Bund drückt bei Verkauf von Northvolt-Resten an Lyten aufs Tempo
Wie der „Spiegel“ berichtet, hat das Bundeswirtschaftsministerium die deutsche Projektgesellschaft Northvolt Drei Project GmbH abseits der Öffentlichkeit verstaatlichen lassen. Seitdem halten die LG Batterie GmbH sowie eine weitere Zwischengesellschaft treuhänderisch sämtliche Anteile an der Northvolt Drei Project GmbH für den Bund, schreibt das Nachrichtenmagazin. Hintergrund war demnach die Entscheidung eines Amtsgerichts in Hamburg über die verbliebenen Fördermittel in Höhe von bis zu 264 Millionen Euro, die durch den Schritt gesichert werden sollen.
Nun will das Ministerium die Projektgesellschaft bzw. die verbliebenen Vermögenswerte möglichst schnell an Lyten loswerden. Der US-Batteriezellhersteller hatte im August 2025 bekanntgegeben, das Geschäft der insolventen Northvolt-Gesellschaft in Schweden übernehmen zu wollen, ebenso das nicht insolvente Northvolt-Projekt in Heide (Schleswig-Holstein) – und um letzteres geht es aktuell.
Wie berichtet, hat sich Lyten offenbar vor kurzem mit der staatlichen Förderbank KfW, der Bundesregierung sowie der Landesregierung von Schleswig-Holstein auf einen Übernahmepreis von rund 60 Millionen Euro geeinigt. Dadurch soll Lyten das bisherige Northvolt-Gelände in Heide erhalten sowie bereits beschaffte technische Anlagen. Wichtig aber: Es handelt sich längst nicht um eine fertige Batteriezellfabrik, sondern im Grunde nur um ein erschlossenes Gelände.
Nun also soll die Übernahme durch Lyten schnell besiegelt werden. So soll bei einer Sondersitzung des Finanzausschusses des Landtags von Schleswig-Holstein am heutigen 30. Juni der Verkauf an Lyten abgesegnet werden, denn das Land zählt durch eine Wandelanleihe zu den Gläubigern. Und bereits ab dem 1. Juli soll Lyten laut „Spiegel“ dann erste Verpflichtungen bei der deutschen Projektgesellschaft übernehmen und unter anderem die Gehälter der Angestellten zahlen.
Laut dem Magazinbericht wirft der Verkauf an Lyten aber Fragen auf, denn der kolportiere Kaufpreis von 60 Millionen Euro läge weit unter den Ankaufskosten der Vermögenswerte: Die Grundstücke für die Fabrik kosteten rund 50 Millionen Euro, hinzu kommen Baukosten von etwa 260 Millionen Euro sowie der Kauf einer Maschine für die Batterieproduktion für 51 Millionen Euro. Unterdessen übernehmen Bund und Land einen zweistelligen Millionenbetrag für die Abwicklung der Projektgesellschaft, etwa für Abfindungen oder Verfahrenskosten.
In Summe ergibt sich eine Differenz von über 300 Millionen Euro, die Bund und Land nun tragen würden. Daher stellt sich aus Sicht des „Spiegel“ die Frage, ob es sich um eine indirekte Förderung für Lyten handelt. Das Bundeswirtschaftsministerium wollte sich dazu gegenüber dem Magazin nicht äußern.





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