Ex-VW-Chef Diess bringt Elektro-Traktor auf den Markt

Der ehemalige Volkswagen-CEO Herbert Diess geht in die Landwirtschaft und will kommendes Jahr einen neuen Elektro-Traktor der Mittelklasse herausbringen. Dazu hat er eigens die Diess E-Agrartechnik AG mit Sitz in München gegründet. Eines der Alleinstellungsmerkmale soll ein Wechsel-Akku-System werden, das einen 24/7-Betrieb ermöglichen soll.

Herbert diess e traktor diess e agrartechnik
Bild: Diess E-Agrartechnik

Herbert Diess lebt zweifellos im „Unruhestand“ : Als CEO von Volkswagen im Jahr 2022 abgesetzt, wurde er 2023 Aufsichtsratschef beim Chipkonzern Infineon, engagiert sich seit Jahren auch für bidirektionales Laden bei The Mobility House und betreibt in Spanien ein Landgut mit Hotel, Rinderzucht und Birnenplantage.

Nun enthüllt der 67-jährige Diess auf LinkedIn auch sein nächstes Vorhaben: In München hat er die Diess E-Agrartechnik AG gegründet mit dem Ziel, bereits 2027 einen Elektro-Traktor auf den Markt zu bringen. Die Landmaschine soll in der Mittelklasse angesiedelt sein, Landwirte und Kommunale Dienste ansprechen – und natürlich „revolutionär“ sein. Was auch sonst!

Viele Details verrät der ehemalige VW-Boss in seinem Posting noch nicht, es lässt sich auch bislang weder ein Handelsregistereintrag noch eine Website der Firma finden. Aber zum Projekt schreibt Herbert Diess zumindest soviel: Ein Wechsel-Akku-System soll einen 24/7-Betrieb ermöglichen. Zwei Fahrtrichtungen und die Anbaumöglichkeit aller üblichen Anbaugeräte einschließlich Winterausrüstung, Mähwerke, Lader „machen die neue Zugmaschine zum wahrscheinlich am vielseitigsten einsetzbaren Traktor im Markt“, so Diess.

Von den ersten Auslieferungen im Jahr 2027 an soll der elektrische Traktor gegenüber vergleichbaren Diesel-Fahrzeugen vollständig wettbewerbsfähig sein. Diess geht dabei von um die 50 Prozent reduzierten Betriebskosten aus.

Die neue Firma soll neben Traktoren auch die nötigen Batteriewechselstationen, Solarladestationen, elektrische Anbaugeräte und zukünftig auch autonome Landmaschinen entwickeln. Dabei kooperiert die Diess E-Agrartechnik AG mit einem etablierten Landmaschinen-Unternehmen für den deutschsprachigen Raum (D/A/CH) sowie kompetenten und sehr wettbewerbsfähigen Zulieferern.

Aktuell sucht Diess für die Firma eine Chefin für den Aufbau des weltweiten Vertriebnetzwerkes. Erfahrungen in der Landwirtschaft sind dabei sehr wichtig.

Herbert diess vw elektro traktor
Herbert Diess 2021 bei einer Probefahrt mit einem E-Traktor von VW
Bild: Volkswagen

Mit Elektro-Traktoren hatte Herbert Diess auch bei Volkswagen schon zu tun: Im Rahmen des  „GenFarm-Projekts“ hat VW einen E-Traktor für den Einsatz in Ruanda entwickelt, der dort seit 2024 eingesetzt wird. Diess hatte bereits 2021 den Prototypen des E-Traktors auf einem Acker bei Wolfsburg zur Probe gefahren. Seiner Passion für die Landwirtschaft bleibt er also treu. Und kombiniert sie nun mit der zweiten Leidenschaft – Elektromobilität.

linkedin.com

19 Kommentare

zu „Ex-VW-Chef Diess bringt Elektro-Traktor auf den Markt“
Quetzalcoatl
27.05.2026 um 14:23
Perfekt
ChrisF
27.05.2026 um 15:31
Wie viel kWh soll denn so ein Akku im Trakor besitzen?Den meisten Landwirten reicht vermutlich HPC aufm Hof. Der Netzanschluss ist vermutlich schon da, weil die Hallendächer bereits mit PV voll belegt sind.
Gandur
27.05.2026 um 18:09
Onox Traktor hat auch bereits Wechselakkus. Ist also schon kein Alleinstellungsmerkmal 😉
Simon
28.05.2026 um 07:15
Ich denke für große Betriebe ab 200 Hektar, in Deutschland sind das ca. 25000 Betriebe, kann so eine Wechselstation evtl. Sinn machen. Auf solchen Betrieben laufen um die 5 Traktoren. Das ist ja quasi auch ein Speicher. Der Focus wird meine Meinung nach hier eher das Gesamtsystem sein und nicht nur allein der Traktor.
Achim Jung
28.05.2026 um 07:23
Wird er dann unter der Marke Diess-El vertrieben :-)
Sabine
28.05.2026 um 08:05
Der Eletrotrucker hat sowas schon vor 1 Jahr mal vorgestellt: https://www.youtube.com/watch?v=tpb9VDD0gr4&t=1100s
Sig
28.05.2026 um 08:59
ein neuer Schlüter ???
erFahrer
28.05.2026 um 09:44
Es gibt sicherlich ein paar wenige Landwirte die das haben wollen. Oft bekommt man jedoch den Eindruck das Traktoren noch mehr nach Dezibel als kWh gekauft werden. Und wie bei SUV muss es auch riesig sein. Also lieber Herr Diess ein guter Anfang Wenn man jedoch hier in EU erfolgreich sein will, sollte man schon (wie Tesla) mit wirklicher Performance auf den Markt gehen. Angaben mit kW und kWh sind wohl eher ungeeignet, besser wäre wohl die Zahl von 2.000 PS und das man mit 16 Plugschaufeln durchziehen kann.
ID3
28.05.2026 um 10:15
Interessant wäre eine vollkommende Neugestaltung des Fahrzeugsdesigns. Warum sollte ein EV-Traktor eine solche langgezogene und schwierig zu überblickende "Motorhaube" haben? Wäre es nicht z. B. viel sinnvoller, die Fahrerkabine ganz nach vorne zu setzen um exakten Überblick zu haben?Erinnert mich an die ersten Elektroautos der etablierten Hersteller: Einfach einen Verbrenner mit Batterien ausstatten und dann wundern, warum rein elektrisch konzeptionierte Teslas um Längen effizienter sind.
Benjamin
02.06.2026 um 12:46
Servus, Tatsächlich ist der gute Blick nach hinten bei der Feldarbeit meistens der wichtigere. Das Konzept wie Sie es beschrieben haben, wurde vor 40 Jahren bereits von Deutz unter der Bezeichnung "INTRAC" verkauft. Grüße
Battie
28.05.2026 um 10:45
Toll, Herr Diess, aber wann kommt endlich der autonom fahrende und um vieles kleinere E-Traktor? Das wär doch mal eine echte Erleichterung für alle lärmgeplagten Anwohner, die Umwelt, die Böden - UND die Landwirte! Kann doch nicht so schwer sein: langsames Tempo, wenig Strecke auf öffentlichen Straßen und weder Überholvorgänge noch sonstwie komplizierte Fahrmanöver. Meinetwegen auch Fahrzeuge, die nur direkt am Feld abgesetzt und nach getaner Arbeit wieder mitgenommen bzw. angehängt werden. Wo ist das Problem?
Hans Weschta
28.05.2026 um 11:32
Elektromobilität ist auch in der Landwirtschaft längst überfällig und es gibt ja auch schon vollelektrische Betriebe im Ausland. Nur die deutschen Landwirte sind von gestern. Und Diess ist ein Visionär, der das schafft. Landwirte haben schon lange PV auf ihren Dächern. Also los geht's.... Macht hinne!
Rudi
28.05.2026 um 11:51
Eine eierlegende..... für die Masse in der Landwirtschaft bestimmt zu teuer, glaube ich. Ähnlich dem Universalmotorgerät wird er ein Alleskönner, im Durchschnitt nur mittelmässig gut, eine Sonderrolle spielen . Als Kommunalmaschine eine schöne Alternative zu den Marktbegleitern. Elektro ist auch im Landmaschinenbereich die Zukunft, Flexible Akkutechnik, DC Lade/Entladetechnik Power to X Entwicklung von Hydraulikalternativen im Arbeitsmaschinenbereich mit all seinen Vorteilen in Steuerbarkeit Dynamik und Effizienz. Ein Gamechanger wäre ein e Alternative zu einem 250PS Ackerschlepper der optisch sowie Bedientechnisch beim Anwender und Interessenten keine Umstellung verlangt. Frei nach dem Motto "Wat de Buer nich kennt...." Man stelle sich vor der Landwirt oder Lohnunternehmer kann Enorm Wartungskosten, Tonnen von Ad Blue und Diesel und Öl sparen!
GA
28.05.2026 um 12:40
Diess hat Recht: Die Elektrifizierung der Landwirtschaft hat doch riesiges Potenzial!Auf landwirtschaftlichen Grundstücken und Gebäuden wurden riesige PV Anlagen gebaut, für die demnächst die EEG Förderung entfällt.Spätestens dann steht dem Landwirt Strom im Überfluss zur Verfügung, während Diesel trotz Subventionen immer teurer für ihn wird.Zudem sind die Maschinen hauptsächlich dann im Einsatz, wenn auch die Stromproduktion hoch ist. Der PV Ertragseinbruch im Winter spielt hier keine Rolle.Da müssten doch interessante Renditerechnungen möglich sein ...
ioniqKnechter
30.05.2026 um 10:09
Ehy Moin erst ma... Wir müssen aufhören, E-Traktoren mit einem fetten Zentralmotor zu bauen, der wieder an einem schweren, mechanischen Getriebe hängt. Die Zukunft gehört den Axialfluss-Radnabenmotoren, denn diese sitzen direkt im Rad und machen klobige Getriebe, Kardanwellen oder Differenziale komplett überflüssig. Der Wirkungsgrad schießt massiv nach oben, weil schlichtweg keine Energie mehr in der Mechanik verpufft. . . - Durch den Wegfall des gesamten klassischen Antriebsstrangs wird der Raum zwischen den Achsen frei für Akkus. Zusammen mit einem Wechsel-Akku in der Fronthydraulik nutzen wir das Batterie-Gewicht clever als Arbeitsgewicht für die nötige Traktion auf dem Acker. Statt mechanischer Sperren regelt zudem jedes Rad seine Kraft elektronisch im Millisekundenbereich. Das minimiert den Schlupf, schont die Reifen und verhindert eine zerstörerische Bodenverdichtung, was sich langfristig in höheren Erträgen auszahlt. . . - Rechnen wir das Ganze einmal sachlich für die 300-PS-Klasse bei 600 Betriebsstunden im Jahr durch. Ein herkömmlicher Diesel verbrennt in dieser Zeit rund 31.000 Euro an Kraftstoff bei einem mickrigen Wirkungsgrad von 35 Prozent. Der hocheffiziente E-Traktor mit Radnabenmotoren zieht denselben Pflug mit eigenem PV-Strom für gerade einmal etwa 7.000 Euro, was eine jährliche Ersparnis von stolzen 24.000 Euro bedeutet. . . . - Dazu kommt der Wartungs-Checkmate, da ohne Getriebeöle, AdBlue, Turbolader oder mechanischen Bremsenverschleiß jährlich gut 3.000 Euro weniger in der Werkstatt landen. Im Winter, wenn die Feldarbeit ruht, wird der Traktor am Hofnetz zum aktiven Netzdienstleister. Über Vehicle-to-Grid verdient der Akku durch das Ausgleichen von Netzschwankungen und THG-Quoten rund 2.000 Euro passiv dazu, während er in der Scheune steht. . . . - Unterm Strich steht so ein sattes Plus von über 29.000 Euro pro Jahr gegenüber dem Diesel. Auf eine Laufzeit von zehn Jahren hochgerechnet sprechen wir von fast 290.000 Euro Ersparnis, womit sich das gesamte E-System inklusive der Wechselakkus mehr als dreimal von selbst bezahlt. Wer heute noch in starre Diesel-Strukturen investiert, hat die Gesamtkosten nicht verstanden, denn der Traktor von morgen wird vom Kostenfresser zur renditestarken Energie-Anlage auf Rädern.
Thomas Scheb
31.05.2026 um 18:05
Richtig gerechnet und toll beschrieben , so könnte es kommen wenn nicht einer von unseren tollen Politikern erkennt dass der Staat dann weniger Einnahmen durch die Steuern hat und ein Riegel vorschiebt.
Harald Rorh
31.05.2026 um 17:48
Soll der Traktor zum Akkutausch zurück in fen Betrieb, oder bringt ein zweites Fahrzeug Wechselakkus auch auf weit entfernte Felder raus, damit die Maschine ohne grössere Unterbrechung weiter arbeiten kann?Das Brennstoffzellen-Konzept von Roland Gumpert scheint da praktikabeler, aus hochprozentigem Methanol -Wasser-Gemisch wird von ei em Reformer Wasserstoff erzeugt, aus dem die Brennstoffzelle den Fahrstrom erzeugt.Methanol könnte die Landwitschaft aus Abfällen erzeugen, auch so von Importen unabhängig werden uns kostengünstiger arbeiten, solange der Staat nit mit Besteuerung allrs wieder abwürgt. Das kennt man vom Ansatz unverestertes Rapsöl als Agrartreibstoff zu verwenden, kaum das diese Lösung serienreif war und Betriebe sich umgestellt hatten.Die Lösung Methanol zur Wasserstofferzeugung für Brennstoffzellen einzusetzen, war für Fahrzeuge ganz allgemein eine gute Idee. An Tankstellen eine Sorte Benzin durch Methanol zu ersetzen, könnte Brennstoffzellen und Ottomotoren für Alkoholbetrieb bedienen, ohne neue Infrastruktur zur Verteilung zu erfordern.
Stefan
02.06.2026 um 14:13
Wechselakkus kann man in einen Anhänger setzen und aufs Feld bringen. Methanol oder andere E-fuels kann als Langzeit-Energiespeicher sinnvoll sein, wo Akkus aufgrund der Größe an Grenzen stoßen. Diese E-Fuels können dann im Winter ähnlich wie bei Gaskraftwerken in stationären Anlagen wieder verstromt oder für die Heizung genutzt werden. Für Fahrzeuge klingt das Konzept unnötig kompliziert.
Thomas H.A.Schmidt
31.05.2026 um 19:32
Sehr guter Ansatz. Viele durchdachte Kommentare. Einen Traktor, der dies alles berücksichtigt, hatten wir schon in den Jahren 2011 - 2016 entwickelt und mit mehreren Funktionsmustern erprobt. Den serienreifen Prototyp konnte man auf der Agritechnika 2017 und den DLG-Feldtagen 2018 bewundern. Heute noch Fotos von der Agritchnika 2017 auf: www.tomcrop.de. Also - GUTEN MORGEN!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert