Initiales H2-Lkw-Netz: Bund meldet über 500 Anträge für Wasserstoff-Förderung

Der Bund will zum Ausbau der Wasserstoffmobilität in Deutschland Subventionen in Höhe von 220 Millionen Euro verteilen. Zu dem inzwischen geschlossenen Förderaufruf im Januar meldet das Verkehrsministerium in einer ersten Auswertung nun den Eingang von 526 Anträgen. Die Zuschläge werden in der zweiten Jahreshälfte erfolgen.

H2 mobility tankstelle magdeburg
Bild: H2 Mobility

Anfang des Jahres veröffentlichte die Bundesregierung einen neuen Förderaufruf, über den der Bau von Wasserstoff-Tankstellen und Lkw mit Brennstoffzellen-Antrieb oder Wasserstoff-Verbrennungsmotor mit 220 Millionen Euro gefördert werden. Damit soll ein Grundnetz für den Schwerverkehr entstehen – wie in der europäischen AFIR (Alternative Fuels Infrastructure Regulation) vorgeschrieben. Zwischenzeitlich weitete das Verkehrsministerium (BMV) die Antragsfrist um einen Monat aus, des großen Interesses und Informationsbedarfs wegen, wie es im Frühjahr hieß.

Jetzt melden die Verantwortlichen den Eingang von 526 Anträge mit einem beantragten Fördervolumen von 455 Millionen Euro – also grob doppelt so viel wie im Fördertopf bereitsteht. Darunter sind 71 Anträge für Tankstellen und 455 Anträge für Fahrzeuge und Fahrzeugflotten. Die Auswahl der Projekte erfolgt nun im Nachgang „in einem wettbewerblichen Verfahren auf Basis der vorher festgelegten Kriterien“, wie es heißt. Die Bewerber mit gebilligten Anträge werden in der zweiten Jahreshälfte benachrichtigt.

Die über 500 Anträge wertet das Ministerium explizit als „positive Zwischenbilanz“ und bezeichnet die Förderung als wichtigen Impuls für die Branche – „auch in einem weiterhin herausfordernden Marktumfeld“. Hintergrund ist, dass sich Wasserstoff als Technologiepfad in der Mobilität bisher kaum durchsetzen konnte. Im Straßengüterverkehr werden dem Energieträger aber bei bestimmten Use Cases Vorteile zugesprochen. Zudem dürfte die Integration vom Wasserstoff-Verbrennungsmotor in die Förderung zusätzliches Interesse geweckt haben. Die Technologie basiert weitgehend auf klassischen Hubkolbenmotoren.

Auch Nutzfahrzeughersteller unter den Antragstellern

Interessant ist, dass laut Verkehrsministerium innerhalb der „breiten Beteiligung“ an der Förderung auch führender Hersteller schwerer Nutzfahrzeuge unter den Antragstellern sind. Ob sie ihre Fahrzeuge also vermehrt auf sich selbst zulassen wollen oder eventuell auch bei der Infrastruktur investieren, bleibt dabei unklar. Das Ministerium spricht nur allgemein davon, dass dies „die industriepolitische Bedeutung des Vorhabens unterstreicht“.

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder spricht denn auch von einer starken Resonanz: „Mit unserem Ansatz kommen wir genau zur richtigen Zeit. Denn die Branche setzt neben der Elektromobilität auch auf Wasserstoffmobilität bei den schweren Lkw. Mit unserer kombinierten Förderung von einer großen Anzahl von Tankstellen und Fahrzeugen schaffen wir es, den entscheidenden Impuls zur Überwindung der Henne-Ei-Problematik zu geben. Damit legen wir den Grundstein für den zügigen Hochlauf einer klimafreundlichen Wasserstoff-Lkw‑Flotte. So stärken wir Innovation, Planungssicherheit und Wertschöpfung in Deutschland.“

Der die Regierung beratende Nationale Wasserstoffrat (NWR) hebt die Relevanz des Förderaufrufs in seinem aktuellen Informations- und Grundlagenpapier zu Wasserstoffbedarfen ebenfalls hervor. Er bezeichnet ihn als möglichen „Game-Changer“ für den Markthochlauf und sieht darin die Basis für den Aufbau eines Grundnetzes an Wasserstofftankstellen bis etwa 2030. „Legt man dieses zugrunde, dann ist eine Wasserstoff-Lkw-Flotte von einigen tausend Fahrzeugen bis 2030 möglich“, so der NWR. Der Rat wird von der Bundesregierung für die Dauer einer Legislaturperiode berufen und handelt als unabhängiges, überparteiliches Beratungsgremium.

Zielgruppe der aktuellen Förderrunde sind vor allem interessierte Unternehmen. Dabei geht es nicht um eine Einzel-Förderung von Tankstellen oder Fahrzeugen, sondern um „eine kombinierte Förderung, die die Errichtung öffentlich zugänglicher Wasserstofftankstellen mit der Beschaffung von Nutzfahrzeugen mit Wasserstoffantrieb verbindet“, so das BMV. „Dieser Ansatz stellt sicher, dass neue Tankstellen von Beginn an über eine ausreichende Grundauslastung verfügen und Speditions- sowie Logistikunternehmen gleichzeitig eine verlässliche Betankungsmöglichkeit vorfinden.“


Auf diese Weise sollen laut Angaben von Anfang des Jahres bis zu 40 Tankstellen und rund 400 Fahrzeuge gefördert werden. Die tatsächliche Anzahl kann aber abweichen. Wasserstofftankstellen können dabei mit bis zu 50 Prozent der zuwendungsfähigen Investitionsausgaben bezuschusst werden – gedeckelt auf maximal vier Millionen Euro. Bei den Fahrzeugen mit wasserstoffbasiertem Antrieb werden bis zu 80 Prozent der zuwendungsfähigen Investitionsmehrausgaben (im Vergleich zu einem Dieselfahrzeug) bezuschusst. Die Fahrzeugförderung eines Pakets ist aber auf maximal drei Millionen Euro gedeckelt, pro Paketantrag können also maximal sieben Millionen Euro bewilligt werden.

Zwar hat sich die schwarz-rote Bundesregierung immer wieder für die „Technologie-Offenheit“ stark gemacht (etwa bei den CO2-Zielen der EU für Neuwagen), der neue Förderaufruf dürfte aber wohl nur zum Teil damit zusammenhängen. Denn in erster Linie muss Deutschland auch die Ziele der europäischen Verordnung über den Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe (AFIR) erfüllen. Bei den Ladepunkten für Batterie-elektrische Fahrzeuge schafft Deutschland die Vorgaben schon heute, beim Wasserstoff gibt es noch Nachholbedarf.

Laut der AFIR-Regelung der Europäischen Union müssen Mitgliedstaaten bis 2030 sicherstellen, dass in allen relevanten urbanen Knotenpunkten mindestens eine öffentlich zugängliche H2-Tankstelle existiert. Zudem muss entlang des TEN-V-Kernnetzes mindestens alle 200 Kilometer eine H2-Tankstelle verfügbar sein. Beim TEN-V-Kernnetz handelt es sich um wichtige Autobahnstrecken wie z.B. die A2 von Berlin nach Dortmund oder die A9 von Berlin nach München.

Deutscher H2-Tankstellenmarkt ist im Wandel

Mitte Januar hatten wir noch berichtet, dass das deutsche Wasserstoff-Tankstellennetz sogar schrumpft und es nur noch rund 50 öffentliche H2-Tankstellen in Deutschland gibt – es waren schon einmal mehr als 90. Das liegt allerdings daran, dass vor allem ältere Tankstellen des Betreibers H2 Mobility außer Betrieb gegangen sind – dabei handelt es sich um Tankstellen mit 700 bar Druck, die vor allem für Brennstoffzellen-Pkw gedacht waren. Dieser Markt hat sich aber nie wie erwartet entwickelt, weshalb diese Tankstellen am Ende ihrer Nutzungsdauer nicht ersetzt, sondern abgebaut werden. Den Fokus hat H2 Mobility längst auf Nutzfahrzeuge mit 350 bar gelegt, wie es bei schweren Lkw und Bussen eher üblich ist – an einigen der neuen Standorten werden auch 700 bar für Pkw und Transporter angeboten. Aktuell gibt es rund 35 Stationen, die für H2-Lkw tauglich sind.

Das große Aber: 350 bar Druck sind zwar bei Nutzfahrzeugen üblich, aber nicht unbedingt der Standard für die Zukunft. Daimler Truck setzt bei seinem kommenden H2-Sattelschlepper bekanntlich auf tiefgekühlten, flüssigen Wasserstoff. Für die Brennstoffzelle im Fahrzeug macht das keinen großen Unterschied, wohl aber für die im Lkw verbauten Tanks und auch die Tankstellen. Ob dort gasförmiger Wasserstoff mit 350 bar vorgehalten und vertankt werden muss oder der sLH2 genannte Flüssig-Wasserstoff mit -253 Grad Celsius lagert, benötigt vollkommen unterschiedliche Technologien.

bmv.de

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