Share Now setzt in Berlin keine E-Autos mehr ein

Nachdem die Elektrofahrzeuge von Share Now bereits aus dem Rheinland verschwunden sind, finden sich nun auch in Berlin keine E-Autos mehr im Angebot des Carsharing-Anbieters. Gegenüber electrive.net bestätigte Share Now einen entsprechenden Medienbericht.

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In seiner Stellungnahme teilt Share Now mit, dass der Rückzug der Elektroautos in Berlin zum einen damit zusammenhängt, dass die Leasingverträge mit den bestehenden Fahrzeugen ausgelaufen seien. Zum anderen könne man am Standort Berlin „leider nicht auf die nötigen Voraussetzungen zurückgreifen, um E-Autos erfolgreich betreiben zu können“. Damit dies gelinge, sei man auch auf die Unterstützung der Stadt „im Hinblick auf die verfügbare Ladeinfrastruktur und das Ermöglichen von speziellen Parkregelungen bzw. attraktiven Parkvereinbarungen angewiesen“.

Recht deutlich übt Share Now also Kritik an der Kooperationsbereitschaft der politischen Vertretung Berlins. Ähnlich klang die Begründung zum Rückzug der E-Autos in Düsseldorf und Köln bereits im März. Neben dort ebenfalls ausgelaufenen Leasingverträgen gab das Unternehmen seinerzeit an, dass „die operativen Kosten der E-Fahrzeuge im Vergleich sehr hoch waren“ und der Betrieb durch „die noch unzureichend ausgebaute Ladeinfrastruktur in Köln und Düsseldorf“ erschwert wurde.

In dem uns nun aktuell vorliegenden Statement führt Share Now aus, dass bei unzureichender Ladeinfrastruktur im Allgemeinen dem Prinzip des Free-Floating-Carsharings lange Lade- und Standzeiten entgegenstünden. „Treibt eine Stadt jedoch den Ausbau der Ladeinfrastruktur voran, wirkt sich dies positiv auf die Verfügbarkeit und Auslastung unserer Fahrzeuge aus. Die Flexibilität der Kunden steigt und damit langfristig auch die Attraktivität nachhaltiger Mobilität. Finanzielle Anreize, spezielle Parkregelungen, der Zugang zu beschränkten Verkehrszonen machen Elektroflotten zusätzlich attraktiver.“

All das scheint in Berlin nicht der Fall gewesen zu sein. Die E-Fahrzeuge aus der Hauptstadtflotte gehen wieder zurück an Share Nows Leasingpartner. Mit Blick auf andere Städte teilt der Carsharing-Anbieter mit, jeden Standort auf regelmäßiger Basis zu evaluieren. Zum jetzigen Zeitpunkt strebt Share Now keine weiteren Änderungen an. Das gilt unter anderem für München, wo das Angebot an BMW i3 2019 sogar noch von 85 auf 200 Fahrzeuge ausgebaut wurde. Seinerzeit erklärte sich die Stadtverwaltung dazu bereit, die Zahl der öffentlichen Ladepunkte von 920 auf 1.100 auszubauen. Verfügbar sind Share-Now-Stromer ansonsten noch in Hamburg und Stuttgart.

So oder so: Die Entscheidung in Berlin, Düsseldorf und Köln steht im Widerspruch zu vorangegangenen Aussagen. „Angesichts der Tatsache, dass in Europa 2018 nicht einmal zwei Prozent der neu zugelassenen Fahrzeuge E-Autos waren, sind wir stolz darauf, dass jedes vierte Share-Now-Fahrzeug elektrisch fährt“, sagte CEO Oliver Reppert noch im Januar 2020. Man sehe sich selbst als „Vorreiter nachhaltiger Mobilität“. Auch in der aktuellen Mitteilung zum Aus der Stromer in Berlin versichert Share Now, dass man überzeugt sei, dass elektrische Fahrzeugflotten die positiven Effekte von Carsharing verstärken. An vier Standorten – Amsterdam, Madrid, Paris und Stuttgart – betreibe man eine rein elektrische Flotte. Dass wegen höherer operativer Kosten und fehlenden Ladesäulen die nachhaltige Mobilität nun aber andernorts hinten angestellt wird, lässt die Aussagen weniger glaubwürdig erscheinen.

In einem früheren Medienbericht von „Edison“ hieß es im März, dass es indirekt einen Zusammenhang zwischen dem Aus der E-Autos im Rheinland und der Fusion des BMW-Diensts DriveNow mit dem Daimler-Dienst Car2go geben könnte: Nach der Fusion stehe das Unternehmen unter erheblichem Druck, profitabel zu arbeiten. Elektroautos, die von den Kunden mit relativ leerem Akku abseits einer Ladesäule abgestellt werden, verursachten höhere Kosten, wenn sie von Mitarbeitern zum Laden extra umgeparkt werden müssten.

Update 08.11.2020: Berlins Senatsverwaltung wehrt sich gegen den Vorwurf ungünstiger Rahmenbedingungen für elektrisches Carsharing, die der Anbieter Share Now zur Begründung für den Rückzug seiner E-Autos angeführt hat: „Dass dies, wie offenbar angedeutet, auf angeblich ungünstigen Voraussetzungen für E-Carsharing in Berlin beruht, können wir nicht nachvollziehen“, teilt die Berliner Senatsverwaltung auf Anfrage des Portals Energate mit. Das Angebot in der Hauptstadt sei „mit mehreren Tausend Fahrzeugen beachtlich, was darauf schließen lässt, dass Berlin nach wie vor ein sehr interessanter Markt für dieses Segment ist“.

Zu den einzelnen Kritikpunkten äußert die Verwaltung, dass etwa die Senkung oder der Erlass von Parkgebühren in der Innenstadt für sogenannte Free-Floater-Angebote – unabhängig vom Antrieb – „keine zielführende Maßnahme“ sei. Zudem habe Berlin gemeinsam mit München und Hamburg die weitaus meisten Ladepunkte im öffentlichen Raum in Deutschland zu bieten.

Quelle: Info per E-Mail, iphone-ticker.de, energate-messenger.de (Update)

8 Kommentare

zu „Share Now setzt in Berlin keine E-Autos mehr ein“
Martin
29.10.2020 um 17:05
Gut wird Carsharing erst, wenn es autonom ist.
Radnabe
30.10.2020 um 07:43
Carsharing soll private Autos ersetzen. Insofern passen autonome Autos da nicht recht ins Konzept. Das wäre dann etwas anderes, nämlich eine Art automatisches Taxi.
Matthias
29.10.2020 um 18:21
Das "Extra-Umparken" von Carsharing-E-Autos an Ladesäulen, und vor allem von dort weg, können Kunden selber erledigen wenn die Mietkonditionen entsprechend gestaltet werden.
Paul
30.10.2020 um 09:52
Eben! Ich stelle fest, dass viele Nutzer gar nicht wissen, wie man eine Ladesäule bedient. Die stecken einfach das Kabel rein und verschließen das Fahrzeug. Ich habe eine öffentliche Ladestation direkt vor der Tür und wenn ich dort ein nichtladendes Auto von ShareNow entdecke, müsste ich sogar Geld bezahlen, um es dort zu laden. 1 Euro Startgebühr plus Minutengebühr. Es gibt keinen Bonus fürs Laden zB in Form von Freiminuten.
Tobi
31.10.2020 um 12:24
Was? Du musst doch nicht für die komplette Dauer des Ladevorgangs das Auto mieten. Wenn ein Auto an einer Ladesäule steht und nicht lädt, würde ich mir die 5€ definitiv nicht entgehen lassen, auch wenn man davon Startgebühr +2-3 Minuten abziehen muss
Peter Löck
30.10.2020 um 10:41
Stationäres Sharing eignet sich besser für e-Mobilität als Free Floating. Mehr Stationen, an guten Standorten, wie Mobilitätsstationen mit Einbindung an den ÖPNV verbessern den Kundennutzen und können mit Ladepunkten ausgestattet sein.
Juergen
31.10.2020 um 10:37
Bei 200 Autos von Sharenow in München sollte es sich lohnen, gar keine stationären Ladesäulen zu nutzen. Sondern die Autos mit einer mobilen Lademöglichkeit Gleichstrom im Kofferraum individuell anzufahren.
Carsten Erbguth
30.10.2020 um 15:40
Wenn ein anderer Anbieter keine ausreichende Anzahl von Ladestationen anbietet, sollte man selber (öffentliche) Ladestationen aufstellen. Das unterstützt nicht nur das eigene Geschäft, sondern führt auch zu höherer Akzeptanz.

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