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CO2 adé: Elektrische Logistik löst den Diesel ab! – Panel-Talk von der Flotte! 2026

Panel flotte

„Tanken macht keinen Spaß. Die Preissteigerung kann jeder an der Tanksäule selber mit ablesen“, konstatierte André Wessels. Diese klaren Worte des Chefs von Wessels Cargo setzten den Ton für ein Panel, das unter dem Titel „CO2 adé: Elektrische Logistik löst den Diesel ab!“ auf dem Branchentreff „Flotte!“ vor kurzem in Düsseldorf stattgefunden hat. Die Expertenrunde unter Leitung von electrive-Chefredakteur Peter Schwierz diskutierte die Frage, wie schnell der Güterverkehr den fossilen Brennstoffen den Rücken kehren kann und wo die Praxis heute tatsächlich steht.

In der Podiumsdiskussion trafen unterschiedliche Perspektiven aufeinander: Der erfahrene Spediteur Wessels, der am Firmensitz in Rhede eine Lkw-Ladeanlage mit acht Ladepunkten, Solaranlage, Großbatteriespeicher und neuem Trafo hat bauen lassen, der OEM-Vertreter Torsten Hermsen von DAF Trucks sowie der Berater für grüne Logistik Bruno Lukas. Sie beleuchteten ein Feld, in dem Wunsch und Wirklichkeit oft noch durch bürokratische Hürden und infrastrukturelle Engpässe getrennt sind. Doch der Konsens war deutlich: Der Diesel-Abschied ist keine Frage des „Ob“, sondern nur noch des „wie schnell“ – und die Fahrzeuge sind längst bereit für die Langstrecke.

E-Lkw mittlerweile auch für den schweren Fernverkehr

Wie weit die Entwicklung bereits vorangeschritten ist, verdeutlichte Torsten Hermsen mit einem Blick auf die aktuelle Fahrzeuggeneration. Er erinnerte daran, dass man noch vor wenigen Jahren mit Reichweiten kämpfte, die kaum über den lokalen Verteilerverkehr hinausgingen. Heute sieht das Portfolio ganz anders aus, was den Einsatzbereich massiv erweitert. „Mittlerweile sind wir bei Reichweiten zwischen 450 und 500 Kilometern“, betonte DAF-Manager Hermsen. Diese technologische Reife ermöglicht es, dass E-Lkw nun auch im schweren Fernverkehr eine echte Alternative darstellen.

Bruno Lukas, Gründer der Unternehmensberatung Green Logistics Enabler, sieht darin ein klares Signal für die gesamte Branche. Für ihn steht fest, dass die Effizienzvorteile des elektrischen Antriebs die Debatte über alternative Kraftstoffe langfristig beenden werden. Er begreift den Wandel als systemische Umstellung, die weit über den bloßen Motorentausch hinausgeht. „Es ist für mich zumindest sehr klar, dass sich die Elektromobilität als Leittechnologie herausbilden wird“, hielt Lukas fest. Die ökonomische Logik hinter der Mautbefreiung und stabilen Stromkosten verstärke diesen Trend zusätzlich.

Kritik an deutschem Sonderweg bei Nutzlast

Dennoch ist der Weg zur CO2-freien Logistik mit regulatorischen Schlaglöchern übersät. André Wessels kritisierte insbesondere die unzureichende Umsetzung europäischer Vorgaben zur Nutzlast und Achslast in der Bundesrepublik. Während andere Nationen flexibler agieren, um das Mehrgewicht der Batterien auszugleichen, herrsche hierzulande Stillstand. Wessels sparte nicht mit Kritik an der politischen Blockadehaltung: „Deutschland ist das einzige Land in Europa, was das aktuell blockiert“. Für die Praktiker bedeutet dies unnötige Komplikationen bei der täglichen Beladung und Tourenplanung.

Neben den rechtlichen Rahmenbedingungen bleibt die Energieversorgung das größte Nadelöhr. DAF-Manager Torsten Hermsen wies darauf hin, dass die besten Fahrzeuge wenig nützen, wenn die Depots nicht mit ausreichend Strom versorgt werden können. Oft scheitern Elektrifizierungsprojekte nicht am Willen der Unternehmer, sondern an der mangelnden Kapazität der örtlichen Stromnetze. „Für mich ist tatsächlich der Netzausbau eines der Schlüsselpunkte zur Elektrifizierung“, erklärte Hermsen. Ohne massive Investitionen in die Netze und schnellere Genehmigungsverfahren drohe die Branche ausgebremst zu werden.

Oft kreative Übergangslösungen nötig

Bruno Lukas ergänzte diese Sichtweise aus seiner Beratungserfahrung mit Unternehmen, die ihre Standorte fit für die Zukunft machen wollen. Er warnte vor der Illusion, dass sich komplexe Ladeinfrastrukturen in bestehenden Gewerbegebieten über Nacht realisieren lassen. Die baulichen und planerischen Realitäten seien oft ernüchternd und erforderten kreative Übergangslösungen. „Es gibt fast nirgendwo eine schnelle Lösung, es sei denn, ich baue auf der Grünen Wiese“, so Lukas. Der Bestandsschutz und überlastete Behörden machen den Umbau der Infrastruktur zu einem langwierigen Geduldsspiel.

Die Diskussion auf der „Flotte!“ in Düsseldorf zeigte: Die Logistikbranche steht unter Strom – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Während die Technik liefert und die TCO-Kalkulationen glänzen, scheint der deutsche Amtsschimmel noch im Diesel-Gestern zu galoppieren. Es bleibt zu hoffen, dass die Politik bald den Turbo zündet, damit der Abschied vom CO2 nicht an einem zu schwachen Stromnetz oder einer überforderten Behörde scheitert.

Sie möchten sich die gesamte Podiumsdiskussion anschauen? Dann nutzen Sie dafür bitte unseren Videoplayer oberhalb des Beitrags.

1 Kommentar

zu „CO2 adé: Elektrische Logistik löst den Diesel ab! – Panel-Talk von der Flotte! 2026“
MWF
30.04.2026 um 14:20
Elektrische LKWs? wird es nie geben. Maximal H2 konnte man sich bei Daimler 2018 vorstellen.

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