EIB leiht Milliardensumme für Hamburger Verteilnetz und E-Busse
Gleich zwei Unternehmen der Hamburger Stadtwirtschaft können sich über festgezurrte, strategische Finanzierungen freuen: Die Hamburger Energienetze erhalten ebenso EIB-Mittel wie die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein. Während der Netzbetreiber mit dem Löwenanteil der EIB-Finanzierung die Verteilnetze der Hansestadt modernisieren will, haben die VHH vor, mithilfe der Finanzspritze 188 neuen Elektrobussen zu beschaffen und den Umbau samt Erweiterung des Betriebshofs Schenefeld zu bewältigen.
Zum Hintergrund: Aktuell fährt etwa ein Drittel der rund 800 VHH-Fahrzeuge elektrisch. Seit 2020 beschafft das Unternehmen für Hamburg ausschließlich emissionsfreie Busse. Mit den neuen E-Bussen soll dieser Anteil deutlich erhöht werden. Unter den 188 geplanten Elektrofahrzeugen sollen 120 Standardbusse, 52 Gelenkbusse und 16 Kleinbusse sein.
Das Elektrobus-Programm von der VHH und das Stromnetz-Programm der HNE sind dabei eng verknüpft: „Der Hochlauf der elektrischen Busflotte ist nur möglich, wenn das Stromnetz auch auf die wachsende Ladeinfrastruktur ausgelegt ist“, betonen die Verantwortlichen. Beide Unternehmen sind Beteiligungen der HGV (Hamburger Gesellschaft für Vermögens- und Beteiligungsmanagement mbH), der Konzernholding der Freien und Hansestadt Hamburg – unter ihrer Federführung sind nun auch die EIB-Finanzierungen festgezurrt worden. Diese bieten besonders günstige Konditionen, „sodass öffentliche Mittel besonders wirkungsvoll eingesetzt werden können“, wie es in einer begleitenden Mitteilung heißt.
Die Darlehensverträge sind am 19. Mai offiziell von den städtischen Unternehmen und der EIB unterzeichnet worden. Die Finanzierung ergänzt dabei den eigenen Finanzeinsatz der Kommunalunternehmen. So will die HNE bis 2029 rund 2,9 Milliarden Euro in den Ausbau und die Modernisierung des städtischen Stromverteilnetzes investieren. Die EIB-Milliarde entspricht dabei rund 28 Prozent der Gesamtfinanzierung. „Die Finanzierung wird in mehreren Tranchen ausgezahlt. Die ersten Mittel wurden bereits im Oktober 2025 zur Verfügung gestellt“, geben die Hamburger an.
Das HNE-Investitionsprogramm umfasst im Einzelnen:
- Rund 1.500 Kilometer für neue und erneuerte Leitungen in der Nieder-, Mittel- und Hochspannung
- Die Erneuerung und der Neubau von Umspannwerken sowie Ausbau digitaler Steuerungstechnik
- 120 neue Schaltfelder
- Digitalisierung der Netzinfrastruktur für die Integration erneuerbarer Energien
Wichtig ist den Verantwortlichen, dass das wachsende Stromnetz „die materielle Grundlage der Hamburger Energie- und Mobilitätswende“ ist. Denn Prognosen zeigen, dass bis 2040 mindestens eine Verdoppelung der Netzhöchstlast zu erwarten sei – „getrieben durch den Hochlauf von Wärmepumpen, durch mehr Elektromobilität und emissionsfreie Busse“.
Was die VHH angeht, sind in den nächsten Jahren bis zu 337 Millionen Euro an Investitionen in den Ausbau der Elektromobilität geplant. Die EIB beteiligt sich an der Finanzierung dieses Projektvolumens mit einem Rahmenfinanzierungsvertrag in Höhe von 125 Millionen Euro, was rund 37 Prozent des Gesamtvolumens entspricht. Beide Investitionen werden über die HGV-Holding koordiniert und strategisch aufeinander abgestimmt.
Nicola Beer, Vizepräsidentin der Europäischen Investitionsbank, kommentiert: „Hamburg zeigt, wie Europas Städte ihre Infrastruktur ganzheitlich neu aufstellen: mit starken Stromnetzen und einem elektrifizierten Nahverkehr. Genau diesen integrierten Ansatz unterstützt die EIB – mit gezielter Finanzierung für Netze und saubere Busflotten.“ Die Finanzierung durch die EIB unterstreiche dabei die europäische Dimension beider Vorhaben. Als EU-Klimabank unterstützt die EIB bekanntlich allen voran Infrastrukturprojekte, die zur Erreichung der europäischen Klimaziele und zur Umsetzung des European Green Deal beitragen.
„Die Partnerschaft mit der Europäischen Investitionsbank ist für uns ein starkes Signal: Sie bestätigt, dass Hamburg beim Aufbau einer nachhaltigen Infrastruktur auf dem richtigen Kurs ist, denn die EIB prüft vor Kreditzusagen sorgfältig, inwiefern Projekte zur Energiewende beitragen“, betont Oliver Jensen aus der HGV-Geschäftsführung. HGV, HNE und vhh.mobility hätten in intensiver, konstruktiver Abstimmung mit der EIB alle erforderlichen Nachweise erbringen können. „Genau das ist die Stärke einer Holding-Struktur wie der HGV: Wir denken Infrastruktur zusammen – Stromnetz und ÖPNV, Energie- und Mobilitätswende – und können eine langfristige, abgestimmte Finanzplanung über einzelne Beteiligungen hinaus sicherstellen.“
HNE-Geschäftsführerin Gabriele Eggers kommentiert: „Die Modernisierung der Hamburger Strominfrastruktur ist die Voraussetzung für das Gelingen der Energiewende, für eine emissionsfreie Wärmeversorgung und Mobilität. Unser Netz steht auch in Zukunft für Netzstabilität und Versorgungssicherheit. Damit das so bleibt, müssen wir investieren. Und damit wir das können, haben wir mit der Europäischen Investitionsbank eine starke und faire Partnerin an der Seite!“
Und Britta Oehlrich, Geschäftsführerin von vhh.mobility, ergänzt: „Dieser Kredit gibt uns die Möglichkeit, Hamburg für alle Fahrgäste ein Stück lebenswerter zu machen. Jeder neue E-Bus auf den Straßen der Metropolregion Hamburg bedeutet weniger Lärm, sauberere Luft und ein sichtbares Zeichen für eine Stadt, die Verantwortung übernimmt – für Klima, Menschen und Mobilität. Wir wollen zeigen, dass nachhaltiger Nahverkehr nicht nur ein Ziel auf dem Papier ist, sondern gelebte Realität, die den Alltag unserer Fahrgäste spürbar verbessert.“





0 Kommentare