13.06.2017

Die Deutschland-Batterie

TerraE baut eine Zellfabrik in der Bundesrepublik

Zu teuer. Das Argument gegen die Produktion von Batteriezellen in Deutschland ist bekannt. Konkret: Die Kosten für Strom und Löhne sind zu hoch, heißt es. Und das Aus von Li-Tec, dem Joint-Venture von Daimler und dem Chemiekonzern Evonik in Sachsen, scheint ein Beweis für die These zu sein, nach der eine konkurrenzfähige Fertigung hier schlicht unmöglich ist. Billig geht nur in Asien?

Stimmt nicht, sagt TerraE. „Ende 2019“, so verspricht es CEO Holger Gritzka gegenüber electrive.net, läuft die erste Batteriezelle vom Band. „Die Standortsuche soll in den nächsten drei Monaten geklärt sein.“

Gritzka bestätigt die vergleichsweise hohen Kosten für Energie und Arbeitskräfte in Deutschland, aber „diese Nachteile gleichen wir über einen besonders niedrigen Verbrauch und eine bessere Automatisierung wieder aus.“ Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau verkauft viele Geräte nach Asien, wo die meisten Batteriezellen gebaut werden. Und diese spezialisierten Unternehmen können natürlich ihre effizientesten Anlagen auch zwischen Flensburg und Füssen installieren. Produktivität in Zahlen: 70 bis 80 Mitarbeiter werden pro Gigawattstunde (GWh) und Jahr benötigt.

Zu Beginn plant TerraE mit rund 1,5 GWh. Diese Kapazität wird in Form von Rundzellen für stationäre Stromspeicher, Power Tools oder Flurförderzeuge zum Einsatz kommen. Ab 2022 liefert TerraE, so vermuten es Branchenkenner, prismatische Zellen oder Zellen im Pouchformat direkt an die Autohersteller. Bis 2028 soll der Ausstoß auf 34 GWh hochgefahren sein. Germany’s Gigafactory.

Bessere Prozesstechnologien als die Asiaten

Holger Gritzka, CEO von TerraE, bringt es auf den Punkt: „Wir haben die gleichen Skaleneffekte wie die Asiaten und bessere Prozesstechnologien.“ Die Kostensenkung über die Massenproduktion ist ein wichtiges Ziel jeder Batteriefertigung. Die Zellchemie entwickelt sich evolutionär. Eine Verbesserung hier, eine Modifikation da; am Grundprinzip der Lithium-Ionenzelle ändert sich nichts. Zwar rechnen Fachleute langfristig mit einer Abkehr von Flüssig-Elektrolyten zu Gunsten von Solid State-Batterien. Die Konzentration im Jetzt liegt jedoch auf immer schneller laufenden Bändern. Außerdem versuchen alle Hersteller, die Integrationsverluste zu reduzieren, also das Verhältnis von Verpackung zu aktivem Material zu verbessern.

  • Automatisiert: Bei der Produktion von Batterien kommen vor allem Maschinen zum Einsatz. Den Anlagenbau freut's.
  • Mit der Ausweitung der Produktionskapazitäten in Karlstein am Main unterstreicht BMZ schon heute seine Rolle.
  • deutsche-post-streetscooter-03
    Im StreetScooter der Post fahren längst tausende BMZ-Batterien auf der Straße.
  • Bisher verarbeitet BMZ fremde Batteriezellen zu Lithium-Ionen-Batterien für mobile und stationäre Anwendungen.
  • Was fehlt, ist eine Zelle aus deutscher Produktion. Diese soll künftig TerraE zuliefern.

Was für den Erfolg von TerraE spricht, ist auch die wirtschaftlich-industrielle Kraft hinter dem Unternehmen. Die Gründungsgesellschafter der TerraE Holding GmbH sind Holger Gritzka, bisher Head of Battery Technologies bei ThyssenKrupp, Dr. Ulrich Ehmes, zuvor CEO der Schweizer Batteriefirma Leclanché sowie die BMZ Holding GmbH.

BMZ ist ein großer Systemanbieter mit Batterielösungen für alle Bereiche der Industrie und im Automotive-Bereich als Entwickler für StreetScooter bekannt. Das kommuniziert BMZ zwar nicht direkt – schließlich stammt der Antriebsstrang des StreetScooters auf den ersten Blick von Bosch –, aber man verkündet auf der eigenen Homepage, die „größte, deutsche, elektrisch betriebene Fahrzeugflotte“ mit Lithium-Ionen-Batterien ausgestattet zu haben. Das Foto dazu zeigt eine lange Reihe von StreetScootern.

Allianz aus Wissenschaft, Industrie und Politik

Die Initiative zu TerraE wiederum geht unter anderem auf „KLiB“ zurück, ein Netzwerk aus 45 Unternehmen und Instituten mit wirklich allen, die in diesem Bereich Relevanz haben: Von wissenschaftlichen Einrichtungen wie Fraunhofer oder dem MEET in Münster, der chemischen Industrie mit BASF, dem Recyclingspezialisten Umicore über Anlagenprofis wie Kuka und Auto-OEMs wie BMW sind etliche große Namen vertreten.

Ein Teil des Fertigungskonzepts stammt aus Ergebnissen, die im Rahmen des Projekts „Giga-LIB“ entwickelt und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wurden. Es ist darüber hinaus üblich, dass auch die Standortvergabe an viele lokale Faktoren gebunden ist: An die Infrastruktur, an besondere Stromverträge und an landesgebundene Vergünstigungen und Zuschüsse.

Wir tippen auf einen Standort in einem Bundesland, in dem bereits einige mit Autoherstellern assoziierte Unternehmen angesiedelt sind und der nicht in Süddeutschland liegt. Warten wir ab, wo Deutschlands erste Gigafactory entsteht.




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Kommentare zu diesem Beitrag sind geschlossen.

5 Kommentare zu “Die Deutschland-Batterie

  1. Standort wird Norddeutschland mit
    seinen riesigen Angebot an sauberen
    Strom werden! Wetten das.

  2. Leider jahrelang zu spät. Während die Gigafactory von Tesla dezeit die Produktion hochfährt, erklärt mir gestern das Smartcenter, dass ich erst im Frühjahr 18 irgendwann einen Smart ED bekomme, weil die Kapazität der lieferbaren Akkus nicht ausreicht. Daher warte ich eben auf auf meim Model 3. Zukunft verschlafen, sag ich nur.

  3. Es ist gut, dass Deutschland diesen Zukunftsmarkt nicht kampflos den Asiaten überlässt.
    Deshalb wünsche ich den Machern dieser Zellfabrik,
    dass ihr Schaffen letztendlich auch von Erfolg gekrönt
    sein wird.
    Nachdem inzwischen die Produktion von Solar Zellen weitgehend aus Deutschland eliminiert wurde,
    wäre es fatal für Deutschland und Europa wenn wir auch bei dieser Zukunftstechnologie abgehängt würden.

    • Die Windenergie wird gerade von der neuen Landesregierung in den Boden gestampft.
      Wieder diese Kurzsichtigkeit der Politik.
      Andere, China, usw. setzen auf Sonne, Wind und Stromspeicher, und auf Emobilit.

  4. Pingback: Die Deutschland-Batterie – Christoph M. Schwarzer