16.08.2022 - 10:54

Zahlen im Vergleich: Elektrobusse mit Plus von fast 28 Prozent

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Im ersten Halbjahr 2022 sind europaweit insgesamt 4.452 Omnibusse mit alternativem Antrieb neu zugelassen worden, wie die Statistik von Chatrou CME Solutions zeigt. Die 1.768 neuen Elektrobusse des ersten Halbjahres 2022 stellen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Plus von 27,6 Prozent dar.

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Wim Chatrou recherchiert für sein Nachschlagewerk seit Jahren europaweit die Zulassungszahlen von Omnibussen. Europaweit heißt in diesem Zusammenhang: die EU-27-Staaten sowie Großbritannien, Island, Norwegen und die Schweiz. Für electrive.net präsentiert der Niederländer jetzt die Zahlen der ersten sechs Monate des Jahres 2022.

Auch wenn das Volumen der Stadtbusse im ersten Halbjahr 2022 mit -5,9 Prozent im Vergleich zu Q1 und Q2 im Jahr 2021 leicht rückläufig ist, sei es immer noch ein starker Markt, wie Chatrou erklärt. Die Zunahme im Bereich der Elektrobusse unterstreicht den Trend, der seit Jahren anhält.

64,5 Prozent aller Stadtbusse in Q1 und Q2 in den analysierten 26 Ländern haben inzwischen einen alternativen Antriebsstrang. In den Jahren zuvor waren es 59,4 (2021) und 52,5 (2020) Prozent, jeweils in Summe auf das gesamte Jahr bezogen. Legt man den Fokus auf emissionsfreie Busse und summiert Batterie-elektrische sowie Brennstoffzellen-betriebene, dann fällt auch hier ein Plus auf: BEV- und FCEV-Busse haben zusammen einen Anteil von 29,9 Prozent. In den Jahren zuvor waren es hingegen nur 22,8 Prozent (2021) und 15,1 Prozent (2020).

Hybridbusse sind deutlich im Minus

Während auf der einen Seite Zahlen steigen, fallen sie dementsprechend auf der anderen: Im Segment der Hybridbusse ist im ersten Halbjahr 2022 ein Rückgang zu erkennen, die durch die vermehrte Umstellung auf Elektrobusse (beispielsweise in Deutschland) oder auch auf CNG-Busse in Italien sowie Spanien zurückzuführen ist. So stehen den 1.578 Hybridbussen im Stadtbusbereich in Q1 und Q2 im Jahr 2021 im selben Zeitraum im Jahr 2022 nur noch 885 Fahrzeuge gegenüber. Bei den Elektrobussen sind es gegenüber dem Vorjahreszeitraum statt 1.385 (in Q1 und Q2 2020) in den beiden ersten Quartalen dieses Jahres schon 1.744 Fahrzeuge.

Ausgewogen sieht es nach wie vor bei den Stadtbussen mit Brennstoffzellen-Antrieb aus: Die insgesamt 52 Fahrzeuge der ersten sechs Monate des Jahres 2022 entsprechen ungefähr dem, was ein Jahr zuvor europaweit neu zugelassen wurde. Sie verteilen sich ziemlich ausgewogen auf die Anbieter Caetano, Solaris, Van Hool und Wrightbus. Aber warum sind es so wenig? Elektrobusse weisen im direkten Vergleich immer noch deutliche wirtschaftliche Vorteile auf, Brennstoffzellenbussen wird von Branchenkennern eine ergänzende Rolle auf schwer zu elektrifizierenden Strecken zugewiesen.

Wirklich spannend wird es beim Blick auf das Ranking der Hersteller: VDL holt sich die Spitzenposition, in Q1 und Q2 2022 wurden 242 Elektrobusse der Citea-Familie neu zugelassen – ein Marktanteil von 13,7 Prozent. Die Niederländer sind nicht nur im heimischen Markt stark vertreten, in dem 88 Elektrobusse neu zugelassen wurden. Auch in Norwegen ist VDL eine feste Größe, wie die 82 Citea mit Elektroantrieb zeigen. 45 Elektrobusse aus den Niederlanden kamen in Deutschland neu auf die Straße.

Die britisch-chinesische Kombination Alexander-Dennis & BYD kommt auf 221 Elektrobusse und 12,5 Prozent in Europa. Platz 3 geht an einen chinesischen Hersteller: Yutong kann 217 neue Elektrobusse und 12,3 Prozent für sich verbuchen. Mit 205 neuen eCitaro fährt Mercedes-Benz europaweit weiter vor, insgesamt 11,6 Prozent und damit den 4. Platz nimmt Daimler Buses damit ein. Mit etwas Abstand und 143 Elektrobussen oder 8,1 Prozent folgt Iveco. Interessant aus deutscher Sicht: MAN kommt auf 6,4 Prozent beziehungsweise 114 Elektrobusse und damit auf den 6. Platz.

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Solaris vermeldete vor Kurzem die Bestellung des 2.000. Elektrobusses. Die Batterie-elektrischen Fahrzeuge der Urbino-Baureihe sind nach Angaben des polnischen Herstellers, der unter das Dach der spanischen CAF-Gruppe gehört, in 140 Städten in 21 europäischen Ländern im Einsatz. In den ersten zwei Quartalen 2022 konnte Solaris 104 Elektrobusse neu zulassen und belegt damit den 7. Platz.

Anders sieht es aus, wenn man die Zahlen über mehrere Jahre hinweg vergleicht: Hier wird das Engagement von Solaris belohnt, denn die Polen setzten schon früh auf das Thema Elektromobilität: Im Zeitraum von 2012 bis zum zweiten Quartal 2022 belegt Solaris den ersten Platz. Mit 1.225 Elektrobussen und 11,9 Prozent Marktanteil liegt der polnische Fabrikant ganz knapp vor VDL aus den Niederlanden: Hier sind es 1.211 Elektrobusse oder 11,8 Prozent. Die chinesische Marke BYD kommt auf 11,6 Prozent oder 1.187 Elektrobusse.

Mit Blick auf die Zulassungen in den einzelnen Ländern Europas gibt es Neues zu berichten: Großbritannien hat in Q1 und Q2 2022 mit 350 Elektrobussen die meisten Neuzulassungen, ganze 19,8 Prozent. Deutschland liegt mit 246 neuen Elektrobussen oder 13,9 Prozent an zweiter Stelle, gefolgt von Frankreich mit 236 weiteren E-Bussen bzw. 13,3 Prozent. Bemerkenswert sei der Zuwachs in Dänemark, wie Wim Chatrou betont: 151 Neuzulassungen oder 8,5 Prozent bescheren den Dänen jetzt den 4. Platz.

Und auch hier lohnt der Blick auf den Zeitraum 2012 bis Q2 2022: Großbritannien kann von insgesamt 10.271 Elektrobussen 1.500 für sich verbuchen – in der Analyse wurden Fahrzeuge ab acht Tonnen Gewicht berücksichtigt. Auf Platz 2 liegt Deutschland mit insgesamt 1.474 Elektrobussen knapp vor den Niederlanden auf Platz 3 mit 1.412 Elektrobussen. Vor gut fünf Jahren haben die Niederländer den Trend hin zum Elektrobus erkannt und waren 2017 mit 122 neu zugelassenen Elektrobussen der Vorreiter. In diesem Jahr wurden in Europa insgesamt 358 neue Elektrobusse registriert.

Wie sieht es in Deutschland im Detail in den ersten zwei Quartalen des Jahres 2022 aus? Auch das weiß Wim Chatrou und gibt es für electrive.net preis: So richtig spannend ist es nicht, nach sechs Monaten bleibt es beim Ranking des Jahres 2021: Mercedes-Benz liegt mit 141 eCitaro an der Spitze der Neuzulassungen, gefolgt von VDL mit 45 Citea und MAN mit 28 Lion’s City E. Ob sich hier in den nächsten zwei Quartalen noch etwas verschieben wird? So viel ist sicher: Feste Bestellungen und damit eigentlich bekannte Zahlen für die Statistik stehen Lieferengpässe und Produktionsstörungen gegenüber. Wie das Rennen in Deutschland und Europa um die Plätze auf dem Siegertreppchen des Jahres 2022 ausgehen wird? Es bleibt im wahrsten Sinne spannend, nicht nur mit Blick auf die Elektrobusse.

Autor: Rüdiger Schreiber

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