
„Elektromobilität ist kein Technikprojekt, sondern ein Führungs- und Kulturthema“ – Max Nastold von Kazenmaier
Wenn die Fuhrpark-Welt am 25. und 26. März in Düsseldorf zur „Flotte! Der Branchentreff“ zusammenkommt, wird es wieder sehr viel um die Elektromobilität gehen – schon im Vorjahr war die Mehrheit der Fahrzeuge, die Hersteller und ihre eigenen Leasing- und Finanzierungsgesellschaften in den Messehallen am Rhein ausgestellt hatten, mit einem Batterie-elektrischen Antrieb ausgestattet.
Beim ersten großen Branchen-Treff des Jahres werden Deals eingefädelt, aber es wird auch viel diskutiert – mit Sicherheit auch über das „Auto-Paket“ der EU-Kommission, das für Flotten schon im Jahr 2030 straffe Elektro-Ziele vorsieht. Noch ist das Paket nicht final verabschiedet, die Richtung aber ist klar – am Elektroantrieb führt kein Weg vorbei.
Mit in Düsseldorf dabei sein wird auch Max Nastold, der sich mit elektrischen Flotten bestens auskennt. Er fährt nicht nur seit Jahren selbst Elektroauto, sondern leitet auch den Leasinganbieter Kazenmaier, der sich auf Elektrofahrzeuge spezialisiert hat. Im Gespräch mit electrive erklärt Nastold, weshalb er keine Plug-in-Hybride verleast, wie sein eigener Dienstwagen schon zum ein oder anderen Abschluss geführt hat und was er von der kommenden Elektroauto-Förderung des Bundes für Privatkunden hält.
Herr Nastold, Sie sind seit knapp fünf Jahren Geschäftsführer der Kazenmaier Leasing GmbH, spezialisiert auf Elektromobilität, Dienstradleasing und innovativen Lösungen für grüne Assets. Wie hat sich speziell das E-Auto-Geschäft in dieser Zeit entwickelt?
Ich bin seit 2020 Geschäftsführer, aber Elektromobilitätsunternehmer seit 2011.
Wir haben damals mit meiner ersten Unternehmung e-Motion Line GmbH, die heute übrigens erfolgreich Batterie-Speicher projektiert, bereits Projekte umgesetzt wie das Schaufenster Rheinmobil gemeinsam mit Karlsruher Institut für Technologie, Siemens und Michelin. 2015 folgte das Taxi-Projekt e-city cab in Berlin.
Damals ging es nicht um Förderung, sondern um die Frage: Wo funktioniert Elektromobilität technisch und wirtschaftlich wirklich?
Wir haben Anwendungen gesucht wie soziale Dienste, Taxi, Handwerk, Dienstwagen. Diese frühen Praxiserfahrungen sind die Grundlage für den heutigen Markthochlauf.
Heute ist Elektromobilität kein Experiment mehr. In vielen betrieblichen Flotten, insbesondere bei Sozialstationen, fahren wir bereits 90 bis 100 Prozent elektrisch.
Reichweite ist längst kein Problem mehr. Und wenn man die Total Cost of Ownership ideologiefrei rechnet, ist Elektromobilität oft günstiger.
Meine eigenen Fahrzeuge liegen bei adjustierten Energiekosten seit 2019 zwischen 4,2 und 5,5 Euro netto pro 100 km unter vergleichbaren Verbrennern.
Die verfügbaren Modelle haben sich in dieser Zeit spürbar weiterentwickelt – mit dem BMW iX3, Mercedes GLC und Volvo EX60 kommen Fahrzeuge, die mehr oder weniger genau das bieten, was von Dienstwagen-Fahrern lange gefordert wurde. Kommt jetzt der nächste Schub für E-Autos im Fuhrpark?
Ja, aber nicht wegen einzelner Modelle. Gerade bei den Importeuren sehe ich es geht, durch konsequente Optimierung und gutes Preis / Technik-Leistung Verhältnis. Die Fahrzeuge erfüllen heute genau das, was Dienstwagenfahrer lange gefordert haben.
Der Schub kommt durch drei Faktoren:
- Steuerliche Rahmenbedingungen
- Der inzwischen stark ausgebaute Ladeinfrastruktur-Markt, der jetzt auch wirklich genutzt wird
- Reale Alltagserfahrung
Ich bin selbst in 35 Tagen rund 6.500 Kilometer gefahren und dabei mehrfach 500 bis 1.000 Kilometer am Tag. Am Sonntag musste ich am Schnelllader sogar warten und das zeigt: Die Infrastruktur ist da und wird genutzt.
Zu welchen Fahrzeugen greifen Ihre Kunden überwiegend: Sind es doch die klassischen Dienstwagen-Limousinen und -SUV oder auch die eher preiswerten Klein- und Kompaktwagen?
Das hängt stark vom Einsatzbereich ab. Im betrieblichen Einsatz wie bei Handwerk, Sozialdienste und Pflege dominieren Klein- und Kompaktfahrzeuge. Im klassischen Dienstwagenbereich bleiben SUV und Limousinen führend. Im Premiumsegment sehen wir Interesse an außergewöhnlichen Fahrzeugen wie Cadillac oder Lucid Motors.
Wir verleasen grundsätzlich keine Plug-in-Hybride. Wir sehen Elektromobilität als klare Systementscheidung mit entsprechenden Ökosystem mit Ladeinfrastruktur.
Haben Sie bei Kazenmaier die Auswirkungen gespürt, als die Bemessungsgrenze bei der Besteuerung von Elektro-Dienstwagen auf 100.000 Euro angehoben wurde? Werden seitdem teurere Dienstwagen geleast?
Ja, deutlich. Die Nachfrage im Premiumsegment ist gestiegen. Insbesondere bei Geschäftsführern und Unternehmern sehen wir eine stärkere Bereitschaft, hochwertige Elektrofahrzeuge zu leasen. Die steuerliche Regelung schafft hier Planungssicherheit.
Kazenmaier ist ein markenneutraler Leasinganbieter, gleichzeitig aber auch Leasingpartner der Premiummarken Lucid und Cadillac. Wie ist bei diesen in Deutschland eher noch seltenen Marken die Nachfrage?
Die Marken wecken Aufmerksamkeit. Die Fahrzeuge sind „unique“. Mein eigener Lucid wird regelmäßig fotografiert und ich darauf angesprochen. Er ist tatsächlich eine „Lead-Maschine“.
Die Fahrzeuge überzeugen durch enorme Reichweite und Alltagstauglichkeit.
Und wirtschaftlich betrachtet sind die Vollkosten konkurrenzfähig und teilweise günstiger als vergleichbare Verbrenner. Der Markt ist da. Was wir allerdings sehen, ist ein intensiver Preiskampf der deutschen Captive-Gesellschaften mit hohen Subventionen der OEMs. In unserer Branche sprechen wir von „Phaeton“-Leasingraten.
Was raten Sie einem Unternehmen, das Sie auf der Flotte! in Düsseldorf anspricht und erste Elektroautos leasen will? Wo fängt man da am besten an – bei den Fahrzeugen oder der Ladeinfrastruktur?
Man beginnt nicht mit der Ladeinfrastruktur. Man beginnt mit der Führung. Wir haben 2017 im Projekt „InitiativE-BW“ gelernt: Wenn Vorstand oder Geschäftsführung elektrisch fahren, zieht die Organisation nach. Für den Start reicht oft eine Wallbox, zu Hause oder im Unternehmen. Elektromobilität ist kein Technikprojekt, sondern ein Führungs- und Kulturthema.
Das neue Förderprogramm ist noch nicht einmal am Start, beeinflusst aber schon massiv die Leasing-Angebote für Privatkunden. Gibt es im gewerblichen Markt auch so viel Bewegung?
Weniger als im Privatkundenbereich. Der gewerbliche Markt ist konstanter. Ich sage es deutlich: Das neue Förderprogramm ist bürokratisch überfrachtet und setzt falsche Marktanreize. Es wird viel Geld bewegt, aber sehr ineffizient. Der Privatkundenmarkt benötigt junge gebrauchte E-Fahrzeuge und keine hochsubventionierte Neufahrzeuge. Der Markt braucht verlässliche Rahmenbedingungen, keine kurzfristigen Impulse. Es ist ein Trauerspiel.
Neben dem klassischen Dienstrad-Leasing bietet Kazenmaier zum Beispiel auch ein Dienstradleasing an. Während der Covid-Pandemie waren (E-)Fahrräder extrem gefragt, danach hat sich der Markt schwer getan. Wie sieht es inzwischen in diesem Bereich aus?
Der Markt konsolidiert sich. Die Boomphase ist vorbei. Es gibt weiterhin strukturelle Ineffizienzen und viele Doppelstrukturen. Als Direktanbieter und Leasinggesellschaft in einem bauen wir unsere Position weiter aus und wachsen effizient.
Der Markt ist härter geworden, aber das kennen wir aus dem Automobilbereich seit Jahren. Die Romantik ist vorbei, jetzt beginnt die Professionalisierung.
Herr Nastold, wir danken für das Gespräch!
Das Interview mit Max Nastold ist im Rahmen der Medienpartnerschaft von electrive und „Flotte! Der Branchentreff“ entstanden.





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