Geotab-Analyse: Einfluss von Schnellladungen auf Kapazitätsverlust von Batterien

Eine Studie des Telematik-Spezialisten Geotab zeigt, dass die weit verbreitete Meinung, häufige Schnellladevorgänge würden der E-Auto-Batterie schaden, nur bedingt haltbar ist. Zwar sinkt der State of Health von Akkus dadurch schneller als bei AC, doch der Unterschied hält sich im Rahmen.

Batteriedegradation state of health
Bild: Geotab

Degradation bezeichnet bei Elektroautos den Alterungsprozess der Antriebsbatterie, der zu einem dauerhaften Verlust an Speicherkapazität und dadurch an Reichweite führt. Dabei garantieren die E-Auto-Hersteller heute üblicherweise, dass die Batterie nach acht Jahren oder maximal 160.000 Kilometer nach einer Vollladung noch eine Restkapazität von mindestens 70 Prozent gegenüber dem Ursprungswert erreicht. Sprich: Eine gewisse Degradation ist üblich, aber sie fällt meist weniger stark aus als von den Batteriegarantien abgedeckt, denn sonst müssten die Hersteller ja ständig Akkumodule oder sogar die gesamte Batterie auf eigene Kosten austauschen. Zuletzt hatte beispielsweise auch schon eine Studie von P3 gezeigt, dass Elektroauto-Batterien deutlich länger halten als gedacht – allerdings wurde dabei nicht so sehr das Ladeverhalten analysiert wie von Geotab.

Geotab, ein weltweit aktiver Anbieter von Telematikdiensten und Flottenmanagementlösungen aus Kanada, hat nun mit realen Daten ermittelt, welchen Einfluss das Ladeverhalten auf die Degradation von Traktionsbatterien hat, sprich: Ob eher mit Wechselstrom (AC) langsam z.B. an der heimischen Wallbox geladen wird oder aber ob schnelle Ladungen mir Gleichstrom (DC) bevorzugt werden. Denn bekanntlich wächst die Schnellladeinfrastruktur seit längerem massiv – doch zugleich hält sich hartnäckig das Vorurteil, dass es schädlich sein könnte, Batterien häufig sehr schnell, sprich im Bereich 100 kW und aufwärts, zu laden.

Schnellere Degradation als noch 2024

Für die Erhebung hat Geotab reale Daten zum Zustand von Batterien aus mehr als 22.700 Elektrofahrzeugen von 21 Marken untersucht und sich dabei auf mehrere Jahre aggregierter Telematikdaten gestützt. Dabei zeigte sich eine leichte Steigerung der jährlichen Batteriedegradationsrate auf 2,3 Prozent, verglichen mit 1,8 Prozent im Jahr 2024. Die Restkapazität, auch State of Health (SoH) genannt, sinkt also jährlich um diesen Wert. Heißt zugleich: Wenn eine 60-kWh-Batterie über die Jahre auf einen SoH von 80 Prozent fällt, dann funktioniert sie nur noch so gut wie eine neue 48-kWh-Batterie und bietet entsprechend auch deutlich weniger Reichweite als im Neuzustand.

Die Ursache für die leicht gestiegene Batteriedegradationsrate sieht Geotab in der gestiegenen Nutzung von leistungsstarken Gleichstrom-Schnellladegeräten durch E-Auto-Fahrer – sieht das aber nicht als dramatisch an: „Der Zustand der EV-Batterien bleibt gut, auch wenn die Fahrzeuge schneller geladen und intensiver genutzt werden“, sagt Charlotte Argue, Senior Manager, Sustainable Mobility bei Geotab. „Unsere neuesten Daten zeigen, dass die Batterien immer noch weit über die von den meisten Flotten geplanten Austauschzyklen hinaus halten. Was sich geändert hat, ist, dass das Ladeverhalten nun eine viel größere Rolle dabei spielt, wie schnell die Batterien altern, was den Betreibern die Möglichkeit gibt, langfristigen Risiken durch intelligente Ladestrategien entgegenzuwirken.“

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Entwicklung des Batteriezustands je nach Ladepräferenz
Grafik: Geotab

Allerdings zeigt die Analyse auch, dass die Ladeleistung mittlerweile den stärksten Einfluss auf den Zustand und Verschleiß von Batterien hat. Denn gerade E-Autos, die in großem Maße DC-Schnellladungen von über 100 kW genutzt haben, zeigten eine schnellere Degradation von durchschnittlich bis zu 3,0 Prozent pro Jahr, verglichen mit nur etwa 1,5 Prozent bei Fahrzeugen, die hauptsächlich mit Wechselstrom (AC) geladen wurden.

Leider lässt sich aufgrund der Daten nicht exakt hochrechnen, nach wieviel Jahren die Batterien welchen SoH erreichen würden. Denn die Kapazitätsabnahme läuft weder streng linear noch streng exponentiell. Vielmehr gibt es meist in den ersten ein bis zwei Jahren einen schnellen Abfall, auch „early drop“ genannt, bevor die zweite Phase der langsameren und gleichmäßigen Alterung einsetzt. Zudem kann sich das Ladeverhalten mit der Zeit ändern.

Selbst bei hoher DC-Präferenz bleibt der SoH im Garantiebereich

Wenn man das übliche Garantiezeitfenster von acht Jahren betrachtet, lässt sich aber zumindest schätzen, das der Wert bei allen Szenarien oberhalb der relevanten Grenze von 70 Prozent SoH bleibt. Die jährlichen Degradationswerte der Geotab-Analyse zugrunde gelegt, lässt sich vermuten, dass Fahrzeuge mit überwiegend AC-Ladung nur rund 12 Prozent Kapazität verlieren, solche mit gemischter Ladeleistung etwa 17 Prozent und solche mit häufigem DC-Schnellladen verlieren bis zu 22 Prozent. Heißt umgekehrt: Selbst bei häufigem DC-Schnellladen läge der SoH nach acht Jahren noch bei 78 Prozent und damit über der relevanten Schwelle von 70 Prozent.

„Für Flotten sollte der Schwerpunkt auf Ausgewogenheit liegen“, sagt Charlotte Argue. „Die Verwendung der niedrigsten Ladeleistung, die noch den betrieblichen Anforderungen entspricht, kann einen messbaren Unterschied für die langfristige Batterieerhaltung bewirken, ohne die Verfügbarkeit der Fahrzeuge einzuschränken.“

Wichtig weiterhin für die Entwicklung der Restkapazität: Häufiger genutzte Fahrzeuge zeigen eine etwas schnellere Degradation, die im Vergleich zur Gruppe mit der geringsten Nutzung um etwa 0,8 Prozent pro Jahr höher liegt. Andere Faktoren, wie beispielsweise das Klima, hatten einen geringeren unabhängigen Einfluss. Fahrzeuge, die in heißeren Regionen betrieben wurden, zeigten eine um etwa 0,4 Prozent schnellere Degradation pro Jahr als Fahrzeuge in gemäßigten Klimazonen.

globenewswire.com

15 Kommentare

zu „Geotab-Analyse: Einfluss von Schnellladungen auf Kapazitätsverlust von Batterien“
Marco Nover
14.01.2026 um 15:25
Ein gutes Batteriethermomanagement ist ein absolutes Muss. Es verbessert nicht nur die Degradation, sondern sorgt auch für ein effizientes und sicheres Gesamtsystem. Wir von Whitemark Technology setzen das für Sie um.
Matthias
14.01.2026 um 15:41
Der Akku meines Smart ist 13 Jahre alt und hat noch 87,5% SOH. Damals gab es noch kein DCFC, außer Chademo, aber das Auto wurde oft mit AC-Schnelllader in unter einer Stunde geladen. Zellen von Litec, Made In Germany, in Kamenz.
TeeKay
14.01.2026 um 23:38
Damals bauten manche noch für die Ewigkeit. Die i3 Zellen halten sich auch sehr gut, ebenso die Lev50N des i-Miev. Bedenkt man, dass die mit 2,5C geladen wurden, eher nicht so tolles Thermalmanagement hatten, auch bei der Leistungsentnahme aufgrund der geringen Kapazität ziemlich gequält wurden und es an Erfahrung mangelte, erstaunt das gute Alterungsverhalten dieser Batterien. Aber damals guckten ja fast alle nur auf Preis und Reichweite - und so wurden die Zellen dann halt nach und nach angepasst: billiger, höhere Kapazität, schneller alternd.
BEVdev
14.01.2026 um 20:32
Ein Unterschied von Faktor 2 bei der Alterung hält sich für mich nicht „im Rahmen“. Welcher Rahmen soll das sein, den eine Entwertung eines so teuren Teils in doppelter Geschwindigkeit nicht stört?
Mahler Rolf
15.01.2026 um 07:59
Für was stehen diese Kategorien in der Grafik oben?- low Frequency - high Frequency low power - high Frequency high power
Solar-Fahrer
15.01.2026 um 08:23
Ohne den kompletten Studie gelesen zu haben, wo kommt hier der Batterie Type zum Tragen? Es hätte durchaus sinn den Batterie Type in die Bewertung einfließen zu lassen.
Daniel
15.01.2026 um 08:33
So werden BEV erst recht unverkäuflich, denn wer will ein Auto, das nach schätzungsweise 12 Jahren keine Reichweite mehr hat und eine neue Batterie teurer ist als das übrige Fahrzeug? Es ist vorzeitig End-of-life, was hohe Abschreibungen (Kosten) verursacht und Rohstoffe und Energie verschwendet. Ich bin mal gespannt, was auf uns zukommt.
Obelix
15.01.2026 um 12:12
Über 50 % Reichweite werden bei Ihnen auf 0 abgerundet. Bold, da hat jemand in Mathe eine 1 in Punkten.Die defekte Batterie enthält die Resourcen in konzentrierter Form, alles was sie verbrennen braucht 100 kJahre um wieder verfügbar zu sein.
Ralf Dunker
15.01.2026 um 13:06
Moin Obelix,Was Daniel damit vermutlich ausdrücken wollte: Aus Sicht des Konsumenten, der einen gebrauchten Verbrenner kennt, der auch nach zehn Jahren Nutzung noch annähernd 100 % Reichweite erwarten lässt, ist das keine attraktive Alternative. Dass noch nutzbare Ressourcen im Akku stecken, er also stationär genutzt werden kann, hilft demjenigen, der ein Fahrzeug sucht (das heutigen Ansprüchen genügt), nicht wirklich. Aber das ist der entscheidende Punkt: „Der Konsument“ erwartet, so die Wirtschaftswissenschaften, dass sich Produkte von Generation zu Generation verbessern. Hinsichtlich des praktischen Nutzens ist dies bei BEV IM VERGLEICH zum alten Verbrenner, aus Sicht der Konsumenten, offensichtlich fraglich. Neue Autos sollten doch, gerade in Deutschland, Selbstläufer sein! Wenn hier seit 15 Jahren nur Steuermittel helfen, um ein Konsumprodukt zu verkaufen, dann stimmt etwas nicht. Das können wir aber ändern, um die großen Vorteile elektrischer Antriebe massenhaft zu nutzen: Genormte Tauschakkus würden helfen!
Philipp
23.01.2026 um 15:19
naja. bei dieseln ist der Turbo auch gerne mal nach 150t km auf. das ist dann auch oft ein totalschaden ... und 80% SOH reicht ja in vielen Fällen wirklich oft aus.
Jennss
15.01.2026 um 09:19
Es ist doch mehr Differenz, als ich dachte. Gebrauchte Bev am besten von Hausbesitzern mit Wallbox kaufen, aber das Batteriezertifikat wird das auch zeigen.
Ralf Dunker
15.01.2026 um 12:28
Aus Sicht eines „vernünftigen“ Konsumenten ist es also zumindest fragwürdig, ob man ein gebrauchtes BEV erwerben sollte, wenn davon ausgegangen werden muss, dass es im Alltag so genutzt wurde, wie ein Verbrenner (Volltanken (100 %!) ) bei möglichst kurzer Verweildauer). D.h. auch ein privater Neuwagenkäufer kann erwarten, dass der Restwert seines BEV nach z.B. acht Jahren noch geringer sein wird, als bei einem vergleichbaren Verbrenner. Letzterer mag zwar Reparaturen benötigen. Aber die ursprüngliche Reichweite beträgt bei „Ladestopps“ von fünf Minuten, egal ob in der Stadt oder auf der BAB, auch nach zehn Jahren noch nahezu 100 Prozent. Daher plädiere ich dafür, den regelmäßigen Akkutausch in den Fokus zu rücken. Die europäischen OEM nutzen dabei gemeinsam zwei bis drei formfaktorierte Akkutypen, ja nach KFZ-Typ und betreiben den Akkupool in Kooperation mit den Tankstellenbetreibern als Dienstleistung für die Individualmobilisten und das Erneuerbare Stromsystem gleichermaßen. 200 - 300 Akkus (bei 50 Mio. PKW) werden unterflur dort optimal gemanagt, wo derzeit Benzin und Diesel dümpeln. Damit lässt sich, anders als mit Ladepunkten und auch an den Strombörsen, ordentlich Geld verdienen, was private Investitionen (der Tankstellenbetreiber/ Mineralölbranche) anregt. Akkumieten sind dabei nicht erforderlich, da Netzdienste plus Verkauf von Traktionsenergie so lukrativ sind, dass sich die Akkuherstellung zügig amortisiert. Und, um an den Anfang zurückzukehren: Ein BEV erhält nach zehn Jahren beim Akkutausch mehr Reichweite als bei dessen Erstzulassung, weil die Energiedichte dank Forschung mittlerweile verbessert wurde. Wie mag sich das auf den Wiederverkauf auswirken? Die genormten Akkus gibt es im Zweifel bei CATL, für den Fall, dass ein europäischer OEM erklärt, Normung funzte nicht.https://www.electrive.net/2024/12/19/catl-stellt-batteriepakete-fuer-batteriewechselstationen-vor/Jetzt müsste nur noch die deutsche Politik von dieser brandneuen Idee erfahren, die auf Better Place (2000er Jahre) zurückgeht. Und sie müsste die Eier in der Büx haben, um die OEM vor sich selbst zu retten. Wird also wohl nix…
Max
15.01.2026 um 14:05
Das Risiko ist das gleiche wie bei einem gebrauchen Verbrenner, da weis ich auch nicht wie der Vorbesitzer mit dem Motor umgegangen ist und wie er gepflegt und gewartet wurde. Der Akku ist für ein durchschnittlich privat genutztes Fahrzeug (15tKm/Jahr) nicht das Problem, da das Fahrzeug vor dem Akku "stirbt". Jedes aktuelle Fahrzeug hat so viel Technik/Elektronik verbaut, die bei einem Ausfall teure Reparaturen nach sich ziehen und im ungünstigsten Fall gibt es kein Ersatzteil mehr. Dass man 20 Jahre lang Ersatzteil bekommt (zu einem reellen Preis), davon gehe ich insbesondere bei den chinesischen Herstellern nicht aus. Es gibt interessante Videos von der EV CLINC Berlin (hat sich auf die Reparatur von E-Fahrzeugen spezialisiert) und die sagen ganz klar, defekte Akkus sind nicht die Mehrheit an Defekten, die sie bekommen. Seit 2021 sind die Preise für die Akkuzellen um 90% gefallen. Es ist davon auszugehen, dass die Preise weiter fallen. Darum wird der Austausch eines Akkus in Zukunft wie eine Austauchmotor eines Verbrenners sein.
Max
15.01.2026 um 13:43
Da gibt es aber andere Studien, die "alte" Teslas untersucht haben und dabei keinen statistischen Effekt einer schnelleren Akku-Degeneration bei viel Schnellladen feststellen konnten. Meistens ist es auch nicht der ganze Akku, der schlapp macht sondern nur eine einzelne Zelle/Zellgruppe. Das ist oft reparabel, Spezialfirmen etablieren sich gerade z.B. EV CLINIC Berlin.
Battie
17.01.2026 um 19:46
Bange machen is nicht, das denke ich auch. War ja kürzlich erst hier ein Beitrag, der sich mit dem Auffrischen von Batterien beschäftigte. An der Batterie wird es also wohl am wenigsten scheitern, wenn ein E-Auto mal fertig hat.

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