14.04.2022 - 09:28

Endet der Umweltbonus für PHEV bereits 2022?

Das Bundeswirtschaftsministerium will die staatlichen Zuschüsse für Plug-in-Hybride Medienberichten zufolge bereits zum Ende dieses Jahres komplett streichen – anders als im Koalitionsvertrag vorgesehen. Auch zur Förderung der Elektroautos ab 2023 gibt es nun erste Zahlen.

++ Dieser Beitrag wurde aktualisiert. Sie finden die neuen Infos ganz unten. ++

Zunächst hatte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) über ein Schreiben des Parlamentarischen Staatssekretärs im Bundeswirtschaftsministerium, Michael Kellner (Grüne), an Abgeordnete der Ampel-Koalition berichtet. Demnach soll die Förderung für Batterie-elektrische Autos ab dem 1. Januar 2023 bis zum vereinbarten Auslaufen im Jahr 2025 schrittweise gesenkt werden. Eine Verlängerung der PHEV-Förderung ist aber nicht geplant – damit wären die Plug-in-Hybride nur noch bis Jahresende förderfähig.

Später bestätigte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck selbst die Pläne. „Wir wollen bei der künftigen Förderung von E-Autos den Fokus schärfen und stärker auf Klimaschutz ausrichten“, sagte Habeck der Funke-Mediengruppe. „Plug-in-Hybride sind unserer Meinung nach marktgängig und brauchen keine öffentliche Förderung mehr.“

Für die PHEV-Kunden bedeutet das, dass ihr Fahrzeug noch in diesem Jahr geliefert und zugelassen werden muss, wenn sie die Förderung erhalten wollen. Der Zuschuss von bis zu 6.750 Euro für Plug-in-Hybride ist an das Zulassungsdatum gebunden. Da einige Hersteller aufgrund der Nachfrage und der Lieferschwierigkeiten eine Auslieferung 2022 nicht mehr garantieren können, haben sie mitunter Bestellstopps für ihre Plug-in-Hybride verhängt.

Vorschlag noch nicht innerhalb der Regierung abgestimmt

Ob es tatsächlich so kommt, ist aber noch offen: Bisher handelt es sich nur um einen Vorschlag aus dem BMWK. Diese sind aber noch nicht innerhalb der Koalition abgestimmt und sollen nun in die Ressortabstimmung innerhalb der Bundesregierung gegeben werden. Änderungen sind also noch möglich. Ende vergangenen Jahres hatte der neue Wirtschaftsminister Habeck die ursprünglich bis Ende 2021 befristete Regelung um ein Jahr verlängert – und bereits damals angekündigt, die Förderung für 2023 überarbeiten zu wollen.

Auch zu der künftigen Förderhöhe der BEV und FCEV gibt es nun konkrete Zahlen: Der Bundesanteil soll 2023 noch 4.000 Euro betragen, 2024 und 2025 dann nur noch 3.000 Euro. Über 2025 hinaus soll es gar keine Zuschüsse mehr für den Kauf von Elektroautos geben. Die Mindesthaltedauer der E-Fahrzeuge soll wie bereits im Februar durchgesickert von sechs auf zwölf Monate steigen.

Wie das BMWK mitteilt, ist auch eine Änderung der Förderung beim Leasing geplant. Bislang wurden Elektroautos entsprechend ihrer Laufzeit gefördert. Bei bis zu 11 Monaten gab es bis zu 1.500 Euro, bei 12 bis 23 Monaten 3.000 Euro und bei einer Laufzeit von über 23 Monaten bis zu 6.000 Euro. Mit der neuen Regelung soll ab 2023 die Förderung für Leasingfahrzeuge bei einer Laufzeit von unter 12 Monaten gestrichen werden. Für die Leasingdauer von 12 bis 23 Monaten soll es für 2023 2.000 Euro und für 2024 und 2025 noch 1.500 Euro geben. Bei einer Laufzeit von über 23 Monaten sollen es für 2023 4.000 Euro und für 2024 sowie 2025 3.000 Euro sein. Das Leasing von Plug-in-Hybriden würde analog zum Kauf nicht mehr gefördert werden.

Zudem soll mit der Umweltbonus-Reform wohl auch die Bemessungsgrundlage geändert werden. Bisher ist der Netto-Listenpreis des zugrundeliegenden Basismodells ausschlaggebend – Sonderausstattung wird also nicht hinzugerechnet. Künftig soll sich die Förderhöhe am Gesamtfahrzeugpreis (brutto) inklusive Sonderausstattung orientieren. Wenn der Förderdeckel – wie in den Berichten genannt wird – bei 65.000 Euro bleibt, aber künftig der Brutto-Gesamtpreis anstelle des Netto-Listenpreises zählt, käme das faktisch einer Absenkung der Obergrenze gleich.

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Im Ampel-Koalitionsvertrag hieß es noch, dass ab dem 1. Januar 2023 nur noch Fahrzeuge gefördert werden, die nachweislich einen positiven Klimaschutzeffekt haben. Gerade letzteres wurde bei den Plug-in-Hybriden immer wieder angezweifelt, da nicht belegt werden kann, wie viel wirklich rein elektrisch gefahren wird und wie oft der Verbrenner zum Einsatz kommt.

Daher war eigentlich erwartet worden, dass die PHEV-Förderung über eine elektrische Mindestreichweite und den rein elektrischen Fahranteil definiert wird – bei unserer Online-Konferenz „electrive.net LIVE“ im Januar hatte der VDA etwa das OBFCM (On-Board Fuel Consumption Monitoring) als mögliche Datenquelle ins Spiel gebracht – aber direkt auf praktische Probleme und fehlende gesetzliche Regelungen hingewiesen.

Das sieht man offenbar auch im Bundeswirtschaftsministerium so: „Eine Förderung von Plug-in-Hybridfahrzeugen in Abhängigkeit von der elektrischen Fahrleistung hätte zu unverhältnismäßig hohem Aufwand geführt und wurde deshalb verworfen“, wird aus dem Schreiben von Kellner zitiert.

Während die Zukunft des Umweltbonus mit dem Bekanntwerden der Pläne des Ministeriums nun etwas klarer wird, gibt es an anderer Stelle noch Fragen – der Umweltbonus ist schließlich nicht das einzige eMobility-Förderinstrument. Im Koalitionsvertrag hatten SPD, Grüne und FDP zum Beispiel auch vereinbart, dass auch die Dienstwagenbesteuerung angepasst werden soll. PHEV sollen nur noch dann „privilegiert“ werden (Stichwort 0,5 statt 1 Prozent), wenn sie zu mehr als 50 Prozent elektrisch fahren. Ist das nicht der Fall, greift die Regelbesteuerung von einem Prozent. Ob diese Maßnahme nun auch vom Tisch ist, bleibt vorerst unklar.

Update 18.04.2022: Das BMWK führt seine Pläne nun offiziell auf seiner Website auf. Die dort genannten Informationen stimmen mit den oben zitierten Berichten überein. So werden auch die Planungen für die neue Bemessungsgrundlage bestätigt: „Die bislang verwendeten unterschiedlich hohen Fördersätze für Fahrzeuge oberhalb und unterhalb einer bestimmten Preisschwelle entfallen. Künftig soll der der Gesamtfahrzeugpreis (GFP, brutto, inkl. Sonderausstattung) darüber entscheiden, ob ein Auto eine Förderung erhält oder nicht. Der Förderdeckel soll weiterhin bei 65.000 Euro liegen – allerdings GFP.“

Derzeit befindet sich der Entwurf des BMWK noch innerhalb der Regierung in der Ressortabstimmung. Diese soll laut dem Ministerium „zügig“ abgeschlossen werden. Danach muss die Regelung noch die beihilferechtliche Prüfung der EU-Kommission durchlaufen. „Inkrafttreten soll sie Mitte des Jahres. Änderungen im Laufe des Verfahrens sind noch möglich“, so das Ministerium.
spiegel.de, tagesschau.de, faz.net, heise.de, twitter.com (BMWK), bmwi.de (Update)

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18 Kommentare zu “Endet der Umweltbonus für PHEV bereits 2022?

  1. Birne

    Zum Glück !

    • Tobias

      Ich würde mich freuen, wenn alle Subventionen deutlich zurück gefahren werden. Da gibt es kein Argument diese für BEV in voller Höhe beizubehalten. Die Milliarden sorgen für kein einziges BEV mehr auf der Straße, da sowieso die Lieferzeiten ausschlaggebend sind.
      Und gefahren wird zum Großteil dann jetzt wieder mit Kohlestrom, der Ausbau der Erneuerbaren Energien ist in den letzten beiden Jahren zum erliegen gekommen und jetzt wird Gas wieder durch Kohlestrom ersetzt.
      Die Einspeisevergütung von PV-Anlagen ist inzwischen auf nur noch 6,5ct/kWh gefallen.

      Fehlgeleitete Milliarden!

      • TeslaJoe

        Frau Müller hat es immer noch nicht begriffen….und mit Ihr manche in der deutschen Autoindustrie.
        Hybrid Fahrzeuge bringen nichts und haben folgerichtig keine Zukunft.
        Ein Stop der Zuschüsse für “ Die Summe aller Nachteile “ wäre eine sehr gute Entscheidung der Politik.
        Mit elektrischen Grüßen Joe

  2. HAF

    Die Meldung ist klasse, es wird auch Zeit!
    Aber warum wird als Bild zum Artikel der LAdeport eines Skoda Enyaq (BEV) benutzt (inkl. DC Schnittstelle)?

    • Daniel Bönnighausen

      Ich habe das Bild getauscht. Die Auswahl fiel von mir zunächst darauf, weil es zwar beim Schwerpunkt um die PHEV geht, dann aber doch wieder um den Umweltbonus allgemein.

  3. Wilf

    Bei Lieferzeiten von über 1 Jahr bei fast allen Modellen scheint die Nachfrage größer als das Angebot. Folglich sollten alle Subventionen, auch die der BEV voll oder zumindest weitgehend gestrichen werden. Auf jeden Fall geht der Vorschlag in die richtige Richtung. Das sich ausgerechnet unsere „Marktwirtschaftler“ der FDP dagegen aussprechen, spricht Bände und könnte sicherlich bei passender Gelegenheit noch einmal gegen sie verwendet werden.

    • Theodor Hermann

      Die Nachfrage hat unmittelbar zu tun mit der Förderung, die noch unterstützt wird durch die Kfz-Steuerfreiheit und die Subvention privater Ladeeinrichtungen. Bei Wegfall der Förderung für PHEV und Reduzierung für BEV wird die Nachfrage sinken. Im Dienstwagenbereich wird die Nachfrage auch abhängig sein von der Versteuerung.

    • Tobias

      Volle Zustimmung.
      Verballerte Milliarden, die BEV-Förderung in vollem umfang beizubehalten bei langen Lieferzeiten.
      Das wäre jetzt der beste Zeitpunkt zu reduzieren. Denn in einer Phase, in der die Nachfrage hinter dem Angebot zurück bleibt kann man diese noch viel schlechter reduzieren. Aber dauerhafte Autokaufprämien waren noch nie eine gute Idee. Eigentlich waren diese überhaupt noch nie eine gute Idee, weil irgendwann entsteht dann das große Loch danach.

  4. Uwe

    Unzureichende Umweltorientierung:
    Warum keine Förderung nach Batterieleistung? Das ist der Hauptkostenhebel bei EAutos und definiert die umweltverträgliche Nutzbarkeit. Die Bruttokosten des Autos sind umweltpolitisch nicht relevant, gibt es doch ökologisch sinnvolle Zusatzausstattungen (Wärmepumpe) für die der Deckel vollkommen kontraproduktiv ist

    • Tobias

      Interessanter Gedanke.
      Aber wenn, dann wäre eine Fördeurung nach Reichweite sinnvoller, um auch der Effizienz Rechnung zu tragen.

    • eric

      Genau so sehe ich es auch. Die Änderung der Bemessungsgrundlage hat rein gar nichts mit der Umweltverträglichkeit zu tun. Außerdem ist man mit Extras bei der teuren Batterietechnik insbesondere bei deutschen Herstellern schnell bei über 65.000 Gesamtfahrzeugpreis.

  5. eMobilitätsberatung-Berlin K.D. Schmitz

    Ich denke auch, es ist mehr als nur eine lockere Überlegung von Herrn Habeck. Der Hammer wäre allerdings wenn diese Regelung Mitte des Jahres käme. M.E. unwahrscheinlich.
    Hier ein paar Zahlen aus dem Haushaltsentwurf.

    Im Ministerium gibt es viele Daten, hier die Daten im Entwurf für Haushalt 2022 zur Förderung eMobilität in aller Art (aus dem Energie- und Klimafond EKF):
    Weiterentwicklung Elektromobilität, Umweltbonus, Zuschüsse Busse/Nfz., Ladeinfrastruktur:
    5,226 Mrd. € (2022)
    3.908 Mrd. € (2023)
    3.613 Mrd. € (2024)
    3,330 Mrd. € (2025)
    Das ist wie gesagt ‚Entwurf‘ und kann sich wegen Ukrainekrieg etc. noch ändern. Die Haushaltsberatungen müssen ja noch stattfinden im Parlament und der Entwurf war von vor dem Ukrainekrieg.
    Es zeigt aber, dass eine Senkung der Förderungen schon länger geplant war.

  6. Alex S.

    Es wird Zeit dass keine weiteren Steuergelder in die Förderung der dreckigen Verbrenner der Reichen gesteckt wird

    • Tobias

      Populismus at it’s best.

      Wussten Sie dass bei den modernsten „dreckigen Dieseln“ die Feinstaub- & Stickoxid-Belastung am Auspuff geringer ist, als bei der angesaugten Luft in der Innenstadt?
      Die Luft wird damit sogar gereinigt – informieren Sie sich!

      Ein BEV kann die Luft lokal nicht reinigen – erzeugt nur Feinstaub.

      Ich will damit die Verbrenner nicht über die BEV stellen, aber solch undifferenzierte populistische Stammtisch-Parolen sind für mich unerträglich.

      • Nico

        Das mit der Reinigung der Luft durch moderne Diesel ist aber nur eine relative Aussage und stimmt nur, wenn die eingesaugte Luft vorher sehr schmutzig war (durch ältere Diesel). Das ist nur in stark belasteten Innenstädten der Fall. Wenn man z.B. durch die Fahrradstadt Münster fährt, würde der moderne Diesels die Luft ebenso verschmutzen statt zu Reinigen. Und wenn in ein paar Jahren der Anteil von alten Dieseln immer mehr abnimmt, zieht das Argument in den (dann nicht mehr stickigen) Innenstädten auch nicht mehr.

        Und ein BEV wird niemals mehr Feinstaub erzeugen als ein Verbrenner, sondern deutlich weniger. Reifenabrieb ist identisch und stattdessen der Abrieb der Bremsen aufgrund der Rekuperation nulll bzw. minimal.

      • Stefan

        Es gibt wahrscheinlich Fahrsituationen, wo die Abgasreinigung gut funktioniert und die gereinigte Luft sauberer sein kann, als die angesaugte Luft. Es gibt aber bei allen Verbrennern auch Fahrsituationen, wo mehr Abgase abgegeben werden als angesaugt wurden. Das vor allem wenn der Motor noch nicht warm ist und die Abgasreinigung nicht mit voller Leistung arbeitet – auch bei Plugin-Hybriden.
        Wo kommt denn die schlechte Luft her? Von Autos, LKWs und Öl/Gas/Kohle-Heizungen.
        Neben Feinstaub und Stickoxid erzeugen Verbrenner weitere Abgase, die sie nicht betrachten, vor allem CO2.
        Sie dürfen gerne einen Plugin-Hybriden kaufen. Aber muss er gefördert werden?

  7. Tobias

    Dass sich viele hier so über das Ende der PHEV-Förderung freuen ist schon typisch für diese sich stark abgrenzende Community.
    Alle anderen sind der Feind. Hohe Aggressivität.

    Es sei gesagt, dass dies für viele der einzig akzeptable Übergang zur Elektromobilität war. Der Schritt zum BEV wird damit für viele zu einer noch höheren Hürde. Also verstehe die Freude nicht ganz.

    Aus meiner Sicht wäre es sinnvoll gewesen die Fördergrenze einfach auf eine Reichweite von 100km zu legen, weil dadurch wirklich alle Alltagsfahrten elektrisch stattfinden.

    • Nico

      Es gibt nur leider keine (oder so gut wie keine?) PHEV mit 100 km E-Reichweite zu kaufen 😉
      Also was würde eine solche Förderung bringen?

      Und selbst wenn es sie gäbe, ist immer noch fraglich, ob die Fahrer ihr Auto auch Laden würden oder stattdessen nur mit Benzin fahren und trotzdem die Förderung abgreifen. Und dann wären solche Autos noch viel unweltschädlicher, wenn die noch größere Batterie nie genutzt wird und stattdessen der Benziner aufgrund des Mehrgewichts deutlich mehr verbraucht.
      Es bleibt dabei, dass der positive Klimaeffekt bei PHEV nur sehr schwer überprüft werden kann und ohne dies eine Förderung absolut kontraproduktiv ist. Wer ein PHEV gut nutzen kann, wird sich auch ohne Förderung eins kaufen, erst recht bei den aktuellen und kommenden Spritpreisen.

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Gefunden bei electrive.net
https://www.electrive.net/2022/04/14/endet-der-umweltbonus-fuer-phev-bereits-2022/
14.04.2022 09:08