Betriebsdaten: Wie Mercedes Trucks‘ 80 E-Lkw im Werksverkehr abschneiden
Mercedes-Benz Trucks ist laut aktuellem ICCT-Ranking der in der Europäischen Union zurzeit erfolgreichste E-Truck-Verkäufer. Im ersten Quartal 2026 setzten die Stuttgarter europaweit 530 Einheiten ab und erreichten damit einen Marktanteil von gut 30 Prozent. Das ist zurzeit die Pole Position in der EU. Innerhalb von Mercedes‘ Fahrzeugmix bildeten die E-Lkw dabei 3,9 Prozent des Q1-Absatzes. Tendenz steigend. Auch in der Werksflotte des Herstellers sind inzwischen rund 80 strombetriebene Einheiten integriert – darunter sowohl Elektro-Lkw der ersten (inzwischen eingestellten) Generation als auch Exemplare der zweiten eActros-Generation, sprich der eActros 600 und seine Derivate.
Die gesammelten Realdaten aus dem Praxisbetrieb veröffentlicht die Marke jetzt mit Verweis auf „die Potenziale Batterie-elektrischer Lkw“. Demnach setzt Mercedes‑Benz Trucks inzwischen auf rund 30 Prozent der Inbound‑Routen zum Montagewerk Wörth am Rhein Batterie-Lkw (BEV) ein. Grundsätzlich verfolgt das Unternehmen das längerfristige Ziel, den Anlieferverkehr seiner vier deutschen Produktionsstandorten Wörth, Gaggenau, Kassel und Mannheim den „in den kommenden Jahren“ vollständig zu elektrifizieren. Jedenfalls bei allen Transporten in eigener Frachtverantwortung.
Zur Zwischenbilanz: Die circa 80 aktuell im Werksverkehr pendelnden E-Lkw haben laut den Stuttgartern gemeinsam bereits über sechs Millionen Kilometer zurückgelegt. In einer vertiefenden Datenerhebung zwischen November 2025 und März 2026 hat der Hersteller zudem auf 15 Fahrzeuge gezoomt und in diesem Zuge über 3.000 Touren und 3.100 Ladevorgänge anhand der Telemetriedaten analysiert. Das Kernergebnis: „Batterie-elektrischer Anlieferverkehr ist heute im regulären Serienbetrieb zuverlässig umsetzbar“, unterstreicht der Lkw-Bauer und liefert dazu auch drei Praxisbeispiele.
Da wäre etwa die Ulmer Partner-Spedition Seifert mit ihrer Route zwischen Wörth am Rhein und Bielefeld: Ein eActros 600 mit durchschnittlich 36 Tonnen Gesamtzuggewicht bewältige dabei eine Tagesfahrleistung von rund 600 Kilometern, wobei etwa die Hälfte der Ladevorgänge an öffentlichen Ladepunkten erfolgt, schreibt der Hersteller. Der E‑Lkw erzielt auf dieser Strecke zudem über 4.000 Euro Mautersparnis pro Monat. „Pro Jahr werden auf dieser Route so 90 Tonnen CO2e eingespart. Der durchschnittliche Verbrauch liegt zwischen November und Februar bei 100 kWh/100 km – entsprechend etwa 11 Litern Dieseläquivalent. Die Daten belegen: Bereits mit der heute verfügbaren öffentlichen Ladeinfrastruktur auf dieser Route lassen sich anspruchsvolle Langstrecken zuverlässig und planbar abbilden, und auch unter Berücksichtigung der Gesamtbetriebskosten wirtschaftlich betreiben“, so Mercedes‘ Resümee.
Als besonders wirtschaftlich bezeichnen die Verantwortlichen den E-Lkw-Einsatz zudem im Pendelverkehr: „Auf der Strecke von Germersheim nach Wörth am Rhein fährt ein E‑Lkw von Logistik Schmitt mit Sitz im badischen Bietigheim täglich acht Mal insgesamt 352 Kilometer mit einem Gesamtgewicht von durchschnittlich 30 Tonnen. Auf dieser Strecke lag der Fahrverbrauch im Durchschnitt bei 114 kWh/100 km“, heißt es. Dies entspreche circa 12 Litern Dieseläquivalent und bedeute auf dieser Strecke pro Jahr eine CO2e-Einsparung von 56 Tonnen. Das Stromladen erfolgt dabei vollständig während der Be- und Entladezeiten, wodurch keine zusätzliche Standzeit entsteht. Und: „Die monatliche Mautersparnis beträgt über 2.300 Euro, und drei E‑Lkw vom Typ Mercedes-Benz eActros konnten die bisher eingesetzten Diesel-Lkw ersetzen.“ Der Hersteller sieht damit den Beweis erbracht, „dass BEV-Fahrzeuge unter realen Bedingungen auch Vorteile gegenüber Diesel aufweisen – insbesondere bei hohem Mautanteil und bei Nutzung von günstigem Werkstrom“.
Eine weitere von Mercedes-Benz Trucks analysierte Route führt von Südtirol in Richtung Wörth am Rhein. Auf dieser Fernverkehrsroute der Transportfirma FERCAM mit Sitz in Bozen (Italien) legt der eActros 600 täglich ebenfalls rund 600 Kilometer mit einem Gesamtgewicht von bis zu 42 Tonnen zurück – „trotz anspruchsvoller Steigungen und auch bei winterlichen Temperaturen“, wie die Partner betonen. Der Verbrauch liege auf dieser Strecke im Erhebungszeitraum von November bis Februar bei 92 kWh/100 km, was 10 Litern Dieseläquivalent entspricht. Und: „Mit 25 kWh/100 km Rekuperation arbeitet das System dabei besonders effizient. 90 Tonnen CO2e-Einsparung pro Jahr und 3.900 Euro Mautvorteil pro Monat zeigen auch hier: Die E‑Lkw von FERCAM können auf der beschriebenen Strecke im internationalen Fernverkehr zuverlässig und effizient eingesetzt werden und erweisen sich zugleich im Hinblick auf die Gesamtbetriebskosten als wirtschaftlich“, so das Zwischenfazit. Der hohe Rekuperationswert kommt dabei durch die Abwärtsfahrten im bergigen Gelände zustande – ein bei E-Lkw inzwischen bekanntes Phänomen.
Übrigens: Über die E-Lkw-Ambitionen der Spedition Seifert, von Logistik Schmitt und FERCAM haben wir auch schon separat berichtet. Unstrittig ist dabei, dass der beste E-Lkw nichts nützt, wenn es an Ladeinfrastruktur mangelt. Hier kristallisieren sich inzwischen drei parallel wachsende Schwerpunkte heraus: Das Laden an eigenen Werk- und Depotladern sowie das Laden unterwegs – an „Semi-Public Chargern“ von Partnerunternehmen oder an öffentlichen Ladeparks (etwa von Milence). Die Analysten von Mercedes-Benz Trucks betonen auf Basis ihrer Datenerhebung, dass mit der existierenden Infrastruktur bereits viele reale Transportanwendungen zuverlässig darstellbar seien. „Aber um die Transformation im Straßengüterverkehr zu beschleunigen, muss das öffentliche Ladenetz weiter deutlich ausgebaut werden“.
Bei den Stuttgartern selbst arbeiten die Entwickler unterdessen an weiteren Fahrzeugvarianten auf Basis der zweiten E-Lkw-Plattformgeneration. Neben dem eActros 600 und den eActros 400, die sich vor allem bei der Anzahl der Batteriepacks unterscheiden, ist der neueste Zuwachs ein jüngst vorgestellter Lowliner mit wahlweise zwei oder drei Batteriepaketen. Der Lowliner ergänzt das Elektro-Lkw-Angebot des Herstellers um eine Lösung für Volumentransporte – was wiederum für Werksverkehre und Co. vorteilhaft ist. Allerdings ist noch etwas Geduld gefragt: Die ersten E-Lowliner mit Stern sollen ab dem dritten Quartal 2026 in den EU30-Märkten und in weiteren Märkten bestellbar sein und ab dem zweiten Quartal 2027 in Wörth vom Band laufen.





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