Nio hebt seine E-Autos dank Onsemi-Chips auf 900 Volt

Nio vertieft seine strategische Partnerschaft mit dem US-Halbleiterhersteller Onsemi. Ziel ist es, bei dem chinesischen E-Auto-Hersteller den Übergang von 400-Volt- zu 900-Volt-Plattformen zu beschleunigen – und zwar unter Rückgriff auf die EliteSiC-Technologie M3e von Onsemi.

Nio es9
Bild: Nio

Nio und Onsemi kooperieren nach eigenen Angaben schon seit mehreren Jahren. Nun rücken beide Seiten nochmals enger zusammen, um bei Nio die Entwicklung von E-Auto-Plattformen der nächsten Generation voranzutreiben. Onsemis Chip-Technologie soll vor allem dazu beitragen, die Systemarchitektur künftiger Nio-Fahrzeuge auf 900 Volt zu heben, was Vorteile bei Reichweite, Aufladung und Leistung bringen soll.

Konkret geht es um die EliteSiC-M3e-Technologie von Onsemi, die sich u.a. auch Volkswagen für seine SSP-Plattform zuliefern lässt. Bei dem System handelt es sich um eine neue MOSFET-Generation auf Basis von Siliziumkarbid (SiC). Sie soll in E-Autos die Schaltleistung weiter verbessern und dadurch Energieverluste reduzieren. „Diese Fortschritte führen zu einer höheren Systemleistung, einer verbesserten thermischen Leistung und einer gesteigerten Gesamteffizienz des Antriebsstrangs“, betont Onsemi. Verbaut wird die neue Technik u.a. in Nios neuem Flaggschiff-SUV, den ES9, der gerade auf der Auto China zu sehen ist.

„Die erweiterte Zusammenarbeit baut auf einer langjährigen Partnerschaft auf, die mit der EliteSiC-Technologie von Onsemi zur Unterstützung der 400-V-Plattformen von Nio begann und sich zu einer strategischen Abstimmung auf Systemebene entwickelt hat“, betont der US-Chiphersteller. Die Zusammenarbeit spiegele einen allgemeinen Wandel in der Automobilindustrie wider, der durch eine engere Zusammenarbeit zwischen Automobilherstellern und Halbleiterunternehmen geprägt sei. Denn: „Fahrzeuge werden immer leistungsintensiver.“

Hassane El-Khoury, Präsident und CEO von Onsemi, kommentiert: „Die Elektrifizierung tritt in eine neue Phase ein, in der Systemeffizienz und Skalierbarkeit von größter Bedeutung sind. Unsere erweiterte Zusammenarbeit mit Nio zeigt, wie eine enge technische Abstimmung und aufeinander abgestimmte Technologie-Roadmaps den Übergang zu Hochspannungsarchitekturen beschleunigen können. Mit unserer EliteSiC-Technologie ermöglichen wir höhere Leistung, verbesserte Effizienz und eine schnellere Markteinführung für EV-Plattformen der nächsten Generation.“

„Nio hat die Grenzen der intelligenten Elektromobilität konsequent erweitert“, äußert Alan Zeng, CEO von XPT, der Antriebssparte von Nio. „Unsere Zusammenarbeit mit Onsemi hat sich parallel zu unserer Technologie-Roadmap weiterentwickelt – von frühen 400-V-Systemen bis hin zu den heutigen 900-V-Plattformen. Die Leistung und Zuverlässigkeit der EliteSiC-Technologie von Onsemi, kombiniert mit einer engen technischen Zusammenarbeit, helfen uns dabei, unseren Kunden weltweit effizientere und leistungsstärkere Fahrzeuge zu liefern.“

Interessant: Onsemi ist einst mit Leistungshalbleitern für die Stromversorgung groß geworden. Als früher Lieferant von Tesla hat Onsemi aber auch bei den SiC-Chips für die Autoindustrie ein starkes Wachstum hingelegt und beliefert inzwischen neben Nio und VW u.a. auch BMW, BYD, die Hyundai Motor Group und Mercedes-Benz. Und ebenso Zulieferer wie Bosch, Continental, ZF und Vitesco.

onsemi.com

1 Kommentar

zu „Nio hebt seine E-Autos dank Onsemi-Chips auf 900 Volt“
Paul-Gerhard Fenzlein
29.04.2026 um 09:12
Die Aussage, NIO könne und werde seine Fahrzeugflotte erst durch die neue Kooperation mit Onsemi von einer 400-V- auf eine moderne 900-V-Plattform transformieren, ist in dieser Form nicht zutreffend beziehungsweise zu stark verkürzt. NIO hat den technologischen Schritt in Richtung 900-V-Architektur bereits vollzogen. Spätestens mit der Markteinführung des ET9 hat das Unternehmen seine neue NT-3.0-Hardwareplattform vorgestellt, die auf einer hochmodernen 900-V- beziehungsweise 925-V-Architektur basiert. Auch die neuen Modelle ET9, ES8 und nun ES9 stehen für diese technologische Plattformgeneration. Ein zentraler Baustein dieser Entwicklung ist der von NIO intern entwickelte Shenji NX9031, ein 5-nm-Chip, der als leistungsfähige Recheneinheit für intelligente Fahrfunktionen, Fahrzeugsteuerung und zentrale Computing-Architekturen dient. NIO beweist damit, dass das Unternehmen nicht nur Fahrzeuge baut, sondern zunehmend Kerntechnologien selbst entwickelt und kontrolliert. Die Kooperation mit dem amerikanischen Halbleiterunternehmen Onsemi ist deshalb nicht der Beginn dieser Transformation, sondern ein weiteres strategisches Puzzlestück. Onsemi kann NIO insbesondere bei der Skalierung, Effizienzsteigerung und Industrialisierung der 900-V-Plattform unterstützen. Der entscheidende Punkt ist jedoch: NIO befindet sich bereits auf diesem technologischen Weg. Die Partnerschaft mit Onsemi verstärkt eine bestehende Strategie, sie begründet sie nicht erst. Meine bewusst pointierte These lautet daher: NIO ist derzeit einer der strahlendsten Sterne am chinesischen Himmel der Elektroautobauer. Dabei greift selbst der Begriff „Elektroautobauer“ inzwischen zu kurz. NIO ist seit mehr als einem Jahr nicht mehr nur ein Hersteller batterieelektrischer Fahrzeuge. Das Unternehmen entwickelt sich zunehmend zu einem integrierten Systemanbieter und modernen Tech-Konzern. NIO verbindet Fahrzeugentwicklung, Software, Batteriewechsel-Infrastruktur, Lade- und Energiedienstleistungen sowie eigene Halbleiterkompetenz zu einem strategischen Gesamtbild. Die Batteriewechselstationen sind dabei weit mehr als ein Serviceangebot. Sie sind Teil einer eigenen Energie- und Mobilitätsinfrastruktur, mit der NIO sich deutlich von vielen Wettbewerbern unterscheidet. Auch im Chipbereich geht NIO inzwischen weit über die Rolle eines klassischen Fahrzeugherstellers hinaus. Neben dem NX9031 arbeitet das Unternehmen mit Partnern wie Axera Semiconductor an weiteren Halbleiterlösungen. Dazu zählen Berichte über den M97 mit rund 700 TOPS Rechenleistung sowie kostengünstigere Varianten für Volumenmodelle und die Submarken ONVO und Firefly. Genau darin liegt die strategische Logik: NIO versucht, Hochleistungstechnologie aus dem Premiumsegment schrittweise in ein massentauglicheres Preisgefüge zu überführen. Der M97 wäre in diesem Zusammenhang nicht einfach nur ein weiterer Chip, sondern ein wichtiger Schritt zur Demokratisierung der eigenen Technologieplattform. Während der NX9031 die technologische Spitze markiert, könnten leistungsschwächere und günstigere Varianten künftig dazu dienen, intelligente Fahrfunktionen auch in preislich breiter aufgestellten Modellen wirtschaftlich anzubieten. Damit wird deutlich: Die Onsemi-Kooperation ist kein isoliertes Ereignis, sondern Teil einer umfassenden Strategie. NIO will nicht nur Elektroautos verkaufen. NIO will ein technologisches Ökosystem aufbauen — bestehend aus Fahrzeugplattformen, Batteriewechsel-Infrastruktur, Software, Halbleitern und intelligenten Mobilitätsdiensten. Gerade diese Breite macht NIO aus meiner Sicht so interessant. Während viele Hersteller noch primär über Reichweite, Preis und Modellpalette konkurrieren, arbeitet NIO an einer tieferen technologischen Integration. Das Unternehmen positioniert sich zunehmend als Plattform-, Infrastruktur- und Technologieanbieter. Ob NIO diese Strategie auch wirtschaftlich erfolgreich skalieren kann, bleibt die entscheidende offene Frage. Technologisch aber zeigt das Unternehmen eine bemerkenswerte Konsequenz. Genau deshalb halte ich NIO derzeit für eines der spannendsten und strategisch am stärksten unterschätzten Unternehmen im chinesischen E-Auto- und Tech-Sektor.

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