21.10.2021 - 00:34

Q3: Tesla gelingt Spagat zwischen Wachstum und Profitabilität

Mehr ausgelieferte Fahrzeuge, mehr Umsatz, mehr Gewinn: Tesla hat im dritten Quartal 2021 seine Wachstumsambitionen demonstriert – ohne an Profitabilität einzubüßen. Außerdem platzieren die Kalifornier im aktuellen Geschäftsbericht eine interessante News: Die Standard-Range-Modelle stellt Tesla weltweit auf LFP-Batterien um.

Zunächst zu den aktuellen Geschäftszahlen: Tesla weist für Q3 2021 einen Gewinn von 1,62 Milliarden Dollar aus. Das ist noch einmal eine halbe Milliarde mehr als der bisherige Rekordwert von 1,14 Milliarden US-Dollar aus dem Vorquartal – und dieser galt bereits als markanter Gewinnsprung, bewegten sich Quartalsüberschüsse bei dem US-Elektroautobauer zuvor doch eher im niedrigen bis mittleren dreistelligen Millionenbereich.

Nun geht es also nochmals höher hinaus. Die relative Steigerung des Gewinns im Vergleich zum Q3 2020 – eine gerne herangezogene Jahr-zu-Jahr-Gegenüberstellung – beziffert Tesla auf 389 Prozent. Waren die schwarzen Zahlen sonst durchaus gänzlich oder teils dem Sachverhalt zu verdanken, dass sich Tesla als erfolgreicher Verkäufer von CO2-Zertifikaten in Höhe dreistelliger Millionen-Dollar-Beträge positionierte, verliert dieser Posten an Bedeutung. Die Verkäufe von Regulierungskrediten an andere Autobauer machen diesmal „nur“ 279 Millionen Dollar aus (in Q1 2021 waren es gut eine halbe Milliarde Dollar). Die operative Marge macht dagegen einen Satz von zuletzt 5,7 und 11,0 auf nun 14,6 Prozent. Damit übertreffe man die eigene mittelfristige Prognose einer „operativen Marge im unteren Zehnerbereich“, äußert Tesla.

In puncto Umsatz kennt die Kurve ebenfalls nur eine Richtung: die nach oben. Nach 10,39 Milliarden und 11,96 Milliarden Dollar in Q1 und Q2 dieses Jahres trieben die Kalifornier das Umsatzvolumen zwischen Juli und September auf 13,76 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Zuwachs um 57 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahresquartal. Heißt: Der Umsatz „springt“ zwar nicht, klettert aber kontinuierlich nach oben.

232.025 Model 3/Y im Q3 ausgeliefert

Tesla selbst bezeichnet steigende Fahrzeug-Auslieferungen und andere wachsende Geschäftsbereiche als maßgeblich für das Gewinn- und Umsatzplus. Die Volumenmodelle Model 3 und Model Y sind und bleiben dabei die Treiber des Wachstums: 228.882 Exemplare wurden im dritten Quartal gebaut, 232.025 an Kunden übergeben. Darunter seit August auch die ersten Model Y an europäische Käufer in Deutschland, den Niederlanden und Norwegen.

Die Premiummodelle X und S, die zuletzt wegen eines Refreshs eine lange Fertigungspause einlegen mussten und in Europa wohl noch weit bis ins nächste Jahr hinein auf sich warten lassen, spielen dagegen weiterhin nur eine marginale Rolle. Zwischen Juli und September wurden nur 8.941 Exemplare dieser Baureihen hergestellt und 9.275 ausgeliefert. Dabei dürfte es sich fast ausschließlich um Model-S-Fahrzeuge gehandelt haben, da die Auslieferungen des überarbeiteten Model X in den USA – wie nun von Tesla bestätigt – erst jetzt wieder begonnen haben. Alle Details zu den Q3-Produktions- und Auslieferungszahlen hatte das Unternehmen schon vor wenigen Wochen publik gemacht.

Ein Nebeneffekt der langen Produktionspause von Model S und Model X ist, dass der durchschnittliche Verkaufspreis pro Fahrzeug um sechs Prozent gegenüber dem Vorjahres-Vergleichszeitraum gefallen ist. Im zweiten Quartal 2021 lag dieser Wert noch bei zwei Prozent. Die wachsende Diskrepanz ist laut Tesla auf „die anhaltende Verschiebung zu Fahrzeugen im unteren Preissegment“ zurückzuführen. In der Gesamtbilanz wird dieser Effekt jedoch augenscheinlich durch das steigende Absatzvolumen und heruntergeschraubte Kosten übertüncht. Sonst läge die operative Marge nicht bei besagten 14,6 Prozent.

Tesla lässt unterdessen durchblicken, dass das Quartal ohne gewisse Einmaleffekte und externe Faktoren finanziell noch besser hätte laufen können. Konkret nennt das Unternehmen neben dem sinkenden durchschnittlichen Fahrzeug-Verkaufspreis zusätzliche Kosten für die Lieferkette, die vor allem dem Chip-Mangel geschuldet sein dürften, eine Bitcoin-bezogene Wertminderung in Höhe von 51 Millionen Dollar und eine fällige Prämie an CEO Elon Musk im Wert von 190 Millionen Dollar.

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INSYS

Zu der Auslastung seiner Werke nimmt Tesla wie folgt Stellung: In der Autofabrik in Fremont seien in den letzten vier Quartalen über 430.000 Fahrzeuge produziert worden. Also mehr als die Hälfte des Tesla-Outputs und auch „mehr als in jedem anderen Jahr“. Man sehe aber noch Raum für Verbesserungen, heißt es. Nicht umsonst wird im Geschäftsbericht für Fremont als Orientierungsmarke eine jährliche Produktionskapazität von bis zu 500.000 Model 3 und Model Y sowie 100.000 Model S und Model X ausgewiesen.

Die Gigafactory in Shanghai bezeichnet Tesla weiter als sein „wichtigstes Exportzentrum“. Von dort aus wird aktuell unter anderem die europäische Nachfrage bedient. Im Geschäftsbericht wird die Jahreskapazität in Shanghai mit 450.000+ Fahrzeugen angegeben. Wie viele Fahrzeuge dort tatsächlich gefertigt werden, gibt Tesla nicht an. In einem Bericht von Reuters hieß es jüngst, dass Tesla in China bis Ende September auf eine kumulierte Produktionszahl von 300.000 Fahrzeuge im laufenden Jahr gekommen sei. Offiziell bestätigt ist dies nicht.

Was die beiden im Bau befindlichen Werke in Texas und Brandenburg angeht, strebt Tesla weiterhin an, „die ersten Model Y noch vor Jahresende zu produzieren“. In Texas sei man dabei, die Anlagen in Betrieb zu nehmen und erste Vorserienfahrzeuge zu fertigen. Außerdem soll die Industrialisierung des Cybertrucks Fortschritte machen, der derzeit im Anschluss an das Model Y für die Produktion in Austin geplant ist.

Jahresziel von 750.000+ Auslieferungen nur noch Formsache

In Berlin-Brandenburg seien Tests der Ausrüstung in vollem Gange, meldet Tesla. Und: „Wir gehen davon aus, dass wir die endgültige Genehmigung noch in diesem Jahr erhalten“. Gerüchten zufolge soll die finale Genehmigung nach mehrfachen Verzögerungen in der Tat inzwischen in trockenen Tüchern sein.

Was weitere Ziele für das Jahr und darüber hinaus angeht, wiederholt Tesla im aktuellen Geschäftsbericht Formulierungen, die wir bereits aus den vorangegangenen Quartals-Dokumenten kennen. Über einen mehrjährigen Horizont will der Elektroautobauer demnach das Auslieferungsvolumen im Schnitt pro Jahr um 50 Prozent steigern. Legt man die knapp 500.000 Auslieferungen in 2020 zugrunde, rechnet Tesla also weiterhin im laufenden Jahr mit 750.000+ Auslieferungen. Wir halten fest: Nach Dreiviertel des Jahres stehen insgesamt 632.521 Auslieferungen zu Buche – womit die Mindestmarke von 750.000 Fahrzeugen am Jahresende nur noch Formsache ist.

Eine interessante Ankündigung macht Tesla unterdessen noch in Zusammenhang mit der Gigafabrik in Shanghai: „Unsere Standard-Range-Modelle stellen wir weltweit auf die Lithium-Eisen-Phosphat (LFP)-Batteriechemie um“, verkündet der Hersteller. Das Model 3 Standard Range verfügt bereits über einen Akku mit LFP-Zellen von CATL. Dass auch das Model Y Standard Range den analogen Akku erhält, galt bisher schon als wahrscheinlich, war aber nicht offiziell bestätigt. Im Rahmen des Battery Day im September 2020 hatte Tesla-CEO Elon Musk schon einmal angekündigt, verstärkt auf LFP-Batterien setzen zu wollen.

Während die Auslieferungen bei Tesla im Jahresvergleich um 73 Prozent gegenüber den ersten drei Quartalen 2020 zugelegt haben, ist das Supercharger-Netz langsamer gewachsen. Ende September verfügte Tesla laut dem Quartalsbericht über 3.254 Supercharger-Standorte weltweit (+49 Prozent), an denen an 29.281 Ladepunkten (+51 Prozent) geladen werden konnte. Damit verfügt jeder Supercharger im Schnitt über 8,99 Ladepunkte.

Die Solar-Sparte von Tesla konnte Anlagen mit einer Leistung von 83 MW installieren, was gegenüber dem Q3 2020 ein Plus von 46 Prozent ist – damals waren es 57 MW. An die Ergebnisse der drei Vorquartale kann das Q3 2021 aber nicht ganz anknüpfen, der Bestwert sind 92 MW installierte Leistung im ersten Quartal.

Dafür konnte das Geschäft mit den stationären Stromspeichern sein starkes zweites Quartal bestätigen. Damals sprang die installierte Kapazität von 445 MWh im Q1 auf 1.274 MWh. Im Q3 konnte Tesla Speicher mit einem Energiegehalt von 1.295 MWh aufbauen, 71 Prozent mehr als im Vorjahresquartal.
ir.tesla.com

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6 Kommentare zu “Q3: Tesla gelingt Spagat zwischen Wachstum und Profitabilität

  1. Peter

    Wahnsinn
    Wie soll das weitergehen
    Ich freu mich für Tesla und drück euch die Daumen

  2. Birne

    Es hat schon so seine Gründe, warum in Wolfsburg, München etc. Krisensitzungen stattfinden…

    Tesla wird ab Mitte 2022 erst richtig mit Auslieferungen etc. durchstarten… noch sind die bei 1-2% Marktanteil.

  3. Volkhard Ehlert

    Das zeigt mal wieder: Elon M. ist zielstrebig und zuverlässig!! Die stetige Kostensenkung wird mit der steigenden Produktion weitergehen, dadurch wird steigende Marge und Stückzahl den Gewinn weiter nach oben katapultieren. Marktanteilsgewinne macht er zusätzlich bei der allgemeinen Chipknappheit, die ihn nicht so stark trifft. Ich nehme sogar an, dass er dadurch die Marge trotz Preissenkungen steigern wird und der Aktienkurs bei fairer Bewertung schon 2025 bei 3500 liegen wird.

    • Paul Panowskius

      Der Aktienkurs ist schon jetzt alles andere als fair bewertet. Tesla ist soviel wert wie alle anderen Autobauer zusammen. Und da sehen Sie Potenzial für einen Kurs von 3500 Dollar? Viel Spaß. Zur Zuverlässigkeit des Elon Musk könnte ich die seit Jahren verzögerten Ankündigungen zum Semi, Cybertruck und Roadster anführen. Zudem seine mehr als vollmundigen Versprechen hinsichtlich Level 5. Auch das wollte Tesla doch schon 2019 serienreif haben mit 1 Million Robotaxs.

      • Alexander

        Ob der aktuelle Aktienkurs gerechtfertigt ist sei mal dahingestellt. Ich denke auch das da viel Hoffnung drin ist. Allerdings ist der Vergleich mit anderen Automobilherstellern eben, wie schon oft angemerkt, nicht zielführend. Tesla ist kein reiner Automobilhersteller. Tesla besitzt das größte Ladenetzwerk der Welt, produziert und vertreibt Solaranlagen sowie Heim und Industriespeicherlösung, entwickelt sich mittlerweile zu einem Energieanbieter und was die Fahrzeuge angeht hat eine sehr hohe Fertigungstiefe (die bei klassischen OEMs auf viele Zuliefer verteilt ist). D.h. den Aktienkurs müsste man dann zum Vergleich mit eben solchen Unternehmen in Summe durchführen.

      • Hans Herbert

        Es scheint sich doch um einzelne Personen zu handeln, die den Aktienkurs treiben oder senken, je nach dem, wie es ihnen gerade ist. Tesla wird irgend wann wieder Geld absahnen, das kann man bei ihrem Expansionstempo erwarten. Mich würde z.B. interessieren, ob man nachvollziehen kann, welchen Beitrag Elon Musk selbst zur Entwicklung des Aktienkurses liefert.

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21.10.2021 00:03