Scania demonstriert vollelektrischen Betontransport

Scania gibt an, gemeinsam mit den Partnern Unicon und Liebherr einen Batterie-elektrischen Lkw samt vollintegriertem elektrischen Betonmischersystem entwickelt zu haben. Die Schweden wollen das Projekt dabei nicht als reinen Piloten verstanden wissen, sondern als Vorbild für einen skalierbaren Einsatz.

Scania e lkw betontransport prototyp
Bild: Scania

Lkw-Hersteller Scania pflegt traditionell einen engen Kontakt zum Baugewerbe und hat in seinem Portfolio entsprechend viele Baustellen-taugliche Fahrzeuge. Zusammen mit Unicon, einem großen Hersteller und Lieferant von Transportbeton in Dänemark, und der Liebherr-Mischtechnik GmbH stellt der schwedische Nutzfahrzeugbauer nun eine vollelektrische Lösung für den Betontransport vor. Ein entscheidender Faktor ist die dafür im E-Lkw integrierte elektrische Nebenabtriebswelle, die die Betonmischtrommel direkt über das Batteriesystem des Fahrzeugs antreibt.

„Die Lösung stellt eine äußerst wichtige Ergänzung für dieses Segment dar und beweist, dass selbst eine der energieintensivsten und komplexesten Transportanwendungen im realen Betrieb elektrifiziert werden kann – ein Schritt, der über reine Pilotprojekte hinausgeht und den Weg für einen skalierbaren Einsatz ebnet“, betonen die Verantwortlichen. In der Tat gilt der Betontransport wegen seines hohen Energiebedarfs und des nötigen Mischwerks als schwer zu dekarbonisieren. Zumal die Fahrzeuge nicht nur auf der Straße, sondern auch im Gelände klarkommen und den kontinuierlichen Mischbetrieb gewährleisten müssen. Scania betont, deshalb auf einen ganzheitlichen Systemansatz zu setzen, bei dem Fahrzeug, Anwendung und Energieverbrauch von Beginn an zusammen gedacht werden. Die Entwicklung habe drei Jahre in Anspruch genommen.

„Dieses Projekt zeigt, dass die Elektrifizierung nicht auf Standardanwendungen beschränkt ist. Sie lässt sich genau dort umsetzen, wo es am meisten darauf ankommt“, äußert Tobias Ejderhamn, Global Manager für Transformation & New Business bei Scania. „Durch die Kombination unserer modularen Elektroplattform mit fundiertem Anwendungswissen und einer engen Zusammenarbeit mit unseren Kunden zeigen wir einen gangbaren Weg hin zu einem emissionsfreien Transport auf – selbst bei anspruchsvollsten Einsatzszenarien.“

Als Schlüsselfaktor bezeichnen die Partner den voll integrierten elektrischen Nebenabtrieb (ePTO), der die Betontrommel direkt über das Batteriesystem des Lkw mit Energie versorgt. So entstehe eine voll elektrische End-to-End-Lösung, die speziell auf die Anforderungen des Betontransports zugeschnitten ist. Der Scania-Lkw beherbergt dabei eine 400-kWh-Batterie und kommt damit laut den Entwicklern rund 200 Kilometer weit. Die Batterie-Konfiguration wurde „mithilfe von Routensimulationen und Energiemodellen optimiert, um Leistung und Effizienz im täglichen Betrieb zu gewährleisten“, heißt es.

Für Unicon markiert der Einsatz des Prototypen nach eigenen Angaben einen entscheidenden Schritt hin zur Skalierung des emissionsfreien Transports. „Dies ist kein Pilotprojekt, sondern eine Lösung, die für den täglichen Betrieb und künftiges Wachstum konzipiert ist“, betont Christian Elleby, Director Supply Chain & Procurement bei Unicon. „Wir unternehmen konkrete Schritte, um die Emissionen in der Baulogistik zu senken. Diese Zusammenarbeit zeigt, was möglich ist, wenn die richtigen Partner und Technologien zusammenfinden.“

Scania und Unicon bereiten bereits die Ausweitung des Einsatzes vor: Zehn weitere Elektrofahrzeuge sind bestellt und sollen in den kommenden Jahren in Betrieb genommen werden. Bis 2027 strebt Unicon den Betrieb einer deutlich größeren Elektroflotte an, denn das langfristige Ziel der Dänen ist es, bis 2035 ausschließlich emissionsfreien Betontransport anzubieten.

Auch andere Hersteller unternehmen derweil erste Versuche, den Betontransport zu elektrifizieren: Renault Trucks stellte etwa auf der Bauma 2025 zusammen mit dem deutschen Betontransport-Spezialisten Schwing Stetter einen fünfachsigen Renault E-Tech C vor, der mit einem vollelektrischen Mischer ausgerüstet ist und bis zu zehn Kubikmeter Beton befördern kann. Bereits 2023 lieferte zudem Volvo Trucks hat seinen ersten vollelektrischen Transportbetonmischer aus. Der Volvo FMX Electric ging seinerzeit an den Baustoffhersteller Cemex, der im selben Jahr auch erste Elektro-Betonmischereinheiten von Putzmeister integrierte. Alles in allem ist der Einsatz von elektrischen Lkw mit Betonmischtrommeln aber noch eine absolute Nische.

scania.com

3 Kommentare

zu „Scania demonstriert vollelektrischen Betontransport“
Martina Hake
13.05.2026 um 16:19
Als Nachhaltigkeitsmanagerin will ich mich auf dem Laufenden halten und somit unsere Fach- und Führungskräfte coachen bzw. informieren.
Matthias
13.05.2026 um 19:26
Mit 400-kWh-Batterie kommt der Betonmischer nur rund 200 Kilometer weit, hat also doppelt so hohen Verbrauch durch das stetige Durchmischen der zähen Masse nur auf dem Hinweg sowie während Beladung und Entladen. Fraglich ist ob so ein Mischer am Betonwerk sinnvoll mit Strom nachgeladen werden kann oder den halben oder gar ganzen Arbeitstag mit einer Akkuladung auskommen muss. Im übrigen werden auf großen Baustellen eigene Betonwerke aufgestellt damit Sand, Kies, Zement und Wasser separat angeliefert und gelagert werden können.
martin g.
13.05.2026 um 21:33
Bei uns in der Nachbarschaft ist jemand Betonmischer Fahrer. Die Strecken die er fährt sind neistens eher kurz. Denke Reichweite ist nicht so entscheidend. Wichtiger is t das effiziente drehen der Trommel. Huer wird ja viel Diesel für verfeuert. Wenn der Akku einen Arbeitstag durchhält wäre es doch super. 200km Reichweite ist mehr als ausreichend.

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