„Made in Europe“-Act der EU: China droht mit Gegenmaßnahmen

Die EU hat Anfang März den lange erwarteten „Industrial Accelerator Act“ vorgestellt. Mit der Industrie-Strategie will sie sich unabhängiger machen. China hat nun offiziell Stellung dazu bezogen. Das Land beklagt Investitions-Hemmnisse, institutionelle Diskriminierung – und droht mit Gegenmaßnahmen.

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Bild: Seat

Noch hat der Industrial Accelerator Act (IAA) den Status eines Gesetzentwurfs. Sofern verabschiedet, erhofft sich die EU-Kommission mit dem Gesetzespaket die Produktion anzukurbeln, das Wachstum von Unternehmen zu fördern und Arbeitsplätze in der EU zu schaffen. Gleichzeitig soll der Act die Einführung sauberer, zukunftsfähiger Technologien in der Industrie unterstützen – und wird entsprechend auch in der Automobilbranche widerhallen.

Zu den Initiativen, die im Entwurf bereits umrissen sind, gehören neue Kriterien für öffentliche Beschaffungswesen und öffentliche Förderprogramme. Heißt: Wenn ein Staat Geld ausgibt, um Dinge zu beschaffen oder zu fördern, müssen künftig gewisse CO2- und „Made in EU“-Kriterien erfüllt werden. Und für Großinvestitionen von mehr als 100 Millionen Euro in den strategischen Sektoren (also auch der Autoindustrie) sollen gewisse Kriterien gelten, wenn ein „einzelnes Drittland mehr als 40 Prozent der weltweiten Produktionskapazitäten kontrolliert“ – was sehr wahrscheinlich zum Beispiel Batteriefabriken chinesischer Unternehmen in der EU treffen würde.

Komplett abschotten will die EU ihre Industrie nicht, sondern nach eigenen Angaben „einer der offensten Märkte der Welt“ bleiben. Und man sei entschlossen, „diese Offenheit als wichtige Quelle wirtschaftlicher Stärke und Widerstandsfähigkeit zu bewahren“. Daher ist die Rede von einer „größeren Gegenseitigkeit im öffentlichen Beschaffungswesen“ – indem man Ländern, die EU-Unternehmen Zugang zu ihren Märkten gewähren, eine Gleichbehandlung gewährt. Ist das nicht der Fall, wird den anderen Ländern der Zugang zu den EU-Märkten erschwert.

Rund eineinhalb Monate nach Präsentation des IAA bezieht nun das Handelsministerium in Peking offiziell Stellung. Wie das „Handelsblatt“ schreibt, hat die Behörde der Europäischen Union am 24. April ihre Bedenken über den Entwurf sowie Empfehlungen dazu übermittelt. Darin übt China scharfe Kritik: Der Gesetzentwurf enthalte ernstzunehmende Hemmnisse für Investitionen und institutionelle Diskriminierung in den vier strategischen Wachstumsbranchen Batterien, Elektroautos, Photovoltaikanlagen und bei wichtigen Rohstoffen, zitiert das Handelsblatt aus der Stellungnahme des Pekinger Handelsministeriums

Weiter soll China vor allem auf drei Probleme des IAA verweisen: Das Gesetz verstoße gegen einige Abkommen. Zum anderen würden chinesische Investoren diskriminiert. Und drittens werde das Gesetz den grünen Transformationsprozess der EU aufhalten und den fairen Wettbewerb beeinträchtigen. Peking empfiehlt deshalb, „etwaige Anforderungen für Auslandsinvestoren, lokale Anteile an der Wertschöpfung oder die Übertragung von geistigem Eigentum aus dem Entwurf zu streichen“, wie das Handelsblatt schreibt.

Die eingeforderten Nachbesserungen verbindet China mit Drohungen: Sollte die EU Chinas Vorschläge nicht berücksichtigen, die Verabschiedung des Gesetzes vorantreiben und dadurch die Interessen chinesischer Firmen beeinträchtigen, sieht sich Peking laut offiziellen Angaben gezwungen, „Gegenmaßnahmen zu ergreifen“. Für solche Fälle hat die chinesische Regierung kürzlich zwei neue rechtliche Instrumente vorgestellt. Diese sollen Maßnahmen ermöglichen, um die Aktionen anderer Länder zu kontern. Konkret handelt es sich laut „Handelsblatt um die „Regulierung Nummer 834“ zur Sicherheit von Industrie und Lieferketten sowie ein Rechts-Instrument zur „Bekämpfung unzulässiger extraterritorialer Gerichtsbarkeit durch ausländische Staaten“.

handelsblatt.com, english.news.cn

16 Kommentare

zu „„Made in Europe“-Act der EU: China droht mit Gegenmaßnahmen“
Wirtschaftsweise
27.04.2026 um 13:16
Ich sage es täglich: Weltwirtschaft ist kein Wunschkonzert! Die EU-Kommission ist gut beraten, auf den "Industrial Accelerator Act" in seiner jetzigen Form zu verzichten und konsequent die Pfade der grünen Transformation fortzuschreiten. Abschottung und Protektionismus in der Handelspolitik sind ein direkter Schaden für unsere Gesellschaft und behindern die dringend notwendigen Transformationsprozesse im Kampf gegen den Klimawandel!
Andreas
27.04.2026 um 19:34
Hauptsache Knete machen, die EU merkt nichts mehr. Zu Zeiten wo Europa Gewinne machte war alles okay.
Max
27.04.2026 um 17:09
Nur würde China uns im Falle großer weltpolitischer Verwerfungen brutal die Daumenschrauben anziehen, ohne mit der Wimper zu zucken. Und wir Europäer wäre noch machtloser, als wir es jetzt schon sind, und das trotz unserer starken wirtschaftlichen Basis. Soll heißen: Schmerzen werden wir mit hoher Wahrscheinlichkeit erleben. Dann lieber sichere geringere Schmerzen, die wir mitbeeinflussen können, als ungewisse, aber sehr starke Schmerzen, bei denen wir ohnmächtig sind. Ich will nicht, dass wir in grüner Schönheit sterben.
Hamid M.
27.04.2026 um 16:47
.. unterschreibe ich sofort!
Beat Kohler
27.04.2026 um 18:09
Wäre … ja vielleicht - ich kenne das Gesetz nicht im Detail, allerdings ist gerade China gross darin die eigene Wirtschaft durch vergleichbare Massnahmen zu schützen und Rechte anderer zu missachten. Ich denke eher dass China die Probleme der eigenen Wirtschaft im Land spürt und das Modell der wirtschaftlichen Unterdrückung von Drittweltstaaten funktioniert auch zunehmend nicht gut.
Robby
27.04.2026 um 14:15
Das "poster child" des Protektionismus und der Markteintrittsbarrieren beklagt Gleichbehandlung als Reaktion der EU.Was sind dann die Gegenmaßnahmen? Joint-Venture-Zwang und verpflichtender Technologie-Transfer für europ. Unternehmen, die Zugang zum chin. Markt wollen? Wie iss'n das Schriftzeichen für Ironie?
Paul-Gerhard Fenzlein
27.04.2026 um 15:26
Wie scheinheilig muss man eigentlich sein? Man glaubt ernsthaft, man könne chinesische E-Autos durch Strafzölle vom europäischen Markt ausschließen, hofft aber im gleichen Atemzug, dass die Chinesen weiterhin brav unsere deutschen und europäischen Autos kaufen, als wäre nichts gewesen. Das ist handelspolitische Doppelmoral in Reinkultur.Genauso müssen wir endlich dieses Ammenmärchen ablegen, dass die Chinesen nur wegen massiver staatlicher Subventionen so erfolgreich sind. Ja, natürlich hat der chinesische Staat seine Industrie gefördert. Aber tun wir doch nicht so, als hätten wir eine reine Weste! Die Bundesregierung und die EU päppeln die hiesige Autoindustrie seit zig Jahren mit direkten und indirekten Subventionen auf – sei es durch milliardenschwere Kaufprämien (die hierzulande ja auch für importierte Autos galten), Förderungen für Batteriefabriken, Kurzarbeitergeld oder den staatlich finanzierten Ausbau der Ladeinfrastruktur. Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Strafzöllen werfen.Zur Wahrheit gehört beim Thema "Gleichbehandlung" auf dem chinesischen Markt zwar auch, dass westliche Autobauer dort jahrelang durch den Joint-Venture-Zwang technologisches Know-how abgeben mussten. Aber was die Endkunden angeht: Bei den staatlichen Verkaufsprämien in China wurden alle lokal produzierten Autos – ob von VW oder BYD – gleich behandelt.Der eigentliche Grund für den heutigen Vorsprung der Chinesen sind nicht einfach nur unfaire Tricks, sondern knallharte strategische Leistung: Sie haben vor 15 Jahren radikal auf Elektromobilität gesetzt, sich weltweit die Lieferketten für Batterien gesichert und entwickeln heute schlichtweg schneller und effizienter. Wir hingegen haben in Europa jahrelang lieber den Diesel optimiert.Und jetzt wollen wir unsere Industrie durch vollkommen falsches Verhalten – nämlich Protektionismus und Abschottung – schützen!? Das wird unsere Autobauer nicht innovativer oder wettbewerbsfähiger machen, sondern verschafft ihnen nur eine trügerische Atempause. Dass wir uns mit dieser kurzsichtigen Politik in einen massiven Handelskonflikt mit China stürzen, der unsere eigene Exportwirtschaft am Ende am härtesten trifft, ist doch völlig klar!
Tuxcad
28.04.2026 um 07:40
Volle Zustimmung. Die Europäische (insbesondere die deutsche) Autoindustrie ist eine der hoch-subventioniertesten Weltweit, wer sich da über staatliche Unterstützung beklagt (wie schon im Fall Tesla in Kalifornien völlig ungerechtfertigt) sollte erst einmal seine Hausaufgaben machen. Politische Unterstützung zum Erhalt des 'Status Quo' war in der Wirtschaft noch nie von dauerhaftem Erfolg gekrönt!
John
28.04.2026 um 13:48
Selbstverständlich macht die EU nicht alles richtig. Automobilbau i leider eine sehr tiefe EU Wertschöpfungskette. Und daran hängt eben sozialer Frieden. Ich glaube beim IAA (habe ihn nicht gelesen) geht es auch darum nich weiterhin alle tiefen Wertschöpfungsketten nach CN abwandern oder etablieren zu lassen (vgl. Batterien, PV, Windkraft und es kommt noch mehr). CN beschützt sich, also sollte die EU sich auch schützen, ansonsten wird das zukünftig nichts mit vier Mal im Jahr in den Urlaub fliegen. Unabhängig davon ist die europäische Automobilindustrie leider seit Jahrzehnten visions- und in Konsequenz planlos.
Hamid M.
27.04.2026 um 16:46
Wie bei den Devisen- oder Kryptomärkten: Jede Generation glaubt, es besser zu können, und wiederholt die Fehler der Vorgänger. Protektionismus dient nur den Kapitalisten und lässt das Proletariat bluten. Eine bessere Welt gibt es nur ohne Handelsbarrieren und -hemmnisse. Nur so wird die maximale Wohlfahrt für ALLE sichergestellt!
Stefan
28.04.2026 um 06:39
China zwingt mittlerweile andere Länder/Kontinente in Abhängigkeiten und möchte massiv seine Produkte in die Wirtschaftswelt drängen und bewusst Konkurrenz vernichten, um wiederum Abhängigkeiten zu erhöhen und die eigene Wirtschaft zu stützen und um noch ganze andere Ziele zu erreichen (Russland/China/Iran....)Da geht vieles nicht mit rechten Dingen zu, wie zum Beispiel der Know-How Diebstahl und das massivste Fördern bzw. Verstaatlichen von Produktionsunternehmen, die dann billigts Produkte exportieren.Ich möchte für mich und meine Kinder in einem guten, stabilen Europa leben, mit perspektive für die Zukunft und somit finde ich die Idee "Made in Europe" sehr gut. Wir Europäer müssen endlich europäisch denken und uns unabhängiger von Energie und Technologie machen. Auch wieder selbst produzieren schafft Arbeitsplätze, sichert Unabhängigkeit und baut Kompetenzen auf.Kultur, Meinungsfreiheit und Vielfalt hat Forschung und Entwicklung groß gemacht und das weiterhin vorhandene Potenzial muss wieder zu Wertschöpfung und wirtschaftlicher Stärke führen. Wirtschaftliche Stärke ist die Basis eines stabilen sozialen Umfelds mit Entwicklungsmöglichkeiten für junge Menschen.
Sandra
28.04.2026 um 18:29
Sorry, aber Ihr Kommentar ist ein wilder Mix aus Verschwörungsgeraune und simplen Denkfehlern. Vielleicht einfach weniger auf Parolen à la Trump oder Merz hören und stattdessen ein bisschen ernsthaft in die Wirtschaftsbeziehungen zwischen EU und China einlesen. Dann würde auch Ihnen auffallen, dass dieser Handelsbarrieren in erster Linie dazu dienen, die kapitalistischen Interessen bestimmter Industrien abzuschirmen. Nicht, um irgendeinen allgemeinen Wohlstand zu retten. Dieses ständige Nachplappern des BDI- und VDA-Narrativs von wegen „Handelsbarrieren schützen unseren Wohlstand“ ist schlicht falsch. Das Gegenteil ist der Fall: Solche Maßnahmen verzerren Märkte, bremsen Wettbewerb aus und vernichten am Ende gesamtwirtschaftlich Wohlstand. Das hier präsentierte Argumentationsniveau zeigt ziemlich deutlich, wie effektiv diese einseitige Lobby-Story inzwischen verfängt. Substanz hat sie trotzdem keine.
Nana
28.04.2026 um 09:25
Jaaaaaa Der Westen hat den Teufel groß gezüchtet, ganze Know-Hows transferiert, Finanzen dorthin gepumpt, .... "Wandel durch Handel", wer muss sich jetzt wandeln ?
Emateur
28.04.2026 um 11:23
Die "EU" darf keine Gesetze verabschieden. Also schreiben Sie das Wort einfach auf Englisch. Problem gelöst. Niemand beschwert sich.
Martin
28.04.2026 um 12:01
China hat über Jahre durch seine Industriepolitik die eigene Wirtschaft gefördert und anderen Steine in den Weg gelegt, Know-how abgepresst usw. Indem China seine eigenen Interessen vertreten hat, ist es zu dem geworden, was es heute ist. Der Westen hat naiv "fair" gespielt. hat versucht, das Weltklima zu retten, während China die Wirtschaft an erste Stelle gestellt und die Umwelt hinenan gestellt hat (und nichtsdestotrotz den Trend zur Elektrifizierung natürlich sehr geschickt genutzt und befördert hat).Es ist allerhöchste Zeit, gegenzuhalten, auch wenn die Position bereits eine schwache ist. Der IAA ist nicht der schlechteste Ansatz, und auch China scheint die Wirksamkeit zu realisieren, wie die chinesiches Reaktion zeigt.Wenn man manche reflexartigen und phasenhaften Reaktionen hier liest, die direkt aus dem ideologisch-grünen Wolkenkuckucksheim zu stammen scheinen und wirtschaftliche Zusammenhänge vermissen lassen, kann man nur den Kopf schütteln.
sonniger Gruß aus dem Wolkenkuckucksheim
28.04.2026 um 18:20
Die europäische Industriepolitik war noch nie ein Glanzstück. Teile sind seit Jahrzehnten am Tropf von Subventionen, geschniegelt durch Förderprogramme und trotzdem ständig am Jammern. Und dann stellen sich BDI, VDA und Konsorten hin, als wären immer nur die anderen die unfairen Spieler. Lächerlich!! Die eigenen Fouls werden fein säuberlich unter den Lobby-Teppich gekehrt, damit bloß keiner genauer hinschaut. Das Machtgefälle zwischen Europa und China wächst munter weiter, natürlich nicht zu Europas Gunsten. Anstatt Selbstreflexion zu zeigen, zeigt man reflexartig mit dem Finger auf andere. Die deutsche Industrie ist sich für keine noch so dumme und klimapolitisch rückwärtsgewandte Parole zu schade. „Aus vom Verbrenner-Aus“ ernsthaft? Mehr peinlich geht kaum. Hauptsache, die Kapitalisten-Dividende stimmt. (kotz)

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