Tovion präsentiert Pkw-Anhänger mit eigenem E-Antrieb
Die Logik und der Aufbau sind vergleichbar mit den bekannteren Lkw-Systemen: Mit dem eigenen E-Antrieb kann der Anhänger die Mehrbelastung für das Zugfahrzeug vollständig kompensieren, wie Tovion angibt – und das „auch bei schweren Anhängern mit hohem Windwiderstand im Dauerbetrieb und als Boost beim Beschleunigen“. Soll heißen: Der Verbrauch des (elektrischen) Zugfahrzeugs steigt nicht oder nur kaum an, die übliche Reichweite bleibt somit selbst im Zugbetrieb erhalten.
Das Tovion-System ist selbstregelnd und benötigt keine weitere Umrüstung oder Kommunikation mit dem Zugfahrzeug. Die in der Deichsel integrierte Sensorik erkennt die durch das Zugfahrzeug auf den Anhänger wirkende Zug- oder Bremskraft. Mit diesen Informationen kann das Steuergerät den elektrischen Antrieb passend steuern. Und wie ein Elektroauto kann auch der eTrailer die Motoren als Generatoren nutzen und per Rekuperation die Batterie laden.
Bei den Motoren handelt es sich um spezifisch für den Anhängerbetrieb entwickelte Radnabenmotoren von Schaeffler. Die Antriebsleistung liegt bei 120 kW in der Spitze, das Drehmoment gibt Tovion mit 1.800 Nm an. Mit diesem leistungsstarken Antrieb kann der eTrailer nicht nur die Mehrbelastung für das Zugfahrzeug während der Fahrt ausgleichen, sondern auch ohne Zugfahrzeug per Fernsteuerung bewegt werden – ganz ähnlich zu den in schweren Anhängern verbreiteten Mover-Systemen. So kann der eTrailer auch ohne Auto rangieren.
Die im Unterboden des Anhängers verbaute Batterie kann per CCS-Ladedose im Heck nachgeladen werden – im Prototyp ist ein 50 kWh großer Speicher mit Flüssigkeitskühlung verbaut. Grundsätzlich können zwischen einem und vier 25-kWh-Packs verbaut werden, womit sich 25, 50, 75 oder eben 100 kWh Energiegehalt ergeben. „Für die Auswahl der Batteriegröße ist die Abstimmung auf das Zugfahrzeug und die Art der Nutzung sinnvoll“, erklärt Tovion auf Anfrage von electrive.
Neben dem Ladeanschluss trägt auch die auf dem Dach des Anhängers verbaute PV-Anlage mit dem verbauten Wechselrichter zur Energieversorgung bei. Da das System bidirektional ausgelegt ist, kann der im Anhänger gespeicherte Strom per 230-Volt-Steckdose oder einem dreiphasigen 400-Volt-Anschluss genutzt werden. Optional ist auch eine V2X-Lösung über die CCS-Schnittstelle möglich.




Mit der Anhänger-Batterie als mobiler Speicher will Tovion mehrere „Trailer-to-Load“-Anwendungsfälle abdecken. Im Freizeit- und Campingbereich ist die autarke Stromversorgung interessant, dank des 400-Volt-Systems können aber auch auf der Baustelle Werkzeuge, Maschinen und sogar Schweißgeräte netzunabhängig mit Energie versorgt werden. Auch Marktstände und Foodtrucks sollen dank des Speichers im Zweifel auch ohne Netzanschluss betrieben werden können. In einem Camping-Anhänger, der viele Wochen im Jahr „ungenutzt“ geparkt wird, kann die Batterie auch als „Trailer-to-Home“ als mobiler Pufferspeicher für Gebäude genutzt werden.
Noch handelt es sich nicht um ein serienreifes Produkt, sondern um einen Prototypen mit Straßenzulassung, um im Realbetrieb getestet und präsentiert zu werden. Genau das hat Tovion im Rahmen des E-Cannonball gemacht – mit einem Maxus eTerron9 als Zugfahrzeug, da dieser die erforderliche Anhängelast von 3,5 Tonnen aufweist. Die Rallye selbst führte über 260 Kilometer durch die Landschaften im Süden Berlins. Inklusive An- und Abreise aus Hilden hat das Tovion-Team aber mehr als 1.500 Kilometer zurückgelegt. „Die Rallye fand in diesem Jahr unter besten Wetterverhältnissen statt – ein Plus für das Tovion-System, da so die integrierter Photovoltaik-Anlage maßgeblich die Reichweite verlängerte“, heißt es in der Mitteilung. „Die integrierte Wallbox und V2L-Funktion erlaubte zudem die Versorgung anderer Teilnehmer über Nacht.“
Auf der Gesamtstrecke über die 1.500 Kilometer vorrangig über Landstraßen lag der Verbrauch bei 45 kWh/100km im Schnitt. Mit dem aktivierten Antrieb des Tovion-eTrailers waren es 32 kWh/100km, ohne die Unterstützung stieg der Verbrauch auf 52-55 kWh/100km an, wie der Entwickler Uwe Koenzen gegenüber electrive angibt. „Die Differenz ergibt sich aus der optimierten Rekuperationsbilanz des Gespannes, ein Aspekt der bei konventionellen Anhängern durch die Auflaufbremse nicht zum Tragen kommt“, so Koenzen.
Tovion wird im Rahmen des vom BMWE geförderten Projekts „eConTrailer“ entwickelt. Die spätere Serienzulassung des Antriebssystems in der Klasse O2 als „E-Anhänger“ nach Verordnung (EU) 2018/858 ist in Vorbereitung. Der Fokus liegt auf B2B-Partnerschaften, über die Anbieter das Antriebssystem in ihre Anhänger integrieren. Konsortialführer ist das Planungsbüro Koenzen von Uwe Koenzen. Mit dem Zulieferer Schaeffler ist das Tovion-Team nach Informationen von electrive bereits über die Abnahme von Radnabenmotoren für die spätere Serienfertigung im Gespräch.
Quelle: Info per E-Mail (Mitteilung), tovion.de





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