28.05.2020 - 12:15

Nissan will Barcelona-Werk schließen

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Nissan hat sein umfassendes Sanierungspaket vorgestellt. Europa gilt darin nicht mehr als Kernmarkt, deshalb soll das Werk in Barcelona geschlossen werden. Das Werk in Sunderland soll aber weiter betrieben werden – mit Allianz-Partner Renault.

Kurz nachdem die Hersteller-Allianz Renault-Nissan-Mitsubishi die Neustrukturierung ihrer Zusammenarbeit angekündigt hat, hat Nissan seine eigene neue Strategie verkündet. Das Konzept sieht eine Kürzung der weltweiten Produktionskapazität des Herstellers um 20 Prozent vor. Damit soll die Auslastung der verbliebenen Werke auf 80 Prozent erhöht werden.

Davon betroffen ist auch Europa. Gemäß der Allianz-Neuausrichtung übernimmt hier Renault den Lead und Nissan leitet aus den Renault-Modellen seine eigenen Fahrzeuge ab. Europa ist für die Japaner somit kein Kernmarkt mehr, Nissan konzentriert sich stattdessen auf Nordamerika, China und Japan.

Dabei hat Nissan nun das offiziell verkündet, was sich seit Wochen abgezeichnet hat: Man habe die „Absicht, das Werk in Barcelona in Westeuropa zu schließen“. Dort beschäftigen die Japaner verschiedenen Medienberichten zufolge zwischen 2.800 und 3.000 Mitarbeiter (Nissan nennt in der Mitteilung keine Zahl) und fertigen unter anderem den e-NV200. Das zweite europäische Werk im britischen Sunderland, wo unter anderem der Leaf produziert wird, soll hingegen bestehen bleiben und mit Hilfe von Renault-Produkten auf eine ausreichende Kapazitätsauslastung kommen, wie Nissan-Chef Makoto Uchida bei einer virtuellen Pressekonferenz verkündete.

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Die Ankündigung lässt allerdings einige Fragen offen. Etwa ob der e-NV200 in einem anderem Werk weiter produziert wird. Oder wie lange die Nissan-Eigenentwicklung Leaf noch gebaut wird, wenn Renault den Lead in Europa übernimmt. Und nicht zuletzt mit Blick auf die Franzosen: Welche Folgen hat es für die Renault-Werke, wenn künftig auch Renaults im Nissan-Werk Sunderland gebaut werden sollen und somit noch Produktionskapazitäten hinzukommen? Renault selbst wird seinen Sparplan, der Gerüchten zufolge auch Werksschließungen beinhalten soll, erst noch vorstellen.

Klar ist aber: Von den jahrelangen Wachstumsplänen von Ex-CEO Carlos Ghosn verabschiedet sich Uchida. Stattdessen will sich Nissan auf die drei neuen Kernmärkte konzentrieren und mit weniger Modellen und weniger Standorten profitabler werden. Der bis zum Ende des Geschäftsjahres 2023 (im März 2024) sieht der Restrukturierungsplan „Nissan Next“ eine Marge von fünf und einen globalen Marktanteil von sechs Prozent vor. „Wir korrigieren unseren Kurs“, so Uchida. „An die Stelle von exzessiver Expansion tritt ein stetiges Wachstum.“ Für das stetig geplante Wachstum hatte Nissan über die Jahre hohe Fixkosten angehäuft. Von dem Plan erhoffen sich die Japaner Fixkosten-Einsparungen von 300 Milliarden Yen pro Jahr, umgerechnet 2,5 Milliarden Euro. Eine Prognose für das laufende Geschäftsjahr will Nissan nicht abgeben. Laut der spanischen Regierung könnte die Schließung des Barcelona-Werks bis zu einer Milliarde Euro kosten.

Nissan will mit E-Autos in China und Japan Geld verdienen

Eines der Wachstumsfelder, das Uchida und seine Vorstandskollegen definiert haben, ist die Elektromobilität – aber eben vor allem in China und Japan. Zum Ende des Sparprogramms 2023 sollen mehr als eine Million E-Autos verkauft werden. Dies beinhaltet neben reinen E-Autos auch die e-Power-Modelle mit zusätzlichem Verbrenner als Range Extender. In Japan will Nissan zwei weitere Elektro- und vier weitere e-Power-Fahrzeuge auf den Markt bringen, wodurch sich die Elektrifizierungsrate auf 60 Prozent des Absatzes erhöhen soll.

Ob die e-Power-Modelle, wie Gerüchte es angedeutet hatten, unter diesen Voraussetzungen noch nach Europa kommt, scheint unwahrscheinlich. Genau solche Parallel-Entwicklungen zu Renaults Elektro- und Hybridvorhaben soll die neue Allianz-Struktur vermeiden. Somit ist es wahrscheinlicher, dass die E-TECH-Hybride der Franzosen auch in der nächsten Generation der Europa-Nissans (dann unter Renault-Lead entwickelt) zum Einsatz kommen.

Aber nicht nur in Europa wird gespart: Auch ein Montagewerk in Indonesien wird laut Uchida geschlossen, die in Russland eingeführte Billig-Marke Datsun wird eingestellt, Nissan zieht sich komplett aus Südkorea zurück. Und nicht nur die globale Produktionskapazität soll um 20 Prozent schrumpfen, sondern auch das Modellangebot: Statt derzeit 69 Baureihen will Nissan nur noch 55 Modelle anbieten.
automobilwoche.de, handelsblatt.com, nissannews.com

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28.05.2020 12:34