrzeugs mit Blick auf Bestuhlung, barrierefreien Einstieg, Infotainment-System und Türschließautomatik verfügen.
Die größte technische Herausforderung liegt im hohen Grad der Modularität“, äußerte PEM-Leiter Kampker bereits im vergangenen Sommer. Doch die Vorteile eines solchen neuen Verkehrsträgers sind vielversprechend: Denn während Seilbahnen mit kurzen Planungs- und Bauzeiten, niedrigen Investitions- und Betriebskosten sowie einem geringen Energieverbrauch punkten, besteht ihr Nachteil in der Bindung an feste Stationen. Autonome E-Busse hingegen bedienen engmaschige Netze, bleiben jedoch straßengebunden und tragen somit zur Bildung von Staus bei. „Als Seilbahn kann der ‚upBUS‘ Verkehrsengpässe oder landschaftlich schwierige Gebiete überbrücken und anschließend nahtlos als Bus weiterfahren, ohne dass die Passagiere umsteigen müssen“, so Kampker.
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