24.04.2019 - 22:14

Interview mit Daniel Abt: „Die Taktzahl wird sich verändern.“

Ein Gespräch mit dem Audi-Rennfahrer über die Punktejagd in der zweiten Saisonhälfte

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Bevor am Samstag die Elektro-Flitzer unter dem Eiffelturm fahren, haben wir mit Audi-Rennfahrer Daniel Abt über die aktuellen Veränderungen in der Formel E gesprochen. Dabei ging es um Abts Fahrweise, den neuen Gen2-Rennwagen und den Einstieg von zwei weiteren Premiumherstellern Ende 2019. 

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Du bist einer der wenigen Fahrer, die seit Beginn der Rennserie vor fünf Jahren dabei sind. 52 Rennen, 4.284 Rennkilometer, 1.860 Rennrunden. Welche Runde ist Dir besonders im Gedächtnis geblieben?

Die letzte Runde in Berlin 2018. Das gibt so einen Nervenkitzel, wenn man weiß: Jetzt habe ich gleich geschafft, wovon ich immer geträumt habe. Aber ansonsten waren da viele coole Rennrunden dabei. Da waren auch ein paar, die im Gedächtnis bleiben, weil sie nicht so gut liefen. Zum Beispiel in New York 2017, als ich auf Podiumskurs war und dann drei Kurven vor Schluss in der letzten Runde das Auto ausgeht. Ich werde auch nie die Runde vergessen, als sich in Hongkong Edo Mortara vor mir gedreht hatte als ich auf Platz 2 lag, wo ich dann gewonnen hatte, aber nach dem Rennen disqualifiziert wurde. Da bleibt schon Einiges in Erinnerung.

In der ersten Saisonhälfte hast Du in 6 von 7 Rennen gepunktet. Merkst Du mittlerweile, wie sich Deine Fahrweise nach fünf Jahren verändert hat?

Absolut! Als die Formel E angefangen hatte, meinte ich noch, ich müsste in jedem Rennen die Welt retten. Man denkt, man muss alles erreichen – und dann macht man Fehler. Da gab es oftmals Momente, wo ich auch das Auto weggeschmissen hatte oder in Unfälle verwickelt war. Ich habe für mich gelernt, dass es manchmal klüger ist, zurückzustecken und durch Verzicht zwar etwas weniger, aber trotzdem Punkte auf dem Konto zu haben, anstatt unnötig Risiko einzugehen. Bis jetzt hat sich immer gezeigt, dass Konstanz in der Formel E wichtig ist. Man muss natürlich auch große Punkte einfahren. Das habe ich in diesem Jahr zu wenig, aber ich bin trotzdem voll dabei und daher glaube ich schon, dass es gut ist, wenn man in der ersten Saisonhälfte nichts Unnötiges macht. Natürlich wird sich jetzt die Taktzahl ein bisschen verändern, denn wir kommen in die zweite Saisonhälfte. Jetzt geht es in die Richtung ’Wer wird Meister?’. In beiden Meisterschaften (Fahrer und Teamwertung, d. Red.) ist es da komplett offen. In beiden Meisterschaften will ich gewinnen und das geht nicht, wenn ich sage ‚Ich fahre mal auf den fünften Platz‘. Da muss man schon angreifen! Aber jetzt ist eine gute und solide Punktezahl da, mit der einfach alles möglich ist.

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In der aktuellen Saison gibt es ein neues Auto mit stärkerer Akkuleistung. Was hat sich aus Fahrersicht bei der Bedienung des Gen2 Car zum Vorgänger-Fahrzeug am meisten verändert?

Wir haben jetzt Break-By-Wire, wir haben also keine rein mechanische Bremse mehr, sondern auch eine elektronisch geregelte Hinterachse, was dafür sorgt, dass viel Software im Hintergrund den Bremsvorgang bestimmt. Was es für den Fahrer wieder etwas schwieriger macht, weil man selber nicht mehr so den Einfluss hat. Man kann natürlich die Einstellungen verändern, aber immer mit der Voraussetzung, dass diese vorher von Software-Ingenieuren richtig bedatet wurden und das ist definitiv ein großes Thema.

Du bist einer der Fahrer, die relativ oft den Fanboost gewinnen. In 24 der 52 Rennen war das bereits der Fall. Was hat mehr Einfluss auf das Renngeschehen für Dich als Fahrer: Der 5-Sekunden-Fanboost oder der neue Attack Mode?

Definitiv Attack Mode! Dieser hat einen signifikanten Einfluss auf die Rennstrategie und auf das Überholen. Der Attack Mode hat das Racing sehr stark verändert. Der Fanboost hat mir in diesem Jahr schon zweimal das Überholmanöver erleichtert. Aber der Fanboost soll keine Rennen entscheiden. Es ist nur eine kleine Hilfe. Ich tue auch viel dafür, um den Fanboost zu gewinnen. Ich hoffe, ich gewinne noch ein paar. (Lacht.)

Du gibst auf Deinem Youtube-Kanal tolle Einblicke in den Sport, wie zuletzt mit dem Video zum 2 Millionen Euro teuren Rennsimulator von Audi Sport. Wo liegen sonst noch die Vorteile von so einem großen Hersteller wie Audi im Vergleich zu kleineren Teams wie NIO oder Dragon?

NIO darf man nicht unterschätzen, die haben relativ viel Budget. Dragon weiß ich gar nicht, aber im Endeffekt sind wir nicht so überlegen zu den restlichen Teams. Es gibt ein paar kleinere Teams, die es etwas schwerer haben. Doch die Mehrzahl der Teams hat Hersteller im Rücken und ähnlich große Budgets und Ressourcen. Das spiegelt sich auch im Wettkampf wider. Es dominiert kein einzelnes Team in der Serie und das wird auch weiterhin so bleiben, glaube ich. Natürlich versuchen wir alles, was wir haben (Simulator etc.), möglichst gut zu nutzen, um möglichst viel Erfolg zu haben. Aber der ist nicht einfach garantiert, nur weil man große Budgets hat. Sondern man muss schon die richtigen Leute haben, den richtigen Spirit, denn nur so gewinnt man Rennen.

Was ändert sich mit dem Einstieg von Porsche und Mercedes EQ in der nächsten Saison bezüglich Eurer Arbeit und der Gesamtkonstellation in der Serie?

Vier deutsche Premiumhersteller werden alles noch stärker zuspitzen. Da wird neues Feuer in die Formel E kommen. Jeder will gewinnen, das heißt drei verlieren am Ende und müssen das dann gegenüber anderen Leuten rechtfertigen. Das wird definitiv hart und ein ordentlicher Konkurrenzkampf. Das wird mit Sicherheit alle an ihr Limit pushen, aber darum geht es schließlich im Sport.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg in Paris!

Der Paris E-Prix wird am Samstag ab 16 Uhr live auf Eurosport und im ZDF-Livestream übertragen. Ende Mai gastiert die elektrische Rennserie auch in Berlin. Tickets sind erhältlich unter fiaformulae.com.

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