Toyota will dritter Gesellschafter von Cellcentric werden

Toyota beabsichtigt den Einstieg beim Brennstoffzellen-Joint-Venture Cellcentric – und zwar als gleichberechtigter Anteilseigner neben den beiden Gründungsgesellschaftern Daimler Truck und der Volvo Group. Ziel ist, "eines der weltweit führenden Brennstoffzellensysteme für schwere Nutzfahrzeuge zu erschaffen".

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Bild: Toyota

Toyota gehört zu den Vorreitern und nur noch wenigen überzeugten Entwicklern von Brennstoffzellen für Pkw. Vor gut einem Jahr stellten die Japaner ihr Brennstoffzellen-System der dritten Generation vor, das sich für den Einsatz in Pkw eignet, aber auch in größeren Fahrzeugen, Schiffen und stationären Anwendungen verbaut werden kann. Nun will Toyota bei Cellcentric mitmachen, dem Brennstoffzellen-Joint-Venture mit Fokus auf schwere Nutzfahrzeuge von Daimler Truck und der Volvo Group (nicht zu verwechseln mit dem Autobauer Volvo Cars). Und dieser Fokus soll auch nach dem Einstieg von Toyota bleiben: „Alle drei Anteilseigner beabsichtigen, Cellcentric als führenden Hersteller von Brennstoffzellensystemen für schwere kommerzielle Anwendungen weiter zu stärken“, teilt Daimler Truck mit.

Noch ist Toyotas Onboarding aber nicht offiziell. Alle drei OEMs und das Joint Venture haben dieser Tage zunächst eine Absichtserklärung unterzeichnet, ein fixer Vertrag soll folgen. Wann der Einstieg vollzogen werden könnte, präzisieren die Partner dabei nicht. Zum jetzigen Zeitpunkt betonen alle Seiten vor allem die komplementären Stärken, die das Joint Venture künftig voranbringen sollen.

Zum Hintergrund: Cellcentric wurde 2021 von Daimler Truck und der Volvo Group als Joint Venture für die Produktion von Brennstoffzellen für schwere Nutzfahrzeuge gegründet. Das Unternehmen baut eine entsprechende Fabrik in Weilheim an der Teck in Baden-Württemberg, die Fertigstellung verzögert sich aber. Denn: Bei Daimler Truck ist der GenH2 Truck zwar schon in der Kundenerprobung, allerdings hat der Hersteller die Serienproduktion von E-Lkw mit Brennstoffzelle vom Ende dieses Jahrzehnts in die 2030er Jahre verschoben. Auch bei Volvo dürfte es frühestens Ende dieses Jahrzehnts soweit sein. Brennstoffzellensysteme werden also erst später gebraucht als gedacht. Entsprechend muss auch Cellcentric neu planen.

Mit Toyota kommt nun ein neuer Spin in die Entwicklung. Die Japaner sind beim Wasserstoff in den vergangenen Jahren schon hier und dort von ihrem jahrzehntelangen Pkw-Fokus abgerückt. Mit Isuzu ist etwa ein Brennstoffzellen-Bus angekündigt, mit VDL erprobt Toyota ein Lkw-Quartett mit BZ-Antrieb und mit Sinotruk forciert das Unternehmen den Roll-out schwerer H2-Lkw in China. Das nur als kleiner Ausschnitt der Aktivitäten in diesem Bereich. Mit dem geplanten Cellcentric-Einstieg rückt Toyota nun noch etwas näher an den Nutzfahrzeugbereich heran. Ziel sei, „Brennstoffzellensysteme für schwere Nutzfahrzeuge sowie weitere Heavy-duty-Anwendungen mit vergleichbaren Anforderungen“ in den Blick zu nehmen.

Darüber hinaus wird angekündigt, dass Toyota und Cellcentric die Absicht hegen, „gemeinsam die Entwicklung und Produktion von Einzelzellen für Brennstoffzellen sowie der damit direkt verbundenen Systemarchitektur- und Steuerungselemente zu verantworten.“ Ziel sei es, wettbewerbsfähige Produkte zu entwickeln, die die Technologien beider Unternehmen optimal nutzen. Weiter ins Detail gehen die Partner an dieser Stelle nicht.

Karin Rådström, President & CEO von Daimler Truck, fasst sich in ihrem Statment eher allgemein: „Wir sind stolz, dass Toyota beabsichtigt, Anteilseigner von Cellcentric zu werden. Dadurch können wir die Entwicklung und Skalierung von Wasserstofftechnologien stärken, die batterieelektrische Antriebe bei der Dekarbonisierung des Transports ergänzen.“

Andreas Gorbach, Mitglied des Vorstands von Daimler Truck, ergänzt: „Mit dem größten Automobilhersteller der Welt und Brennstoffzellenpionier Toyota zusammenzuarbeiten, ist nicht nur ein Privileg, sondern auch ein bahnbrechender Meilenstein, um Wasserstoff im Transport Realität werden zu lassen. Damit können wir Cellcentric zur ersten Adresse für Brennstoffzellentechnologie im Nutzfahrzeugbereich weltweit machen.“

Martin Lundstedt, President und CEO der Volvo Group, äußert: „Wir freuen uns sehr darauf, diese Zusammenarbeit mit Toyota zu evaluieren, um durch Cellcentric die Entwicklung von Wasserstoffanwendungen voranzutreiben und die notwendige kritische Masse zu erreichen. Dies ist ein wichtiges Signal an Kunden, Lieferanten und weitere Akteure im Ökosystem. Angesichts der Dringlichkeit, den Wandel hin zum klimaneutralen Transport voranzutreiben, ist die Zusammenarbeit großer Unternehmen wichtiger denn je. Toyota an Bord zu begrüßen, wird ein großer Schritt auf dem Weg zur Dekarbonisierung unserer Industrien sein.“

Natürlich kommt auch der Toyota-Chef zu Wort: „Wir sind sehr dankbar für die Möglichkeit, bald gemeinsam mit Daimler Truck und der Volvo Group als Partner am Aufbau einer Wasserstoffgesellschaft mitzuwirken“, sagt Koji Sato, President und CEO von Toyota. „Cellcentric verfügt über umfassende Expertise im Bereich von Brennstoffzellen für Nutzfahrzeuge, die sich mit Toyotas mehr als 30-jähriger Erfahrung in der Brennstoffzellenentwicklung im Pkw-Bereich ideal ergänzt. Gemeinsam können wir eines der weltweit führenden Brennstoffzellensysteme für schwere Nutzfahrzeuge erschaffen.“

Wichtig: Alle Akteure streben eine gleichberechtigte Beteiligung von Toyota an. Das Joint Venture solle dabei weiterhin als eigenständiges und unabhängiges Unternehmen agieren und ein breites Spektrum von Kunden bedienen, heißt es. Um die angestrebten Besitzverhältnisse zu erreichen, will sich Toyota durch eine Kapitalerhöhung an Cellcentric zu beteiligen und in das Unternehmen investieren. „In allen übrigen Geschäftsbereichen werden Daimler Truck, Volvo und Toyota weiterhin unabhängig voneinander im Wettbewerb stehen“, versichert das Trio, das aber überzeugt ist, dass solche großen Kooperationen nötig sind, „um wasserstoffbasierte Brennstoffzellen als eine der Schlüsseltechnologien zur Dekarbonisierung des Transports weltweit zu etablieren“.

Der nun unterzeichneten Absichtserklärung sollen laut Daimler Truck nun Gespräche mit dem klaren Ziel folgen, den Abschluss einer rechtsverbindlichen Vereinbarung zu erreichen. Nicholas Loughlan, Geschäftsführer und CTO von Cellcentric begrüßt den Schritt ausdrücklich: „Wir sind äußerst stolz darauf, dass Toyota als Anteilseigner von Cellcentric einsteigen möchte – ein starkes Zeichen des Vertrauens in unser Unternehmen von einem der weltweit führenden Automobilhersteller. In dieser neuen Konstellation freuen wir uns darauf, die Chance zu nutzen, unser Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette deutlich weiterzuentwickeln.“

Aktuell ist Loughlan Chef von rund 560 Mitarbeitern, die laut eigenen Angaben in interdisziplinären Teams an den Standorten Kirchheim/Teck, Esslingen, Stuttgart und Burnaby (Kanada) arbeiten. Dabei kommt Cellcentric zurzeit auf rund 700 Einzelpatente rund um die Entwicklung der Brennstoffzellentechnologie.

daimlertruck.com, global.toyota

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