Niederlande führt Lkw-Maut ein – auch Elektro-Trucks zahlen
Die neue Maut gilt für Lkw der Fahrzeugklassen N2 und N3 – also für Trucks über 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht. Sie ist seit dieser Woche auf fast allen niederländischen Autobahnen sowie auf zahlreichen Provinz- und Gemeindestraßen wirksam. Erfasst werden die gefahrenen Strecken über einen verpflichtenden Mauttransponder (OBU) im Fahrzeug, der an einen Vertrag mit einem Mautdienstleister gebunden ist. Abgerechnet wird anschließend pro Kilometer, abhängig vom Gewicht und der Emissionsklasse. Dabei gibt es vier Gewichtsstufen (3,5-12 Tonnen; 12-18 Tonnen; 18-32 Tonnen; über 32 Tonnen) und fünf CO2-Emissionsklassen (durchnummeriert von 1 bis 5), wobei fünf die „sauberste“ Klasse ist, in die auch E-Lkw fallen.
Wichtig: Elektro-Lkw sind nicht wie in Deutschland oder der Schweiz von der Maut befreit. Eine Befreiung gilt einzig für E-Transporter bis 4,25 Tonnen. Wer beispielsweise mit einem E-Lkw ab 32 Tonnen zulässiger Gesamtmasse über mautpflichtige Straßen in den Niederlanden fährt, zahlt ab sofort 0,038 Euro pro Kilometer. Wer hingegen einen analogen Lkw der mittleren CO2-Emissionsklasse 3 fährt, zahlt schon 0,165 Euro/km.
Ein großer Teil der Einnahmen aus der Lkw-Maut soll laut den Verantwortlichen in den Straßentransportsektor zurückfließen – beispielsweise in Form von Subventionen für Unternehmen, die in Elektro-Lkw, Ladeinfrastruktur und effizientere Transportlösungen investieren wollen.
Und: Parallel zur Maut-Einführung wird in den Niederlanden die Eurovignetten-Pflicht abgeschafft. Außerdem entfällt die inländische Kfz-Steuer für Lkw bis 12 Tonnen, was die inländischen Logistiker entlastet. Und für schwerere Lkw wird die niederländische Kfz-Steuer auf das europäische Mindestniveau gesenkt – ab 2027. Zuvor gilt für diese N3-Fahrzeuggruppe vorübergehend, vom 1. Juli 2026 bis zum 1. Januar 2027, ebenfalls ein Nullsatz.
Vincent Karremans, der niederländische Minister für Infrastruktur und Wasserwirtschaft, kommentiert: „Nach jahrelanger Vorbereitung wurde heute die Lkw-Maut eingeführt. Der Großteil der Einnahmen fließt zurück in den Sektor. Dank dieses ‚Rückflusskanals‘ kann die Elektrifizierung des Sektors beschleunigt werden.“ Dies sei nicht nur besser für die Luftqualität und führe zu geringeren CO2-Emissionen, sondern mache den Umstieg auf Elektromobilität letztendlich auch wirtschaftlich attraktiv für Transportunternehmen. Darüber hinaus hat laut Karremans die Krise um die Straße von Hormus gezeigt, „wie wichtig es ist, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern“.
In den ersten Monaten gelten bei der Maut nun noch einige Übergangsregelungen. Wer etwa ohne den verpflichtenden Transponder angetroffen wird, muss in den ersten sechs Monaten zunächst nur den halbierten Bußgeldbetrag zahlen. Außerdem gilt vom 1. September bis zum 31. Dezember 2026 eine befristete Ermäßigung von 22,3 Prozent auf die Lkw-Maut. Mit dieser Maßnahme entlastet das Kabinett auf Antrag des Abgeordnetenhauses den Straßengüterverkehr vorübergehend angesichts der aktuell noch sehr hohen Treibstoffkosten infolge des Nahostkonflikts. Heißt aber auch: Ab 1. Juli bis 1. September – sprich über die Sommer- und Urlaubsphase – gilt nun erst einmal die volle Maut.
rijksoverheid.nl, vrachtwagenheffing.nl (beide auf Niederländisch)





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