Cellcentric gibt neues BZ-System zur Kunden-Validierung frei
Cellcentric macht Fortschritte bei der Marktreife seiner neuen BZ-Generation, die gegenüber dem aktuellen System namens BZA150 kleiner, stärker und zugleich effizienter ausfallen soll. Zuvor unter dem Projektnamen „NextGen“ bekannt und im Rahmen der Hannover Messe vorgestellt, ist das BZA375-System laut dem Joint Venture nun verfügbar für Tests und die weitere industrielle Skalierung – und zwar „in einem breiten Spektrum von Schwerlastanwendungen“. Ein besonderer Fokus lag bei der Produktentwicklung aber auf Fernstrecken-Lkw.
Angekündigt hatte Cellcentric das neue Brennstoffzellensystem Mitte 2024, bereits drei Monate später präsentierte das Unternehmen auf der IAA Transportation ein virtuelles 3D-Modell der Lösung. Das Joint Venture spricht in seiner aktuellen Mitteilung von einer schnellen Entwicklungszeit: „In weniger als drei Jahren wurde BZA375 durch eine Kombination aus innovativen Lösungen, kontinuierlicher Verbesserung und einem fundierten Verständnis der Kundenanforderungen entwickelt.“
350 kW konstante Nettoleistung
Mit seiner kompakten Bauweise, einer konstanten Nettoleistung von bis zu 350 kW sowie einem geringen Gewicht dank neuem Packaging soll BZA375 laut Cellcentric die „Leistungsmerkmale vergleichbarer konventionell angetriebener Langstrecken-Trucks“ erreichen und gleichzeitig den Kraftstoffverbrauch um 20 Prozent gegenüber der aktuellen Generation BZA150 senken. „Ein voll beladener 40-Tonnen-Lkw kommt unter realen Fahrbedingungen mit weniger als 6 Kilogramm Wasserstoff pro 100 Kilometer aus“, konkretisiert Cellcentric in einer Mitteilung.
Konkret wiegt das neue System weniger als 500 Kilogramm und bietet eine um 40 Prozent höhere Leistungsdichte. Dadurch soll die Integration in bestehende Fahrzeugarchitekturen weiter erleichtert werden. Das BZA375 passt laut den Entwicklern nun in Bauräume, die ursprünglich für konventionelle 13-Liter-Dieselmotoren entwickelt wurden.
Besonders relevant für die einfache Integration in Lkw: Das Systemdesign und die Leistung ermöglichen laut offiziellen Angaben eine 40-prozentige Reduzierung der Abwärme bei 300 kW Nettoleistung, wodurch der Kühlungsbedarf des Lkw erheblich sinkt. Das sei „eine wichtige strategische Produktverbesserung“, so Cellcentric.
Bei der Leistungsdichte noch einmal draufgesattelt
Was für das Unternehmen in der Produktion und für die Kunden bei den Kosten relevant ist: Das neue System soll auch eine um 40 Prozent reduzierte Baukomplexität aufweisen – auch hier im Vergleich zum BZA150. Und zwar dank weniger Komponenten und Schnittstellen. Zugleich soll das System so robust ausgelegt sein, dass die Lebensdauer rund 25.000 Betriebsstunden betragen soll. „In einem Schwerlast-Lkw entspricht das einer Lebensdauer von 10 Jahren –vergleichbar mit modernen Dieselmotoren“, kommentieren die Verantwortlichen.
Interessant ist, dass Cellcentric zwischen der Ankündigung des Systems Mitte 2024 und dem jetzigen Auftritt bei der Hannover-Messe noch einmal an einigen Stellschrauben gedreht hat: So war vor knapp zwei Jahren noch von maximal 400 kg Gewicht die Rede, als 100 kg weniger als es nun der Fall ist. Gleichzeitig hat das Joint Venture aber bei der Leistungsdichte draufgesattelt: Von einer 30-prozentigen auf nun eine 40-prozentige Verbesserung gegenüber der aktuellen Generation.
Der neue Grundaufbau bleibt aber gleich: Einen großen Unterschied soll dabei das Packaging machen. Cellcentric verabschiedet sich bei der nächsten Generation nämlich vom „Twin-System“-Ansatz des BZA150 und setzt künftig auf ein Single-System-Package, das die angesprochene Komplexität reduzieren, die Einbindung in bestehende Fahrzeugplattformen erleichtern und eine kompaktere, kostengünstigere Integration erlauben soll.
Die Prototypenfertigung der BZA375-Systeme hat in Esslingen inzwischen begonnen. Erste Prototypen durchlaufen laut Cellcentric seit Monaten strenge Leistungs- und Haltbarkeitstests und stehen nun Kunden für eigene Test- und Validierungsaktivitäten zur Verfügung. Wichtig: Die Großserienfertigung soll erst gegen Ende des Jahrzehnts beginnen. Doch bereits vor der Serienproduktion werden Kunden für Tests, Validierungen und erste Flottenanwendungen „größere Stückzahlen ausgereifter Prototypensysteme zur Verfügung gestellt“, wie das Joint Venture mitteilt.
Zielgruppe für das neue System sind dabei vor allem Truck-Hersteller, denn das BZA375 ist in erster Linie für schwere Fernverkehrs-Lkw konzipiert. Allerdings betont Cellcentric, dass sich die Neuentwicklung auch „für eine breite Palette weiterer anspruchsvoller Anwendungsfälle mit vergleichbaren Anforderungen eignet: Reisebusse, stationäre Energieerzeugung, Schienenverkehr und Bergbau“. Das Credo lautet: Ein System für viele Anwendungen. In der Tat verfolgt Cellcentric ausdrücklich eine „Ein-Produkt-Strategie“ und erhofft sich davon „erhebliche Skaleneffekte und ein großes Potenzial für weitere Kostensenkungen in der Brennstoffzellentechnologie“.
„Wir sind offen für Partnerschaften mit allen OEMs“
Und: Verwendung finden soll das Neuprodukt nicht nur bei den Gesellschaftern, den Verantwortlichen schwebt viel mehr eine breite Vermarktung vor. Nicholas Loughlan, CTO von Cellcentric, drückt dies wie folgt aus: „BZA375 ist speziell auf die Anforderungen von Fernverkehrs-Lkw zugeschnitten und eignet sich hervorragend für andere Anwendungen mit vergleichbaren Anforderungen. Bei Cellcentric haben wir uns bewusst als unabhängiger Tier-1-Zulieferer positioniert und sind offen für Partnerschaften mit allen OEMs, die die Dekarbonisierung ihres Produktportfolios vorantreiben.“
Karin Rådström, President & CEO von Daimler Truck, ergänzt: „Zwei Schlüsseltechnologien werden entscheidend sein auf dem Weg zur Dekarbonisierung des Transports: batterieelektrische sowie wasserstoffbasierte Antriebe. Wir haben bereits wichtige Schritte unternommen, und das neue Brennstoffzellensystem von Cellcentric ist der nächste große Meilenstein. Aufbauend auf dem Erfolg des Vorgängers bietet es ein neues Level an Effizienz und Leistung.“
Und auch Martin Lundstedt, Präsident und CEO der Volvo Group, stimmt mit ein: „Mit der Markteinführung des BZA375 haben Cellcentric und seine Partner den Weg für den emissionsfreien Fernverkehr im Schwerlastsegment geebnet. Dies ist ein Meilenstein für Logistikunternehmen und die Gesellschaft insgesamt und bringt uns der Dekarbonisierung der Branche einen weiteren Schritt näher.“
Cellcentric wurde 2021 bekanntlich von Daimler Truck und der Volvo Group als Joint Venture für die Produktion von Brennstoffzellen für schwere Nutzfahrzeuge gegründet. Das Unternehmen baut eine entsprechende Großserienfabrik in Weilheim an der Teck in Baden-Württemberg, die Fertigstellung verzögert sich aber. Kein Wunder: Bei Daimler Truck ist der GenH2 Truck zwar schon in der Kundenerprobung, allerdings hat der Hersteller die Serienproduktion von E-Lkw mit Brennstoffzelle bereits vom Ende dieses Jahrzehnts in die 2030er Jahre verschoben. Entsprechend muss auch Cellcentric neu planen.
Unterdessen wurde kürzlich bekannt, dass Toyota bei Cellcentric einsteigen will – und zwar als gleichberechtigter Anteilseigner neben den beiden Gründungsgesellschaftern. Ziel ist, „eines der weltweit führenden Brennstoffzellensysteme für schwere Nutzfahrzeuge zu erschaffen“.
cellcentric.net





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