Kaum Batterieverschleiß bis fast 100.000 km Laufleistung

Eine Analyse des Batteriezustands von rund 50.000 E-Autos und Plug-in-Hybriden durch TÜV Nord und das Car-Tech-Unternehmen Carly zeigt, dass die State-of-Health-Werte (SoH) der meisten Fahrzeugbatterien besser sind als erwartet. Jedoch nimmt die Degradation der Traktionsbatterie nach knapp 100.000 km Laufleistung stark zu.

Carly tuev nord batteriecheck
Bild: TÜV Nord

Die Traktionsbatterien von E-Autos sind deutlich langlebiger als bislang angenommen. Davon sind TÜV Nord und das Münchner Unternehmen Carly nach der Analyse des State of Health (SoH) der Batterien von rund 50.000 Elektroautos und Plug-in-Hybriden überzeugt. Demnach lag der SoH sämtlicher untersuchter Batterien im Median bei 96 Prozent, wobei die analysierten Autos maximal zehn Jahre alt waren.

Die Auswertung zeigt wenig überraschend, dass der Batteriezustand normalerweise besser ist, je jünger das Auto ist. Umgekehrt wird die Analyse aber spannend, wenn es um Alter, Laufleistung und Marke der Fahrzeuge geht. Denn da gibt es erhebliche Unterschiede. Demnach haben ältere Baujahre der Marken Hyundai, Kia oder Mercedes-Benz oft noch immer eine Batteriekapazität von rund 90 bis über 95 Punkten. Dagegen haben die Batterien älterer Baujahre von VW, Renault oder Citroën teilweise nur einen State of Health von 70 bis 80 Punkten, wobei wie erwähnt nur Fahrzeuge ab Baujahr 2016 untersucht wurden. Entsprechend ergibt sich je nach Fahrzeugalter ein Unterschied von rund zwei bis zehn SoH-Punkten zwischen den Marken, so die Studienmacher. Mit neueren Baujahren verringere sich dieser Abstand jedoch deutlich.

Knick nach 90.000 km

Interessant wird es auch, wenn man die Degradation – so bezeichnen Fachleute den Alterungsprozess der Antriebsbatterie, der zu einem dauerhaften Verlust an Speicherkapazität und dadurch an Reichweite führt – nach Laufleistung der Fahrzeuge betrachtet. Interessant ist hier ein regelrechter Knick in der SoH-Kurve: Nimmt die Batteriekapazität innerhalb der ersten 90.000 km im Schnitt nur um 0,7 Punkte pro 10.000 km ab, so steigt dieser Wert über 90.000 km Laufleistung relativ plötzlich auf 2,3 Punkte pro 10.000 km.

Soh kurve laufleistung carly
Entwicklung der Batteriekapazität nach Laufleistung
Grafik: Carly

Eine Erläuterung, ob die Laufleistung oder das Alter des Fahrzeugs einen größeren Einfluss auf die abnehmende Batteriekapazität hat, liefert die Studie nicht. Auch ansonsten gehen Carly und TÜV Nord nicht auf die verschiedenen Faktoren ein, die neben Marke, Alter und Laufleistung noch den SoH beeinflussen können. So hatte beispielsweise Geotab vor Kurzem analysiert, dass die häufige Nutzung von Ultraschnellladern statt AC-Ladern die Degradation etwas beschleunigt, aber in einem erträglichen Rahmen. Relevant kann zudem auch das Thermomanagement der Batterie sein oder auch die Umgebungstemperatur: So hat Geotab in heißen Regionen eine etwas schnellere Alterung festgestellt als in kühleren Regionen. Und nicht zuletzt kann auch das persönliche Fahrverhalten einen leichten Einfluss auf die Degradation haben.

Was bleibt, ist die positive Botschaft, dass die meisten E-Auto-Batterien heute deutlich besser halten als bislang angenommen – und so ziemlich jedes neues Elektroauto deutlich besser beim SoH wegkommt, als die Hersteller garantieren: Marktüblich ist derzeit eine Garantie von acht Jahren oder maximal 160.000 km Laufleistung, bis zu der die Batterie eine Restkapazität von mindestens 70 Prozent erreichen muss.

Batterien robuster als angenommen

„Unsere Daten zeigen, dass Batterien robuster sind als oft angenommen, gleichzeitig aber mit steigender Laufleistung klar messbar altern. Gerade vor dem Hintergrund eines wachsenden, aber noch unsicheren Gebrauchtwagenmarkts werden SoH-Daten damit zum entscheidenden Faktor: Sie schaffen eine objektive Grundlage für Preisbildung und Kaufentscheidungen und reduzieren das Risiko für alle Marktteilnehmer deutlich“, sagt Carly-Chef Avid Avini.

„Der Gebrauchtwagenmarkt für Elektroautos ist aktuell stark von Unsicherheiten geprägt, insbesondere mit Blick auf den Zustand der Batterie. Genau hier setzen objektive SoH-Daten an: Sie machen den Batteriezustand erstmals nachvollziehbar und vergleichbar und ersetzen damit ein Stück weit die bisherige Bewertung auf Basis von Annahmen. Für Verbraucher, Händler und Finanzierer ist das ein entscheidender Schritt hin zu mehr Transparenz und Vertrauen im Markt“, sagt  Hartmut Abel, CEO von TÜV Nord Mobilität.

Seit Dezember bieten Carly und TÜV Nord gemeinsam eine standardisierte Lösung zur Batterie-Bewertung für Gebrauchtwagen mit CARA-Zertifizierung an. Dabei handelt es sich um einen Batteriecheck für Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeuge zur Beurteilung des Akku-Gesundheitszustands.

mycarly.com, tuev-nord-group.com

14 Kommentare

zu „Kaum Batterieverschleiß bis fast 100.000 km Laufleistung“
David W
24.03.2026 um 14:35
Leider fehlt hier eine klare Trennung BEV und PlugIn, die Belastung der Batterien ist ja in der Anwendung deutlich verschieden. Das zusammen zu werfen macht keinen Sinn, da kann man auch gleich Smartphone und E-Zigaretten mit in die Lebensdauerstudie einbeziehen. Das der SOH mit zunehmendem Alter größer wird hätte wohl auch niemand erwartet, insofern kann man aus dieser Veröffentlichung wenig nutzen ziehen.
Ben Becker
24.03.2026 um 15:50
Bitte genau lesen: Es wird nirgends angegeben und auch nicht visualisiert, dass der SOH mit zunehmendem Alter größer wird. Der SOH verringert sich selbstverständlich mit der Zeit. Die fehlende Trennung zw. BEV und PHEV wird bewusst gewählt sein. Andernfalls würden die teils katastrophalen SOH-Werte von PHEV-Modellen durch den TÜV Nord öffentlich gemacht werden. Das erklärt auch die Verschleierung durch die Verwendung des Medians von 96 % SOH. Das arithmetische Mittel wird deutlich darunter liegen, da negative Ausreißer im SOH der PHEV-Modelle das Ergebnis verzerren. Anders ausgedrückt: Die Studie hebt die guten SOH-Werte von BEV-Batteriepaketen hervor, um die kleineren PHEV-Batterien, die aufgrund einer vielfach höheren Anzahl von Ladezyklen schlechtere SOH-Werte aufweisen, in einem besseren Licht erscheinen zu lassen. Diese Analyse ist tatsächlich unbrauchbar.
David W
25.03.2026 um 07:55
Ich hab es genau gelesen, das war ironisch gemeint. Natürlich wird der kleiner, war ja nicht anders zu erwarten deshalb ist genau das auch keine bahnbrechend neue Erkenntnis.
Ben Becker
25.03.2026 um 17:33
Uuupsi, Sorry, David :-) Ich hatte deinen Satz zweimal gelesen und zweimal deine Ironie überlesen und nehme mein "Bitte genau lesen.." zurück.
Thomas
24.03.2026 um 20:36
Die Kurve finde ich eigenartig. Bisher hatte ich immer gelesen dass die Degradation anfangs am stärksten ist und dann abflacht. Das zusammen mit der fehlenden Trennung PHEV zu BEV lässt mich an der Untersuchung zweifeln.
Jörg
25.03.2026 um 05:16
die bewusste Nicht-Trennung von BEV und PHEV ist gewollt, denn wie zuvor richtig geschrieben verhübscht das lediglich den katastrophalen Lebenszyklus einer Plugin-Verbrenner-Batterie, während die BEV Batterie deutlich schlechter dabei wegkommt als sie ist - diese Studie ist kein Versehen, sondern volle Absicht, das Schüren von Ängsten vor der Energie/Antriebswende hat in der deutschen Medienlandschaft seit Jahrzehnten Methode....
Thomas
24.03.2026 um 20:34
"Bitte genau lesen: Es wird nirgends angegeben und auch nicht visualisiert, dass der SOH mit zunehmendem Alter größer wird"Eben, und David W hat ja auch nur geschrieben dass niemand erwartet hätte dass der SoH steigt und dass Ergebnis somit wenig überraschend ist. Er hat damit nur den Mehrwert der Studie angezweifelt. Bitte genau lesen.
Torsten
24.03.2026 um 16:32
Die pauschale Aussage das ab 90 tkm die Degradation bei BEVs stark zunimmt find ich ziemlich gewagt, das hängt doch stark vom individuellen Ladeverhalten ab. Es gibt genügend Beispiele von älteren NMC Batterien mit über 200 tkm Laufleistung und noch über 90 % SOH. Bei Plug Ins würde ich das unterschreiben eher sogar schlechter. Diese unterliegen durch Ihre geringe Kapazität häufiger Volladezyklen. Zusammen mit Ihrer Position im Auto (thermische Beanspruchung in Motornähe) kann man wahrscheinlich froh sein noch 70-80 % SOH nach 90 tkm zu haben. Beispiel: 60 km elektrische Reichweite (Volladezyklus 0-100%) x 1500 Ladezyklen = 90 tkm=technischer Verschleiss, Vergleich: BEV 400 km Reichweite (0-100%) bei 90 tkm = 225 Ladezyklen, bei batterieschonendem Laden 30%-80% mit geringer Degradation = 500 Ladezyklen, auch weit weg von 1500 Ladezyklen ...
an Torsten
24.03.2026 um 17:15
Pardon, Torsten, aber ein 'Zyklus' ist per Definition bereits ein vollständiger Durchlauf. Deshalb spricht man schlicht von 'Ladezyklen'. Das Wort „Vollladezyklen“ ist redundant, da die Information doppelt enthalten ist (ein pleonastisches Kompositum). Dein Beispiel „Laden 30 %- 80 %“ entspricht also keinem vollen, sondern nur einem anteiligen (hier halben) Ladezyklus. Die Gesamtanzahl der Ladezyklen einer Batterie verändert sich nicht, wenn man häufiger kleinere Energiemengen nachlädt.
Thomas
25.03.2026 um 02:41
Soweit ich gelesen habe sind kleine Ladehübe besser für die Batterie da der mechanische Stress in den Zellen geringer ist. Also besser zweimal von 35% auf 65% als einmal von 20% auf 80% bspw..
Heinz Walter
24.03.2026 um 18:15
Der Knick kommt vor allem von den PHEV, die bei 90.000 km langsam aber sicher den Geist aufgeben. Siehe dazu auch das neuste Youtube-Video vom Akkudoktor.
sebastian
25.03.2026 um 04:39
Ich verfolge auf den gängigen Auto-Verkaufsportalen immer die dort ausgewiesenen SOH-Zustände, gerade bei Autos mit hohen km-Ständen. Daher kann ich die im Artikel genannten Werte über 90.000km nicht nachvollziehen. Selbst Wagen mit rund 400.000 km aufwärts haben i.d.R. noch über 80% SOH. Dass im Schnitt linear auf den ersten 90.000km pro 10.000km 0,7% verloren gehen, könnte gut hinkommen. Aber es scheint eher so weiterzugehen oder sich zu verlangsamen. Ganz unwissenschaftlich, nur mein Eindruck anhand der Werte der Verkaufs-PKW. Das gängiges E-Auto kann man demnach länger fahren, als ein durchschnittlicher Verbrennungsmotor hält.
ErichW
25.03.2026 um 20:51
Kann ich bestätigen. Ich habe mir - auch ganz unwissenschaftlich - eine Liste mit Fahrzeugen erstellt und komme zu genau den selben Ergebnissen.
Matthias
25.03.2026 um 08:08
Die Kurve kommt mir sehr merkwürdig vor und zeigt sich so auch nicht in Studien an derer Marktplayer. Es scheint mir auch ein systematischer Fehler zu sein BEV und PHEV in einen Topf zu werfen. Dieses Abknicken über 100.000 km hat sicherlich auch ne andere Ursache, als die reine Alterung. Da scheint mir eher die Auswahl der älteren Fahrzeuge eine Rolle zu spielen. Es ist bekannt, dass alte Leaf, Kia, Zoe aus 2016 noch nicht Stand der heutigen Technik waren und die Batterien entsprechend klein sind, also entsprechend viele Ladezyklen abbekommen.

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