10.08.2018

Deutsches Ladenetz könnte dreimal so viele E-Autos versorgen

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Lediglich 4,5 Elektroautos kommen auf jede öffentliche Ladestation in Deutschland. Rein rechnerisch könnte die Ladeinfrastruktur in der Bundesrepublik dreimal so viele Elektrofahrzeuge bedienen. Zu diesem Schluss kommt eine Auswertung des Energiekonzerns E.ON.

Das Unternehmen sieht darin den Beweis, dass es sich bei dem viel beschworenen Mangel an öffentlichen Ladestationen um ein gängiges Vorurteil handelt. Aber der Reihe nach: Herangezogen werden in der Studie Zahlen von Anfang Januar 2018, wonach in Deutschland knapp 54.000 E-Autos mehr als 12.000 Ladestationen mit häufig mehreren Ladepunkten gegenüberstehen. Im Schnitt kommt E.ON so auf 4,5 Elektroautos je Ladestation.

Ein guter Wert folgert E.ON – und zieht zur Untermauerung das von der Nationalen Plattform Elektromobilität (bekanntlich bald: „Plattform Zukunft der Mobilität“) empfohlene Verhältnis von zukünftig einer Million E-Autos und 80.000 Ladesäulen (12,5 E-Autos je Ladesäule) heran. Fakt ist: Der Ausbau öffentlicher Ladeinfrastruktur hat in Deutschland angezogen, doch es gibt starke Unterschiede zwischen Stadt und Land sowie unter den Bundesländern, die auch E.on im weiteren Verlauf seiner Auswertung beleuchtet.

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So nimmt Bayern bei der Anzahl von E-Autos (13.000) und Säulen (2.300) die Spitzenposition ein. Allerdings ist die Quote mit 5,8 E-Autos je Säule etwas schlechter als im Bundesdurchschnitt. Das gilt insbesondere für den Großraum München und Nürnberg, wo dieser Wert auf 11,4 bzw. 10,2 steigt. Dass es durchaus anders geht, zeigen Berlin und Hamburg, wo nur 3,7 bzw. 3 E-Autos auf eine Ladestation kommen. Es handelt sich also nicht um eine rein urbane Problemstellung.

Mecklenburg-Vorpommern hat mit einem Wert von 2,0 das beste Verhältnis von E-Autos und Ladestationen, allerdings sind die absoluten Zahlen dort eher gering. Auch in Thüringen haben E-Auto-Fahrer bei einem Wert von 2,2 gute Chancen auf freie Säulen, insbesondere in Eichsfeld und im Kyffhäuserkreis, wo es genauso viele zugelassen E-Autos wie öffentliche Lademöglichkeiten gibt.

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Aber wo sind generell die meisten E-Autos verbreitet? E.ON hat auch ausgewertet, in welchen Städten und Regionen der Anteil von E-Autos an allen zugelassenen Pkw über den bundesweiten Durchschnitt von 0,12 Prozent kommt. Das Ergebnis: in Wolfsburg liegt der Wert bei 0,46, im unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld bei 0,41 und in Stuttgart bei 0,40 Prozent. Insgesamt zeige sich, dass im Süden anteilig deutlich mehr Elektrofahrzeuge unterwegs sind als in der Mitte oder im Norden des Landes, so E.on – mit Ausnahme von Hamburg und Berlin, wo 0,18 bzw. 0,17 Prozent zu Buche stehen.
Pressemitteilung (PDF)




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8 Kommentare zu “Deutsches Ladenetz könnte dreimal so viele E-Autos versorgen

  1. Gerade E-ON meint, es gibt genug Ladesäulen. Mir sind nur die E-ON Ladesäulen durch Ausfall in böser Erinnerung. Bei den teilweisen Wucherpreisen von über 1 € pro KW/H reißt sich doch keiner um das Laden an öffentlichen Ladesäulen! Man hat im Gegenteil oft den Eindruck als ob die alten Energieversorger alles tun, das Laden so umständlich und schwierig zu machen wie es nur geht. Die Medien reagieren kaum auf die Geschehnisse, man hat wohl Angst, dass gute Anzeigenkunden Kritik einem Übel nehmen.

  2. Gibt es tatsächlich bei E.On Mitarbeiter,
    die mit solch unsinnigen „Analysen“ beschäftigt werden müssen ?
    Hier meine Gegenrechnung (unbezahlt erstellt):
    In Deutschland gibt es etwa 20 Mio. Gebäude welche alle an das Stromnetz angeschlossen sind, davon über 15,5 Mio. Ein/Zweifamilienhäuser. Werden an jedem Gebäude zwei Steckdosen dazu genutzt Elektroautos zu laden, können also über 40 Mio. Elektroautos mit dem nötigen Fahr-Strom versorgt werden ! Dies entspricht nahezu der derzeitigen Zahl an zugelassenen Fahrzeugen in Deutschland 🙂
    Das Ladenetz für die Umstellung Deutschlands auf Elektromobilität besteht also schon 😉

    • vor allem wenn man mal die Kosten dieser Steckdosen mit denen einer Ladestation vergleicht….die Ladestellenverteuerungsverord nung, ein weiterer Erfolg der Verbrennerlobby.

  3. Wenn man auf öffentliche Ladeinfrastruktur angewiesen ist, weil man z.B. in der Sammelgarage keinen Stromanschluss genehmigt bekommt, sieht die Sache etwas differenzierter aus.
    Dann braucht man zumindest einen langsamen AC-Lader in Heimatnähe oder am Ziel. Dazwischen benötigt man eher schnelle DC Ladestationen. Und an denen mangelt es selbst in den Großstädten.
    Dort finde ich höchstens jedes vierte Mal eine freie DC Säule.
    Das ist keine 3,5-fache Überversorgung.

  4. Die Studie mag interessant sein, hat aber keinen praktischen Nutzen. Zum einen wird der Begriff „öffentl. Ladesäule“ nicht analysiert. So sind laut Gesetz auch solche Ladepunkte öffentlich, die praktisch nicht zugänglich sind, weil sie zu privaten Unternehmen gehören (z.B. Gastbetriebe). Zum andern wird nicht zwischen Normal- (AC) und Schnelladepunkten (DC) unterschieden. Nur die letzteren sind für Fahrtnomaden von Interesse. Die Studie hat also keine Aussagekraft.

Gefunden bei electrive.net
https://www.electrive.net/2018/08/10/deutsches-ladenetz-koennte-dreimal-mehr-e-autos-versorgen/
10.08.2018 15:54