BMW bestellt Hybrid-Automatikgetriebe bei ZF

Der angeschlagene Zulieferer ZF Friedrichshafen hat einen langfristigen Liefervertrag mit BMW geschlossen. Kern der Vereinbarung ist die Lieferung und Weiterentwicklung des Acht-Gang-Automatgetriebes (8HP) „mit besonderem Fokus auf elektrifizierte Antriebe“ – bis in die späten 2030er Jahre.

Zf saarbruecken min
Bild: ZF

Das ZF 8HP wird seit vielen Jahren in immer wieder überarbeiteten Versionen in vornehmlich großen Autos mit längs eingebautem Verbrennungsmotor eingesetzt – entweder in rein konventionellen Antrieben oder mit zunehmender Hybridisierung bis hin zum Plug-in-Hybrid. Auch BMW ist schon lange ZF-Kunde bei den Automatikgetrieben.

Mit dem jetzt von ZF veröffentlichten Deal hat sich der Zulieferer vom Bodensee nicht nur einen Auftrag im Volumen von mehreren Milliarden Euro gesichert, sondern auch einen Einblick in die Antriebsplanung von Kunde BMW gegeben. Die Münchner sind bekanntlich ein großer Verfechter der Technologieoffenheit und wollen den Verbrenner-Modellen bewusst kein Enddatum verpassen. Jetzt steht fest, dass BMW auf alle Fälle noch mehr als zehn Jahre mit diesem Antrieb plant. Denn laut ZF hat der Vertrag „eine Laufzeit bis in die späten 2030er-Jahre.“

Genauere Angaben zum Umfang des Deals macht ZF nicht, die Rede ist nur von „einem Volumen von mehreren Milliarden Euro“. Stückzahlen oder die Verteilung auf konventionelle und elektrifizierte Automatikgetriebe werden ebenfalls nicht genauer umschrieben – letzteres dürfte auch noch nicht genau feststehen, sondern mit Blick auf die lange Laufzeit an die Entwicklung der Nachfrage angepasst werden. vor diesem Hintergrund spricht ZF von gewonnener Planungssicherheit. „Durch die zukünftig enge Zusammenarbeit können Risiken in einem sich schnell wandelnden Marktumfeld reduziert und die Grundlage für eine emissionsarme Mobilität der Zukunft gelegt werden“, so das Unternehmen.

Größter Einzelauftrag seit 2019

Gerade für die Sparte Elektrifizierte Antriebstechnologien („Division E“) ist der Großauftrag zunächst eine gute Nachricht – es ist der größte Einzelauftrag seit vielen Jahren. Aufgrund der schlecht laufenden Geschäfte steht die Division E im Zentrum der Restrukturierung, auf die Sparte entfällt mehr als die Hälfte der Stellen, die konzernweit gestrichen werden sollen. ZF baut das Getriebe in Saarbrücken, im US-Bundesstaat South Carolina und in Shanghai. Aber: Die genauen Konditionen des neuen Vertrags sind nicht bekannt. ZF hatte in den vergangenen Jahren Aufträge im Milliardenwert zu teilweise nicht kostendeckenden Preisen angenommen, nur um den Zuschlag zu erhalten – wohl auch von BMW. Selbst wenn die Konditionen dieses Mal stimmen, liegt in einem so langfristigen Vertrag auch ein gewisses Risiko: Um auch in den späten 2030er Jahren noch lieferfähig zu sein, muss ZF entsprechend lange in die Produktion investieren – auch wenn sich die Nachfrage früher als heute angenommen verändert.

„Gemeinsam mit BMW setzen wir ein starkes Zeichen für Innovation, Effizienz und Nachhaltigkeit in einer sich dynamisch entwickelnden Branche“, sagt der ZF-Vorstandsvorsitzende Mathias Miedreich. „Diese Vereinbarung unterstreicht die strategische Bedeutung unseres Acht-Gang-Automatgetriebes als zentrale Technologie für den Wandel der Antriebe.“

„Die neue Vereinbarung mit BMW zeigt, wie wichtig langfristige Planungshorizonte für technologische Weiterentwicklungen sind“, betont Sebastian Schmitt, Leiter der Division Elektrifizierte Antriebstechnologien bei ZF. „Sie schafft Klarheit und Stabilität für beide Unternehmen und ermöglicht es uns, die nächste Generation des 8HP gezielt auf Effizienz, Performance und Zukunftsfähigkeit auszurichten.“

zf.com, handelsblatt.com

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