Nio hat in Q4/2025 erstmals operativen Gewinn erzielt

Der chinesische E-Auto-Hersteller Nio hat erstmals seit seiner Gründung 2014 in Shanghai einen operativen Gewinn auf Quartalsebene erzielt. Laut vorläufigen Zahlen des Unternehmens wird sich dieser auf umgerechnet etwa 85 bis 147 Millionen Euro belaufen.

Nio portfolio messestand auto gunagzhou
Bild: Nio

Nach einer vorläufigen Auswertung des ungeprüften Konzernabschlusses rechnet Nio für das vierte Quartal 2025 mit einem bereinigten operativen Gewinn (Non-GAAP) zwischen ca. 700 Millionen Yuan (ca. 85 Millionen Euro ) und 1,2 Milliarden Yuan (ca. 147 Millionen Euro). Zum Vergleich: Im vierten Quartal 2024 hatte es noch einen bereinigten operativen Verlust von 5,54 Milliarden Yuan (ca. 677 Millionen Euro gegeben. Im vergangenen Jahr war der Verlust dann aber von Quartal zu Quartal gesunken.

Die Basis für den erstmaligen Gewinn – unterm Strich erwartet Nio übrigens einen Betriebsgewinn von etwa 200 Millionen Yuan (ca. 24 Millionen Euro) bis 700 Millionen Yuan (ca. 86 Millionen Euro) – liegt u.a. im deutlich gestiegenen Absatz: Im vierten Quartal 2025 hat Nio insgesamt 124.807 Autos ausgeliefert, das ist ein Plus von 71,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Dabei profitiert Nio von seiner Drei-Marken-Strategie mit Nio selbst, Onvo sowie der 2025 eingeführten Premium-Kleinwagenmarke Firefly.

In Summe stellen die 124.807 Auslieferungen ein sehr starkes Schlussquartal dar, das auf die Finanzkennziffern ausstrahlt: Denn 38 Prozent aller im Gesamtjahr 2025 ausgelieferten 326.028 Einheiten sind im vierten Quartal auf die Straße gekommen. Übrigens wurden 2025 gerade einmal 325 Nio-Fahrzeuge in Deutschland zugelassen – der Höchstwert hatte 2023 bei 1.263 Einheiten gelegen. Entsprechend befindet sich das Unternehmen hierzulande noch im Umbruch.

Nio schreibt in jedem Fall, der erstmalige operative Gewinn gehe auf das anhaltende Wachstum des Absatzvolumens des Unternehmens im vierten Quartal 2025, die Optimierung der Fahrzeugmarge durch einen günstigen Produktmix sowie die laufenden umfassenden Kostensenkungsbemühungen des Unternehmens und die kontinuierliche Verbesserung der betrieblichen Effizienz zurück.

Wo Nio im vierten Quartal genau gespart hat, ist noch nicht bekannt. Zuletzt hatte das Unternehmen vor allem die Kosten für Forschung und Entwicklung, die bislang deutlich höher als bei anderen Herstellern waren, nach unten gedrückt. Umgekehrt hat Nio aber schon die Auslieferungen für Januar 2026 veröffentlicht und zeigt damit, dass das Unternehmen den positiven Trend im neuen Jahr fortsetzt: 27.182 Fahrzeuge stellen einen Anstieg von 96,1 Prozent gegenüber dem Januar 2025 dar. Die Auslieferungen setzten sich dabei wie folgt zusammen: 20.894 Fahrzeuge von Nio, 3.481 Einheiten von Onvo und 2.807 E-Kleinwagen von Firefly. Seit seiner Gründung hat Nio damit 1.024.774 Fahrzeuge ausgeliefert.

nio.com, handelsblatt.com, nio.com (Januar)

3 Kommentare

zu „Nio hat in Q4/2025 erstmals operativen Gewinn erzielt“
TeeKay
06.02.2026 um 19:33
Nein, hat NIO nicht. Jedenfalls nicht in der Höhe. Berichtet wird hier über einen non-GAAP operating profit, vor Zinsen. Denn non-GAAP bedeutet, dass das berichtende Unternehmen eigenständig entscheidet, welche Kosten sie alle rausrechnen und welche angeblichen Gewinne reinrechnen wollen. Darum gibt es ja den Buchhaltungsstandard GAAP, damit genau das nicht gemacht werden kann.Im Falle von NIO werden die an Mitarbeiter:innen ausgegebenen Aktien aus den Kosten herausgerechnet. Das ist Schwachsinn. Denn wenn sie die Mitarbeiter:innen nicht teils in Aktien bezahlen würden, müssten sie denen höhere Gehälter zahlen. Das schreiben sie sogar so in ihrem Jahresbericht. Zudem könnte das Unternehmen die Aktien auch einfach an der Börse verkaufen.Und was kosten die rausgerechneten Mitarbeiteraktien? 2024 knapp 2 Mrd RMB. Wenn sie 2025 unverändert 500 Mio RMB pro Quartal dafür ausgeben, dann schrumpft der non-GAAP operative Gewinn auf einmal von 700-1200 Mio auf nur noch 200-700 Mio zusammen. Wenn sie mehr dafür ausgaben und dann noch Zinsen dazu kommen, dann ist es durchaus denkbar, dass ein Verlust herauskam. Es hat Gründe, warum Unternehmen sich Standards (non-GAAP) erfinden, statt einfach die Vergleichbarkeit sicherstellenden GAAP-Standards zu verwenden.
H24menie
08.02.2026 um 22:53
Mi mi mi ?
Paul-Gerhard Fenzlein
09.02.2026 um 09:31
Der Kommentar von @TeeKay beschreibt zwar den Unterschied zwischen Non-GAAP (nicht standardisierte, „bereinigte“ Finanzkennzahlen) und GAAP (allgemein anerkannte Rechnungslegungsgrundsätze) grundsätzlich korrekt. Dennoch ist dieser Kommentar weder objektiv noch ausreichend recherchiert. Wenn man sich – wie ich – seit längerer Zeit als Anleger mit NIO beschäftigt und zudem den chinesischen Automarkt kennt, war die Unterstellung, NIO würde einfach nur „Geld verbrennen“, schon immer zu pauschal. Das gilt insbesondere für das Modell der Batteriemiete und die Power-Swap-Stationen. Über 100 Millionen durchgeführte Batteriewechsel sprechen eine andere Sprache. Ähnlich wie bei Teslas Aufbau des Supercharger-Netzwerks handelt es sich hier um eine infrastrukturelle Voraussetzung für späteren Erfolg. Übrigens erzielte Tesla erst rund zehn Jahre nach Gründung sein erstes profitables Quartal: Q1/2013 mit 15 Mio. USD (Non-GAAP) bzw. 11,2 Mio. USD (GAAP). NIO könnte diesen Schritt nun ebenfalls schaffen – trotz des aktuell schwierigen Marktumfelds in China. Außerdem liegen die von William Li genannten Werte über den Zahlen aus dem genannten Kommentar: • Non-GAAP: 700 Mio. bis 1,2 Mrd. RMB (ca. 100–175 Mio. USD) • GAAP: 200 Mio. bis 700 Mio. RMB (ca. 30–100 Mio. USD) Sind diese Werte plausibel? Ich denke ja. Der Verlust in Q3/2025 lag bei: • Non-GAAP: 2,74 Mrd. RMB (ca. 384 Mio. USD) • GAAP: 3,48 Mrd. RMB (ca. 489 Mio. USD) Berücksichtigt man die Verkaufszahlen von NIO im Q4/2025 mit insgesamt 124.807 Fahrzeugen, darunter 39.650 ES8im hochpreisigen Segment, ergibt sich ein deutlich stärkeres Bild. Allein beim ES8 – mit Verkaufspreisen von 406.000 RMB bzw. 466.000 RMB (ca. 56.850 USD bzw. 65.250 USD) und einem Anteil von über 70 % bei der Luxusvariante – dürfte NIO bereits einen Umsatz von rund 2,5 Mrd. USD erzielt haben. Bei einer Fahrzeugmarge von über 20 % entspräche das einem Deckungsbeitrag von knapp 500 Mio. USD – ohne die übrigen Verkäufe von NIO, ONVO und Firefly. Wenn NIO zudem Marketing-, Investitions- und sonstige Ausgaben gezielt ins Vorquartal vorgezogen und die internen Kosten konsequent reduziert hat, erscheint ein erstes profitables Quartal realistisch. Auch das Geschäft mit der monatlichen Batteriemiete wird finanziell zunehmend relevanter. Selbst wenn NIO an Mirattery (dem Batterie- und Swap-Asset-Unternehmen) nur mit rund 20 % beteiligt ist, dürfte dieser Bereich von Jahr zu Jahr wichtiger werden. Für 2026 wird zudem erwartet, dass auch die NIO-Power-Swap-Stationen profitabel arbeiten können. Mein Fazit: Ich sehe NIO auf einem guten Weg – auch wenn noch nicht alle Sorgen ausgeräumt sind.

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