Stromnetz Hamburg gibt Ladesäulen-Betrieb ab

Stromnetz Hamburg dankt zum Ende dieses Jahres als Ladepunktbetreiber in der Hansestadt ab. Die dortige Ladeinfrastruktur soll aber weiterhin über das IT-Backend des Unternehmens gesteuert werden. (Update am Artikelende)

Bild: Daniel Bönnighausen

Die Entscheidung, sich als Charge Point Operator (CPO) zurückzuziehen, teilt das Unternehmen auf LinkedIn mitteilt. Hintergrund ist, dass es laut der neuen Strombinnenmarktrichtlinie der Europäischen Union Stromnetzbetreibern ab 2024 verboten ist, Ladesäulen zu besitzen und zu betreiben. Die letzten Wochen will Stromnetz Hamburg nach eigenen Angaben für einen Endspurt nutzen und weitere Ladepunkte in der Stadt installieren. An wen die CPO-Rolle weitergegeben wird, präzisiert Stromnetz Hamburg übrigens nicht.

Aktuell werden 1.598 Ladepunkte in der Hansestadt von Stromnetz Hamburg verantwortet – darunter AC- ebenso wie DC-Lader. Mit dieser Anzahl gehört die Großstadt an der Elbe und Alster zu den Vorreitern in Deutschland. Stromnetz Hamburg betreibt das dortige Netz seit über einem Jahrzehnt. Erste Ladepunkte errichtete das Unternehmen 2009. Hamburg war grundsätzlich früh dran: Bereits 2014 verabschiedete der Senat der Stadt einen Masterplan öffentlich-zugängliche Ladeinfrastruktur. 

„Wir haben (…) das sogenannte Hamburger Modell geprägt, das insbesondere hinsichtlich der Diskriminierungsfreiheit, Nachhaltigkeit und Offenheit Vorbildcharakter hat. Hamburg wurde zu einem Best-Practice-Beispiel für Elektromobilität. 59,5 Megawatt Leistung sind hier heute installiert – damit liegen wir auf Platz 1 deutschlandweit!“, betont das Unternehmen.

Weiterhin aktiv in der Hansestadt wird Stromnetz Hamburg mit seinem IT-Backend sein. Darüber „bleiben wir mit der städtischen Ladeinfrastruktur eng verbunden“, heißt es in dem LinkedIn-Post. Mit eRound hat das Unternehmen bekanntlich ein eigenes IT-Backend für Elektromobilität ins Leben gerufen. Mitarbeiter Hannes Newe hat uns jüngst im Interview Details zu dem Backend erläutert. Hier geht es zum Video.

Update 06.11.2023: Neuer CPO in Hamburg wird laut Firmenwebsite die Hamburger Energiewerke Mobil GmbH (HEnW Mobil). Sie schreibt dort: „Wir sind Hamburgs neuer Ladenetzbetreiber: Als Charge Point Operator (CPO) betreibt die Hamburger Energiewerke Mobil GmbH ab 2024 die öffentliche Ladeinfrastruktur der Freien und Hansestadt Hamburg. Damit übernehmen wir nicht nur die Verantwortung für Wartung und Betrieb von über 1.600 aktiven Ladepunkten. Zudem leisten wir mit umfassenden Investitionen in den weiteren Ausbau einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Stadtentwicklung.“

Die HEnW Mobil befindet sich zu 100 % im Besitz der Freien und Hansestadt Hamburg. Da dies auch für Stromnetz Hamburg gilt, handelt es sich bei dem Schritt genau genommen um eine interne Verschiebung der Verantwortung, um die rechtlichen Vorgabe zu erfüllen.

linkedin.com, hamburger-energiewerke.de (Update)

8 Kommentare

zu „Stromnetz Hamburg gibt Ladesäulen-Betrieb ab“
Thorsten
03.11.2023 um 12:56
Hamburg mag zeitlich Vorreiter gewesen sein. Hamburgs Ladestationen sind aber auch gemeinhin dafür bekannt nicht zu funktionieren. Mag am Alter oder am Modell liegen. Bei meinen letzten beiden Besuchen in Hamburg musste ich auf neuere Stationen bei Lidl ausweichen.
ID.alist
03.11.2023 um 13:38
Ist das jetzt der Anfang einer Welle? Was ist mit den vielen anderen Stadtwerken die genau das gleiche damals gemacht haben wie Hamburg? Was ist mit EnBW? Und was ist mit Tesla, die eine Stromnetzbetreiberlizenz in Deutschland haben, glaube ich?
Max
03.11.2023 um 19:28
Stromnetz Hamburg ist der Verteilnetzbetreiber von Hamburg. Verteilnetzbetreiber haben eine gesetzlich geregelte Monopolstellung; wer in Hamburg Strom aus dem öffentlichen Verteilnetz beziehen will, muss also einen Vertrag mit Stromnetz Hamburg abschließen (analog gilt es für alle anderen Orte in Deutschland mit dem jeweiligen Stromnetzbetreiber). Als wettbewerblicher Pendent gibt es die Stromvertriebe, da kann man frei wählen und z. B. einen Stromliefervertrag mit den Stadtwerken München abschließen, auch wenn man in Hamburg wohnt. Kleine Stadtwerke sind nicht zum sog. Unbundling verpflichtet, können also in einer Gesellschaft Netzbetreiber und Vertrieb sein. Dann sollten sie auch die Säulen weiterhin problemlos betreiben dürfen. Die Regelung besagt, dass Stromnetzbetreiber wie die Stromnetz Hamburg nicht CPO sein dürfen. EnBW (die EnBW AG, nicht deren Tochterunternehmen Netze BW) und Tesla sind Stromvertriebe, also unkritisch. Also werden die Säulen in Hamburg sehr wahrscheinlich an die Hamburger Energiewerke mit ihrer Marke HamburgEnergie weitergegeben werden, quasi das Schwesterunternehmen der Stromnetz Hamburg. Viel ändern dürfte sich nichts.
SchlauesKäpsele
03.11.2023 um 20:10
Die haben keine Stromnetzbetreiberlizenz. Sowas gibt es nicht. Als Netzbetreiber brauchst du ein Konzessionsgebiet. Das vergibt eine Gemeinde. Ev. Meinst Du ein virtuelles Netzgebiet. Das aber auch nicht. Da gibt es aktuell nur ein oder zwei Modellversuche. Möglich ist das aber.
Sven
04.11.2023 um 05:58
Was bitte hat man sich unter einer diskriminierungsfreien Ladesäule vorzustellen?
Alex Arnoldt
04.11.2023 um 08:48
CPO-Nachfolger sind die Hamburger Energiewerke HEnW mobil (https://www.hamburger-energiewerke.de/henw-mobil).
Frank
06.11.2023 um 08:00
Die "Diskriminierungsfreiheit" bezieht sich in diesem Fall auf die Nutzung. Die Ladesäule wird als Infrastruktur zentral von einem Betreiber bereitgestellt und kann von allen EMP zu gleichen Konditionen und dessen eigenen Zugangsmedien und Kundenvertragsbedingungen genutzt werden. Es handelt sich nicht um eine Beistellung, da der CPO nicht auch EMP ist.Das ist so wie der Hausanschlusskasten im Haus, der kommt auch vom Netzbetreiber und der Kunde sucht sich seinen Stromlieferanten beliebig (oft) aus. Der Stromlieferant bezahlt in diesem Fall ein Nutzungsentgeld.Das wurde in Hamburg gemacht, um auch kleineren EMP ohne eigene Infrastruktur einen niederschwelligen Marktzutritt zu ermöglichen und die Stadt nicht mit einer Vielzahl von unterschiedlicher Ladesäulen von unterschiedlichen Betreibern vollzuballern.
eMobilitätsberatung-Berlin K.D. Schmitz
06.11.2023 um 11:48
Kleiner Vergleich zu Berlin. Nach eigenen Angaben arbeitet Berlin im Jahr 2023 am Masterplan. Auf die Frage von mir, anlässlich einer Live-Veranstaltung, ob das nicht ein wenig spät sei, wurde ich sehr böse angeschaut. "Hamburg war grundsätzlich früh dran: Bereits 2014 verabschiedete der Senat der Stadt einen Masterplan öffentlich-zugängliche Ladeinfrastruktur."

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