ADAC-Verkehrspräsident tritt nach Spritpreis-Aussage zurück

Eine Austrittswelle im Januar hat ADAC-Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand zum Rücktritt bewegt. Hintergrund der Kündigungen ist eine umstrittene Interview-Aussage Hildebrands aus dem Dezember – zu CO2-Abgaben und Spritpreisen.

Adac verkehrspraesident gerhard hillebrand
Bild: ADAC

„Der ADAC hält die CO2-Bepreisung für ein richtiges Instrument, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Die Leute brauchen den Anreiz, um auf klimaschonende Alternativen zum Diesel und Benziner umzusteigen“, hatte Gerhard Hillebrand Ende 2025 in einem Interview als Reaktion auf das „Autopaket“ der EU-Kommission gesagt – in der Sorge, dass die Klimaschutzziele gelockert werden könnten. „Dazu bekennt sich der ADAC ganz klar. So zu tun, als gäbe es den Klimawandel nicht, wäre ein fataler Irrweg“, so der ADAC-Verkehrspräsident weiter.

Über höhere Spritpreise für Benziner und Diesel Elektroautos finanziell attraktiver zu machen, wird von einigen Verkehrs- und Umweltexperten schon lange gefordert und scheint auch – ungeachtet sozialer Hürden zur Bezahlbarkeit der Mobilität – auch als probates Mittel, um genau das zu erreichen. Ein ADAC-Präsident, der sich für steigende Kraftstoffpreise ausspricht, war aber offenbar zu viel für einige Mitglieder. Wie zunächst die „Bild“-Zeitung berichtet hat, haben im Januar 60.000 Menschen ihre ADAC-Mitgliedschaft gekündigt. Zwar seien im gleichen Zeitraum 100.000 Mitglieder neu hinzugekommen, eine solche Kündigungswelle ist jedoch mehr als bemerkenswert.

Eine ADAC-Sprecherin brachte die ungewöhnlich hohe Anzahl an Austritten mit Hillebrands Aussagen in Verbindung – in einer Mitteilung des Autoklubs ist auch von zahlreichen Beschwerden die Rede. Das zeige, dass viele Mitglieder den Eindruck gehabt hätten, der ADAC habe seine Rolle als Anwalt der Autofahrer verlassen. „Der Eindruck, der durch das Interview entstanden ist, passt nicht zu den klaren Positionen des ADAC“, so die Sprecherin. „Ob Benziner, Diesel oder E-Auto: Wir machen uns gegen jede weitere Belastung ohne sozialen Ausgleich stark. Unser Auftrag lautet: bezahlbare Mobilität für alle.“

Mit seinem Rücktritt übernimmt Hillebrand persönlich Verantwortung für den entstandenen Reputationsschaden, so der ADAC. Er sei zu der Überzeugung gekommen, „dass es im Interesse des ADAC und seiner Glaubwürdigkeit richtig ist, daraus persönliche Konsequenzen zu ziehen“, sagt Hillebrand. Er bedauere, dass seine Äußerungen Mitglieder verunsichert und verärgert sowie Glaubwürdigkeit gekostet haben.

adac.de, spiegel.de, presseportal.de (ursprüngliches Zitat)

32 Kommentare

zu „ADAC-Verkehrspräsident tritt nach Spritpreis-Aussage zurück“
Andreas Scholz
02.02.2026 um 15:24
Ja, der Kampf gegen die Klimakatastrophe erfordert Einsatz von allen Menschen. Immer wieder interessant, wieviele dies einfach nicht wahrhaben wollen. „Klimaschutz ja, aber nur, wenn es mich keinerlei Mühe kostet“.Da wird lieber gegen den gehetzt, der es offen ausspricht. Als wenn das Problem dadurch verschwindet. Schade für Herrn Hillebrand. Er wird für das Aussprechen der Wahrheit bestraft. Peinlich für diejenigen, die diese Austrittswelle organisiert haben.mal wieder das Falsche getan.
André
03.02.2026 um 12:03
Da gebe ich Ihnen absolut Recht!Schade, dass die Einsicht in faktische Notwendigkeiten (Klimaschutzmaßnahmen... oder viel mehr der Versuch, zu verhindern, dass es noch schneller noch schlimmer wird, als es ohnehin schon ist) und die entsprechende öffentliche Äußerung dieser Einsicht für einige nicht auszuhalten zu sein scheint. Hillebrand hätte meiner Meinung nach nicht zurücktreten sollen. Der ADAC (ich bin noch Mitglied) sollte sich gut überlegen, ob dieses Umschiffen der oder das Herumgetanze und Geeier um unbequeme Klippen die Glaubwürdigkeit eines solchen Vereins nicht viel mehr untergräbt. Es darf einfach nicht sein, das der, der am lautesten schreit, bestimmt, was Wahrheit ist.Grüße gehen an die Bild-Zeitung, den gesamten Springer-Verlag und seine tendenziösen Anteilseigner. :/
Gerd
02.02.2026 um 15:41
Ich gebe zu, mich hat das Zitat damals auch sehr gewundert. Aber im Positive : Endlich spielt der ADAC mal nicht mehr den ewig gestrigen Verhinderer, sondern erkennt die Tatsachen an und will auf dieser Basis die Zukunft aktiv mitgestalten. Es war wirklich erfrischend, dass der ADAC bzw. ein hochrangiger Vertreter das so ausspricht. Weil es WIRD so kommen, die CO2-Bepreisung steht, die THG-Quote steigt schon 2026. Stattdessen ist von Imageschaden die Rede. Vielleicht sollte man den ADAC jetzt mit Beschwerden überhäufen, dass man Hillebrand nach den Aussagen lieber zum Rücktritt drängt als sich offen vor die Mitglieder zu stellen und ihnen klar zu machen, dass genau das eine unvermeidliche Zukunft ist. Natürlich geht es um die Frage, wie der Wandel sozial gestaltet werden kann. Aber Verbrenner Fahren wird früher oder später teurer. Und so wie es jetzt aussieht, eher früher als später.
Chris
03.02.2026 um 09:20
Ja doch, der Druck der ewiggestrigen war so hoch, dass er zurücktreten musste.
Uli
02.02.2026 um 15:57
Dabei hat der Mann recht und wird für das Aussprechen dieses Standpunktes abgestraft? Kulturkampf lohnt sich also wieder mal? Warum halten wir eine solche Situation nicht auch mal aus?
John
03.02.2026 um 14:04
Vieleicht sind ja auch wegen der Aussage neue Mitglieder hinzugekommen.
David W
02.02.2026 um 16:12
Soll ich jetzt auch austreten weil ich die Aussage für wichtig und richtig halte aber den Rücktritt missbillige? Welch ein Dilemma...
Helmut Wilk
03.02.2026 um 09:16
Ich habe gestern meinen Vertrag mit dem ADAC gekündigt. Ein wenig erinnert mich dieser Vorgang an die Methoden in den USA. Das kann und will ich nicht unterstützen. Bin gespannt, ob das nicht ein Eigentor war. Am Ende hat der ADAC doppelt so viele Mitglieder verloren.
Volker Jaschke
02.02.2026 um 22:11
Genau das würde ich jetzt tun wenn ich im ADAC wäre. Ich sah aber nie einen Grund dafür auch noch mit für Autos zu lobbiieren auch wenn ich Autofahrer bin. Der ADFC freut sich auch immer über neue Mitglieder!
Helmut Wilk
03.02.2026 um 10:01
Ich schau mal nach, was der ADFC anbietet.
BEVdev
02.02.2026 um 17:02
... genau das war auch mein erster Gedanke :)
M
02.02.2026 um 16:27
Ich habe dann heute gekündigt :) saftladen
Jens
02.02.2026 um 16:58
Krass. Der ADAC bleibt wohl in Mehrheit ein Petrol-Head-Verein. Hoffentlich verändert sich da mal was. Gibt es Alternativen für Pannenhilfe ausser ACE und AvD? Wie sind die Erfahrungen damit?
Volker Jaschke
02.02.2026 um 22:13
Lade Sie hiermit ein, Mitglied im ADFC zu werden!
Jarn
02.02.2026 um 17:23
Wie erbärmlich diesen Querdenkern und Wissenschaftsleugnern nicht Paroli bieten zu können.
thd
02.02.2026 um 21:21
Die Aussage war mir gar nicht bekannt, aber hätte mich auch positiv überrascht. Wäre ich im ADAC, würde ich jetzt austreten. Letztlich bestätigt das Verhalten des ADAC im Nachhinein weshalb ich schon lange dort kein Mitglied mehr bin. Leider habe ich dort noch die KFZ-Versicherjng laufen.
Helmut Wilk
03.02.2026 um 10:03
Die kann man auch kündigen
Dixi K
03.02.2026 um 05:55
Wie lächerlich und erbärmlich ist eigentlich unsere Gesellschaft
Manfred
03.02.2026 um 07:50
Wie so oft nimmt die BILD solche Themen auf und der einfache Mensch auf der Straße nimmt die vorgekaute Meinung dankbar auf. Schade, wenn ich im ADAC wäre würde ich jetzt nach dem Rücktritt von Herrn Hildebrand (vielleicht) kündigen
Jörg Baier
03.02.2026 um 08:01
Ich bin im ADAC und ich bleibe im ADAC. Bin aber ebenso verärgert darüber, dass Herr Hillebrand für das Aussprechen der Wahrheit nun so abgestraft wird. Aber so ist das mit dem Wandel, mit Transformation - vielen Menschen macht das Angst und das führt dann zu solchen Ergebnissen. Es ändert aber nichts daran, dass Energie- und Mobilitätswende notwendig sind und genau jetzt stattfinden. Auch die fossile Lobby wird daran nichts ändern!
Richard
03.02.2026 um 08:56
Warum springt unser Kanzler dem Herrn nicht zur Seite? https://www.energate-messenger.de/news/253081/co2-bepreisung-bleibt-kern-der-klimapolitik-von-merz
Manfred Stummer
03.02.2026 um 09:01
"Das bekannteste Sprichwort bezüglich Überbringern schlechter Nachrichten lautet „Töte nicht den Boten“ (Englisch: Don't shoot the messenger). Es stammt aus der Antike, oft Sophokles zugeschrieben, und bedeutet, dass man den Überbringer nicht für die Nachricht selbst verantwortlich machen oder bestrafen sollte." Wenn ich mir die Kommentarliste ansehe habe ich das Gefühl es gibt noch Hoffnung auf dieser verrückten Welt.
John
03.02.2026 um 15:05
Oder "separate people from the problem" MBA4.0 ;-)
Ulrich
03.02.2026 um 09:47
Ich bin weder ADAC-Mitglied noch BIID-Leser und habe erst jetzt davon erfahren. Zunächst überrascht, eine solche im Grunde in die richtige Richtung weisende Aussage von einem hochrangigen ADAC-Funktionär zu lesen. Der Rausschmiss von Herrn Hillebrand bestätigt dann aber wieder meine Einschätzung des ADAC. Gefragt nach Alternativen kann ich den ARCD empfehlen, in dem ich seit Jahrzehnten Mitglied bin.
erFahrer
03.02.2026 um 09:50
Kaum ist ein Teil des Vertrauens nach den Skandalen wieder aufgebaut, schon zeigt sich erneut die einflussreiche Macht von Öl und Gas hinter den Kulissen die dem gelben Engel das Federkleid schon so lange verklebt. Was hat der ADAC beim Diesel-Abgasskandal geleistet? Management bei Schildkröte. Was leistet er heute wenn es um Verbesserungen für die EMobilität geht? Keine eigene Ladekarte, keine Kampagne dem Park und Ladeplatz-Blockiererei entgegen zu treten. Wo ist es wenn es um saubere Logistik im Fernverkehr geht. Wo, wenn es darum geht seine Autofahrer von Abgasen zu schützen- Unter 9 Grad sind Hersteller von der Pflicht des Abgasreinigung befreit, was wir auch am heutigen Tag sehen können mit so schlechter Luft wie in Indien. Wo ist sauberer Motorsport? Respekt wer jetzt die Mitgliedschaft kündigt.
Andreas
03.02.2026 um 10:12
Wenn der ADAC für "denkende" Autofahrer und auch Nichtautofahrer nicht als Klimaleugner darstehen möchte, sollte er Herrn Hillebrand bitten seinen Rücktritt zurückzunehmen. Wir brauchen dringend Leute die in maßgeblichen Positionen die Wahrheit sagen, auch wenn diese wehtut, denn die Realität wird auch die Leugner einholen. Vielmehr sollte sich der ADAC fragen, ob er sich eine ADAC-Sprecherin leisten will, die mit Ihrer Aussage suggeriert, dass meine keine Fakten mehr nennen darf, weil Sie einigen nicht passen -> Austritte? Vielleicht hat sich der ADAC ja gerade einiger Klimaleugner entledigt. Dass die Aussage der ADAC-Sprecherin allerdings vom ADAC nicht in ein richtiges "Licht" gerückt ist das eigentliche Fatale. Möglich sind auch"Machtspiele" auf Vorstandsebene (jetzt hat man was, womit man sich seiner entledigen kann -> Austritte) oder einfach monitäres Denken -> 60.000 Austritte x Jahresbeitrag? Ich kann nur sagen: "Mehr als traurig".
Martin
03.02.2026 um 10:52
Lt. Wikipedia hat der ADAC mehr als 20 Mio. Mitglieder. Glaubwürdiger wäre es, die 60.000 Kündigungen in Kauf zu nehmen und zu seiner, im Grunde richtigen, Aussage zu stehen. Bei der aktuell niedrigen Aufregungsschwelle hierzulande sind 60.000 nicht einmal viel.
Melvin
04.02.2026 um 06:29
Zumal es, wie ich gelesen habe, in der gleichen Zeit 100.000 Beitritte gegeben haben soll. Aber wer weiß, vielleicht hatte man nur endlich etwas gefunden, um den Herrn loszuwerden, der fossilen Interessenvertretern sicherlich ein Dorn im Auge war. Es ist eine Schande, wie notwendiger Fortschritt und Klimaschutz in Deutschland kapital- und politisch getrieben verteufelt werden.
Volker Jaschke
03.02.2026 um 11:18
Eine Mitgliedschaft im ADAC verküpft monetäre Interessen mit politischen Interessen. Da sollte sich jeder nochmal überlegen, ob man das nicht besser trennen sollte und seine Pannenversicherung etc. woanders abschließt.
No Fake
03.02.2026 um 12:05
Was daran erschreckend ist ?! Die Mehrheit möchte keine Wahrheit hören sondern lieber in der Unwahrheit leben. Deshalb werden wir als Nation immer weiter abgehangen werden. Wenn die Kraft der lügenbeseelten Empörung größer als der Wille zur Wahrheit ist, dann nennt man das evolutionäres Versagen. Ein Fleck durch ein Loch zu ersetzen wird nie die Lösung sein "A. Einstein"
Alexander Vollmer
03.02.2026 um 16:59
Da elektrisch Fahren sowohl in der Anschaffung wie im Betrieb günstiger als Benzin und Diesel Fahrzeuge ist, ist es auch die sozial verträglichere Mobilität. Also ist Abkehr vom Verbrenner Kernthema des ADAC.
Tim N.
03.02.2026 um 20:06
In Deutschland ist seit 2021 eine Art "McCarthy"-Ära angebrochen, die inzwischen vom Teilen der Bundes-, sowie gewissen Landes -Regierungen, vorsätzlich befeuert wird.Passend zur vollkommen gescheiterten Außen- und Wirtschaftspolitik wird man sich auch in Bezug auf Innenpolitik überlegen müssen, für wen dieses Land in naher Zukunft noch sicher ist. Vor allem, wenn man zuviel Bildung hat, könnte es ratsam sein, besser früher als später zu gehen. Ich bin leider zutiefst pessimistisch geworden, was die Zukunft Deutschlands angeht.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert